Ich werde dich unterstützen und dir helfen, verspricht er mir, ein Mann von 52Jahren. Schon bald bereue ich, dass ich ihm nicht nur mein Herz, sondern auch mein Vertrauen geschenkt habe.
Mein Name ist Liselotte, ich bin 54Jahre alt. Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass eine erwachsene Frau mit eigener Wohnung, Arbeit, Rente und angeblich gesundem Verstand wegen eines Mannes in die Klemme gerät, hätte ich nur mit der Hand gewunken und gesagt: Ach, das geht mich nichts an, ich bin keine naive Jungfrau mehr.
Ich hätte erwidert: Jetzt bin ich keine Turteltaube mehr, ein hübsches Wort kostet mich nichts.
Doch genau dieses hübsche Wort hat mich irgendwann doch gefangen genommen:
Ich werde dich unterstützen und dir helfen.
Sieben Worte, die ich, die letzte romantische Träumerin mit Pass, Rentenbescheid und krummer Wirbelsäule, für bare Münze genommen habe.
Wir treffen uns zufällig. Er heißt Klaus, 52Jahre alt, geschieden, erwachsene Kinder, lebt allein in einer Zweizimmerwohnung in BerlinMitte. Kein Model vom Cover, aber ich bin auch keine MonicaBellucci nach der Nachtschicht.
Klaus ist ruhig, spricht leise und hört aufmerksam zu. In meinem Alter ist das fast besser als ein Blumenstrauß, denn wenn jemand einem nicht ins Wort fällt, fühlt man sich plötzlich wie ein Mensch und nicht wie ein Sofa mit Fernbedienung.
Die ersten Wochen sind ein Geschenk. Er ruft morgens an und fragt, wie ich geschlafen habe, abends, ob ich müde bin. Er bringt Äpfel, Quark, Brötchen. Einmal kauft er mir Handcreme, weil meine Haut trocken ist ein kleines Cremetütchen für 2Euro. Ich muss fast weinen. Lustig, oder? Eine 54jährige Frau, die wegen einer Handcreme aus dem Supermarkt gerührt ist.
Doch es ging nicht um die Creme, sondern um das Gefühl, dass jemand an mich gedacht hat.
Ich wohne allein in einer Einzimmerwohnung in HamburgAltona, arbeite Teilzeit, bekomme eine bescheidene Rente, vermiete die Wohnung meiner verstorbenen Mutter, die mir vererbt wurde. Kein Vermögen, aber genug zum Leben. Ich habe immer alles selbst erledigt Nebenkosten, Lebensmittel, Medikamente, Rohrreparatur, Ärztelisten, Arbeit, Einkäufe. Auch wenn es schwer ist, stehe ich wieder auf und gehe weiter.
Dann erscheint ein Mann, der sagt:
Liselotte, warum machst du das alles allein? Eine Frau soll in Ruhe leben können. Ich bin hier.
Wie könnte ich da nicht zerfließen, wenn ich jahrzehntelang nur auf mich gestellt war?
Nach zwei Monaten schlägt er vor, zu ihm zu ziehen.
Zuerst erschricke ich. Zwei Monate sind kaum genug. Ich sage:
Klaus, wir kennen uns kaum.
Er lacht:
Liselotte, in unserem Alter sollte man nicht mehr so lange zögern. Wir wissen, was wir wollen.
Dieses in unserem Alter trifft mich wie ein Schlag. Es klingt vernünftig, als würde man keine Kinderspiele mehr spielen, weil man erwachsen ist. Ich denke: Wie viel Angst noch? Vielleicht gibt es noch eine Chance auf ein normales, warmes Leben.
Er sagt:
Zieh ein. Vermiete deine Wohnung, das Geld gibt dir Sicherheit. Ich werde dich nicht ausnutzen. Ich werde dich unterstützen und dir helfen.
Jetzt drückt mich diese Phrase immer wieder zusammen. Dann war sie ein Anker, später ein Spott.
Der Umzug geht rasch. Ich packe Kleidung, Geschirr, Dokumente, Medikamente, ein paar Fotos. Vermiete meine Wohnung einer Bekannten über die Nachbarin. Freue mich über das zusätzliche Einkommen, dachte an meine Tochter, an ein paar Zahnersatz, an die längst aufgeschobenen Zahnbehandlungen.
Klaus empfängt mich herzlich, hilft mit den Taschen und sagt:
Jetzt haben wir Familie.
Ich stehe im Flur zwischen Kartons und denke: Na endlich, Liselotte, du hast es geschafft.
Die ersten Wochen laufen gut. Ich koche, er lobt mich. Abends schauen wir zusammen fern: er die Nachrichtensendungen, ich die Krimiserien. Manchmal streiten wir um die Fernbedienung, aber friedlich. Ich lache, dass unsere Romantik aus Zeitung und Kochtopf besteht und beide zufrieden sind.
Dann spricht er das Geldthema an.
Zuerst vorsichtig:
Liselotte, was gibst du monatlich aus?
Ich nenne ungefähre Zahlen Lebensmittel, Medikamente, Fahrkarte, ein bisschen für mich. Er runzelt die Stirn.
Zu viel.
Ich fühle mich unbehaglich.
Klaus, ich gebe mein Geld doch aus.
Er schaut mich an, als hätte ich etwas Lächerliches gesagt.
Wir wohnen jetzt zusammen, das Geld muss gemeinschaftlich sein.
Ich verstehe nicht, was er meint. Gemeinsames Geld bedeutet doch nur, dass wir zusammen die Nebenkosten zahlen, die Lebensmittel kaufen das ist okay. Ich bin nicht geizig. Wenn ich mit jemandem zusammenlebe, will ich nicht knausern.
Nach ein paar Tagen sagt er klar:
So machen wir es. Du gibst mir deine Rente, dein Gehalt und das Einkommen aus der Wohnungsvermietung. Ich führe das Haushaltsbudget, und du bekommst Geld für deine Ausgaben.
Ich lache zuerst, glaube, er mache einen Witz.
Wie bitte? Soll ich jetzt wie ein Schulkind behandelt werden?
Er lächelt nicht.
Liselotte, du gibst das Geld wahllos aus. Ich bin ein Mann, ich verstehe besser, wie man spart und für die Zukunft plant.
Da spürt ich ein Ziehen im Bauch, beruhige mich aber selbst und denke: Vielleicht hat er Recht. Ich kaufe ja manchmal unnötige Dinge ein Schnäppchenpullover, ein Spielzeug für meine Enkelin, ein bisschen mehr im Drogeriemarkt.
Jetzt erkenne ich das erste Warnsignal, doch ich tue so, als wäre es nur ein Geräusch im Hintergrund.
Ich frage:
Und dein Geld ist auch gemeinschaftlich?
Er antwortet sofort:
Natürlich, alles gehört ins Haus.
Doch sein alles sehe ich nie. Sein Gehalt verschwindet irgendwie in der Luft. Er erzählt, er zahle Kredite, helfe seinem Sohn, repariere das Auto, bezahle Schulden. Meine eigenen Einnahmen liegen erst in seiner Kommode, dann auf seiner Karte, dann weiß ich nicht mehr, wo sie sind.
Das erste Mal gebe ich ihm die Rente. Ich hebe das Geld, bringe es nach Hause, lege es auf den Tisch. Er nimmt es, zählt und sagt:
Siehst du, das ist Ordnung. Jetzt haben wir Klarheit.
Mir ist, als hätte ich nicht Geld, sondern meine Stimme verloren.
Dann das Gehalt, dann das Wohnungseinkommen. Jeden Monat das gleiche Spiel: ich bekomme, er nimmt, er notiert in ein Notizbuch, das wie ein Bankdirektor aussehen soll. Ich scherze:
Klaus, könntest du nicht wenigstens einen Stempel draufsetzen, dass du alles von einer ehrlichen Bürgerin übernommen hast?
Er grinst:
Fang nicht an.
Ich fange nicht an.
Er gibt mir Geld für Lebensmittel, manchmal für die Apotheke. Wenn ich um etwas bitte, wie einen Haarschnitt, frage ich:
Klaus, könnte ich einen Haarschnitt bekommen?
Er erwidert:
Warum? Du siehst doch gut aus.
Ich sage:
Aber meine Haare zeigen bereits die Wurzeln.
Liselotte, wir sind keine Millionäre.
Ich schweige, gehe trotzdem zum günstigsten Friseur. Er fragt:
Wie viel hast du bezahlt?
Ich fühle mich schuldig, weil ich für meine eigenen Haare zahlen muss.
Einmal kaufe ich einen neuen Bademantel keinen Seidenmantel, sondern einen einfachen, leicht abgenutzten, den ich auf dem Wochenmarkt für 15Euro bekomme. Stolz zeige ich ihn ihm. Er schaut und sagt:
Schon wieder Geld ausgegeben?
Ich antworte scharf:
Klaus, das ist ein Bademantel, kein Luxusschiff.
Er ist beleidigt, schweigt den Abend. Ich schleiche mich um, fühle mich wie eine schuldig machende Katze, entschuldige mich schließlich selbst.
Meine Welt schrumpft: Arbeit, Haus, Kochen, Einkaufen, Bericht erstatten an Klaus. Der Kontakt zu Freundinnen, besonders zu meiner alten Kameradin Sabine, wird seltener. Sie verbietet nichts, aber er sagt subtil:
Wieder bei deiner Larissa? Sie hat einen schlechten Einfluss auf dich.
Ich antworte nicht, weil ich nicht nach Larissa komme ich denke an sie, weil sie mir früher das Lachen zurückgegeben hat.
Meine Tochter war zunächst begeistert:
Mama, endlich hat jemand dich gefunden.
Ich erzähle ihr nichts vom Geld, weil es mir peinlich ist. Wie kann ich meiner Tochter gestehen, dass ich in meinen besten Jahren alles an einen Mann abgegeben habe? Ich habe sie immer gelehrt: Verlasse dich nie auf andere. Ich war also eine gute Lehrerin, bis auf den Kopf.
Drei Monate später erkenne ich, dass etwas nicht stimmt. Doch auszubrechen ist schwerer als das Aufheben von Kisten. Die physischen Dinge kann man packen, aber das Eingeständnis, betrogen worden zu sein, ist ein größerer Kampf.
Jeden Tag verhandle ich mit mir selbst:
Er trinkt nicht.
Er schlägt nicht.
Er kauft Lebensmittel.
Jeder hat mal Schwächen.
Vielleicht liegt es an mir.
Er wirft mir immer öfter vor:
Liselotte, du bist nervös.
Liselotte, du kannst nicht in einer Partnerschaft leben.
Liselotte, du nimmst alles persönlich.
Ich stelle Fragen:
Klaus, wie viel haben wir gespart?
Wo ist das Geld für die Wohnung?
Warum zeigst du mir die Ausgaben nicht?
Warum muss ich um Strumpfhosen bitten?
Er reagiert genervt:
Vertraust du mir nicht?
Das war sein Lieblingsspruch, und ich geriet immer wieder in die Falle. Denn wenn ich nicht vertraue, war ich die Böse; wenn ich vertraue, musste ich weiter geben.
Eines Tages bestehe ich darauf:
Zeig mir bitte, wie viel Geld wir haben.
Er sitzt in der Küche, schält ein Apfel, als wolle er ein Denkmal aus der Schale meißeln.
Liselotte, du beginnst mich zu kontrollieren.
Ich kontrolliere nicht, das ist auch mein Geld.
Er hebt die Augen:
Dein Geld? Wir haben doch vereinbart, dass das Budget gemeinschaftlich ist.
Gemeinsam bedeutet, dass beide wissen, was drin ist.
Er wirft das Messer auf den Tisch.
Genau deshalb will ich nichts mehr mit Frauen zu tun haben. Erst Liebe, dann Buchführung.
Mir wird übel, doch ich schweige, weil Angst mich gefangen hält: Wenn ich jetzt ausziehe, wohin? Meine eigene Wohnung ist vermietet, der Mietvertrag läuft. Wer erklärt den Freunden, dass ich nach ein paar Monaten mit Koffern zurückkommt, weil ich ausgetrickst wurde?
Nach sechs Monaten endet alles leise. Kein Krachen, kein dramatischer Abschied. Die schlimmsten Dinge passieren oft im Alltag, in der Küche, beim leisen Summen des Kühlschranks, wenn man in Hausschuhen und nassen Händen vom Spülen kommt.
Er kommt eines Abends, isst, sagt kein Danke, setzt sich und verkündet:
Liselotte, wir müssen reden.
Ich spüre sofort, dass etwas nicht stimmt.
Worum geht es?
Wir passen nicht zusammen.
Ich stehe am Spülbecken, halte eine Tasse, die an der Seite einen kleinen Riss hat. Ich starre auf den Riss und denke: Das hätte ich längst wegwerfen sollen.
Was meinst du?
Ganz konkret. Du bist eine gute Frau, aber wir sind nicht kompatibel. Es fällt mir schwer, mit dir zusammenzuleben. Ich möchte, dass du ausziehst.
Zuerst bin ich nicht wütend, sondern verwirrt.
Wohin?
In deine Wohnung.
Dort wohnt doch die Untermieterin.
Regel das schon. Du bist erwachsen.
Seine Worte Du bist erwachsen klingen, als hätte ich plötzlich fünf Minuten später das ganze Geld abgegeben, und jetzt war ich plötzlich erwachsen genug, das zu akzeptieren.
Ich setze mich und sage:
Gut, dann gib mir mein Geld zurück Rente, Gehalt, Mieteinnahmen, wenigstens einen Teil.
Er blickt mich an, als hätte ich nach seiner Niere gefragt.
Welches Geld?
Ich lache nervös.
Klaus, meinst du das ernst?
Er erwidert:
Das Geld war für das Leben Lebensmittel, Nebenkosten, Ausgaben. Wir haben zusammengelebt.
Ich habe dir alles gegeben. Fast nichts bleibt bei mir.
Liselotte, übertreib nicht.
Dieses Wort übertreiben trifft mich wie ein Schlag. Ich habe mein Geld verloren, mein Zuhause, meine Würde, und er wirft mir vor, ein Drama zu machen.
Ich sage:
Du hast doch versprochen zu unterstützen.
Er zuckt mit den Schultern:
Ich habe es versucht, aber es hat nicht geklappt.
Wie ein Kuchen, der nicht aufgeht.
Ich packe meine Sachen in zwei Tagen, lasse ein paar Dinge zurück, weil ich nicht die Kraft habe, alles zu tragen. Die Untermieterin, die ich gerade kennengelernt habe, sagt, sie ziehe in einem Monat aus, wenn es nötig ist. Für einen Monat wohne ich bei meiner Freundin Sabine.
Sabine empfängt mich im Bademantel, ein Handtuch auf dem Kopf, und sagt:
Komm herein, du Opfer großer Liebe. Jetzt trinken wir Tee und fluchen.
Ich breche zum ersten Mal seit langem in Tränen aus nicht leise, sondern laut, mit roter Nase, hörbarem Schnaufen, und denke: Endlich, Liselotte, das Finale der Schande.
Sabine tröstet mich nicht mit süßen Worten, sondern sagt:
Geld zurückgegeben? Alles? Du bist ja eine Zirkusartistin.
Danke für die Unterstützung.
Soll ich dir eine Medaille geben? Dafür, dass du noch lebst, deine Wohnung hast, Arbeit hast, und hoffentlich dein Gehirn noch irgendwo in der Tasche liegt.
Ich bin fünf Minuten sauer, dann merke ich, dass genau das mich braucht. Nicht das Kopfstreicheln, nicht das Mitleid, sondern die Rückkehr ins Leben.
Einige Wochen später erfahre ich, dass Klaus ein neues Auto gekauft hat. Nicht brandneu aus dem Autohaus, aber ein glänzendes Gebrauchtfahrzeug. Die Nachbarin erwähnt beiläufig:
Ihr Ex fährt jetzt mit einem Auto. Schön für ihn.
Ich stehe mit einem Kartoffelsack und spüre, wie alles in mir zusammenbricht nicht aus Wut, sondern aus Scham. Endlich verstehe ich, woher das Geld kam. Meine Rente, mein Gehalt, meine Mieteinnahmen, meine Haarschnitte, die verschobenen Zahnbehandlungen, mein Bademantel alles fuhr auf vier Rädern.
Ich sitze zu Hause auf einem Hocker, ziehe meine Jacke nicht aus, starre in die Leere.
Ich denke: Wie konnte ich das zulassen? Ich bin nicht dumm, ich habe ein Leben geführt, Menschen gesehen. Wie konnte ich das tun?
Der Gedanke, dass ein Mann mich betrogen hat, schmerzt. Aber wenn ich mich selbst dafür verurteile, wird alles noch dunkler.
Ich gehe ins Bad, wasche mich, blicke in den Spiegel. Mein Gesicht ist müde, die Augen rot, die Haare brauchen wieder Farbe. Laut zu mir selbst:
Hallo, erfahrene Frau. Der Preis des Lebens ist hoch, fast automobilartig.
Ein leichtes Lächeln bricht durch die Tränen. Es ist der erste echte Klang seit Langem.
Ich reiche keinen Rechtsstreit an. Vielleicht hätte jemand gesagt, ich müsste. Aber ich habe keine Quittungen, keine klaren Überweisungsnachweise. Alles wurde so erledigt, dass später gesagt werden könnte: Wir haben zusammengelebt, gemeinsam ausgegeben.
Ein Anwalt sagt ehrlich, dass nur einzelne Überweisungen nachweisbar sind, aber dasJetzt gehe ich jeden Morgen mit einem festen Schritt zum Fenster, atme die frische Luft ein und weiß, dass ich meine Freiheit und mein Geld wieder selbst in die Hand nehme.




