Eine achtzigjährige alte Dame mit blauem Haar sitzt beim Notar und wippt mit den Füßen.
Worum geht es? fragt der Notar.
Um mein Testament, antworte ich.
In Ordnung, sagt er.
Ich lehne mich auf dem Stuhl zurück, mache es mir bequem und diktiere.
Nach meinem Tod bitte ich, mein Gehirn dem MaxPlanckInstitut für Neurowissenschaften zu übergeben. Sollte das Institut nicht übernehmen wollen, soll es von Frau Klara Petri stammen. Alle meine Katzen, die ich zum Zeitpunkt meines Todes noch habe, sollen an meine Freundinnen und Freunde gehen. Bleiben keine Freundinnen und Freunde mehr übrig, gehen die Katzen an meinen Sohn. Alle Bücher, die niemand braucht, geben Sie bitte in die Stadtbibliothek. Ich empfehle jedoch, wenigstens ein Blatt darin umzublättern. Vor drei Jahren vergaß ich, in welches Buch ich das Geld gelegt habe.
Ich vermache meinem Sohn, meine Asche auf dem Gipfel der Zugspitze zu verstreuen.
Der Notar stockt.
Entschuldigung, wo?
Auf der Zugspitze, auf der Zugspitze.
Aber das ist doch so weit weg! Warum das Ganze?
Schwierigkeiten sind meine Arbeit von fünf bis zwei mit einer Mittagspause. Er fährt nie mehr irgendwo hin, weil er immer beschäftigt ist. Ich war früher genauso. Jetzt bereue ich das. Vor ihm liegt das ganze Leben noch vor der Tür. Reisen macht das Leben farbenfroher, es verändert einen Menschen. Er wird nicht mehr derselbe sein. Er soll die halbe Erde überwinden. Ich will sehen, wie er wieder ins Büro zurückkehrt! Dort wird ihn niemand mehr festhalten können. Ich muss ihm zeigen, dass es ein anderes Leben gibt. Das ist meine Aufgabe nach dem Tod.
Ich will nicht im Boden verrotten. Lieber in die Berge fliegen ich ziehe eine Grimasse.
Weiter, sagt der Notar, während ich lächle.
Ich möchte, dass meine Lieblingskatze Mimmi mit mir verbrannt wird, wie es früher war Spaß, nur Ihr Aussehen ist etwas eigenartig, deshalb will ich Sie ein wenig erschüttern.
Erst erschrecken?
Nein, ein wenig aufrütteln, antworte ich schmunzelnd.
Gut, was ist mit dem Vermögen? Bewegliches? Unbewegliches?
Ach ja, die Wohnung und das Motorrad gehen an meinen Sohn. Ich habe zwar noch kein Motorrad, aber ich habe mich bereits für einen Kurs angemeldet und werde bald eins kaufen notieren Sie das bitte. Mein Roller geht an Stefan Niklas, falls er noch lebt. Er hat schon lange ein Auge darauf. Als wir zusammen fuhren, brach er ihn und flog gegen einen Baum.
Nachdem ich gegangen bin, ruft der Notar zur Pause auf. Der Anblick der blauhaarigen Dame lässt ihn nicht los. Er liest das Testament noch einmal, reibt sich die Augen, um sicherzugehen, dass alles stimmt, blickt auf den dicken Papierstapel und greift dann zum Telefon.
Micha, hallo, hast du Lust, irgendwohin zu verreisen? Ich träume schon lange davon, nach Afrika zu fahren





