Hoffentlich bist du bereit für ein Leben ohne ihn – sagte meine Freundin und fuhr zu meinem Mann

**Tagebucheintrag**

Ich saß am Küchentisch, als Sabine das sagte: Hoffentlich bist du bereit für ein Leben ohne ihn. Dann fuhr sie los zu meinem Mann.

Hast du gesehen, wie lang die Schlange heute in der Arztpraxis war? Sabine schüttelte die Regentropfen vom Schirm ab und hing ihren Mantel an den Haken im Flur. Drei Stunden habe ich gewartet, bis ich dran war.

Komm rein, setz dich, sagte ich und stellte den Wasserkocher an. Was hat der Arzt gesagt?

Nichts Neues. Blutdruck schwankt, muss Tabletten nehmen. In unserem Alter ist das kein Witz mehr, Hanna.

Wir kannten uns seit über dreißig Jahren, seit den Krabbelgruppentagen, als wir noch mit den Kinderwagen im Park spazierten. Unsere Söhne wuchsen zusammen auf, gingen in denselben Kindergarten, später dieselbe Schule. Wir feierten Feste, machten Ausflüge, verbrachten Sommer in unserem Schrebergarten.

Gestern ist mir was Komisches passiert, erzählte ich, während ich die Teetassen hinstellte. Ich komme aus dem Supermarkt, und da läuft mir Stefan über den Weg. Arm in Arm mit einer jungen Frau. Ich habe sie von weitem gesehen, aber er mich nicht.

Sabine hob die Augenbrauen. Vielleicht eine Kollegin? Geschäftlich?

Am Sonntag? Und sie haben sich nicht gerade professionell verhalten, sag ich dir. Sie lachten, sie schmiegte sich an ihn. Zuerst dachte ich, ich bilde es mir ein.

Und dann?

Dann habe ich genauer hingeschaut. Es war Stefan. In der neuen Jacke, die ich ihm zum Geburtstag geschenkt habe.

Sabine schenkte den Tee ein und rührte nachdenklich den Zucker um. Hanna, hast du nicht das Gefühl, dass zwischen euch etwas nicht stimmt? Stefan wirkt irgendwie anders in letzter Zeit.

Anders wie?

Keine Ahnung. Früher ist er immer mit uns mitgefahren, zum Grillen, in den Garten. Jetzt sagt er ständig ab. Mal Arbeit, mal müde, mal irgendwas.

Ich runzelte die Stirn. Sie hatte recht. Mein Mann blieb öfter zu Hause oder verschwand.

Vielleicht ist es das Alter, murmelte ich unsicher. Er wird bald fünfundfünfzig.

Oder eine Midlife-Crisis, warf Sabine vorsichtig ein. Du weißt ja, wie Männer da manchmal durchdrehen. Sie denken, die Jugend entgleitet ihnen, also machen sie dumme Sachen.

Ich stellte die Tasse mit einem leisen Klirrer ab. Worauf willst du hinaus, Sabine?

Ach, auf nichts Bestimmtes. Nur so ein Gedanke.

Doch ich spürte, dass sie etwas verschwieg. Etwas in ihrem Blick kam mir bekannt vor, aber ich wusste nicht, woher.

Gut, dass Tim schon erwachsen ist und sein eigenes Leben führt, fuhr Sabine fort. Stell dir vor, wie schlimm das für ein Kind wäre, wenn der Vater plötzlich die Familie verlässt.

Sabine! Ich klatschte die Tasse auf den Tisch. Wovon redest du? Wir haben nur darüber gesprochen, dass Stefan mit einer Frau unterwegs war. Vielleicht hat sie ihm den Weg erklärt oder so.

Klar, natürlich, stimmte sie schnell zu. Ich behaupte ja nichts. Nur Gedanken.

Wir tranken aus, redeten über die Preise im Aldi, das Wetter, die Nach

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Homy
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Hoffentlich bist du bereit für ein Leben ohne ihn – sagte meine Freundin und fuhr zu meinem Mann
Bis zum Dessert wusste jeder Gast im großen Saal des Berliner Museums eines ganz genau: Die Frau mit dem silbernen Tablett sollte eigentlich keine Rolle spielen.