Wie ich versehentlich zum Zeugen wurde: Meine unfreiwillige Rolle in einem deutschen Gerichtsfall

**Tagebucheintrag: Wie ich versehentlich Trauzeuge wurde**

Hätte mir heute Morgen jemand gesagt, dass ich bis zum Abend in einem weißen Hemd, mit einem fremden Blumenstrauß in der Hand und einem gequälten Lächeln vor wildfremden Leuten stehen würde, um ihren Bund fürs Leben zu segnen, hätte ich nur gelacht, mir an die Stirn getippt und mich wieder meinem Haferbrei zugewandt. Keine Vorahnungen, keine seltsamen Zeichen einfach ein normaler Morgen in meinem ruhigen Hinterhaus in Berlin. Doch das Leben liebt es, einem unangekündigte Aufgaben zuzuwerfen, und zwar am liebsten, wenn man in Hausschuhen und mit Kaffeetasse dasteht.

Alles begann damit, dass ich nur schnell ins Standesamt wollte. Nicht für mich gegenüber gibt es den besten Currywurst-Imbiss der Stadt, und ich hatte nur friedliche Absichten. Schlange stehen, der Duft von frischen Brötchen, gebratenen Würstchen und Senf alles wie immer. Plötzlich hielt ein schwarzer Wagen mit Schleifen und Rosen vor der Tür, glänzend wie im Film, und eine lärmende Gruppe stürmte heraus. Gelächter, Korkenknallen, Blitzlichter, Parfümwolken alles wirbelte um mich herum, als wäre ich versehentlich in eine Hochzeitsreportage geraten.

Dann packte mich eine der Brautjungfern in einem grellgrünen Kleid mit Glitzer am Arm, als kenne sie mich seit Jahren: Da ist er! Unser zweiter Trauzeuge!

Ich drehte mich um vielleicht stand ja jemand hinter mir. Doch nein. Alle starrten mich an, jemand pfiff, andere klatschten, und plötzlich war ich der Mittelpunkt, wie ein Schauspieler, der aus Versehen auf die falsche Bühne geraten ist.

Moment, ich bin eigentlich nur, versuchte ich, aber es war zu spät. Man zog mich hinein, steckte mir eine Ansteckblume ans Revers und stellte mich neben einen hochgewachsenen Kerl im Anzug, der aussah, als hätte man ihn direkt am Körper gebügelt.

Halte den Strauß, lächel nett, zischte die grüne Brautjungfer und richtete meine Blume fachmännisch, als täte sie das täglich. Unser eigentlicher Trauzeuge steckt im Stau. Rette uns die Situation. Blinzle nicht zu viel, sonst siehst du auf den Fotos wie eine Eule aus.

Ich wollte ablehnen. Ehrlich. Doch genau in dem Moment setzte der Hochzeitsmarsch ein laut, feierlich, mit Hall im ganzen Saal. Die Türen öffneten sich, und wie auf Kommando bewegte sich der Zug nach vorne. Ich mittendrin, als wäre ich Teil eines Drehbuchs, das nur ich nicht kannte.

Ehrlich gesagt, war es eine der absurdesten Situationen meines Lebens. Ich stand neben dem Bräutigam, der nervös an seinem Ärmel zupfte und auf die Uhr schielte, als fürchte er, zu seiner eigenen Hochzeit zu spät zu kommen. Die Braut wirkte, als könnte sie gleich vor Glück oder Panik weinen. Sie atmete tief ein, biss sich auf die Lippe, und ihr Schleier zitterte leicht. Ich kannte ihre Namen nicht. Ich wusste nicht einmal, ob ich den Strauß richtig hielt in welcher Hand, in welchem Winkel, ohne wie ein Hochstapler auszusehen.

Als die Standesbeamtin die Trauzeugen nach vorn bat, trat ich vor und mir wurde klar: Ich war wie eine Figur aus einer Komödie. Alle sahen zu. Kameras filmten. Der Fotograf knipste, als dokumentiere er ein historisches Ereignis. Und ich, der nur eine Currywurst wollte, war plötzlich offiziell Teil einer fremden Hochzeit mit Stempel und allem.

Das Verrückteste? Niemand bemerkte den Betrug. Nicht der Bräutigam, nicht die Braut, nicht die Tränen schwenkenden Tanten in der ersten Reihe. Ich unterschrieb routiniert, posierte für Fotos, und die grüne Brautjungfer drückte mir schließlich ein Stück Torte und Sekt in die Hand, als gehöre ich schon ewig dazu.

Danke, du hast uns gerettet!, lachte sie und zwinkerte mir zu. Falls du mal einen Trauzeugen brauchst du bist jetzt einer von uns.

Als ich endlich das Standesamt verließ, hatte ich einen Blumenstrauß in der Hand, eine Serviette mit der Nummer der Brautjungfer in der Tasche, und im Kopf summte noch die Musik. Meine Pläne für einen ruhigen Tag waren dahin stattdessen bekam ich eine spontane Feier, einen Sekt und das Gefühl, als hätte ich gerade eine Hauptrolle in einer romantischen Komödie gespielt.

**Was ich heute lernte:** Manchmal wirft einen das Leben mitten in eine fremde Geschichte und das kann sogar Spaß machen. Hauptsache, man lächelt und hält den Blumenstrauß richtig.

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Homy
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