Entspannen bei meiner Tochter

Einfach bei der Tochter ausruhen

Ich sitze in unserer Küche in Köln und rühre nachdenklich in einem Topf Gemüsebrühe. Immer wieder geht mir derselbe Gedanke durch den Kopf: Manchmal würde ich auch gern einfach mal nichts tun und entspannen.

Unsere Tochter Lieschen kommt jedes Wochenende zu Besuch und schafft es immer, ein wenig auszuruhen, während ich, wie ein Uhrwerk, am Herd stehe und für die ganze Familie koche.

Am Tag vor dem Wochenende, wenn Lieschen, ihr Mann Viktor und die Enkelkinder anreisen, putze ich die Wohnung besonders gründlich. Es wird Besuch geben. Mein Mann Andreas kommt spät von der Arbeit nach Hause, ebenfalls erschöpft, also liegen alle Hausarbeiten bei mir.

Manchmal, wenn mir zu langweilig wird, rufe ich zwischen der Woche Lieschen an, nur um ihre Stimme zu hören, oder um um Rat zu fragen. Es ärgert mich ein wenig, dass sie fast immer beschäftigt ist.

Sie hat ja einen wichtigen Job, ist ständig im Stress, deshalb sagt sie mir oft gereizt, ich solle sie nicht während der Arbeit anrufen.

Mama, was willst du denn wieder? Wir haben ja keine Zeit für Privatgespräche. Hast du etwas Dringendes? Schreib mir lieber, ich habe doch gesagt, nicht anrufen!

Aber Schreiben fühlt sich nicht gleich befriedigend an, wenn ich nur ihre Stimme hören möchte

Eines Tages merke ich, dass ich nie ein Wochenende habe, an dem ich einfach nichts mache. Auch ich möchte mal von allem abschalten. Andreas hilft mir natürlich, wir erledigen vieles zusammen, doch manchmal sehne ich mich danach, ein Mittagessen zu essen, das jemand anderes zubereitet hat. Jetzt, wo ich im Ruhestand bin, also im verdienten Ruhestand, bin ich trotzdem ständig mit Aufgaben beschäftigt, und sie scheinen kein Ende zu nehmen.

Wir sollten sie besuchen, überlege ich, und nach Rücksprache mit Andreas beschließen wir, an den Feiertagen zu Lieschen zu fahren.

Lieschen scheint sich darüber zu freuen.

Doch die Tochter, die an meine ständige Fürsorge gewöhnt ist, ist überrascht, dass wir zunächst mit den Enkeln alles besprechen und dann einfach nur vor dem Fernseher ein Konzert anschauen wollen.

Lieschen hatte nämlich mit einem traditionellen Festtagstisch, mit meinen Kuchen und Salaten gerechnet. Stattdessen erklären Andreas und ich:

Wir sind so müde, wie schön, dass wir zu euch kommen.

Überrascht ist Lieschen zunächst enttäuscht, ihr Gesicht zeigt Unmut wie konnte ihre Mutter sie im Stich lassen?

Ich sehe, wie meine Augen trüben werden, und begreife, was passiert ist.

Und so ruhte ich bei der Tochter!

Was soll ich machen, ich bin es gewohnt, meine Lieben zu verwöhnen, und mein Herz kann das nicht mehr ertragen, ich habe keine Lust mehr zu faulenzen. Ich bin kein Jungspund, ich gehöre zur alten Schule, aus der DDRZeit, wo man sagt: Wenn es sein muss, dann muss es sein.

Ich seufze schwer.

Lieschen arbeitet viel, Viktor auch, und Andreas, trotz seines Alters, ist immer noch aktiv.

Ich lächle allen zu und gehe in die Küche, um das Festtagsmittagessen vorzubereiten.

Kurz darauf folgt meine Tochter, sie will mir noch sagen, wie sehr ich sie im Stich gelassen habe.

Lieschen öffnet die Tür ein Stück und sieht mich von der Seite.

Nicht mehr die stets lachende, immer hilfsbereite Frau, sondern eine traurige, ungewohnte, nicht mehr junge Gestalt, weil das Lächeln fehlt.

Ihr Gesicht wirkt plötzlich resigniert, sie weiß nicht, dass sie angesehen wird, und lächelt nicht mehr.

Doch meine Mama ist nicht mehr die junge.

Liesches Herz zieht sich zusammen, sie dachte, Mama sei immer noch jung, und plötzlich

Sie tritt zu mir, umarmt mich, küsst mich und erklärt sich:

Mama, ich wollte ein neues Gericht ausprobieren, bin aber etwas ins Straucheln geraten und hatte gehofft, du würdest mir helfen. Wenn du nicht willst, ist das sogar besser dann gibt es eine Überraschung für alle, auch für dich. Und ich habe dir Kosmetik gekauft, eine teure Gesichts und Handcreme und noch vieles mehr. Nach dem Essen plaudern wir noch und ich zeige dir alles. Jetzt schau weiter das Konzert, Mama

Lieschen schenkt mir die teure Kosmetik, die sie selbst erworben hat.

Plötzlich überkommt sie ein kindliches Unbehagen. Die Zeit vergeht, meine Mama wird älter, und wir reden kaum noch. Was, wenn sie eines Tages nicht mehr da ist? Wie soll ich ohne sie leben?

Gleichzeitig erinnern sie mich an meine Kindheit, Jugend, an die Zeit, als ich heiratete und gerade Mutter geworden war. Dann fand meine Mutter immer Zeit für mich, meine Sorgen waren für sie das Wichtigste. Sie nahm nachts das Telefon ab, wenn ich anrief, auch wenn sie am nächsten Morgen zur Arbeit musste.

Ich lächle gerührt, als ich Lieschens Worte höre, und all die alten Verletzungen schwinden, meine Kräfte kehren zurück.

Jetzt, wenn wir uns treffen, legt Lieschen mir keine Last mehr auf die Schultern, wir erledigen alles gemeinsam, und wir können auch über das Leben reden.

Und jetzt ruft sie mich in der Mittagspause an, sagt, sie vermisst meine Stimme.

Sie findet immer Zeit für mich, kümmert sich um mich, und hofft, dass nicht allzu lange der Tag kommt, an dem ich anrufen möchte, aber niemanden mehr habe, der ans Telefon geht.

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Homy
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Entspannen bei meiner Tochter
Ei, wo gehst du hin? – Fragete sie aus der Küche