Damals, in den späten 1970er Jahren, saß ich mit ernstem Blick gegenüber von mir, und man sagte zu mir:
Liselotte, du bist nicht mehr in dem Alter!
Ich verstand zunächst nicht, worauf man hinaus wollte.
Entschuldigung, was bedeutet das genau?, fragte ich zurück.
Die Antwort kam ohne Zögern, als wäre es selbstverständlich:
Nun, du weißt doch Das ist nicht mehr die Zeit für grelle Kleider, lautes Lachen, Tanz und Gesang wie früher. Jetzt sollst du bescheidener, ruhiger, erwachsener sein.
Ich schwieg. Nicht aus Ärger, sondern weil ich erstaunt war, wie leicht Menschen unsichtbare Grenzen ziehen, wo keine existieren.
Dann lächelte ich, blickte tief in mich selbst und sagte leise:
Weißt du, ich habe noch nie ein Buch gelesen, das schreibt, wann man aufhören soll, man selbst zu sein.
Denn wer bestimmt, wann einer Frau das laute Lachen bis zu Tränen nicht mehr passt?
Wer legt fest, in welchem Alter man kein rotes Lippenstift mehr tragen oder Lieblingslieder aus voller Kehle singen darf?
Wir hören nicht bei einem Kalendereintrag auf, wir zu sein, wer wir sind.
Hinter mir liegen schon viele Jahre gefüllt mit Schmerz, Erfahrung und großem Glück. Ich habe Auf und Abschwünge erlebt, Verluste und neue Anfänge. Heute bin ich nicht älter, sondern ruhiger, tiefer, weiser. Ich habe gelernt, die Stille zu schätzen, meinem Herzen zuzuhören und zu begreifen, dass wahre Jugend nicht im Pass, sondern in den Augen liegt, im Sinnen für kleine Freuden und im Staunen über die Welt.
Ich muss niemandem mehr beweisen, dass ich noch wertvoll bin. Ich strebe nicht danach, jünger zu wirken; ich will einfach leben echt. Ich lache, wenn mir danach ist. Ich tanze, wenn meine Lieblingsmelodie erklingt. Ich trage, was mir gefällt, und nicht, was dem Alter entspricht. Und das Wichtigste: Ich erlaube mir, lebendig zu sein.
Denn das Leben ist keine Bühne, auf der man eine Rolle für das richtige Alter spielt. Es ist eine Reise, bei der jeder Tag ein Geschenk ist. Und wie schade, wenn Menschen die Freude verlieren, nur weil jemand sagt: Das passt nicht mehr zu dir.
Mir passt es.
Mir passt es zu lachen, wenn die Seele singt.
Mir passt es, leuchtende Kleider zu tragen, auch wenn ich nicht mehr zwanzig bin.
Mir passt es, ich selbst zu sein so, wie ich jetzt bin, ohne Entschuldigungen, ohne Angst.
Es gibt kein Konzept wie falsches Alter. Es gibt nur den Moment warm, echt, lebendig. Und wenn in dir das Licht brennt, das Herz noch lachen und lieben will, dann bist du lebendig.
Jetzt ist meine Zeit zu leben.
Wirklich, ohne Einschränkungen, ohne Scham, ohne man muss und man darf nicht.
Niemand hat das Recht zu entscheiden, wann eine Frau aufhört, sie selbst zu sein.
Ich lebe einfach.
Und jeden Tag sage ich zu mir:
Ja, das ist mein Alter. Das Beste.





