Bis zum 30. Lebensjahr ziert Müllers Lebenslauf eine feurige Liebesaffäre mit Juri.

Bis zum dreißigsten Lebensjahr stand im Lebenslauf von Klara Weber eine leidenschaftliche Affäre mit Jürgen, eine fade Erzählung mit Konrad und drei kurze, sinnlose Kapitel mit Stefan, Markus und Mitar. Und dann noch der flüchtige Eintrag über Siegfried eher ein Zettel für die Schwarzwandzeitung. Das ständige Wiederlesen war unmöglich.

Klara dachte bei sich: So soll es nicht weitergehen. Sie seufzte, trat aus der LiteraturSzene aus, meldete sich zu einem Strickkurs an und fuhr zum Tierheim, um nach einem treuen Begleiter zu suchen.

Wissen Sie, welchen Sie wollen? fragte man sie im Tierheim schauen Sie sich um, dann wissen Sie gleich, ob es Ihr Hund ist, hieß die Anweisung. Klara ging durch alle Käfige und Gehege, ihr Herz blieb still.

Da ist niemand mehr? Und wer ist hinter dem Kasten?
Das ist unsere Luna, aber Sie werden sie doch nicht mitnehmen. Luna, komm her! Fürchte dich nicht!
Aus dem Kasten schob sich Luna hervor, ein graubrauner Hund mit schwarzen Flecken, krummköpfig, mit einem wilden Blick, eher ein Gespenst als ein Hund. Ohne Schwanz wedelte sie lachend mit dem Hinterteil.

Luna ist nett, aber Sie sehen selbst: Sie wurde schon zweimal aufgenommen und wieder zurückgeschickt, weil man sie nicht mehr hinauslassen wollte. Niemand braucht dich, arme Luna, murmelte die Pflegerin.

Wie ich, wie ich, dachte Klara und flüsterte: Komm, Luna, wir gehen zusammen! Muss man etwas bezahlen?

Die Nachbarin kreischte auf: Ach du meine Güte! Wer ist das? Aus dem Tierheim? Gab es dort überhaupt MenschenHunde?
Der Junge aus der Wohnung darüber fragte: Tante Anke, lacht sie? Ich habe im Kino gesehen, wie sie nachts lachen! Mama, lass uns auch einen HyänenHund holen!

So ordnete sich das Leben. Am Morgen brachte Klara Luna zur Arbeit, am Abend spazierten sie lange. Das Tierheim hatte nicht gelogen die furchterregende Luna erwies sich als ungewöhnlich zahm und gut erzogen. Sie biss jedoch fremde Besucher und schützte Klara vor möglichen Angriffen.

Einmal riss Sie Siegfrieds Hose und knabberte beinahe an dessen Bein.
Du bist verrückt, Klara, schrie der leicht verletzte Siegfried, und dein Hund ist noch verrückter!

Im Strickkurs sagte die Kursleiterin: Sie haben viel gelernt, zeigen Sie uns Ihre Arbeit. In einem Monat erwarte ich ein fertiges Stück, ganz nach Ihrer Wahl. Wer es eilig hat, kann ein kleines Puppenkleid stricken. Am letzten Kurs bewerten wir alles gemeinsam.

Zuerst wollte Klara etwas für sich selbst machen, doch das Ergebnis war missmutig. Also beschloss sie, einen Pullover für Luna zu stricken, weil der Herbst nun anklopfte und es kälter wurde.

Nun denn, sagte die Kursleiterin, ohne Luna anzusehen, ich sehe, Sie haben sich Mühe gegeben.

Luna wurde in einem rosafarbenen Pullover zum Star der Nachbarschaft; Passanten blieben stehen und schauten, eine alte Dame kniete sogar zum Gruß nieder. Klara ließ das Gerede, denn Luna fror nicht mehr. Sie vollendete den violetten Pullover für die nächste Saison.

Eines Abends ging sie zum Futternachkauf und band Luna am Hauseingang fest. Beim Rückweg bemerkte sie einen Mann, der Luna neugierig musterte.

Entschuldigung, ist das eine bestimmte Rasse? fragte er.
Das ist ein Hund! Wer das nicht mag, soll nicht hinschauen!, bellte Klara, Ihnen gehts nur ums Aussehen, das Herz bleibt gleichgültig.
Sie beschweren sich über das Aussehen? erwiderte der Mann, Aber mir gefällt die Hündin. Wollen wir Freundschaft schließen? Er streckte die Hand aus, um Luna zu streicheln.

Vorsicht! Sie beißt! Sie mag Fremde nicht!, schrie Klara. Statt zu beißen, schnupperte Luna die Hand und schnurrte.

Ein guter Hund, sagte der Mann, Vielleicht können wir ja mit Ihnen befreundet sein.

Die Literatur blieb Klara nicht ganz fern; im fünften Jahr ihrer neuen Laufbahn schrieb sie das fünfte Buch ihrer Reihe weiter.

So lernte Klara, dass wahre Zufriedenheit nicht aus großen Erfolgen oder romantischen Geschichten entsteht, sondern aus der Bereitschaft, einem ungeahnten Begleiter zu vertrauen und gemeinsam Wärme zu schaffen ein Stück, das man selbst gestrickt hat. Denn nur wer das Herz öffnet, findet den wahren Wert des Lebens.

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Homy
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