Beziehungen für Freude und Glück

Beziehung zum Vergnügen
Dieses Treffen könnte der Auftakt einer unkomplizierten Romanze sein: ein Flugzeug, zwei nebeneinander liegende Sitze, ein Zielort. Er Leander, ein virtuoser Naturfotograf, dessen Leben aus Expeditionen und Ausstellungen besteht. Sie Liselotte, Architektin, die nicht nur Gebäude, sondern auch ihre Karriere mit präziser Genauigkeit errichtet.

Beide sind eigenständig, selbstbewusst und tragen jeweils eine Scheidung hinter sich, die sie gelehrt hat, ihre persönliche Freiheit zu schätzen.

Die Idee entsteht wie ein Blitz im dunklen Raum: Warum nicht diese Beziehung leicht halten, ohne Verpflichtungen und Alltagsstress?

Niemand glaubt, dass das lange hält, besonders Leanders Kollegen. In seiner Werkstatt führen sie sogar eine heimliche Wette: Wie lange hält die neue Romanze des unauffindbaren Leanders?

Üblicherweise rechnet man mit Monaten.

Frauen schwärmen oft für Leander: gut aussehend, kreativer Beruf, nie langweilig, nicht gierisch. Doch die Kollegen kennen auch die zweite Seite des genialen Künstlers. Er lebt nach Laune der Inspiration, ist im Alltag kaum auszuhalten, reagiert unberechenbar und trinkt gern. Sobald er jedoch verkündet, die große Liebe gefunden zu haben, atmen alle erleichtert auf. Verliebter Leander arbeitet wie besessen, seine Bilder sprühen vor Leidenschaft und Leben.

Schließlich trifft er Liselotte, seine wahre Muse. Eine Frau, die nichts verlangt außer Freude an den Begegnungen. Lass uns es ohne diesen verdammten Alltag versuchen, ohne Wo warst du? und Warum hast du nicht angerufen?, schlägt Leander vor. Das Leben ist schon schwer genug.

Liselotte lächelt und stimmt zu. Erstens ist sie sich sicher, dass es nur ein kurzer Flirt bleibt, zweitens hat sie nach der schweren Scheidung keine Lust, sich dauerhaft zu binden. Kurz gesagt, ihre Bedürfnisse passen zusammen.

Leander kann eine Woche in ihrer gemütlichen, nach allen Regeln der Harmonie gestalteten Wohnung leben und dann wieder lange in seinem Studio verschwinden, das voll ist mit Ausrüstung und Negativrollen. Sie fliegen gemeinsam nach Berlin, und danach sehen sie sich mehrere Wochen nicht. Drei Tage verbringen sie in einem Landhaus, dann trennen sie sich für drei Wochen.

Nach einem Jahr wird Liselotte zur festen Ansprechpartnerin bei ihren gemeinsamen KreativAbenden.

Träume werden wahr, sagt sie lächelnd zu ihren Freundinnen, während sie einen Martini schlürft. Als Kind habe ich Bücher über Polarexpeditionen verschlungen starke, unabhängige Menschen, die immer unterwegs sind. So ist auch mein Leander, ein moderner Polarforscher. Er verschwindet hinter der Kamera, kehrt aber mit Blumen und leuchtenden Augen zurück.

Leander ist glücklich.

Liselotte ist ein Frischekick, erzählt er einem Freund bei einem Glas Whisky. Mein Leben ist ein Chaos. Manchmal krabble ich nach Hause und finde kaum ein Wort. Manchmal brauche ich jemanden, der mir zuhört und mich wie ein Kind tröstet. Am häufigsten will ich jedoch eine Woche allein sein. Sie versteht das. Wenn wir zusammenleben würden, würden wir uns das ganze Jahr über die Nerven rauben. Aber so komme ich immer mit Blumen und einem Lächeln zu ihr wie zu einem ersten Date.

Er erlaubt sich gelegentliche flüchtige Liebschaften, kehrt aber stets zu Liselotte zurück. Für sie ist es eine Art karmische Verbindung, stabiler als eine langweilige Ehe. Außen wirkt Liselotte immer völlig zufrieden.

Fünf Jahre vergehen. Dann schließt die Galerie, mit der Leander eng zusammenarbeitet, plötzlich ihre Türen, das Fachmagazin gerät in eine Krise und das alte KreativKollektiv zerbricht nach und nach. Jeder sucht seinen eigenen Weg.

Nach ein paar Jahren trifft Liselotte zufällig im Café Lena wieder, eine Bekannte aus der alten Zeit. Sie reden, erinnern sich an Vergangenes, und das Gespräch driftet unweigerlich zu Leander.

Liselotte lächelt bitterlich in ihren Cappuccino:

Ja, wir schaukeln immer noch auf der gleichen Schaukel. Er taucht auf, verschwindet wieder und kommt zurück. Ehrlich gesagt habe ich die Sache satt. Sobald ich andeute, dass es Zeit wäre, sesshaft zu werden, schaut er mich mit den Augen eines eingejagten Tieres an und fragt: Geht es uns nicht gut? Und er neidet seinem eigenen Schatten, aus Angst, mich zu verlieren.

Und du?

Ich will zusammenziehen, ein Kind, aber ich habe das Gefühl, nicht die Einzige zu sein, also beginne ich nichts Ernstes.

Liebst du ihn also? fragt Lena vorsichtig.

Vielleicht. Oder es ist nur Gewohnheit, seufzt sie. Oder die hartnäckige Hoffnung, dass er gleich erwacht, sich wandelt, der echte Mann wird meiner.

Liselotte, tut mir leid, aber solche Menschen ändern sich nicht.

Meine Mutter sagt das immer. Alle fragen, warum ich an einem Mann festhalte, der selbst nicht weiß, was er will. Ich kann ihn nicht loslassen. Ist das Liebe?

Das weiß nur du, zuckt Lena mit den Schultern. Ich habe nie an sogenannte offene Beziehungen geglaubt. Freiheit heißt Freiheit, wie man sagt. Aber das Leben ist kurz, und die Jahre kommen nicht zurück.

Einige Monate später sucht Liselotte endlich den Mut, zu einer Psychotherapeutin zu gehen. Sie spricht über die Angst vor Einsamkeit, verbrannte Beziehungen und zerplatzte Hoffnungen. Nach einer Sitzung kehrt sie nach Hause zurück, gießt sich Tee ein und sitzt in der Küche am Fenster. Ihr Blick fällt auf einen alten Bilderrahmen ein Geschenk von Leander.

Es ist ihr gemeinsames Foto: sie lachen, umarmt im Sonnenuntergang. Liselotte nimmt den Rahmen, wischt den Staub ab und lässt ihn versehentlich fallen. Das Glas zersplittert, und auf der Rückseite liegt ein kleiner Briefumschlag.

Zitternd reißt sie ihn auf.

Innen befindet sich ein Foto. Kein gestelltes Bild, sondern ein anderer Moment sie schläft, eingehüllt in eine Decke, eine Lampe leuchtet über ihren Bauplänen. Leander hat sie im Stillen fotografiert. Auf der Rückseite steht in seiner Handschrift: Der einzige Ort, wo das Chaos in mir schweigt. Entschuldige, dass ich nie den Mut hatte, es laut zu sagen. Ich war immer dein. Nur zu sehr, dass ich es eingestehen ließ.

Eine Woche später klingelt es wie gewohnt an ihrer Tür, Leander steht mit einem Strauß Pfingstrosen. Liselotte öffnet, aber anstatt zu lächeln, reicht er ihm schweigend das alte Foto.

Er sieht es sich an, dann Liselotte, und in seinen Augen, die sonst von Heiterkeit sprühen, liegt eine ruhige, jahrelang aufgestaute Müdigkeit vom steten Fliehen.

Es scheint, sagt Leander leise, unsere Expeditionen gehen zu Ende. Es wird Zeit, nach Hause zu kommen.

Und dieses Mal betritt er die Schwelle nicht mehr als Gast, sondern als jemand, der endlich bleiben will.

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Homy
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