Also, die Putzfrau, sagte meine Mutter, und ein Hauch von Verachtung lag in ihrer Stimme. Ich schwieg. Nicht weil mir nichts einfiel, sondern weil ich diesmal beschlossen hatte, es einfach stehen zu lassen. Putzfrau, das ist eben Putzfrau.
Wenn ich ehrlich darüber nachdenke, was ich im Büro erledige: Ich spüle das Geschirr, reinige die Kaffeemaschine, achte darauf, dass im Pausenraum Zucker, Tee und die Teebeutel nicht herumliegen, und dass kein Müll stapelt sich. Böden wische ich nicht, Toiletten ebenso nicht. Doch ändert das etwas an der Grundsache?
Für meine Mutter ändert es nichts. In ihrem Bewusstsein ist die Verknüpfung fest verankert: Wer etwas säubert, ist eine Putzfrau. Punkt.
Offen gesagt, wäre ich ohne meine Zeit in der Schweiz wahrscheinlich immer noch von diesem inneren Pfui gegenüber dem Beruf geplagt ein unbewusstes, aber hartnäckiges Gefühl. Schon seit meiner Kindheit heißt es, das sei nicht prestigeträchtig, gebildete Menschen machen das nicht. Erst das Leben in einem anderen Umfeld begann, die Dinge zu sortieren.
Irgendwann erkannte ich: Ja, ich kann Putzfrau sein und gleichzeitig eine Person mit zwei Hochschulabschlüssen, einer Praxis, in der meine Beratungsstunde 130Euro einbringt. In der neuen Realität fehlt mir jedoch die Sprache, aber das Putzen verstehe ich das ist meine Brücke.
Ich erinnere mich, wie meine Mentorin, Frau Becker, zu mir sagte: Spür es das ist weiblich, das ist Erdung, das ist kein Grund zur Scham. Und plötzlich klickte es. Zu Hause schäme ich mich nicht, wenn ich Staub wische oder die Spülmaschine einstecke. Warum soll das außerhalb des Hauses plötzlich beschämend sein?
Das Erstaunlichste ist, wie hier damit umgegangen wird. In der Schweiz begrüßt der Chef die Putzfrau, erkundigt sich nach ihrem Befinden, setzt sich zum Mittagessen zu ihr, fragt nach ihrer Familie in der Ukraine und lobt die Sauberkeit der Küche. Und ich stehe da und denke: Das ist Respekt, ohne Bewertung.
Ich fühle mich nicht benachteiligt, sondern am Beginn eines neuen Weges. Das gibt mir Kraft und ein tiefes Gefühl inneren Stolzes. Denn ohne mich wer würde die saubere Tasse für Ihren Cappuccino bereitstellen?





