Meine Schwester hat mich aus dem Haus geworfen und die Schlösser ausgetauscht

**Tagebucheintrag Eine Schwester, die mich rauswarf**

*”Hannelore, Schatz, wann entscheidest du dich endlich?”* Mit nervösen Fingern zupfte Marlene an der Tischdecke, während sie in der Küche saß. *”Die Makler haben schon dreimal diese Woche angerufen. Die Käufer sind ernsthaft und haben Bargeld.”*

Hannelore rührte schweigend den Zucker in ihrer Tasse, ohne aufzublicken. Der Klang des Teelöffels gegen das Glas klang monoton, beinahe provozierend.

*”Hörst du mir überhaupt zu?”* Marlenes Stimme wurde schärfer. *”Oder tust du wieder so, als ginge dich das nichts an?”*

*”Es geht mich an”,* antwortete Hannelore leise. *”Sehr sogar. Aber die Entscheidung liegt bei dir, nicht bei mir.”*

Marlene seufzte und rieb sich die Schläfen. Seit der Scheidung von ihrem Mann war ihr Leben auf den Kopf gestellt. Die Alimente kamen unregelmäßig, sie musste zwei Jobs arbeiten, und dann hatte ihre Mutter ihnen noch die alte Wohnung in Berlin-Mitte hinterlassen eine für beide Schwestern.

*”Verstehst du das nicht, Hanni? Ich brauche dringend Geld. Der Autokredit, Timo geht auf die Uni, Nachhilfelehrer… Und was schlägst du vor? Ewig in dieser alten Bude hocken bis zur Rente?”*

Hannelore hob endlich den Blick. In ihren Augen lag eine Müdigkeit, so tief, dass Marlene zusammenzuckte.

*”Und wo soll ich hin, Marlene? Du hast wenigstens einen Job, ein Gehalt. Ich wurde vor einem halben Jahr gekündigt. Versuch mal, mit fünfundvierzig noch was Anständiges zu finden.”*

*”Dann such halt! Hock nicht rum wie ein nasses Handtuch!”* Marlene platzte der Kragen. *”Mutter hat uns beide gleich geliebt, die Wohnung gehört uns beiden. Wir verkaufen, teilen das Geld, und jede macht ihr Ding.”*

Hannelore stand auf und trat ans Fenster. Der Hof, den sie seit Kindertagen kannte, der kleine Park, in dem sie Himmel und Hölle gespielt hatten, die alte Bank, auf der ihre Mutter abends immer gesessen hatte…

*”Weißt du noch”,* sagte sie leise, *”wie Mutter im Krankenhaus lag, kurz bevor sie starb? Sie hielt meine Hand und sagte: Hannelore, du bist mein Häuschen, du brauchst die Wohnung mehr. Marlene ist stark, die kommt überall durch, aber du…”*

*”Das waren die Medikamente!”* unterbrach Marlene schroff. *”Morphium wirkt aufs Gehirn, weißt du. Sie hat kein Testament hinterlassen, alles wird gerecht geteilt.”*

*”Ich weiß. Deshalb sage ich ja nichts”,* erwiderte Hannelore müde.

Marlene betrachtete ihre Schwester und spürte, wie die Wut in ihr hochkochte. Immer war es so gewesen Hannelore still und fügsam, während alle Probleme auf ihren, Marlenes Schultern lasteten. In der Schule wurde Hannelore gemobbt, Marlene sprang ein. Als sie nicht an der Uni angenommen wurde, besorgte Marlene ihr über Kontakte einen Job. Und als die Ehe schiefging, heulte Hannelore wieder bei ihr rum.

*”Gut”,* sagte Marlene scharf. *”Ich gebe dir einen Monat. Findest du einen Job, mietest dir was gut. Wenn nicht, verkaufen wir. Ich kann nicht länger warten.”*

Hannelore nickte, ohne sich umzudrehen.

Der Monat verging schnell. Hannelore lief zu Vorstellungsgesprächen, antwortete auf Anzeigen, aber überall wollte man junge, dynamische Leute mit Computerkenntnissen. Ihre Erfahrung war veraltet zwanzig Jahre in einem Planungsbüro, das längst geschlossen war.

*”Na und?”* fragte Marlene, kaum dass sie die Wohnung betrat.

*”Bisher nichts”,* seufzte Hannelore. *”Aber morgen gehe ich in die Bibliothek, da wird jemand gebraucht…”*

*”Genug!”* Marlene schlug mit der Hand auf den Tisch. *”Morgen unterschreiben wir den Kaufvertrag. Die Käufer haben schon eine Anzahlung gemacht.”*

Hannelore wurde blass.

*”Marlene, bitte, warte noch ein bisschen. Vielleicht findet sich…”*

*”Nein! Es ist entschieden!”* Marlene zog die Papiere aus ihrer Tasche. *”Hier sind die Dokumente, morgen um zehn beim Notar. Und wage es nicht, nicht zu kommen ohne deine Unterschrift klappt nichts.”*

In dieser Nacht schlief Hannelore nicht. Sie lief durch die Wohnung, berührte vertraute Dinge, betrachtete die Fotos ihrer Mutter. Hier war ihr ganzes Leben vergangen, jeder Winkel war ihr vertraut. Und morgen…

Am Morgen ging Marlene zur Arbeit und warf nur hin: *”Um neun bin ich da, wir fahren zusammen.”*

Hannelore saß in der Küche mit einer Tasse kalten Tees, als es an der Tür klingelte. Vor ihr stand Nachbarin Frau Schneider.

*”Hannelore, mein Kind”,* sagte die alte Dame, *”was macht Marlene da mit den Schlössern? Ein Schlosser war gerade hier, hat neue eingebaut. Sagt, die Eigentümerin hätte es angeordnet.”*

Hannelores Herz machte einen Sprung. Sie stürzte zur Tür, probierte ihren Schlüssel passte nicht. Das neue Schloss glänzte spöttisch.

Marlenes Telefon antwortete nicht. Hannelore wählte die Nummer immer wieder, hörte nur das Freizeichen.

*”Frau Schneider”,* bat sie mit zitternder Stimme, *”kann ich Ihr Telefon benutzen? Vielleicht gehts von der Festnetznummer.”*

*”Natürlich, mein Kind.”*

Marlene hob beim dritten Klingeln ab. *”Ja?”* Ihre Stimme war sachlich, kalt.

*”Marlene, ich bins. Was ist mit den Schlössern?”*

*”Ach, Hanni. Ja, ich hab sie ausgetauscht. Du lebst in meiner Wohnung, verstehst du? Meiner! Und wenn das so ist, entscheide ich, wer hier rein darf.”*

*”Wie deiner? Sie gehört uns beiden!”*

*”Gehörte uns. Jetzt ist sie meins. Der Vertrag ist schon unterschrieben ich habe deine Unterschrift gefälscht. Unsere Handschriften sind ähnlich, erinnerst du dich, wie du in der Schule meine Arbeiten geschrieben hast?”*

Hannelore war, als würde der Boden unter ihr weggezogen.

*”Du… das kannst du nicht machen! Das ist Betrug! Ich gehe vor Gericht!”*

*”Tu das”,* erwiderte Marlene gleichgültig. *”Aber du wirst nichts beweisen können. Der Notar ist ein Bekannter, der Käufer auch. Und du warst nicht da, keine Zeugen. Wer glaubt schon, dass ich die Unterschrift meiner Schwester fälsche?”*

*”Aber wie kannst du nur, Marlene? Wir sind Schwestern! Dasselbe Blut!”*

*”Eben deshalb habe ich dich so lange ertragen. Jetzt ist Schluss. Ich brauche Geld, keine Heulsuse am Hals.”*

*”Wo soll ich denn wohnen? Wohin soll ich gehen?”*

*”Keine Ahnung. Wirst schon was finden. Du bist erwachsen.”*

Die Leitung verstummte. Hannelore stand in einem fremden Flur und konnte es nicht fassen. Frau Schneider legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter.

*”Kindchen, was ist passiert?”*

Hannelore erzählte unter Schluchzen. Frau Schneider schüttelte den Kopf.

*”Mein Gott, was ist nur aus den Menschen geworden… Die eigene Schwester vor die Tür setzen… Nun, Hannelore, du kannst erstmal bei mir schlafen. Dann sehen wir weiter.”*

Drei Tage blieb Hannelore bei der Nachbarin. Marlene rief nicht an, fragte nicht, wie es ihrer Schwester ging. Als existierte sie nicht mehr.

Am vierten Tag kam Frau Schneider strahlend

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Homy
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Meine Schwester hat mich aus dem Haus geworfen und die Schlösser ausgetauscht
Das Geheimnis, das das Kleid verbirgt