Schlappschwanz und SuperdackelGemeinsam retteten sie den Tag, und der Schlappschwanz wurde zum Helden der ganzen Nachbarschaft.

Kleopatra sah keine besondere Schuld bei sich. Nun ja, einmal hatte sie sich nicht zurückhalten können, war einer Katze hinterhergejagt, hatte stärker an der Leine gerissen als nötig, und die Herrin war gestürzt. Aber Klepa tat es nicht aus Bösartigkeit – es waren die Instinkte …

Das Leben gab Sascha ständig eins auf den Deckel: „Lass es, du gehörst nicht hierher, tritt zur Seite …“

Und Sascha trat zur Seite. Das Leben hatte recht, besser, man macht sich nicht breit – dann bleibt man gesünder. Die Natur hatte an ihm ihr Übel ausgelassen: klein, dürr, schwächlich.

In der Schule hänselten sie ihn deshalb als Weichei, und ab und zu verpassten sie ihm eine Abreibung, nur so zur Vorsorge. Freunde hatte Sascha fast keine, nur einen – Paul.

„Warte nur ab, wenn ich erst erwachsen bin“, dachte Sascha damals, „dann hört das alles auf. Erwachsene sind vernünftig. Die geben keine blöden Spitznamen und hauen nicht grundsätzlich eine runter.“

Ach, wie hatte er sich geirrt …

*****

Mit den Ohrfeigen war es im Erwachsenenleben tatsächlich besser bestellt. Im Erwachsenenleben war es nicht üblich, wahllos welche auszuteilen. Aber dafür mit den Spitznamen …

Wie nannten sie Sascha nicht alles. Schlaks, Wanze, Grashüpfer, Mäuschen. Er kränkte sich natürlich, aber die Sache war die – er konnte nicht angemessen kontern. Denn zu seiner geringen Körpergröße gesellte sich eine enorme Schüchternheit.

Ach, wie sehr hinderte sie Sascha. Noch mehr als sein unscheinbares Äußeres. Neue Beziehungen kamen nicht zustande. So verkehrte er nur mit seinem alten Schulfreund Paul und mit seiner Mutter, solange sie lebte.

Die Jahre vergingen, Sascha arbeitete als Lagerist in einem Supermarkt und dachte nicht einmal an eine Beziehung, obwohl die Belegschaft zu neunzig Prozent aus Frauen bestand.

Nur die Damen sahen Sascha als eine Art „Sohn des Ladens“. Sie bemutierten ihn, beschützten ihn, versorgten ihn mit selbstgekochtem Essen. Na klar! Er war ja „der Arme, der Kleine“.

Außerdem war Sascha mit seinen Vierzig Vollwaise geworden. Da hatten die mitleidigen Frauen ein Einsehen …

So ging es weiter bis zu jenem Tag, als er Marlene traf. Marlene war eine Frau mit einem großen „F“. Sie war einfach nicht zu übersehen!

In ihr vereinten sich eine stattliche Größe, markante Vorzüge und eine laute Stimme. Sie war großartig!

Sascha verliebte sich hoffnungslos. Er wagte nicht einmal, sie anzusprechen. Was war er schon für sie? Ein Floh, eine blasse Motte, ein Molekül! Aber das Leben hatte einen eigenartigen Humor. Und von diesem angetrieben, beschloss es, den kleinen, schüchternen Schwächling und die große, laute Marlene zusammenzubringen.

Die Methode, die das Leben dazu wählte, war ziemlich abgedroschen, aber bewährt. Wie viele Beispiele gab es, wo der Retter sich in den Geretteten verliebt? Viele! So rettete Marlene eines Tages Sascha …

Es geschah so: Sascha stand an der Kasse an. Hinter der Kasse thronte die großartige Marlene. Sascha wurde blass, dann rot, war nervös, wechselte die Packung Kefir von einer Hand in die andere.

Da tauchten hinter ihm zwei junge Lausbuben mit ein paar Flaschen Hochprozentigem auf und schubsten den drahtigen Sascha mit der Schulter zur Seite:

„Du kommst nach uns, Onkel. Wir haben es eilig“, sagte einer.

An jedem anderen Tag hätte Sascha sie wortlos vorbeigelassen, aber ausgerechnet heute nicht. Denn auf ihn blickte die Angebetete persönlich!

„Macht mal Platz, Männer. Ich hab auch nicht ewig Mittagspause“, piepste er.

„Halt die Luft an! Wir sagten, du kommst nach uns, also nach uns!“ Einer der Burschen stellte schon seine Flasche aufs Band.

Der Zweite drehte sich zur Bekräftigung um und stupste Sascha leicht gegen die Brust: „Abstand halten, Onkel!“

Sascha lief puterrot an, riss den Mund auf, aber Marlene kam ihm zuvor:

„Der Reihe nach!“, donnerte Marlene von der Kasse. „Und überhaupt, meine Herren, darf ich Ihre Ausweise sehen? Vielleicht darf ich Ihnen grundsätzlich keinen Alkohol verkaufen!“

Saschas Peiniger wurden nervös:

„Ach, kommen Sie, wir haben zu Hause sieben Kinder am Tisch, und Sie wollen Ausweise!“ versuchte einer zu scherzen.

„Hören Sie, ihr ‚jungen Familienväter‘, macht mich nicht verrückt. Entweder ihr beweist eure Volljährigkeit, oder ihr düst nach Hause zu Mami und Papi“, befahl Marlene.

Hinter Marlene hatte sich der gelangweilte Ladendetektiv Schmidt bereits aufgerichtet. Also zogen es die „jungen Familienväter“ vor, unter bösen Murmeln das Feld zu räumen.

„So eine freche Jugend!“, sagte Marlene wütend.

Dann sah sie Sascha an und fügte schon sanfter hinzu:

„Komm, Sascha, ich kassiere dich ab. Sonst kommst du wirklich nicht zum Essen. Und du musst essen, du bist viel zu mager. Sogar die kleinen Rabauken greifen dich an.“

„Danke …“, stammelte Sascha.

Er wäre am liebsten im Boden versunken.

„Na super, jetzt habe ich nicht mal mehr die leiseste Hoffnung, dass Marlene mich auch nur ansieht. Musste ich mich so blamieren. Vor den Jungs hatte ich Angst! Obwohl – woher sollte ich wissen, dass das Jungs waren? Die waren ja so groß!“ grämte sich Sascha.

Aber es kam ganz anders.

Von diesem Tag an behandelte Marlene ihn anders. Sie lächelte, flirte, fing an, ihm Essen von zu Hause mitzubringen. Die anderen Ladendamen traten den Rückzug an. Sascha wusste nicht, was Marlene dafür getan hatte. Nur einmal hörte er die Frauen tuscheln:

„Unser Mäuschen ist jetzt Marlenes Trophäe.“

„Na und, soll er. Vielleicht heiratet sie ihn ja, und dann, na ja, mästet sie ihn ordentlich.“

Der Titel „Trophäe“ machte Sascha nicht allzu viel aus:

„Also bin ich ihr etwas wert!“, entschied er. „Also schätzt sie mich. Und von da ist es nur ein Schritt bis zur Liebe. Vorläufig reicht meine Liebe für uns beide. Das genügt.“

Dieser Gedanke trieb Sascha zu entschlossenen Taten an. Und über seine Schüchternheit hinwegsteigend, lud er Marlene tatsächlich zu einem Rendez-vous ein.

Sie willigte ein. Wort für Wort, Treffen für Treffen – es begann eine Romanze, und dann wurde Hochzeit gefeiert …

Nur enttäuschte das Eheleben Sascha. Marlene ernannte sich sogleich zum Familienoberhaupt. Und das wäre ja noch in Ordnung gewesen, aber sie hatte eine sehr eigenwillige Vorstellung von diesem Oberhaupt.

In ihren Augen sollte der nämlich nicht nur alles entscheiden und kontrollieren, sondern auch das Recht haben, zu erziehen und zu strafen.

Ach, wie oft kriegte Sascha von ihr was zu hören für die kleinste Kleinigkeit. Mal hatte er den Kronleuchter falsch aufgehängt, mal den Boden schlecht gewischt, mal seinen Teller nicht abgewaschen …

Sascha ertrug es. Er liebte, trotz allem, seine Retterin Marlene. Und wollte unbedingt, dass auch er geliebt wurde. Er hoffte, dass alles anders werden könnte. Sie würden sich schon zusammenraufen und einträchtig leben.

Die Illusionen, wie auch die Reste der Liebe, wurden Sascha durch eine einzige Ohrfeige ausgetrieben.

„Du Taugenichts, du Weichei, du Schlaks!“, schimpfte Marlene an jenem Abend. „Kannst du überhaupt etwas richtig machen? Du schweigst? Zu Unrecht! Sag mir lieber, wo ich eine zweite Tasse wie diese finden soll?

Die war von meiner Oma, uralt, meine Lieblingstasse! Du hast doch zwei linke Hände, schaffst es nicht mal, Geschirr zu spülen! Ach, ich könnte dich …“

Sascha konnte nicht antworten. Als Marlene die Worte ausgingen, ging sie zur Tat über! Ihre Hand war schwer.

Aber als Sascha wieder klar im Kopf war, wusste er: „Schluss damit! Ohrfeigen hatte ich schon in der Kindheit genug!“

Mit Krach und Geschrei ließen sie sich scheiden. Sascha war wieder einmal von den Menschen enttäuscht und schwor sich, sich nie wieder zu verlieben …

Auch Kleopatra wurde vom Leben gebeutelt. Und das völlig zu Unrecht. Sie war ein Traum von einem Hund – schwarz, lang, groß. Ganze zwölf Kilogramm Glück!

Nur wollte offenbar niemand so viel Glück haben. Also wanderte Klepa von Hand zu Hand …

Dem ersten Herrn gefiel ihr Aussehen nicht:

„Das ist ja ein Übertakt, vielleicht ein Superdackel! Kurz, ein Treppenwitz. Kommt nicht in Frage. Ich habe noch nie von einem Mischling geträumt.“

Also gab er Klepa flugs an seinen Kumpel weiter.

„Was ist denn das für eine Rasse? Ein Riesenwuchs-Dackel?“, scherzte dieser. „Ein Prachtstück! Die Mutter hat wohl mit einem Basset gesündigt. Und was für eine Kläfferin! Na, prima, die wird die Datsche bewachen.“

Aber bewachen konnte Klepa nicht. Ja, sie hatte eine tiefe, furchteinflößende Stimme. Nur bellte Klepa nicht, wenn sie potenzielle Feinde und Diebe des Herrenguts sah, sondern wenn es ihr gerade passte.

„Du blöde Töle“, schimpften sie. „Leere Kläfferin! Du frisst viel, bewachen kannst du nicht. Dafür hast du alle Blumen platt getrampelt und den Rasen umgegraben. Wir müssen dir einen anderen Besitzer suchen.“

Mit Mühe fand sich ein neuer Besitzer. Genauer gesagt, eine Besitzerin. Eine ältere, in jeder Hinsicht nette Dame, nur sehr langsam. Klepa schwor sich, dass sie ein braver Hund sein würde. Aber wieder klappte es nicht …

Kleopatra sah freilich keine besondere Schuld bei sich. Nun ja, einmal hatte sie sich nicht zurückhalten können, war einer Katze hinterhergejagt, hatte stärker an der Leine gerissen als nötig, und die Herrin war gestürzt.

Aber Klepa tat es nicht aus Bösartigkeit – es waren die Instinkte. Und die Herrin kam mit dem Schrecken davon, Gott sei Dank. War das etwa ein Grund, sich zu trennen? Aber Menschen sind seltsame Geschöpfe.

„Ich komme mit ihr nicht klar!“, klagte die gestürzte Herrin am Telefon. „Mein Leben ist mir lieber. Gib sie irgendwohin ab. Oder ich setze sie vor die Tür.“

Und der Jemand, wer immer es war, hatte sich wohl bemüht. Klepa bekam eine Familie. Eine richtige Familie aus drei Leuten: ein Mann, eine Frau und ein Kind.

„Kleopatra, tu Andreas nichts!“, befahl der Mann. „Sonst setzt es was!“

Klepa hatte nicht vor, dem kleinen Menschenkind etwas zu tun. Dafür hatte der seine eigenen Pläne mit dem Hund:

„Du bist jetzt mein Pony“, verkündete der vierjährige Andreas und versuchte, Klepa zu besteigen.

Die wand sich aus und knurrte. Sie war zwar groß, aber als Pony taugte sie offensichtlich nicht.

Andreas ärgerte sich und brüllte. Die Frau ärgerte sich und schimpfte. Der Mann griff zum Gürtel. Klepa versteckte sich. Da wurde der Mann rot, schrie und drohte, Klepa ins Tierheim zu bringen …

Es ist ungewiss, wie es ausgegangen wäre, aber eines Tages kam ein Freund des Mannes zu Besuch. Klepa kroch unter dem Bett hervor, um zu sehen, wer da kam.

Der Freund des Herrn war ein kleiner, dünner Mann namens Sascha.

„’n Schlacks“, dachte Klepa. „Meiner ist viel kräftiger. Wahrscheinlich ist dieser Mann auch ein Treppenwitz, so wie ich.“

„Hallo, Paul, ewig nicht gesehen“, begrüßte Sascha Klepas Herrn. „Du hast ja wieder Zuwachs bekommen. Einen Hund angeschafft? Ich habe mich endlich von meiner Frau scheiden lassen.“

„Glückwunsch, war auch höchste Zeit! Und ich möchte mich von diesem Hund ‚scheiden‘ lassen. Ich habe es hundertmal bereut, sie angeschafft zu haben“, seufzte Paul. „Ungezogen, bösartig, knurrt den Andreas an, und wenn man sie schimpft, versteckt sie sich unterm Bett. Kurz, ich denke darüber nach, sie wegzugeben.“

„Ach, was soll das? Warum gleich weggeben?“ Sascha sah Klepa mitleidig an. „Ungezogen, sagst du. Hast du sie denn erzogen? Schimpfen und Strafen ist keine Erziehung.

Sie müsste zu einem Hundetrainer. Ich bin zwar kein Hundefreund … Aber mich hat man auch mit Geschrei und Ohrfeigen zu erziehen versucht – hat nicht geklappt.

„Was für ein Hundetrainer, Sascha? Ich habe nicht mal Zeit für meine Familie, schufte wie ein Pferd! Meine Frau hat auch keine Zeit …

Hör mal, wenn du so schlau bist, kannst du vielleicht unsere Kleopatra zu dir nehmen?“, schlug Paul vor. „Du bist jetzt allein und frei. Dann erzieh sie, so viel du willst. Und? Ist doch ’ne gute Idee. Allen ist geholfen: uns, Klepa und dir!“

„Ich würde sie nehmen, aber ob sie mitkommt? Sie ist doch an euch gewöhnt, oder?“ Sascha sah Klepa fragend an.

„Der gefällt mir“, dachte die. „Er redet vernünftig, hat keine Kinder, wie ich gehört habe, und ist selbst ein Sonderling. Also versteht er mich schneller als andere! Ich muss zeigen, dass ich einverstanden bin!“

Und sie wedelte ein paarmal mit dem Schwanz.

„Sieh mal an, sie ist nicht dagegen!“, freute sich Paul. „Hoffen wir, dass du mit ihr klar kommst. Und dort, vielleicht, triffst du auf einer Hundewiese dein Schicksal.“

„Das brauche ich nicht. Ich habe genug“, winkte Sascha ab.

Am Abend gingen sie und Kleopatra gemeinsam nach Hause …

Es stellte sich heraus, dass mit Klepa viel leichter klarzukommen war als mit der Ex-Frau. Sie war nicht bockig, schrie nicht wegen jeder Kleinigkeit und schwang erst recht keine Pranken.

Wenn sie etwas nicht auf Anhieb verstand, verstand sie es beim zweiten Mal. Außerdem liebte sie Sascha! Er war für sie alles: Freund, Herrchen, die ganze Welt.

Sie gingen gemeinsam in die Hundeschule, spielten auf dem Platz, lernten, tollten, redeten miteinander. Und Sascha war glücklich, dass das Schicksal ihn an jenem Abend dazu trieb, seinen alten Schulfreund zu besuchen.

„Hunde sind definitiv besser als Menschen“, dachte Sascha. „Klepa ist der beste Beweis dafür. Klug, schön, folgsam. Nun ja, vielleicht noch nicht ganz folgsam, aber das lässt sich nachholen.

Allerdings dachte er das nicht lange. Es stellte sich heraus, dass es auch unter Menschen wunderbare Exemplare gab: gütig, einfühlsam, aufmerksam.

Nur wusste Sascha früher nicht, wo die sich herumtrieben. Jetzt entdeckte er sie – auf Hundewiesen gab es sie in Hülle und Fülle. Viele lernte Sascha durch Klepa kennen. Mit einigen freundete er sich an.

Und, wer weiß, vielleicht kommt der Tag, an dem er sich wieder verliebt – in irgendeine Besitzerin eines Spitz oder einer Dogge. Natürlich nicht gleich jetzt. Aber Sascha schließt es nicht aus.

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Homy
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Schlappschwanz und SuperdackelGemeinsam retteten sie den Tag, und der Schlappschwanz wurde zum Helden der ganzen Nachbarschaft.
Sie schütteten Suppe über eine schwangere Frau – und erfuhren dann, dass sie die Besitzerin des Hotels war