Galina war die Geliebte. Mit der Ehe hatte sie kein Glück. Sie blieb bis dreißig unverheiratet und beschloss dann, sich doch einen Mann zu suchen.

**Tagebucheintrag**

Gertraud war eine Geliebte. Das Schicksal hatte es nicht gut mit ihr gemeint, was die Ehe anging. Bis sie dreißig war, hatte sie keinen Mann gefunden, dann entschied sie sich endlich, einen zu suchen. Dass Paul verheiratet war, wusste sie anfangs nicht, doch als er merkte, dass sie sich an ihn gebunden hatte und ihn liebte, verschwieg er es nicht länger.

Doch Gertraud warf Paul keinen einzigen Vorwurf vor. Stattdessen schimpfte sie nur mit sich selbst wegen der Affäre und ihrer Schwäche für ihn. Sie fühlte sich minderwertig, weil sie keinen Bräutigam rechtzeitig gefunden hatte, und die Zeit verstrich.

Dabei war sie kein schlechter Fang: keine Schönheit, aber hübsch, etwas pummelig, was ihr vielleicht ein paar Jahre anhängte. Die Beziehung mit Paul führte ins Nichts. Die Rolle der Geliebten wollte Gertraud nicht spielen, doch ihn verlassen konnte sie auch nicht. Die Angst, allein zu bleiben, war zu groß.

Eines Tages stand plötzlich ihr Cousin Jürgen vor der Tür. Er war auf Geschäftsreise in der Stadt und hatte ein paar Stunden Zeit. Sie aßen in der Küche, plauderten wie in alten Zeiten über dies und das, über das Leben. Gertraud erzählte ihm von ihrer Liebesgeschichte, ganz offen, und weinte ein bisschen.

Dann klopfte die Nachbarin und bat Gertraud kurz vorbei, um ihre Einkäufe zu begutachten. Gertraud war etwa zwanzig Minuten weg. Genau in dem Moment klingelte es. Jürgen ging zur Tür, dachte, sie wäre zurück die Tür war ohnehin nicht abgeschlossen. Draußen stand Paul. Sofort begriff Jürgen, wer das war. Paul starrte ihn verdattert an einen großen Kerl in Jogginghose und T-Shirt, der gerade ein Wurstbrot kaute.

*Ist Gertraud da?, fragte Paul unsicher.*

*Sie ist in der Badewanne, log Jürgen ohne mit der Wimper zu zucken.*

*Entschuldigung, wer sind Sie?, stotterte Paul.*

*Ihr Mann. Lebensgefährte. Vorläufig. Und Sie? Was wollen Sie hier? Jürgen trat näher, packte Paul am Kragen. Bist du etwa der verheiratete Schönling, von dem sie mir erzählt hat? Pass auf: Wenn ich dich hier noch einmal sehe, fliegst du die Treppe runter, verstanden?*

Paul riss sich los und rannte die Stufen hinab.

Als Gertraud zurückkam, erzählte Jürgen ihr von dem Besuch.

*Was hast du getan? Wer hat dich darum gebeten? Sie brach in Tränen aus. Er kommt nie wieder.*

Sie ließ sich aufs Sofa fallen und verbarg ihr Gesicht in den Händen.

*Nein, er kommt nicht wieder, und das ist gut so. Hör auf zu heulen. Ich hab da einen tollen Mann für dich im Sinn. Ein Witwer aus unserem Dorf. Die Frauen rennen ihm seit dem Tod seiner Frau die Bude ein, aber er lässt niemanden ran. Scheint noch Zeit für sich zu brauchen. Hör zu: Nach meiner Dienstreise komme ich wieder, dann fahren wir zusammen ins Dorf. Ich stelle euch vor.*

*Wie denn das?, wunderte sich Gertraud. Nein, Jürgen, das geht nicht. Ich kenne ihn doch gar nicht. Und einfach so hinfahren Das ist peinlich.*

*Peinlich ist es, mit einem verheirateten Mann ins Bett zu steigen, nicht, einen freien kennenzulernen. Keiner zwingt dich, mit ihm zu schlafen. Wir fahren, Punkt. Meine Helga hat bald Geburtstag.*

Ein paar Tage später waren Gertraud und Jürgen im Dorf. Jürgens Frau Helga hatte im Garten hinter dem Haus gedeckt. Nachbarn, Freunde und Jürgens Kumpel, der Witwer Alfons, kamen zum Familienfest. Die Nachbarn kannten Gertraud schon lange, Alfons aber sah sie zum ersten Mal.

Nach dem gemütlichen Beisammensein fuhr Gertraud zurück in die Stadt. Sie dachte noch daran, wie ruhig und bescheiden Alfons gewirkt hatte. *Er trauert wohl noch um seine Frau. Armer Kerl. So einfühlsame Männer gibt es selten.*

Eine Woche später, an einem freien Tag, klingelte es unerwartet. Gertraud öffnete und erstarrte: Vor ihr stand Alfons mit einer Tüte in der Hand.

*Entschuldigen Sie, Gertraud, ich war gerade in der Stadt. Auf dem Markt und ein paar Besorgungen. Da dachte ich, ich schaue mal vorbei, stotterte er, als hätte er den Satz geprobt.*

Sie bat ihn herein, noch immer überrascht, aber sie lud ihn zum Tee ein und ahnte langsam, dass dieser Besuch kein Zufall war.

*Haben Sie alles gefunden, was Sie brauchten?, fragte sie.*

*Ja, die Einkäufe sind im Auto. Das hier ist für Sie. Alfons zog einen kleinen Strauß Tulpen aus der Tüte und reichte ihn ihr.*

Sie nahm die Blumen, und ihre Augen leuchteten. Beide tranken Tee in der Küche, redeten über das Wetter und die Preise auf dem Markt. Als der Tee ausgetrunken war, bedankte sich Alfons und machte sich zum Gehen bereit. Im Flur zögerte er, schlüpfte langsam in seine Jacke, schnürte die Schuhe. Dann, fast schon an der Tür, drehte er sich plötzlich um.

*Wenn ich jetzt gehe und es nicht sage, bereue ich es mein Leben lang. Gertraud, die ganze Woche habe ich nur an Sie gedacht. Ehrlich. Sie lassen mich nicht los. Ich konnte das Wochenende kaum erwarten. Deshalb bin ich hier. Die Adresse hatte ich von Jürgen*

Gertraud errötete und senkte den Blick.

*Wir kennen uns doch kaum, flüsterte sie.*

*Das macht nichts. Hauptsache, ich bin Ihnen nicht unsympathisch? Können wir uns duzen? Ich weiß, ich bin kein großer Fang. Und dann ist da noch meine kleine Tochter, acht Jahre alt. Sie ist gerade bei der Oma.*

Alfons Hände zitterten leicht.

*Eine Tochter das ist schön. Ein Glück, sagte Gertraud verträumt. Ich wollte immer eine Tochter haben.*

Alfons fasste Mut, nahm ihre Hände, zog sie zu sich und küsste sie.

Als er zurücktrat, sah er Tränen in ihren Augen.

*Magst du mich denn nicht?, fragte er zaghaft.*

*Doch. Es ist nur so süß und friedlich. Und ich stehle dich keinem anderen*

Von da an trafen sie sich jedes Wochenende. Zwei Monate später heirateten Gertraud und Alfons und zogen ins Dorf. Gertraud fand eine Stelle im Kindergarten. Ein Jahr später bekamen sie eine Tochter. So wuchsen in ihrer Familie zwei Mädchen auf beide geliebt und gleichwertig. Und an Zuneigung fehlte es nie. Alfons und Gertraud wurden mit den Jahren nur jünger vor Glück, ihre Liebe reifte wie ein guter Wein.

Bei Familientreffen zwinkerte Jürgen Gertraud oft zu:

*Na, Gertraud, was sagst du zu dem Mann, den ich dir angedreht habe? Du siehst jedes Jahr besser aus! Wenn ich dir einen Rat gebe, kannst du dich drauf verlassen!*

**Persönliche Lehre:** Manchmal braucht es einen kräftigen Schubs vom Schicksal oder einen resoluten Cousin , um das Richtige zu finden.

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Homy
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Galina war die Geliebte. Mit der Ehe hatte sie kein Glück. Sie blieb bis dreißig unverheiratet und beschloss dann, sich doch einen Mann zu suchen.
Was für eine riesige Wohnung deine Eltern dir gekauft haben,” sagte die Schwägerin neidisch, während sie sich umsah.