Meine Schwiegermutter dachte, ich würde sie nach der Scheidung aus Angst finanziell unterstützen – doch sie wusste nicht, dass ich ganz andere Pläne hatte

**Tagebucheintrag**

Meine Schwiegermutter dachte, ich würde sie nach der Scheidung aus Angst versorgen. Doch sie hatte keine Ahnung, dass ich ganz andere Pläne hatte.

Greta starrte auf die ältere Frau mit dem Koffer in der Hand, die vor ihrer Wohnungstür stand. Sie konnte es kaum glauben. Helga Schneider, ihre ehemalige Schwiegermutter, stand da, als gehöre sie hierher.

Gretchen, meine Liebe, begann sie mit gespielter Zärtlichkeit, ich habe einfach keinen Ort mehr, wo ich hin kann. Markus hat diese wie heißt sie noch Julia bei sich einziehen lassen. Und ich will den jungen Leuten doch nicht im Weg stehen, verstehst du? Sie bauen sich ihre Liebe auf, und was bleibt mir in meinem Alter? Kann ich vorübergehend bei dir bleiben?

Greta trat wortlos zur Seite. Was sollte sie sagen? Eine Sechzigjährige vor die Tür setzen? Ja, die Scheidung war schmerzhaft gewesen. Ja, Markus hatte sich nach zwölf Jahren Ehe plötzlich selbst gefunden in den Armen einer fünfundzwanzigjährigen Kollegin. Aber was hatte seine Mutter damit zu tun?

Frau Schneider, sagte Greta leise, während sie die Tür schloss, ich verstehe nicht. Sie haben doch Ihre eigene Wohnung. Warum müssen Sie hier wohnen?

Ach, Gretchen, seufzte die Schwiegermutter, ließ sich auf dem Sofa nieder und band ihre Schuhe auf. Du weißt doch, wie winzig meine Wohnung ist. Hier ist Platz, hier ist Luft. Markus meinte, du lebst sowieso allein in dieser Zweizimmerwohnung. Was macht es dir schon aus, einer alten Frau Unterschlupf zu gewähren?

Greta ballte die Fäuste. Natürlich hatte Markus das gesagt. Bequem für ihn die neue Freundin bei sich, die Mutter bei der Ex-Frau. Und niemand fragte, wie sie sich dabei fühlte.

Es ist nur vorübergehend, wiederholte Helga Schneider, während sie ihren Mantel aufknöpfte. Bis ich etwas Passendes finde.

Die erste Woche versuchte Greta noch, Rücksicht zu nehmen. Sie bereitete Frühstück für zwei, kaufte die dringend benötigten Medikamente ihrer Schwiegermutter und räumte schweigend hinter ihr auf. Helga war keine ordentliche Mitbewohnerin schmutziges Geschirr in der Spüle, Kleidung verstreut in jedem Zimmer, abendliche Serien bis spät in die Nacht.

Greta, Schatz, begann sie eines Morgens, meine Rente ist so klein. Könntest du mir etwas Geld für Lebensmittel leihen? Und für die Blutdrucktabletten. Ich bin völlig blank.

Greta öffnete wortlos ihr Portemonnaie und gab ihr fünfzig Euro. Dann noch dreißig für ein neues Herzmittel. Und schließlich zwanzig für etwas Süßes zum Kaffee.

Frau Schneider, sagte Greta vorsichtig, als sie einen Monat später wieder um Geld bat und ihr eigenes Konto fast leer war, vielleicht sollten wir uns etwas einschränken? Ich bin auch keine Millionärin.

Die Schwiegermutter wirbelte herum, und in ihren Augen blitzte es gefährlich. Greta kannte diesen Blick Vorbote eines gewaltigen Streits.

Was hast du gerade gesagt? Helgas Stimme überschlug sich. Einschränken? Wie kannst du es wagen! Ich habe dich wie eine Tochter behandelt! Zwölf Jahre lang! Und jetzt wirfst du mir ein paar Cent hin wie einem Bettler?

Ich werfe nichts hin, ich meine nur

Was verstehst du schon vom Leben, du Kinderlose! schrie Helga, mit den Händen fuchtelnd. Ich habe meinen Sohn allein großgezogen, nachdem mein Mann gestorben ist! Drei Jobs gleichzeitig! Und jetzt ist dir Geld für meine Herzmedizin zu schade? Ich werde allen Nachbarn erzählen, was für eine Undankbare du bist!

Greta ertrug die Szene schweigend. Und die nächste. Und die über das unpassende Abendessen. Helga Schneider war eine Meisterin der Dramatik stundenlanges Schreien, Nachbarn aufschrecken, Vorwürfe ohne Ende.

Nach dem nächsten Auftritt rief Greta Markus an.

Hol deine Mutter ab, bitte.

Greta, komm schon. Ich baue mir doch gerade ein neues Leben auf. Mama leidet doch schon genug unter der Scheidung. Und du hast sowieso Platz in deiner Zweizimmerwohnung, was macht das schon?

Es macht meine Ersparnisse, meine Nerven und meinen Frieden kaputt.

Stell dich nicht so an. Mama ist alt, sie braucht Unterstützung. Wenn du helfen kannst, dann tu es.

Ein Klicken. Er hatte einfach aufgelegt.

Greta saß in der Küche und wusste: So ging es nicht weiter. Helga fühlte sich als Herrin der Wohnung, inszenierte Dramen, forderte Geld ohne einen Zweifel an ihrem Recht darauf.

Meine Schwiegermutter dachte, ich würde sie aus Angst versorgen. Doch sie wusste nicht, dass ich andere Pläne hatte.

Am nächsten Morgen, während Helga beim Arzt war, rief Greta einen Schlüsseldienst. Eine Stunde später waren die Schlösser ausgetauscht.

Abends kam die Schwiegermutter vom Spaziergang zurück sie liebte es, durch Geschäfte zu schlendern und Verkäufern ihr Leid zu klagen. Doch ihr Schlüssel passte nicht mehr.

Greta! Greta, mach auf! Sie hämmerte gegen die Tür. Was soll der Unsinn?

Greta trat auf den Flur und sah sie kühl an.

Kein Unsinn. Packen Sie Ihre Sachen. Ich habe ein Taxi gerufen.

Was? Bist du verrückt? Wohin soll ich denn?

Nach Hause. Zu Ihrem Sohn. Wo Sie hingehören.

Aber da ist doch Julia! Das geht nicht!

Und für mich ging es? Gretas Stimme blieb ruhig, während Helgas Gesicht sich verzerrte bereit zum Angriff.

Wie kannst du es wagen! kreischte Helga. Ich bin eine alte Frau! Mein Herz! Du hast kein Recht!

Doch. Das ist meine Wohnung.

Ich gehe zu den Nachbarn! Alle sollen wissen, was du bist!

Erzählen Sie es ihnen. Es ist mir egal.

Der Koffer war schnell gepackt Helga hatte kaum etwas mitgebracht. Im Taxi schwieg sie, nur ihr schweres Atmen und gelegentliches theatralisches Greifen nach der Brust verrieten ihre Wut.

Vor Markus Haus stieg Greta aus und half mit dem Gepäck. Dritte Etage. Die Tür öffnete ein verdutzter Ex-Mann in Jogginghosen.

Greta? Mama? Was ist los?

Ich bringe dir deine Mutter zurück, sagte Greta und schob den Koffer in den Flur. Helga Schneider wohnt nicht mehr bei mir.

Aus dem Zimmer kam Julia hübsche Blondine im Morgenmantel. Beim Anblick der Schwiegermutter erstarrte sie.

Aber Mama kann doch nicht hier wohnen! protestierte Markus. Wir haben doch wir

Bauen ein neues Leben auf, beendete Greta ihn. Toll. Dann baut. Aber ohne mich.

Greta, du verstehst nicht, begann Markus in diesem Ton, mit dem man Kleinkindern die Welt erklärt. Mama braucht Hilfe. Sie ist alt, krank. Ihre Rente ist klein.

Sie hat einen Sohn. Der kann helfen.

Aber ich habe eine neue Familie!

Und ich ein neues Leben. Ohne eure Probleme.

Helga, bis jetzt still, explodierte:

Markus! Siehst du, wie sie mit mir umgeht? Wirft eine alte Frau auf die Straße! Herzlos! Ich habe sie wie eine Tochter geliebt!

Mama, komm schon, murmelte Markus hilflos, doch Greta sah seine Panik.

Wenn du deine Mutter rauswirfst dein Gewissen, sagte Greta und ging zur Tür. Aber in meiner Wohnung lasse

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Homy
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Meine Schwiegermutter dachte, ich würde sie nach der Scheidung aus Angst finanziell unterstützen – doch sie wusste nicht, dass ich ganz andere Pläne hatte
Er kam zehn Jahre zu spät