Wir schauen uns nur das Wochenendhaus an und fahren dann wieder! – versprach die Schwiegermutter am Freitagabend. Abgefahren sind sie am Sonntag. Ich kam am Montag – und hängte ein Schloss dran.

Also, dass sie ewig nicht mehr gesprochen hatten. Sie saßen auf der Veranda und sahen dem sinkenden Licht über dem Garten zu – dieses Schweigen war anders. Nicht das, in dem sich unausgesprochene Kränkungen verstecken. Sondern eines, in dem es einfach gut war.

Gudrun goss sich den lauwarmen Tee ein und dachte, dass sie Ende August, wenn die Äpfel reif waren, vielleicht Rosemarie anrufen würde. Selbst. Zum ersten Mal. Und sagen: Kommt her – Marmelade kochen.

Vielleicht.

Wenn sie wollte.

Weil es ihr Haus war, ihr Apfelbaum und ihre Entscheidung, wem sie das Tor öffnete.

Der Schlüssel lag in ihrer Tasche.

Dort, wo er hingehörte.

Ende August fielen die Äpfel trotzdem von alleine.

Nicht alle – nur die, die am äußeren Ast über dem Zaun hingen, dort, wo der Schatten am längsten lag. Gudrun fand sie am Samstagmorgen, als sie mit ihrem Kaffee auf die Veranda trat: drei Äpfel im Gras, leicht angedrückt, aber heil.

Sie hob einen auf. Biss hinein, ohne Messer.

Helga hatte nicht gelogen – klein, aber süß.

Stefan schlief noch. Er war spät gekommen, müde, und Gudrun weckte ihn nicht – er sollte ruhen. Sie saß allein, lauschte, wie hinter dem Zaun der fremde Garten seinen Morgen begann, und dachte daran, dass der September schon nah war und dass es hier bald anders riechen würde – nach welkem Laub, nach kühler Erde, nach dem besonderen Duft des Endes, der seltsamerweise nie traurig war.

Rosemarie hatte sie nicht angerufen. Nicht aus Wut – es war einfach nicht passiert. Vielleicht im nächsten Jahr. Vielleicht nie. Auch das war ihr Recht: sich nicht zu hetzen, nicht zu schließen und nicht zu öffnen, bevor sie selbst bereit war.

Stefan kam gegen zehn auf die Veranda – ungekämmt, mit einem Abdruck des Kissens auf der Wange, mit einer Tasse, die er sich selbst eingeschenkt hatte, ohne zu fragen, wo was stand. Er hatte sich also gemerkt, wo alles war. Er war also oft genug hier gewesen.

Er setzte sich neben sie. Sah in den Garten.

„Die Äpfel fallen“, sagte er.

„Ich weiß.“

„Man sollte sie auflesen.“

„Später.“

Sie schwiegen. Ein gutes Schweigen.

Gudrun trank den Kaffee aus, stellte die Tasse auf das Geländer und blickte zum Vorhängeschloss – von der Veranda aus war es zu sehen, wenn man wusste, wo man hinschauen musste. Dunkles Metall, kompakt, verlässlich.

Nur ein Schloss.

An ihrem Tor.

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Homy
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Wir schauen uns nur das Wochenendhaus an und fahren dann wieder! – versprach die Schwiegermutter am Freitagabend. Abgefahren sind sie am Sonntag. Ich kam am Montag – und hängte ein Schloss dran.
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