Drei Samstage hintereinander ging meine Frau ‘zur Arbeit’ – was ich dann sah, veränderte alles

Drei Wochenenden hintereinander ging meine Frau arbeiten. Was ich dann sah, veränderte alles.

Wirst du wieder spät kommen?, fragte Thomas und bemühte sich, ruhig zu klingen, doch seine Stimme zitterte.

Lena erstarrte mit ihrer Tasche in der Hand. Sie drehte sich langsam um, als wollte sie Zeit gewinnen.

Ja, das Projekt brennt. Der Chef treibt uns alle zur Eile.

Am Wochenende? Zum dritten Mal in Folge?

Thomas, stell dich nicht so an. Arbeit ist Arbeit.

Sie küsste ihn flüchtig auf die Wange so formell, als wäre er ein Nachbar im Aufzug. Sie roch nicht nach ihrem Parfum, sondern nach etwas Milchigem, Kindlichem. Er runzelte die Stirn.

Lena, können wir reden?

Später. Alles später, okay?

Die Tür fiel ins Schloss. Thomas stand in der Diele und ballte die Fäuste. Das dritte Wochenende. Das verdammte dritte Wochenende, an dem seine Frau morgens ging und abends erschöpft, wortlos und fremd zurückkam.

Er hielt es nicht mehr aus. Er griff nach den Autoschlüsseln.

Lena verließ das Haus und blickte sich um. Thomas duckte sich hinter dem Lieferwagen, wo er geparkt hatte. Sie stieg in ein Taxi. Er startete den Motor.

Die Fahrt dauerte lange. Nicht ins Büro das war ihm sofort klar. Es ging in einen tristen Vorort am anderen Ende der Stadt. Sein Herz pochte wild. Jetzt würde er es erfahren. Jetzt würde alles klar werden.

Lena stieg vor einem heruntergekommenen Altbau aus. Thomas parkte in einiger Entfernung und folgte ihr. Sie betrat das Treppenhaus. Er wartete, zählte die Stockwerke anhand der Fenster. Dritter Stock. Das linke Fenster.

Eine halbe Stunde passierte nichts. Dann erschien Lena wieder. Doch nicht allein.

Mit einem Kinderwagen.

Thomas wäre fast umgekippt. Ein Kind? Sie hatten keine Kinder, sie hatten nur darüber gesprochen, bevor diese Wochenenden begannen…

Das Baby weinte. Lena schob den Wagen hin und her, murmelte beruhigende Worte. Sie wirkte unsicher, ungeübt. Plötzlich kam eine junge Frau aus dem Haus gerannt Lenas Schwester, Marie. Die verantwortungslose Marie, die mit 25 schon zweimal verheiratet und wieder geschieden war.

Lena, danke! Ich bin schnell zurück, maximal zwei Stunden!

Marie, du hast eine Stunde gesagt!

Bitte, Lena! Ich muss unbedingt!

Marie verschwand, ließ ihre Schwester mit dem schreienden Kind zurück. Lena wirkte hilflos.

Thomas trat hinter die Ecke, lehnte sich an die Wand. Also kein Liebhaber. Ihr Neffe. Aber warum die Geheimnistuerei? Warum die Lügen?

Er kehrte zum Auto zurück, fuhr heim. Er musste vor Lena da sein. Er musste nachdenken.

Zu Hause lief er ruhelos durch die Wohnung. Er hätte einfach fragen können: Lena, wo warst du? Aber sie hätte gelogen das wusste er. So wie er selbst log.

Denn auch er hatte ein Geheimnis.

Sophie. Die Sekretärin aus der Nachbarabteilung. Nichts Ernstes nur Gespräche nach der Arbeit, Kaffee, manchmal ein Film. Sie hörte seinen Geschichten über Programmieren zu, lachte über seine Witze, bewunderte ihn. So wie Lena es früher getan hatte. Bevor ihr Leben zu Kauf Brot, Bezahl die Rechnungen, Wieder Socken überall geworden war.

Mit Sophie war es leicht. Sie erinnerte ihn an die Lena von vor sieben Jahren fröhlich, unbeschwert, bereit, stundenlang seinen Geschichten über Codes und Algorithmen zuzuhören.

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Thomas zuckte zusammen, griff zur Fernbedienung, schaltete den Fernseher ein.

Hallo, sagte Lena und warf einen Blick ins Wohnzimmer. Warst du den ganzen Tag zu Hause?

Ja. Keine Lust, rauszugehen.

Sie ging in die Küche. Thomas hörte Wasser laufen, Geschirr klappern. Er folgte ihr.

Lena stand am Spülbecken, schrubbte eine Tasse. Ihre Schultern hingen, dunkle Ringe lagen unter ihren Augen. Auf ihrer Jeans war ein Fleck sah aus wie Babynahrung.

Lena.

Was?

Du siehst erschöpft aus.

Sie drehte sich um, blickte ihn überrascht an.

Ja. Bin ich auch.

Sollen wir essen gehen? In dem italienischen Restaurant von unserem Jubiläum?

Thomas, ich bin wirklich kaputt. Lass uns einfach Pizza bestellen.

Er nickte. Beobachtete, wie sie ihr Handy nahm und nach der Nummer der Pizzeria suchte. Ihre Hände zitterten.

Lena, was ist los?

Wie meinst du das?

Du bist irgendwie… anders. Seit einem Monat.

Sie erstarrte. Das Handy entglitt ihren Fingern, fiel auf den Tisch.

Es ist nur die Arbeit, Thomas. Viel Arbeit.

Am Wochenende?

Ja! Am Wochenende! Hör auf damit!

Sie brach zusammen. Thomas sah, dass sie gleich weinen würde. Er trat näher, umarmte sie. Sie spannte sich an, dann sackte sie in sich zusammen, vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter.

Entschuldige. Ich bin einfach nur müde.

Sie roch nach Babypuder und etwas Saurem wahrscheinlich hatte das Kind gespuckt. Thomas strich ihr über den Rücken, spürte ihr wild klopfendes Herz.

Lena, wenn etwas nicht stimmt, sag es mir. Ich bin doch nicht irgendwer.

Sie löste sich aus der Umarmung, wischte sich die Augen.

Alles ist gut. Wirklich. Nur eine schwere Phase. Es wird bald besser.

Die Pizza kam vierzig Minuten später. Sie aßen schweigend, ohne einander anzusehen. Dann ging Lena duschen, und Thomas blieb in der Küche, starrte sein kaltes Salamistück an.

Er hätte sagen können: Lena, ich habe dich mit einem Kinderwagen gesehen. Ist es dein Neffe? Aber dann hätte er zugeben müssen, dass er sie verfolgt hatte. Und sie hätte gefragt: Und du? Wo verbringst du deine Freitagabende?

Was hätte er geantwortet? Dass er mit einer anderen Frau in einem Café saß? Dass er ihr Dinge erzählte, die er seiner Frau längst nicht mehr sagte? Dass er manchmal dachte: Was wäre, wenn…?

Sein Handy vibrierte. Eine SMS von Sophie: Sehen wir uns Montag? Ich möchte dir den Film zeigen, von dem ich erzählt habe.

Thomas löschte die Nachricht. Nein. Sie würden sich nicht sehen. Schluss damit.

Lena kam aus dem Badezimmer, ihr Haar noch nass, das Gesicht gerötet. Sie setzte sich neben ihn.

Thomas, lass uns morgen einfach zu Hause bleiben. Nur wir beide.

Und die Arbeit?

Die Arbeit kann warten.

Er lächelte. Wann hatte sie das zuletzt gesagt?

Gut. Bleiben wir zu Hause.

Sie nahm seine Hand. Ihre Finger waren kalt, trotz der heißen Dusche.

Wir haben etwas verloren, oder?

Was?

Uns. Wir haben uns verloren.

Thomas drückte ihre Hand.

Wir finden uns wieder.

Am nächsten Morgen wachten sie spät auf. Lena machte Pfannkuchen das erste Mal seit einem Jahr. Thomas kochte Kaffee, schnitt Obst. Sie frühstückten auf dem Balkon, obwohl es kühl war.

Erinnerst du dich an unser Frühstück in Wien?, fragte Lena. Auf dem winzigen Balkon?

Wo du die Tasse fast auf einen Passanten fallen ließest?

Ich habe sie nicht fast fallen lassen, ich habe sie nur ungünstig abgestellt!

Sie lachten. Wie lange hatten sie nicht mehr gemeinsam gelacht?

Der Tag verlief seltsam vertraut. Als spielten sie frisch Verlieb

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Homy
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Drei Samstage hintereinander ging meine Frau ‘zur Arbeit’ – was ich dann sah, veränderte alles
Es sind erst drei Wochen vergangen, seit wir Mama beerdigt haben, und mein Bruder hat bereits den Gutachter für das Haus eingeladen.