– Lass mich in Ruhe, – beharrte Lena. Doch die Katze folgte ihr unablässig.

Gertrud lebte nicht. Sie existierte nur noch.

Zweiundsiebzig Jahre, eine Einzimmerwohnung am Stadtrand von Köln, eine Rente, von der ab dem zwanzigsten des Monats nur noch ein paar Cent übrig waren. Und Stille.

Vor einem halben Jahr war Günter gegangen. Nicht zu einer anderen – einfach gegangen. Leise, im Schlaf, nicht einmal ein Röcheln. Gertrud wachte morgens auf, und er war bereits kalt. Seine Hand lag auf dem Bettrand, als hätte er sie noch ausstrecken wollen, es aber nicht mehr geschafft.

Die Tochter Sabine kam aus Berlin zur Beerdigung, blieb drei Tage, stellte die Blutdrucktabletten auf den Kühlschrank und raste davon, mit einem letzten Satz: „Mama, ruf an, wenn was ist.“ Gertrud rief nicht an. Sabine rief an. Alle zwei Wochen, wie nach Zeitschaltuhr.

– Mama, wie geht’s dir?

– Normal.

– Na gut. Küsschen.

Das war das ganze Gespräch. Die ganze Verbindung. Der ganze Sinn.

Gertrud ging zum Supermarkt. Zur Apotheke. Manchmal zum Arzt, wo sie ihren Blutdruck maßen und sagten: „Nicht so viel aufregen.“ Sie regte sich nicht auf. Sie spürte überhaupt nichts. Wie ein Möbelstück. Wie der alte Schrank im Flur, den Günter ständig hatte wegwerfen wollen, es aber nie tat.

An jenem Tag, einem gewöhnlichen Novembertag mit tiefem Himmel und feinem Nieselregen, kam Gertrud von der Arztpraxis zurück. Der Blutdruck war wieder hochgeschnellt. Die Ärztin schüttelte den Kopf, schrieb ein weiteres Rezept aus. Gertrud steckte es in die Tasche, ohne hinzusehen.

An den Mülltonnen bewegte sich etwas.

Eine Katze. Abgemagert, dreifarbig, mit einem zerfetzten Ohr. Sie saß direkt auf dem nassen Asphalt und starrte Gertrud an. Nicht kläglich, nein. Nicht bettelnd. Sondern…… abschätzend. Als ob sie überlegte: Die Richtige oder nicht?

Gertrud ging vorbei.

Die Katze erhob sich und folgte ihr. Lautlos. Kein Miau, kein Vorlaufen, einfach drei Schritte hinterher, wie ein Schatten.

Gertrud drehte sich am Hauseingang um.

– Lass mich in Ruhe.

Die Katze setzte sich. Blinzelte. Und blieb sitzen.

Gertrud stieg in den dritten Stock, schloss die Tür, stellte den Wasserkocher an. Sie blieb am Fenster stehen – unten, auf der Bank vor dem Haus, saß genau dieselbe Katze.

Eine verrückte Katze.

Am Morgen öffnete Gertrud die Tür und wäre fast gestolpert. Auf der Fußmatte, zusammengerollt, schlief die Katze. Wie sie in den dritten Stock gekommen war, blieb unklar. Aber sie lag da, als ob genau dies ihr Platz sei.

– Und was soll ich mit dir machen? – fragte Gertrud.

Die Katze öffnete ein Auge. Und schloss es wieder.

Als ob die Antwort klar war.

Gertrud ließ sie nicht herein. Naja, das dachte sie zumindest.

Sie stellte einfach eine Untertasse mit Milch raus. Sie ließ die Tür einfach einen Spalt offen, weil es stickig war – November und die Heizung ballerte wie verrückt. Und die Katze kam einfach herein.

Gertrud stand im Flur und sah zu, wie dieses freche, magere Vieh die Ecken des Vorzimmers beschnupperte. Dann die Küche. Dann das Wohnzimmer. Und plötzlich blieb sie stehen.

Günters Sessel. Alt, durchgesessen, mit abgewetzten Armlehnen. Derselbe, in dem er jeden Abend gesessen hatte, die Fernbedienung gedrückt und gesagt: „Trude, sieh dir an, was die da treiben.“ Ein halbes Jahr lang war Gertrud einen Bogen um diesen Sessel gegangen. Sie konnte weder darin sitzen, noch ihn wegwerfen. Er stand da wie ein Denkmal. Wie ein Loch im Raum.

Die Katze sprang hinein. Drehte sich in der Kuhle und legte sich hin. Rollte sich zusammen, die Nase im Schwanz.

Und begann zu schnurren.

Gertruds Lippen zitterten. Sie wollte schreien: „Runter von da!“ Aber die Kehle zog sich zusammen, und statt eines Schreis kam nur ein heiseres, unverständliches Krächzen. Sie ließ sich auf das Sofa fallen und starrte lange, wie die Katze in Günters Sessel schlief.

– Eine Nacht, – krächzte Gertrud. – Morgen setz ich dich vor die Tür.

Am nächsten Tag setzte sie sie nicht vor die Tür. Und am übernächsten auch nicht. Die Katze blieb.

Sie nannte sie Minka.

– Minka, komm fressen, – sagte Gertrud, während sie eine Untertasse auf den Boden stellte.

Minka aß. Und sah Gertrud von unten nach oben an mit diesem Blick. Abschätzend. Ruhig. Der Blick von jemandem, der etwas weiß, was du noch nicht verstanden hast.

Nach einer Woche kaufte Gertrud Katzenfutter. Das billigste, in der gelben Tüte, im Angebot. Sie stand im Zoofachgeschäft und fühlte sich wie eine Idiotin. Die Verkäuferin, ein Mädchen von vielleicht zwanzig mit pinken Nägeln, fragte:

– Welche Rasse?

– Keine Rasse. Hat sich aufgedrängt, – brummte Gertrud und ging, ohne sich zu verabschieden.

Dann kaufte sie ein Katzenklo. Dann einen Napf. Einen richtigen, aus Keramik, weil Minka aus der Untertasse immer daneben patschte. Dann einen Kratzbaum für hundertneunzig Euro, weil die Katze anfing, die Sofalehne zu bearbeiten, und das Sofa war das Einzige, das Gertrud noch in anständigem Zustand hatte.

„Vorübergehend“, wiederholte sie sich. „Das ist alles nur vorübergehend.“

Aber das Leben veränderte sich bereits. Unmerklich, heimtückisch, wie Wasser den Stein höhlt.

Früher wachte Gertrud um neun auf, lag da und starrte an die Decke. Jetzt – um halb acht setzte sich Minka neben das Kopfkissen, schaute Gertrud ins Gesicht und schwieg. Kein Miau. Sie saß einfach da und wartete. Und von diesem stummen Warten konnte man nicht anders als aufstehen.

Gertrud stand auf. Ging in die Küche. Schüttete Futter ein. Schaltete den Wasserkocher ein. Und plötzlich bemerkte sie, dass sie schon zehn Minuten am Fenster stand und auf den Hof starrte. Einfach so. Ohne an den Blutdruck zu denken, ohne an die Rente zu denken, ohne an Günter zu denken.

Die Abende wurden noch interessanter. Früher schaltete Gertrud den Fernseher ein – nicht, um zu sehen, sondern um die tote Stille zu vermeiden. Stimmen aus dem Bildschirm füllten die Leere, und es fühlte sich an, als wäre man nicht allein. Jetzt legte sich Minka neben sie aufs Sofa, ans Bein, und schnurrte. Leise, gleichmäßig, wie ein kleiner Motor. Und zum ersten Mal seit einem halben Jahr schaltete Gertrud den Fernseher aus.

Die Stille war nicht mehr beängstigend. Stille mit Schnurren – das war eine ganz andere Stille.

Sie ertappte sich dabei, wie sie mit der Katze sprach. Nicht verniedlichend, nein – Gertrud konnte nicht verniedlichen, nicht einmal mit Sabine als Kind. Sie sprach einfach. Wie mit einem Menschen.

– Schon wieder Blutdruck 160. Die Ärztin, diese Frau Dr. Schmidt, sieht mich an wie eine Tote. Aber ich lebe vielleicht noch. Allen zum Trotz.

Minka blinzelte.

– Sabine hat angerufen. Wieder ihr ewiges: „Mama, wie geht’s dir?“ Wie geht’s mir? Gar nicht. Obwohl…… früher – gar nicht. Aber jetzt…… jetzt weiß ich nicht.

Die Katze rieb ihren Kopf an Gertruds Handfläche. Und Gertrud verstummte, weil es ihr wieder die Kehle zuschnürte.

Die Nachbarin, Helga Müller, kam auf einen Tee vorbei, sah Minka und schlug die Hände zusammen:

– Gertrud! Du hast doch gesagt – niemals, unter keinen Umständen!

– Ich sag immer noch: das ist nur vorübergehend.

– Klar, vorübergehend, – lachte Helga, während die Katze sich an Gertruds Beinen rieb. – Du hast Futter an drei Stellen stehen, einen Keramiknapf und einen Kratzbaum. Sehr vorübergehend.

Gertrud drehte sich zum Fenster, damit Helga nicht sah, dass sie lächelte. Zum ersten Mal seit einem halben Jahr.

Dann rief Sabine an. Gertrud wusste selbst nicht, warum sie von der Katze erzählte. Es rutschte ihr raus. Vielleicht wollte sie etwas teilen – zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie etwas zu teilen.

– Du hast eine Katze aufgelesen? – wiederholte Sabine. – Na, wenigstens eine Beschäftigung, Mama.

Eine Beschäftigung.

Gertrud legte auf und spürte Wut. Echte, heiße, lebendige Wut. Nicht Verletztheit – die war gewohnt, wattig, formlos. Sondern Wut. Die Art, bei der man mit der Faust auf den Tisch schlagen und sagen will: „Begreifst du das denn nicht?!“

Im Dezember fiel alles auseinander.

Minka fraß weniger. Zuerst bemerkte Gertrud es nicht – naja, nicht aufgegessen, passiert. Dann rührte sie das Futter gar nicht an. Der Napf stand von morgens bis abends voll, und das Futter trocknete zu einer braunen Kruste ein. Minka lag in Günters Sessel und bewegte sich kaum. Nur ihr Atem – schnell, flach, als ob die Luft nicht reichte.

– He, – Gertrud hockte sich hin, sah der Katze in die Augen. – Was hast du?

Minka blinzelte. Und drehte den Kopf zur Wand.

In Gertrud riss etwas.

Sie war noch nie beim Tierarzt gewesen. Günter hatte als Kind einen Hund gehabt, aber Gertrud – nein, nie, sie hatte die Leute nie verstanden, die Tiere zum Arzt schleppten, Geld und Nerven ausgaben. „Für die Leute reicht es ja nicht mal zur Behandlung“, hatte sie früher gesagt. Noch vor gar nicht so langer Zeit.

Aber jetzt stand sie im Flur, eine Transportbox in der Hand. Die Box hatte sie gestern gekauft. Vierhundert Euro im Sonderangebot – Plastik, mit einem zerkratzten Gitter. Sie stopfte Minka hinein, und die Katze wehrte sich nicht. Das war das Schlimmste. Früher hätte sie gekratzt, sich gewunden, gefaucht – aber jetzt lag sie da wie ein Lappen und starrte.

Die Tierarztpraxis „Dr. Mayer“ im Kölner Süden. Klein, eng, roch nach Medikamenten und nassem Fell. Gertrud saß auf einem Plastikstuhl, die Box an die Knie gedrückt, und fühlte sich völlig fehl am Platz. Um sie herum junge Leute mit reinrassigen Hunden, mit flauschigen Katzen in teuren Taschen. Und sie – eine Rentnerin im alten Mantel, mit einer abgewetzten Box, darin eine rasselose Katze mit zerfetztem Ohr.

Der Arzt war jung. Ein Junge noch, vielleicht dreißig, mit Brille und blauem Kittel. Er hieß Dr. Thomas Weber, aber er sagte selbst: „Sagen Sie einfach Thomas.“ Er untersuchte Minka, tastete den Bauch ab und verstummte. Sein Gesicht veränderte sich.

– Was? – fragte Gertrud.

– Wir müssen einen Ultraschall machen.

Er machte ihn. Fuhr lange mit dem Schallkopf über Minkas Bauch, klickte mit der Maus, runzelte die Stirn. Dann drehte er sich zu Gertrud und sprach vorsichtig, so wie man mit Leuten spricht, die man bedauert:

– Sie hat eine Neubildung im Bauchraum. Eine Operation ist nötig. Ohne Eingriff – zwei, drei Monate, vielleicht etwas länger.

– Was kostet das? – fragte Gertrud.

– Achttausend Euro. Mit Narkose und Nachsorge.

Gertrud nickte, nahm die Box und ging hinaus.

Achttausend Euro. Ihre ganze Rente. Ohne einen Cent übrig.

Sie setzte sich auf eine Bank vor der Praxis. Dezember, eiskalt, die Finger froren. Minka in der Box – still, bewegungslos, nur die Augen glänzten durch das Gitter. Sie schaute. Nicht bittend, nicht klagend, einfach schauend.

Gertrud zog das Handy heraus und rief Sabine an. Ein Freizeichen, zwei, drei.

– Mama, ich bin bei der Arbeit, kurz bitte.

– Sabine, ich brauche Hilfe. Die Katze braucht eine Operation. Achttausend Euro.

Stille. Dann ein Seufzer. Und eine Stimme, die Gertrud kälter traf als der Dezemberwind:

– Mama, das ist jetzt dein Ernst? Achttausend Euro für eine Straßenkatze?

– Sie ist keine Straßenkatze. Sie ist meine.

– Mama. Das ist eine Katze. Einfach eine Katze. Wenn sie stirbt, holst du dir eine andere. Davon gibt’s hier genug im Hof.

Gertrud schloss die Augen. Mit einem Mal sah sie klar, wie ein Foto – Günter im Sessel. Wie er durch die Kanäle zappte und zu ihr sagte: „Trude, du bist der sturste Mensch auf Erden. Wenn du was beschließt, versetzt du Berge.“ Das hatte er so oft gesagt, dass sie sich früher geärgert hatte. Jetzt hätte sie alles dafür gegeben, es noch einmal zu hören.

– Mama? Hörst du mich?

– Ich höre dich, – sagte Gertrud. – Danke, Sabine.

Und legte auf.

Drei Tage lang dachte sie nach. Drei Tage – das ist viel, wenn neben dir jemand stirbt.

Minka lag in Günters Sessel und schmolz dahin. Wie eine Kerze. Sie aß nur noch löffelweise. Trank kaum. Hörte auf zu schnurren. Gertrud saß daneben, auf dem Boden, auf einer alten Decke, und streichelte die Katze über den Kopf – ganz leicht, mit den Fingerspitzen.

– Ich hab doch gesagt – du bist meine. Meine und sonst nichts.

Am vierten Tag stand Gertrud um sechs Uhr morgens auf. Zog sich an. Ging zur Post. Stand Schlange für die Rente – drei alte Frauen vor ihr, alle mit ihren Überweisungen, alle langsam, alle ewig.

Die Scheine lagen in der Manteltasche, und Gertrud ging die Straße entlang, die Hand an die Seite gedrückt, als trüge sie etwas Zerbrechliches. In gewissem Sinne war es auch so.

In der Tierarztpraxis legte sie das Geld auf den Tresen. Ihre Hände zitterten – vor Kälte oder Angst, sie wusste es nicht.

– Ich bringe die Katze zur Operation.

Dr. Weber sah das Geld an, dann Gertrud, dann wieder das Geld. Er nickte. Sagte nichts Überflüssiges. Nur:

– Die Prognose ist gut. Wenn sie die Narkose übersteht, wird alles normal.

Wenn.

Gertrud setzte sich im Flur auf einen Plastikstuhl. Weiße Wand, Geruch nach Desinfektionsmittel.

Sie versuchte sich zu erinnern, wann sie das letzte Mal so gewartet hatte. Fiel ihr ein. Vor zwanzig Jahren, im Krankenhaus. Sabine brachte ihr Kind zur Welt. Gertrud saß im Flur – genauso, auf einem Stuhl, die Tasche an die Brust gedrückt, und wartete. Damals war alles gut ausgegangen. Ein Kind schrie, und die Welt war anders.

Die Tür öffnete sich. Eine Schwester kam heraus – jung, in Grün, mit müden Augen.

– Sind Sie die Besitzerin der Dreifarbigen?

– Ja, – sagte Gertrud und stand auf. Die Beine waren eingeschlafen, die Knie knackten.

– Alles gut. Die Operation war erfolgreich. Ihre Katze ist eine Kämpferin.

Gertrud nickte. Sie konnte nichts sagen – die Kehle war wie zugeschnürt. Sie nickte nur und nickte, und die Schwester berührte ihren Arm:

– Hey, ist alles in Ordnung mit Ihnen?

– Ja. Ja. Alles in Ordnung.

Minka wurde herausgebracht – in Windeln gewickelt, schläfrig, mit rasiertem Bäuchlein und einem feinen Faden. Gertrud nahm die Box mit beiden Händen, drückte sie an sich und ging zum Ausgang.

Zu Hause legte sie die Katze zum ersten Mal auf ihr eigenes Bett. Auf die Hälfte, wo früher Günter geschlafen hatte. Minka lag auf der Seite, atmete gleichmäßig, und die Naht auf ihrem Bauch leuchtete rosa wie ein dünner Faden. Gertrud legte sich daneben, ihre Hand auf die warme Katzenflanke und flüsterte:

– Du bist mein.

Minka erholte sich langsam. Die ersten 24 Stunden lag sie nur da, aß tropfenweise, blickte mit trüben Augen. Dann begann sie den Kopf zu heben. Und nach einer Woche ging sie selbst zum Napf und fraß alles auf. Gertrud stand in der Küchentür und sah zu, wie die Katze den Keramikboden ausleckte, und dachte: Das also ist Glück. Blödsinniges, billiges Glück auf vier Pfoten.

Bis Februar war Minka wieder die Alte. Raste durch die Wohnung wie verrückt, warf das Salzfass vom Tisch, wetzte die Krallen am Kratzbaum – und gleich danach am Sofa, aus Prinzip. Gertrud schimpfte, wedelte mit dem Handtuch, rief: „Was für ein Biest!“

Gertrud selbst lebte fast nur von Grütze und Kartoffeln. Helga Müller brachte jeden zweiten Tag mal einen Eintopf im Glas, mal eine Tüte Äpfel – „zu viel, nimm es mit“. Gertrud wusste, dass nichts zu viel war. Dass Helga selbst jeden Cent umdrehen musste. Aber sie nahm es. Weil Stolz gut ist, aber man muss ja essen.

Ende Februar rief Sabine an.

– Mama, schau auf dein Konto. Ich hab dir überwiesen. Achttausend Euro.

Gertrud schwieg. Dann:

– Warum?

– Darum. – Eine Pause. Lang, schwer. – Du hast doch deine ganze Rente für die Katze ausgegeben. Und mir nichts gesagt. Helga Müller hat angerufen.

– Helga…… – Gertrud schloss die Augen.

– Mama, so was sollte ich nicht von der Nachbarin erfahren.

Gertrud schwieg. Nicht, weil sie beleidigt war – sondern weil sie aus tausend Worten kein einziges richtiges finden konnte. Und sie wählte das einfachste:

– Komm, Sabine. Einfach so. Komm einfach.

Stille. Eine Sekunde, zwei.

– Ich komme, Mama. Am Samstag.

Gertrud legte auf. Stand da. Dann ließ sie sich in Günters Sessel sinken – zum ersten Mal seit all der Zeit. Einfach hinsetzen. Und nichts passierte. Nur die Kuhle im Sitz war ihr etwas zu groß.

Minka sprang auf ihren Schoß, drückte die Stirn gegen ihre Handfläche und begann zu schnurren – laut, so dass die Vibration tief in ihr drin nachklang.

Draußen fiel Schnee. Gertrud saß und sah zu. Nicht, weil es früher keinen Schnee gegeben hätte. Sondern weil sie es früher nicht bemerkt hatte.

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Homy
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– Lass mich in Ruhe, – beharrte Lena. Doch die Katze folgte ihr unablässig.
Die Fortsetzung der GeschichtePlötzlich erschien ein leuchtender Brief, der das Schicksal aller Beteiligten für immer verändern würde.