Robert fährt gerade zum Wiedersehen seiner ehemaligen Klassenkameraden. Er hat sie seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen. Direkt nach dem Abitur zieht er für das Studium nach München, später arbeitet er in Frankfurt.
Als er mehr verdienen will, gründet er seine eigene Firma. Es gibt Auf und Abschwünge. Manchmal vermisst er die alten Freunde, schaut in den sozialen Medien nach Bildern und postet selbst welche.
Besonders gern möchte er Heike sehen. In der Schulzeit mochte er Heike sehr, aber sie schenkte ihm nie Beachtung. Er war ein langweiliges BücherwurmTypchen. Beim letzten Versuch, ihr Blumen zu geben, springt sie auf den Rücksitz von Andreas Motorrad, wirft keinen Blick auf den Strauß und fährt davon, wirbelt Staub auf. Robert nähert sich ihr nie wieder. Er fährt in die Ferne und dachte, er könnte sie bitten, mit ihm zu fahren, ihr helfen doch er tut es nicht.
Robert hat nicht viele enge Freunde aus der Klasse, weil er viel lernt. Er verbringt seine Zeit nur mit ein paar Kameraden, die mit ihm MatheNachhilfestunden besuchen und zusammen für die Aufnahmeprüfung büffeln.
Er erscheint zum Treffen gut gelaunt, hat für jeden ein Geschenk vorbereitet, vergisst niemanden.
Sie sitzen in einem Café, lachen, erinnern sich an die Schulzeit. Robert blickt nachdenklich zu den anderen, besonders zu Heike. Er beobachtet sie, während sie am anderen Tisch sitzt, ständig auf ihr Handy schaut. Nach dem Abitur hat Heike tatsächlich Andreas geheiratet. Sie wohnen jedoch nicht mehr zusammen; Robert erfährt, dass Heike ein krankes Kind allein aufzieht.
Robert will mit ihr reden, wird jedoch mit Vorwürfen konfrontiert.
Du lebst in deinem schönen Haus und hast keine Ahnung von unseren Sorgen! Ich habe dein Anwesen gesehen! Deine Frau arbeitet nicht, sie geht nur ins Kosmetikstudio, das habe ich auch bemerkt. Du hast Personal, das du nie auf Fotos zeigst. Du hast Kinder, die im Ausland studieren, und ich habe einen kranken Sohn. Worüber sollen wir reden? Du würdest das nicht verstehen.
Heike, bin ich etwa schuld an deinen Problemen?
In unserem Land fehlt das Geld für kranke Kinder, und Leute wie du horten das Geld und sind geizig!
Robert spürt, wie ihm heiß wird. Er mag das Thema nicht, hat aber etwas zu sagen.
Heike, wie vielen kranken Kindern hast du geholfen?
Ich habe selbst ein krankes Kind! Und ja, ich schicke manchmal SMS mit Hilfsangeboten.
Ich spende regelmäßig große Summen an Wohltätigkeit, aber ich brülle nicht damit. Wer von uns leistet mehr?
Heike wirft ein: Für dich ist das leicht, du verlierst nicht viel, wenn du ein paar hundert Euro gibst. Meine Hilfe ist persönlicher, ich opfere das, was ich zum Leben brauche. Weißt du, wo ich das Geld herbekomme? Jeden Morgen nehme ich zwei Busse zur Arbeit und verdiene nur ein paar Groschen!
Die anderen Gäste beobachten das Gespräch. Einige nicken Heike zu, andere schweigen.
Robert steht auf, lässt die Geschenke für die Klassenkameraden auf dem Tisch liegen und bittet den Kellner, einen Umschlag für Heike zu bringen.
Er geht nach draußen und denkt: Beide hatten dieselben Chancen, dieselben Fähigkeiten. Nur er, Robert, wählte das Lernen statt Bier am Straßenrand, das Rauchen an der Ecke, das ständige Feiern. Er ging zur Universität, die ihn interessierte, statt zur lokalen Berufsschule. Er wagte das Risiko, verließ seine Komfortzone und gründete ein Unternehmen.
Er kämpfte, lernte dazu, erlebte Niederlagen und Verluste. Ist es seine Schuld, dass seine ehemaligen Klassenkameraden jetzt ein anderes Leben führen und ihn für sein Vermögen kritisieren? Er hat nichts gestohlen, er hat sein Geld selbst verdient.
Wie viele von euch kennen Menschen wie Heike und Roberts alte Klassenkameraden, die gern auf fremdes Geld schauen? Einige hatten das Glück, aus wohlhabenden Familien zu stammen und eine gute Ausbildung zu erhalten. Doch es gibt viele Beispiele von Menschen aus armen Verhältnissen, deren Eltern wenig Bildung hatten, die sich ihren Erfolg selbst erarbeitet haben. Alles liegt in unseren Händen, und jeder entscheidet für sich selbst.





