Du hast keine Mutter mehr! – rief die Schwiegermutter empört

Du hast keine Mutter mehr! schrie die Schwiegermutter.

Vergiss, dass ich überhaupt eine Mutter habe. Nach deiner Hochzeit sollst du mich nicht mehr belästigen, als ob ich nie existiert hätte. Und das Geld für die Hochzeit gebe ich dir auch nicht. Wenn ich nicht diejenige war, die dir die Braut ausgesucht hat, dann zahle ich nicht für diesen ganzen Zirkus.

Theresa Müller fühlte sich wie auf Wolken, als ihr kleiner Sohn Lukas sie fest in die Arme schloss und sagte:

Mama, du bist die Beste der Welt. Ich werde alles tun, damit du immer lächelst.

Lukas ahnte nicht, wie sehr seine Worte das Herz seiner Mutter umdrehte. Sie war stolz, einen solchen Engel zu haben goldblondes Haar, himmelblaue Augen, aristokratisches Gesicht. Wuchs er heran, musste seine Mutter jede mögliche Schwiegertochter nach einem strengen Katalog prüfen: edle Herkunft, gepflegtes Äußeres, schlanke Figur, Hochschuleabschluss und makellose Manieren, dazu ein guter Job in einer angesehenen Firma und ein einflussreiches Netzwerk.

Die Wohnung meines Sohnes steht schon, jetzt fehlt nur die passende Herrin, die Ordnung hält und um drei Uhr nachts Gäste empfängt das ist schließlich die Pflicht einer Ehefrau und Hausherrin.

Mit der Zeit wurden Thermas Ansprüche immer härter.

Keine alte Schachtel über fünfundzwanzig, sonst kriegen wir ein kränkliches Kind. Und das Kind muss zu hundert Prozent von Lukas sein.

Theresa, halt dich ein bisschen zurück! warnten Verwandte. In unserer Zeit gibts kaum Frauen, die deinen Katalog abarbeiten. Wenn du deinen Sohn rechtzeitig heiraten willst, lass die Spielchen sein, sonst bleibt er für immer allein.

Lukas schloss Schule und Universität mit Auszeichnung ab, bekam einen gut bezahlten Job, doch sein Liebesleben war wie ein leeres Blatt. Sobald er eine Freundin seiner Mutter vorstellte, fand sie tausend Gründe, die potenzielle Schwiegertochter abzuwehren.

Bei jedem Treffen verlangte sie von Lukas:

Schatz, geh in die Küche und schneide Obst, während wir ein bisschen plaudern.

Die erste Kandidatin war Anke Weber, ein Mädchen aus einfacher Familie: Mutter Buchhalterin, Vater Schichtarbeiter, zwei jüngere Brüder. Anke verkaufte als Apothekerin Medikamente, worüber Theresa nachdachte:

»Ständig Zugang zu Pillen das ist gefährlich. Und die Familie ist zu bodenständig. Nicht unser Geschmack.«

Anke, verstehst du, dass du nicht zu Lukas passen kannst? schnitt Theresa, als sie allein mit ihr war. Ihr Leben ist viel zu unterschiedlich. Vergiss ihn und such dir jemanden Einfacheres.

Anke stand schweigend auf und ging, ohne sich von Lukas zu verabschieden. Auf seine Nachfrage, was los sei, erwiderte sie trocken:

Frag deine Mutter, die dich ja in einer Sonderedition großgezogen hat. Sie sagt, du bist zu gut für mich, ich such mir lieber jemanden Einfaches.

Mama, warum hast du Anke verletzt? Ich mag sie wirklich. Was hast du ihr eingedreht? flüsterte Lukas.

Theresa seufzte schwer:

Mein Sohn, ich kenne mich aus. Ich weiß, wer dich glücklich macht aber nicht Anke. Wo hast du diese Perle gefunden? Keiner aus anständigen Kreisen kommt hierher.

Lukas merkte, dass er die Mutter nicht überzeugen konnte, und zog sich zurück. Er erwähnte gelegentlich neue Bekanntschaften, doch brachte er sie nie zu Theresa. Manchmal bot sie Hilfe bei der Familiengründung an, aber Lukas wies freundlich ab:

Das ist meine Entscheidung, ich heirate, nicht du.

Ich weiß schon, wen du wählen wirst, murrte Theresa. Dann bringst du eine Putzfrau mit, die nur an Besen und Mopp denkt.

Dann hat wenigstens der Boden Glanz, grinste Lukas sarkastisch.

Rede nicht so mit deiner Mutter! protestierte sie.

Am Ende zog Lukas in eine eigene Wohnung, die noch immer im Besitz von Theresa stand, weil sie sie bislang vermietet hatte.

Das Verhältnis zu seinem Vater, Hans Schneider, war seit der Scheidung abgekackt. Der Vater hatte kaum Kontakt, bis vor Kurzem ein Treffen zustande kam.

Weißt du, warum ich mich von Theresa getrennt habe? Weil sie mich erstickt hat, immer kontrolliert hat wohin ich gehe, wann ich zurückkomme, was ich sage. Sie sagte, ich könne dir nichts beibringen, weil ich keinen Abschluss habe. Warum sollte sie dann für mich ein Kind bekommen? Ich war ihr nur ein Nutztier. Dann dachte ich: Warum noch mein Leben mit so einer Spinnerin verschwenden? Ich habe sie verlassen, sie hat auf Unterhalt verzichtet und mir das Sorgerecht genommen.

Und du bist glücklich, oder? knurrte Lukas.

Warum das alles? schnaufte Hans. Ich hab dir ein Apartment gebaut und die Schlüssel übergeben. Hast du das nicht mitbekommen?

Was? war Lukas verwirrt.

Hans wiederholte:

Zehn Jahre habe ich gespart, damit du ein eigenes Eckchen hast. Glaube mir, du willst nicht bei ihr bleiben, sonst hast du kein eigenes Leben mehr. Sie hält niemanden für etwas wert.

Warum hast du mich dann nicht öfter gesehen? fragte Lukas zaghaft.

Ich wollte dir keine Sorgen bereiten. Theresa drohte, dich in eine andere Stadt zu schicken, und ich wollte dich nicht verlieren. So sah ich dich aus der Ferne.

Hinter den Worten des Vaters änderte Lukas seine Sicht auf die Mutter. Sie war für ihn immer noch die Beste, und er war überzeugt, eine Frau zu finden, die ihr ein Stückchen ähnlich ist. Theresa lächelte skeptisch: Eine solche Frau gibts nur einmal im Millionen, besser im MilliardenJahrhundert.

Nach Anke folgten weitere Kennenlernversuche, doch keine Passte zu Thermas Criteria. Schließlich stellte Lukas seine Mutter vor die Wahl:

Entweder du lässt mich in Ruhe, oder ich breche den Kontakt zu dir.

Undankbare Sorte! fauchte Theresa. Wer spricht hier mit mir? Ich habe dir die Wohnung, die Ausbildung geschenkt. Wie kannst du es wagen?

Mama, hör auf, bat Lukas. Ich weiß, wer die Wohnung gekauft hat. Mein Vater hat mir alles erklärt.

Und du glaubst ihm? schoss die Mutter zurück. Dieser Versager, mein ExVater?

Er ist mein Vater, oder nicht?

Theresas Gesicht wurde rötlich. Sie starrte ihn an, verschloss die Tür und verschwand in ihr Zimmer. Am nächsten Morgen stand sie nicht zum Frühstück auf. Lukas klopfte, hörte aber nur einen wütenden Schrei:

Lass mich in Ruhe und schick dich zu deinem erbärmlichen Vater!

Mama, warum das? öffnete Lukas die Tür. Sie lag zerzaust im Bett, das Kleid zerknittert, und starrte blind in die Decke ein Bild, das kaum zu ihrer sonst stets gepflegten Erscheinung passte.

Weißt du, mein Sohn, ich habe eine Erkenntnis: Heirate, wen du willst, egal ob ein Papagei mit Pinguin und NashornErbe. Aber vergiss, dass ich deine Mutter bin. Nach der Hochzeit darfst du mich nicht mehr belästigen, und das Hochzeitsgeld wird ich dir nicht geben. Wenn ich nicht die Braut ausgewählt habe, zahle ich keinen Cent.

Verstanden, Mama, sagte Lukas witzig und schloss leise die Tür. Noch am selben Tag zog er in seine eigene, bereits bestehende Wohnung um.

Ein halbes Jahr später lud er seine Mutter ins Restaurant ein, um die bevorstehende Hochzeit anzukündigen.

Und wer ist sie? fragte Theresa lässig.

Egal, wem sie ist, sie wird dir nicht gefallen, antwortete Lukas kühl. Aber ich will, dass dus weißt: Meine zukünftige Frau heißt Liselotte, sie ist 26, kommt aus einer langezeit ärztlichen Familie. Sehr respektable Dame.

Ach du meine Güte, woher das so viel Selbstvertrauen? rollte Theresa mit den Augen. Zeig mir ein Bild.

Lukas zog das Smartphone hervor, zeigte ein Foto. Liselottes Gesicht war ostasiatisch.

Das ist doch eine Gulistana, nicht Liselotte. Warum heißt sie so?

Liselotte ist halb Koreanerin, erklärte er geduldig.

Noch besser, schnaufte die Mutter. Genau das Ergebnis einer Bulldogge mit einem Nashorn.

Du wirst sie mögen, wenn du sie nach der Hochzeit besser kennenlernst, grinste Lukas.

Theresas Atem stockte bei diesen Worten.

Nach der Hochzeit? Also heiratest du doch? Aus Trotz?

Warum aus Trotz? Ich will mich selbst glücklich machen, lächelte Lukas und winkte der Kellnerin zu, die die Bestellung aufnehmen sollte.

Die Mutter saß fassungslos da und versuchte sich vorzustellen, wie ihre Enkelkinder aussehen würden ein Grauen, das selbst das schlimmste HalloweenKostüm nicht übertreffen könnte.

Auf der Hochzeit stellte Lukas klare Ansage:

Keine Dramen, okay? Wenn Liselotte wegen dir geht, verzeihe ich dir das nie.

Theresa musste sich wie ein stiller Fluss verhalten, tiefer als das Gras, und beobachtete, wie ihr Sohn und die strahlende Braut von den Gästen beglückwünscht wurden, lachten und tanzten. Am nächsten Tag brachten die Neuen ein Geschenk für Theresa, doch sie ließ sie nicht über die Schwelle.

Also, mein Sohn, ich habe alles getan, was du wolltest. Jetzt hör mir zu: Bring diese Mischlingskugel nicht mehr zu mir, ich will sie nie wieder sehen. Verstehst du? Du kannst tausend Frauen haben, aber nur eine Mutter.

Die Hochzeitsgäste fuhren fort, und Theresa warf das Geschenk in den Müll.

Ich nehme nichts von dieser halben Rasse, knurrte sie.

Kurz darauf wurde sie häufig krank, und Liselotte kümmerte sich um sie. Manchmal holten Lukas und seine Frau eine Pflegekraft, damit die alte Dame nicht allein war. Theresa konnte die Schwiegertochter nicht akzeptieren, weil ihr Sohn sie mit ihrer eigenen Mutter verglichen hatte.

Du hast doch gesagt, du findest jemanden, der mir ähnlich ist. Wo bist du dabei? meckerte Theresa, während sie merkte, dass sie nun auf Liselottes Hilfe angewiesen war und das brachte sie zur Weißglut.

Endlich jemand, der mir den Kopf verdreht, murmelte sie, als das Telefon klingelte.

Hallo Liselotte, wie gehts? Mein Blutdruck springt wieder. Könntest du vorbeikommen und nachsehen? sagte sie mit einer melodiösen Stimme.

So ging das seltsame Drama weiter, zwischen Mutter, Sohn und der unvermeidlichen Schwiegertochter, die nun mehr denn je das Herz der Familie hielt.

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Homy
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Du hast keine Mutter mehr! – rief die Schwiegermutter empört
Teures Vergnügen