Katrin steht im Morgengrauen auf ihrem kleinen Berliner Altbau, während draußen die ersten Raben über den Dächern kreisen. Ihr ExEhemann, der gut aussehende Johann, hatte ihr die Ehe vor Monaten gekündigt, doch sie nahm es gelassen. Besser als ein kostenloser Liebesbrief, der nie ankommt, murmelt sie zu sich, während sie die Tasse Schwarzkaffee ansetzt.
Maren, ihre beste Freundin, schleicht sich mit müden Augen in die Küche. Wie kann man denn alleine sein, Katrin? Der Mann ist kein Einzelstück, und die Frau braucht immer jemanden, an den sie sich anlehnen kann. Sonst bleibt das Leben doch nur halb so voll, sagt sie lachend, während sie die schmutzigen Teller vom Vorabend wegräumt.
Alleinsein ist doch nur ein Vorwand, wirft Katrin spöttisch zurück, ihr Blick schweift zum Fenster, wo die Sonne über dem Schlesischen Viertel aufsteigt. Manchmal fühlt es sich an, als würde man im Nebel stolpern, während alle anderen schon ihr Ziel erreicht haben.
Aber wo denn?, fragt Maren neugierig. In Brandenburg, auf dem Hof meiner Eltern, antwortet Katrin. Da gibt es Kühe, Ziegen, Schweine und Hühner das wahre Leben, das du suchst. Ihre Stimme klingt fast wie ein alter Spruch, den man an einem kalten Winterabend hört.
Katrin ist seit zehn Jahren im Berufsleben. Ihr ehemaliger Chef, ein gutmütiger Herr aus Köln, hat ihr vor einem Jahrzehnt die Chance gegeben, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie hat die erste Chance ergriffen, das eigene Unternehmen gegründet ein kleines, aber feines BioCafé, das jetzt in der Alexanderstraße läuft. Dort empfängt sie täglich Gäste, darunter auch Maren, die oft mit ihrem Sohn Felix vorbeischaut.
Ihr ExMann hat sich nach der Scheidung auf dem Land niedergelassen. Er hat das alte Bauernhaus seiner Familie behalten, das er mit seiner zweiten Frau und den beiden Kindern dem Sohn, der jetzt in München als Ingenieur arbeitet, und der Tochter, die in Hamburg ein Praktikum bei einer Anwaltskanzlei macht teilt. Katrin lebt nun allein in ihrer bescheidenen, aber gemütlichen Zweizimmerwohnung im Herzen Berlins.
Der Alltag läuft fast wie am Schnürchen. Sie arbeitet in ihrem Café, verdient genug Euro, um die Miete, die Stromrechnung und das wöchentliche Essen zu decken. Ihr Einkommen reicht, um in die Altersvorsorge zu investieren, und das gibt ihr ein beruhigendes Gefühl von Sicherheit. Neben dem Beruf liest sie viel, schwimmt im Stadtbad, macht Yoga und liebt es zu reisen meist mit dem Zug durch die malerischen Landschaften Deutschlands. Manchmal besucht sie das nahegelegene Ostseebad, um frische Luft zu schnappen.
Maren hat ihr ein Angebot gemacht: Du hast einen netten, verantwortungsbewussten Mann kennengelernt, nicht? Er ist zwar erst 61, aber er hat ein großes Herz, bewirtschaftet einen gut erhaltenen Hof mit Kühen, Ziegen, Schweinen und Hühnern. Er bietet dir ein Haus, ein Stück Land und ein ruhiges Leben. Katrin nickt, aber sie bleibt skeptisch.
Guter Wein, frische Milch, Eier und etwas Fleisch das ist ein gesunder Lebensstil, fügt Maren hinzu. Und der Mann ist gebildet, humorvoll und redet gern über Literatur. Katrin überlegt, doch ihr Herz schlägt noch immer für die Stadt.
Eines Morgens, während sie den Kaffee trinkt, ruft sie Maren an und sagt: Ich werde Johanns Angebot ablehnen. Ich will nicht zurück zu einem landwirtschaftlichen Leben, das nicht zu mir passt. Maren hört zu und versteht, dass Katrin ihr Alleinsein akzeptiert, um ihre eigene Freiheit zu bewahren.
Der Tag vergeht, und Katrin macht sich ein leckeres Frühstück, wirft einen Blick auf die Nachrichten, prüft das Kontostand und plant das nächste Meeting mit einem potenziellen Investor. Sie schaut aus dem Fenster, wo die Sonne über dem Berliner Tiergarten aufgeht, und genießt den Moment. Das Leben ist voll von Möglichkeiten, und sie weiß, dass sie den Weg selbst wählt ob in der Stadt oder auf dem Land, solange ihr Herz glücklich ist.





