Du darfst bleiben, wenn du für alle kochst – grinste der Mann

“Du kannst bleiben, wenn du für alle kochst”, grinste der Mann.

“Schon wieder beschwert sich die Nachbarin über den Lärm”, brummte Viktor und warf die Schlüssel auf die Kommode. “Sie sagt, gestern lief die Musik bis halb zwölf.”

“Und das stimmt nicht?”, fragte Lena, ohne vom Magazin aufzublicken. “Deine Freunde haben bis zum Ende gebrüllt.”

“Na und? War doch Samstag. Ich habe das Recht, in meiner eigenen Wohnung zu entspannen.”

Lena schwieg. Mit ihrem Mann nach seiner gestrigen Sauferei zu streiten, war sinnlos. Sein Kopf musste brummen, und seine Laune war unerträglich.

“Übrigens kommen heute wieder ein paar Jungs vorbei”, fügte Viktor hinzu und ging ins Bad. “Wir schauen das Spiel.”

“Wie viele?”, fragte Lena müde.

“So fünf, sechs. Hab nicht genau gezählt.”

Sie klappte das Magazin zu und warf einen Blick auf die Uhr. Halb drei. In ein paar Stunden würde das Chaos also wieder losgehen. Geschrei, betrunkene Gespräche, Zigarettenqualm. Und morgen früh Berge von schmutzigem Geschirr und übervolle Aschenbecher.

“Viktor, können wir es heute mal ohne Gelage versuchen?”, wagte sie zu fragen. “Einfach nur Tee trinken?”

Er kam aus dem Bad, das Gesuch mit einem Handtuch abtrocknend.

“Bist du noch ganz bei Trost? Was ist ein Spiel ohne Snacks? Die Jungs kommen hungrig von der Arbeit.”

“Und wer kocht?”

Viktor sah sie an, als hätte sie etwas Offensichtliches gefragt.

“Wer kocht denn sonst? Du bist die Hausfrau.”

“Ich saß heute früh in der Klinik, war einkaufen, habe geputzt”, Lena spürte, wie die Wut in ihr hochkochte. “Ich bin müde, Viktor.”

“Dann ruh dich eine Stunde aus und mach dich dann ans Werk. Ich verlange ja nichts Kompliziertes. Wurst und Käse schneiden, Kartoffeln braten.”

Lena stand vom Sofa auf und ging in die Küche. Auf dem Tisch standen noch die Teller vom Mittagessen, in der Spüle türmten sich schmutzige Töpfe. Und jetzt sollte sie das alles wegräumen und noch einen Tisch für seine Kumpel decken.

“Können wir nicht was bestellen?”, schlug sie aus der Küche vor. “Pizza oder Grillfleisch.”

“Mit welchem Geld?”, rief Viktor zurück. “Glaubst du, Geld wächst auf Bäumen? Selbst kochen ist billiger und schmeckt besser.”

Lena begann, das Geschirr zu spülen, jede Teller mit mehr Druck als nötig schruppend. Dreiundzwanzig Jahre Ehe, und nicht einmal hatte er gefragt, ob sie sich ausruhen oder selbst einen Abend mit Freundinnen verbringen wollte.

Als sie Viktor heiratete, schien er ihr ein echter Mann ernst, fleißig, kaum ein Trinker. Vor allem aber hatte er versprochen, sie zu beschützen und nie im Stich zu lassen.

Die ersten Jahre war es auch so. Viktor arbeitete auf dem Bau, kam müde, aber zufrieden nach Hause. Lena jobbte in der Bibliothek, kochte, putzte, wusch. Sie lebten bescheiden, aber harmonisch.

Doch dann wurde er Vorarbeiter. Mehr Gehalt, neue Bekanntschaften und neue Gewohnheiten. Erst blieb er länger auf der Arbeit, dann brachte er Kollegen mit. Zunächst selten, dann immer öfter.

“Lena, wo ist der Wodka?”, rief er aus dem Wohnzimmer.

“Im Schrank, oberstes Fach.”

“Da ist nur noch eine Flasche. Zu wenig.”

“Dann geh und kauf noch welche.”

“Keine Zeit. Mach du das, wenn du schon kochst.”

Lena stellte einen Teller ins Abtropfbrett und seufzte tief. Wieder sollte sie losrennen, das Haushaltsgeld für Alkohol ausgeben.

“Können wir nicht ohne Schnaps auskommen?”, versuchte sie es noch einmal. “Ein paar Bier reichen doch.”

“Was fällt dir ein!”, empörte sich Viktor und betrat die Küche. “Bier? Das ist ein entscheidendes Spiel, die Jungs haben extra freigemacht. Ich kann sie doch nicht mit Bier abspeisen.”

Er legte ihr die Hände auf die Schultern.

“Warum machst du so ein Drama? Nur ein Abend. Morgen kannst du dich ausruhen.”

“Jedes Wochenende ist es ‘nur ein Abend'”, sagte sie leise. “Mal ein Spiel, mal ein Geburtstag, mal einfach so.”

“Die Männer rackern sich ab, da müssen sie sich auch mal locker machen. Das verstehst du doch.”

“Und ich arbeite nicht?”

Viktor ließ sie los und trat zurück.

“Ach, nennst du die Bibliothek Arbeit? Bücher hin und herschieben. Das ist kein Job, das ist Erholung.”

Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken. Immer sprach er so über ihren Beruf abfällig, als wäre es Zeitverschwendung.

“Meinst du das ernst? Meine Arbeit ist Erholung?”

“Na klar. Du sitzt in Ruhe, unterhältst dich mit gebildeten Leuten. Ich dagegen stehe den ganzen Tag auf der Baustelle, mit groben Kerlen.”

Lena schwieg. Diskutieren war zwecklos. Viktor verstand nie, dass auch Menschenarbeit anstrengend war dass sie täglich Dutzende Probleme löste, Lesern half, Kurse für Kinder leitete.

“Gut”, sagte sie schließlich. “Wie viele kommen genau?”

“Wie gesagt fünf, sechs. Weiß nicht genau, wer vorbeischaut.”

“Und wann?”

“Das Spiel beginnt um sechs. Also so gegen halb sechs.”

Lena blickte auf die Uhr. Drei Uhr nachmittags. Wenn sie den Tisch ordentlich decken wollte, blieb kaum Zeit.

“Dann gib mir Geld für die Einkäufe. Und sag, was ich holen soll.”

Viktor griff in die Jeans und zog einen zerknitterten Zwanziger hervor.

“Reicht das?”

“Für sechs Personen? Kaum.”

“Dann nimm halt was aus der Tiefkühltruhe. Da liegt doch genug.”

Lena nahm das Geld und ging, sich anzuziehen. In der Tiefkühltruhe lag zwar Fleisch, aber das war für die ganze Woche gedacht. Und morgen musste sie wieder kochen.

Der Supermarkt war zehn Minuten entfernt. Langsam ging sie, über ihr Leben nachdenkend. Wann war sie zur Dienstmagd im eigenen Haus geworden? Wann hatte sie aufgehört, Ehefrau zu sein, und war nur noch Köchin und Putzfrau?

An der Kasse fehlte Geld.

“Streichen Sie die Chips”, bat sie die Kassiererin.

Dann auch noch die Nüsse. Zwanzig Euro reichten gerade so für das Nötigste.

Zuhause lag Viktor auf dem Sofa und glotzte Fernsehen.

“Fix gewesen”, lobte er. “Was hast du geholt?”

Schweigend packte Lena die Tüten aus. Die Zeit drängte, die Arbeit war viel.

Zuerst schälte sie Kartoffeln und warf sie in die Pfanne. Dann schnitt sie Wurst und Käse, richtete es an. Als Nächstes der Salat Gemüse schnippeln, Mayo drüber.

“Gibts was Warmes?”, fragte Viktor, in die Küche lugend.

“Was willst du denn?”

“Keine Ahnung. Frikadellen oder Schnitzel. Die Jungs kommen hungrig.”

Lena sah auf die Uhr. Halb fünf. Wenn sie jetzt noch Fleisch machte, würde es knapp.

“Okay. Aber dann hilf mir den Tisch decken.”

“Keine Zeit”, winkte er ab. “Ich muss noch duschen, mich fertig machen. Die Jungs kommen, und ich steh da wie ein Penner.”

Lena holte Fleisch aus dem Tiefkühler und machte sich an den Hack. Die Hände schmerzten, aber sie hetzte. Um halb sechs würden die Gäste kommen, und bisher gab es nur Aufschnitt.

Tatsächlich ging Viktor duschen. Sie hör

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Du darfst bleiben, wenn du für alle kochst – grinste der Mann
Omas Geheimnisvoller Kleiderschrank