„Schnell gebären!“, schnappte Oma Marga und schwang ihre Beine über die Bettkante.

13. Oktober 2025

Heute begann der Morgen mit dem schrillen Ruf meiner Mutter, Oma Frieda, die aus dem Bett sprang und lautstark verkündete: Man muss so schnell wie möglich ein Kind bekommen. Sie ist schon 87 Jahre alt, hat das Gefühl längst vergessen, wie das war, doch ihr Enkel und Urenkel drängen immer wieder und schwingen gelegentlich den Spazierstock:

Wenn du noch im blauen Strumpf stehst, wirst du uns an deine Jugend erinnern und das zu spät.

Jetzt sitzt Oma Frieda traurig am Rand des Bettes, weigert sich aufzustehen und wirft allen im Haus böse Bemerkungen zu: Was soll ich euch, ihr Schlange, aufwecken, damit ihr bis zum Mittag schläft? In der Küche klirren um halb sieben die Töpfe, als wolle sie den Tag mit lautem Lärm begrüßen.

Die Familie wurde aufmerksam.

Oma, fragte meine fünfjährige Urenkelin Liesel, warum schimpfst du nicht mehr mit uns?

Ich sterbe gleich, Kind, das ist das Schicksal, hauchte Frieda, halb traurig über das Vergehen ihres Lebens, halb hoffnungsvoll, dass noch etwas über dem allzu gewöhnlichen Kohl-Eintopf liegt, den ihr heute nicht mehr richtig kochen könnt.

Liesel rannte in die Küche, wo die Verwandten bereits versammelt waren.

Friedas Murmeltier ist tot!, rief sie, nachdem sie gerade erst von ihrer kleinen Erkundungsmission zurückgekehrt war.

Welches Murmeltier?, fragte unser Familienoberhaupt, zugleich der älteste Sohn von Frieda, Wilhelm I., während er die buschigen Augenbrauen hochzog. Er sah aus wie ein moderner Schwarzwaldläufer, dessen Haare im Wind zu tanzen schienen.

Vielleicht ein altes Tier, zuckte Liesel mit den Schultern. Sie hatte nie das Murmeltier gesehen, das ihre Großmutter ihr nie gezeigt hatte.

Am nächsten Tag kam der Hausarzt, ein nüchterner Mann, zu uns.

Frau Frieda ist nicht wohlauf, stellte er fest.

Natürlich, das ist doch klar, klopfte Wilhelm sich die Oberschenkel ab, sonst hätten wir Sie nicht gerufen! Der Arzt schaute nachdenklich zuerst Wilhelm, dann seine Ehefrau.

Altersbedingt, sagte er unverblümt. Ich sehe keine gravierenden Abweichungen. Was sind die Symptome?

Sie kocht nicht mehr, sagt mir, wann Mittag- und Abendessen zu servieren sind! Ihr ganzes Leben hat sie nur mit der Nase gewunken und gemeint, meine Hände seien nicht die richtigen, und jetzt geht sie nicht mal mehr in die Küche, sagte Wilhelms Frau, ebenfalls bereits zur Oma geworden, mit gesenkter Stimme.

In der Familienratssitzung beschlossen wir, dass das ein beunruhigendes Zeichen sei. Die Anspannung ließ uns schließlich erschöpft in die Betten fallen, als wären wir in einen tiefen Schlummer gestürzt.

In der Nacht hörte Wilhelm das vertraute Scharren von Hausschuhen. Dieses Mal war es kein dringendes Aufrufen zum Frühstück, sondern ein leises Geräusch.

Mama?, flüsterte er, als er ins Flur ging.

Ja, drang eine unhöfliche Stimme aus der Dunkelheit.

Was willst du?

Ich denke, ich gehe ein wenig mit meinem Freund, dem Bäckermeister Marius Weber, aus, während ihr schlaft, sagte die Stimme, die plötzlich wieder klarer klang. Zur Toilette muss ich, sonst geht nichts.

Wilhelm schaltete das Licht an, stellte den Wasserkocher an und setzte sich an den Tisch, die Hände um den Kopf gekrallt.

Hast du Hunger?, fragte die Oma, die im Flur stand und ihn ansah.

Ich warte auf dich. Was war das, Mama?

Frieda trat zum Tisch.

Ich sitze jetzt seit fünf Tagen im Zimmer, begann sie, und plötzlich schlug eine Taube das Fenster bumm! Ich dachte, das sei ein Todeszeichen. Sie legte sich hin, wartete, zählte die Tage, den zweiten, den dritten, und wachte mitten in der Nacht auf: Würde diese Vorahnung nicht lieber zum Wald gehen, damit ich nicht mein Leben zwischen Laken verbrenne?

Mach mir bitte einen stärkeren Tee, bat sie, drei Tage haben wir kaum gesprochen, das werden wir nachholen.

Wilhelm legte sich erst gegen halb fünf Uhr morgens wieder hin, während Frieda in der Küche weiter das Frühstück vorbereitete das musste sie selbst machen, denn sonst würden die jungen Hände die Kinder nicht ordentlich versorgen können.

**Persönliche Erkenntnis:**
Ich habe gelernt, dass das Ignorieren der Bedürfnisse der Ältesten das Haus in Unruhe versetzt; Respekt und Aufmerksamkeit für die Seniorinnen und Senioren sind das Fundament einer gesunden Familie.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

„Schnell gebären!“, schnappte Oma Marga und schwang ihre Beine über die Bettkante.
Alles wird gut!