Während einer Reise nach Dresden setzte ich mich in ein Café am Marktplatz. Plötzlich hörte ich eine Stimme aus meiner Jugend – und mein Herz schlug wie damals, als ich …

Während einer Reise nach Dresden ließ ich mich in ein kleines Café am Altmarkt fallen. Es war laut, voller Besucher, das Klirren der Tassen, der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und Zimtkuchen hing in der Luft.

Ich bestellte ein Cappuccino und starrte durch das Fenster auf das wiederaufgebaute Kaufhaus, dachte, dies werde ein ruhiger Nachmittag, ein einfacher Moment zum Entspannen. Und plötzlich zwischen dem Lärm, dem Lachen, den Gesprächsfetzen hörte ich eine Stimme. Eine Stimme, die ich aus meiner Jugend kannte.

Ein Schauer durchfuhr mich. Es war nicht die Stimme des Kellners, nicht die eines fremden Touristen. Es war die Stimme, die ich nach all den Jahren nicht verwechseln konnte.

Das Herz schlug schneller, wie damals, als ich achtzehn war. Langsam drehte ich mich um und sah ihn. Er stand ein paar Tische weiter, in einem dunklen Mantel, flüsterte etwas zur Bedienung und richtete dann seinen Blick direkt auf mich.

Die Zeit schien für einen Herzschlag stillzustehen. Erinnerungen stürzten zurück das Abitur, Spaziergänge im Großen Garten, unsere Gespräche über die Zukunft. Er war damals meine ganze Welt, hielt meine Hand und schwor, mich nie zu verlassen. Und doch ging er fort, ohne ein Wort, verschwand aus meinem Leben so plötzlich, dass ich monatelang nicht wieder atmen konnte. Jetzt stand er hier, im selben Dresdner Café, und sah mich an.

Was sollte ich tun? Aufstehen, zu ihm gehen? So tun, als hätte ich ihn nicht gesehen? In einem Augenblick fühlte ich mich wieder wie ein junges Mädchen, obwohl über dreißig Jahre vergangen waren. Auch er erkannte mich das sah man in seinen Augen. Er zögerte, dann machte er einen Schritt auf mich zu.

Anke? fragte er unsicher, und seine Stimme durchdrang mich erneut. Ich nickte, unfähig, ein Wort herauszubringen. Das Herz hämmerte, meine Hände waren feucht, im Hals ein Trockenes, als wäre das ganze Café plötzlich leer und nur wir beide würden dort existieren.

Er setzte sich zu meinem Tisch. Zunächst war das Gespräch vorsichtig, voller flüchtiger Fragen: Wie gehts dir? Wo wohnst du jetzt? Hast du Kinder? Doch darunter pulsierten andere Gefühle. Jeder seiner Blicke trug mehr ein stilles Ich habe dich vermisst.

Er erzählte, dass er im Ausland lebt, dass das Leben nicht so verlief, wie er es geplant hatte. Er war verheiratet gewesen, die Ehe zerbrochen, und seit Jahren allein. In seiner Stimme lag Müdigkeit, aber auch die Wärme, die ich aus den frühen Jahren kannte. Ich hörte zu und hatte das Gefühl, die drei Jahrzehnte wären wie weggeweht, und ich säße erneut neben dem Jungen, in den ich mich zum ersten Mal verliebt hatte.

Stunden vergingen. Das Café wurde leerer, die Kellner räumten die Tische, und wir blieben einander gegenüber sitzen. Er sagte, er habe nie den Sommer vergessen, dass er sich manchmal frage, wie unser Leben ausgesehen hätte, hätte er damals den Mut gehabt zu bleiben. In seinen Augen sah ich Reue, aber auch Hoffnung.

Als wir schließlich zusammen auf den Marktplatz traten, pulsierte Dresden im Nachtleben. Laternenlichter spiegelten sich im nassen Kopfsteinpflaster, Streetmusiker spielten alte Melodien an der Ecke. Wir gingen schweigend nebeneinander, jedes Wort schien die magische Stimmung zu zerreißen.

Zum Abschied flüsterte er: Darf ich dich anrufen? Und plötzlich stellte ich fest, dass mein geordnetes Leben, meine tägliche Routine, plötzlich in Frage gestellt wurde. In einem Moment fühlte ich das Jugendherzklopfen wieder, das Sehnen, das Verlangen nach Nähe, das ich längst für tot gehalten hatte.

Ich weiß nicht, woran das enden wird. Nicht, ob wir den Mut finden, eine zweite Chance zu wagen. Aber eines ist klar: An jenem Abend in Dresden hörte ich nicht mehr nur eine Frau, die dachte, die schönsten Jahre seien längst vorbei. Ich erkannte, dass das Leben überall im Traum einen Streich spielen kann.

Eines bleibt gewiss seit diesem Treffen ist nichts mehr, wie es war. Ein einziges Wort aus der Vergangenheit reichte, um in mir etwas zu wecken, das ich für immer verloren geglaubt hatte.

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Homy
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Während einer Reise nach Dresden setzte ich mich in ein Café am Marktplatz. Plötzlich hörte ich eine Stimme aus meiner Jugend – und mein Herz schlug wie damals, als ich …
Unverhofftes Glück An der Universität hätte niemand auch nur geahnt – und niemand hätte es geglaubt –, dass Valeria Iljinitischna, hochgeschätzte Dozentin und Institutsleiterin mit untadeligem Ruf, mit einem hoffnungslosen Alkoholiker verheiratet war. Dies war ihr trauriges Geheimnis und ihr bitteres Schicksal. … Valeria Iljinitischna, Dozentin, engagierte sich vollkommen in ihrer Arbeit, geschätzt und respektiert von Kolleginnen wie Kollegen. Nach außen hin galt sie als souveräne, glückliche Frau – in jeder Hinsicht. Wie sollte es anders sein, wenn sogar ihr Ehemann sie regelmäßig am Akademieeingang abholte und sie Arm in Arm nach Hause gingen? „Ach, Frau Dr. Iljinitischna, Sie sind wirklich eine glückliche Frau! Ihr Mann – so gepflegt, aufmerksam, gebildet und charmant…“, schwärmten die jüngeren Kolleginnen. „Ach, Mädels, beneidet nicht zu früh…“, wehrte Valeria lachend ab. Doch sie allein kannte die Wahrheit: Zu Hause verwandelte sich der angeblich so kultivierte Viktor in einen völlig anderen Menschen. Er betrank sich regelmäßig hemmungslos, kam, besser gesagt, kroch schmutziger als jeder Dreck nach Hause, schaffte es nicht, den Schlüssel ins Schloss zu stecken, klingelte, fiel vor der Tür um und schlief betrunken ein. Valeria zog ihn fluchend ins Haus, deckte ihn mit einer Decke zu und ging dann an ihre Dissertation – erst die zur Promotion, dann die zur Habilitation. Sie stellte ihm stets einen großen Krug Wasser bereit, sonst würde er nachts durchs ganze Haus brüllen: „Valerka! Wasser! Gib mir Wasser!“ Am Morgen stieg Valeria über den schlafenden Ehemann hinweg, verließ ruhig das Haus und lehrte an der Hochschule Vernunft, Güte und Beständigkeit. Dieses Theater wiederholte sich Woche für Woche, Monat um Monat… An manchen Abenden aber stand Viktor wie ausgetauscht, frisch gewaschen und gebügelt, am Akademieeingang und erwartete seine Frau. Wenn Valeria dann, umringt von Kolleginnen, herauskam, küsste er sie höflich auf die Wange: „Na, wie war dein Tag, Valerija?“ „Ganz in Ordnung, Viktor. Komm, wir gehen nach Hause“, seufzte Valeria leise. Die Kolleginnen blickten ihnen bewundernd nach: „Frau Dr. Iljinitischna hat wirklich Glück…“ Zu Hause schwieg Valeria dann aus Prinzip, denn sie wusste: Schweigen verletzt mehr als Worte. Doch Viktor hatte sich mit den Jahren an diese stumme Strafe gewöhnt und verschwand gleich nach dem Heimkommen „noch kurz weg“. An seiner Trinkerei änderte das nichts. …Valeria und Viktor waren seit 28 Jahren verheiratet. Am Anfang war es eine zärtliche Liebe, doch irgendwann zerrann sie leise, wie Daunen aus einem alten Kopfkissen. …Jahrelang hatten sie vergeblich auf ein Kind gehofft. Als endlich ihr Sohn Dima geboren wurde, wurde er Valerias Lebenssinn. 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Ihren Sohn Dima liebte sie über alles – ein lebensfroher, charmanter Junge, der viel Liebesglück und Wechsel kannte. Besonders eine, Anja, blieb fünf Jahre lang, sie wurde fast schon zur Schwiegertochter. Valeria hoffte auf eine Hochzeit und Enkelkinder, doch Dima brachte plötzlich eine neue Freundin nach Hause. Als nach einigen Turbulenzen alle gegangen waren, kehrte Dima alleine zurück. Erst dann gestand er seiner Mutter, dass Anja bereits Kinder aus erster Ehe hatte – ein lang gehütetes Geheimnis. …Ein Jahr später starb Viktor an Leberzirrhose. Auf dem Friedhof gestand Valeria ihrem Sohn: „So viel Kummer und Lebenszeit habe ich an deinen Vater verloren… Und doch würde ich alles wieder auf mich nehmen, wenn ich ihn nur zurückholen könnte. So verrückt ist die Liebe…“ Ein weiteres Jahr verging, Valeria ging in Rente. Sie fühlte sich einsam, Dima war mit seinen Frauen beschäftigt. An Silvester saß Valeria allein vor dem Fernseher, als es plötzlich an der Tür klingelte. 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