Wer glaubst du, dass du bist, mir Anweisungen zu geben! schleuderte Liselotte mit zornigem Schwung ein Tuch mitten ins Gesicht ihrer Schwiegertochter. Du wohnst in meinem Haus, isst meine Mahlzeiten!
Maren wischte das Tuch von ihrem Gesicht, ballte die Fäuste. Drei Monate verheiratet, und jeder Tag fühlte sich an wie ein Schlachtfeld.
Ich wisch den Boden, koche, wasche! Was wollt ihr denn noch? schrie sie.
Schließ lieber den Mund! Du Untermieterin! Du hast das fremde Kind mit hinein geschmuggelt!
Die kleine Lotta lugte ängstlich hinter der Tür hervor. Vier Jahre alt und bereits begriff sie, dass die Großmutter ein Ungeheuer sein könnte.
Mama, genug! rief Hans, staubig von der Felddarstellung, durch die Tür. Was wieder?
Deine Frau macht mir das Leben schwer! Ich sage ihr, die Suppe ist zu gesalzen, und sie schnaubt!
Die Suppe ist in Ordnung, murmelte Maren erschöpft. Ihr zieht euch doch nur ein.
Hörst du?, drückte Liselotte mit dem Zeigefinger auf Maren. Ich häng dich hier fest! In meinem eigenen Haus!
Hans trat zu seiner Frau, legte ihr eine Hand auf die Schulter.
Mama, hör auf. Maren arbeitet den ganzen Tag im Haus. Und du streitest nur.
Ach ja? Jetzt bist du gegen deine Mutter! Ich habe dich erzogen, gefüttert, und du! schnappte Liselotte, ließ die Tür krachend ins Schloss fallen. Stille legte sich wie dicker Nebel über die Küche.
Entschuldige, streichelte Hans Maren über den Kopf. Sie wird mit dem Alter immer unerträglicher.
Hans, sollten wir vielleicht ein Zimmer mieten? flüsterte Maren.
Wofür? Ich bin Landwirt, kein Direktor. Ich habe kaum genug für Brot.
Maren schlang sich an den Mann, dankbar für seinen Fleiß. Nur seine Mutter ein echtes Inferno.
Sie hatten sich auf dem Dorffest kennengelernt: Maren verkaufte selbstgestrickte Tücher, Hans kaufte Wollsocken. Beim Plausch sagte er sofort: Es stört mich nicht, dass du ein Kind hast. Er liebte Kinder.
Die Hochzeit war bescheiden. Liselotte hasste die Schwiegertochter von Anfang an. Sie war jung, hübsch, mit Hochschulabschluss Buchhalterin. Ihr Sohn war einfacher Landwirt.
Mama, komm zum Abendessen, zog Lotzchen an Marens Rock.
Gleich, mein Sonnenschein.
Zur Tafel schob Liselotte demonstrativ ihr Tellerchen beiseite.
Unappetitlich, wie du für Schweine kochst.
Mama! schlug Hans mit der Faust auf den Tisch. Genug!
Was soll das? Ich sage die Wahrheit! Ich bin die Herrin hier! Und diese!
Svetlana Liselottes Tochter lebte in München, kam nur einmal im Jahr. Das Haus stand auf ihren Namen, obwohl sie nie dort wohnte.
Wenn euch mein Kochen nicht gefällt, kocht selbst, sagte Maren gelassen.
Ach du!, schrie die Schwiegermutter. Ich zeig dir!
Stopp!, räumte Hans zwischen die beiden Frauen. Entweder beruhigst du dich, oder wir gehen sofort.
Wohin? Auf die Straße? Das Haus gehört doch nicht uns!
Wahrheit: Das Haus gehörte Svetlana. Sie lebten aus reiner Gnade dort.
***
Schweres Geheimnis
In der Nacht konnte Maren nicht schlafen. Hans umarmte sie, flüsterte:
Ertrage es, Liebste. Ich kaufe einen Traktor. Ich will ein eigenes Gewerbe starten. Dann verdienen wir für unser Eigenheim.
Hans, das ist zu teuer
Ich finde einen alten, repariere ihn. Ich kann das.
Maren schloss die Augen und glaubte ihm.
Am Morgen erwachte sie mit Übelkeit, rannte zur Toilette. Das Ergebnis: zwei Streifen.
Hans!, rannte sie ins Zimmer, schau!
Hans, noch verschlafen, blickte auf das Ergebnis und sprang dann auf, drehte Maren im Kreis.
Maren, meine Liebe! Wir bekommen ein Baby!
Leiser! Die Mutter hört uns!
Doch das war zu spät. Liselotte stand in der Tür.
Was ist das für ein Lärm?
Mama, wir bekommen ein Kind! strahlte Hans.
Die Schwiegermutter stieß die Lippen zusammen.
Und wo wollt ihr wohnen? Es ist hier schon eng. Svetlana kommt und vertreibt euch.
Sie vertreibt uns nicht! knurrte Hans. Das ist mein Zuhause!
Das ist Svetlanas Haus. Hast du vergessen? Ich habe es auf sie umgeschrieben. Du bist nur Mieter.
Freude verließ Maren, sie sank aufs Bett.
Ein Monat später passierte das Unheil. Maren hob einen schweren Eimer voll Wasser es gab keine Leitung im Haus ein stechender Schmerz im Unterleib, rote Flecken an den Hosenbeinen.
Hans!, schrie sie.
Ein Fehlgeburt. Im Krankenhaus hieß es: Überlastung, Stress. Ruhe sei nötig.
Wie kann man Ruhe finden, wenn die Schwiegermutter das Haus beherrscht?
Maren lag in der Station, starrte an die Decke. Alles schien verloren.
Ich verlasse ihn, sagte sie ihrer Freundin am Telefon. Ich halte das nicht mehr aus.
Maren, aber Hans? Er ist doch gutmütig.
Gut, aber seine Mutter Ich werde dort sterben.
Hans kam nach der Arbeit, schmutzig, erschöpft, mit einem Strauß Feldblumen.
Maren, bitte verzeih mir. Ich habe versagt.
Hans, ich kann hier nicht mehr bleiben.
Ich weiß. Ich nehme einen Kredit auf. Wir mieten eine Wohnung.
Sie werden dir nichts geben. Dein Lohn ist klein.
Doch ich habe einen Nebenjob gefunden. Nachtschicht auf dem Bauernhof. Tagsüber Traktor, nachts Kühe melken.
Hans, du wirst zusammenbrechen!
Ich falle nicht. Für dich gebe ich alles.
Maren wurde nach einer Woche entlassen. Zu Hause stand Liselotte im Flur.
Was, du hast nichts verhindert? Ich wusste es. Schwach.
Maren ging schweigend vorbei. Die Schwiegermutter war nicht mehr würdig, Tränen zu weinen.
Hans arbeitete wie ein Besessener. Morgens fuhr er den Traktor, nachts den Hof. Schlaf war ein flüchtiger Traum.
Ich bewerbe mich, sagte Maren. Als Buchhalterin im Rathaus.
Dort zahlen sie Pfennigbeträge.
Ein Pfennig nach dem anderen.
Sie bekam den Job. Morgens brachte sie Lotzchen in den Kindergarten, tagsüber im Amt, abends holte sie die Tochter ab, kochte, wusch. Liselotte schimpfte weiter, doch Maren lernte, das Lärm zu ignorieren.
***
Ein eigenes Eckchen
Hans sparte weiter für den Traktor. Er fand einen alten, verrosteten, den Vorbesitzer für fast nichts herzugeben.
Nimm einen Kredit, riet Maren. Reparier ihn, wir verdienen damit.
Und wenn es nicht klappt?
Es klappt. Du hast goldene Hände.
Der Kredit kam. Der Traktor stand im Hof wie ein rostiger Koloss.
Sieh nur!, lachte Liselotte. Ein Stück Schrott! Nur für den Schuttplatz!
Hans zerlegte schweigend den Motor. Nachts, nach der Feldarbeit, beim flackernden Licht einer Taschenlampe, half Maren reichte Werkzeuge, hielt Teile.
Schlaf, du bist müde.
Gemeinsam beginnen, gemeinsam beenden.
Monate vergingen, Nachbarn lachten: Der Bauer kauft nur Schrott!
Eines Morgens erwachte der Traktor mit einem tiefen Brummen. Hans saß am Steuer, ungläubig.
Maren! Er läuft!
Sie stürmte hinaus, umarmte ihn.
Ich habe an dich geglaubt!
Der erste Auftrag: das Feld des Nachbarn pflügen. Dann Brennholz liefern. Dann noch mehr. Das Geld kam.
Doch erneut überkam Maren das Unbehagen am Morgen.
Hans, ich fühle das wieder.
Keine schweren Lasten mehr! Hör zu, ich mach alles allein!
Liselotte toste: Du zartes Ding! Ich habe drei Leben geopfert, und das reicht nicht! Und das hier!
Hans blieb unbeirrt. Keine Lasten mehr.
Sieben Monate später kam Svetlana mit Mann und Plänen.
Mama, wir verkaufen das Haus. Es ist lukrativ. Ihr zieht zu uns.
Was?, nickte Liselotte zu Hans und Maren.
Wie viel? Sucht euch ein neues Heim.
Mein Haus, das ist meines! Hast du vergessen?
Wann zieht ihr aus?, fragte Maren gelassen.
In einem Monat.
Hans kochte vor Wut. Maren legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter still, kein Wort.
Am Abend, eng umschlungen, flüsterte er: Was tun? Das Baby kommt bald.
Wir finden eine Lösung. Hauptsache zusammen.
Hans arbeitete wie im Rausch. Der Traktor röhrte vom Sonnenaufgang bis zum Mond. In einer Woche verdiente er, was vorher ein Monat gekostet hatte.
Dann klingelte das Telefon: Herr Müller, ich verkaufe mein Bauernhaus. Alt, aber solide, günstig.
Sie fuhren hin, das Haus war wirklich uralt, doch solide: Ofen, drei Zimmer, Scheune.
Wie viel?
Der Preis war halb, halb nicht erreichbar.
Ratenzahlung?, bot Hans. Erste Rate jetzt, zweite in sechs Monaten.
Einverstanden. Du bist vertrauenswürdig.
Zurück zu Hause, erwartete sie Liselotte am Tor.
Wo wart ihr? Svetlana hat die Papiere gebracht!
Alles gut, sagte Maren. Wir ziehen um.
Wohin? Auf die Straße?
In unser eigenes Haus. Wir haben es gekauft.
Die Schwiegermutter wurde blass, überrascht.
Ihr lügt! Woher das Geld?
Wir haben es verdient, umarmte Hans seine Frau. Während du nur rotztest, haben wir geschuftet.
In zwei Wochen zogen sie um. Nur wenige Möbel, doch alles war ihr.
Lotzchen sprang durch die Zimmer, der kleine Hund Fritzi bellte.
Mama, ist das wirklich unser Zuhause?
Ja, mein Schatz, unser echtes Zuhause.
Liselotte kam einen Tag später, stand im Flur.
Hans, ich dachte Vielleicht könnt ihr mich aufnehmen? Die Stadt ist zu eng.
Nein, Mama. Du hast deine Wahl getroffen. Lebe bei Svetlana.
Aber ich bin doch deine Mutter!
Eine Mutter nennt ihre Enkel nicht fremd. Leb wohl.
Sie schloss die Tür, schwer, doch richtig.
Im März kam ihr Sohn, stark und gesund, laut schreiend.
Ganz sein Vater!, lachte die Hebamme.
Hans hielt den Jungen, atmete vorsichtig.
Maren, danke. Für alles.
Danke dir, dass du nicht aufgegeben hast.
Sie richteten das Haus ein, pflanzten Gemüse, hielten Hühner. Der Traktor lief zuverlässig, brachte Einkommen. Abends saßen sie auf der Veranda, Lotzchen spielte mit Fritzi, der kleine Matthias schlief im Kinderbett.
Weißt du, ich bin glücklich, sagte Maren.
Ich auch.
Erinnerst du dich, wie schwer es war? Ich dachte, ich halte das nicht mehr.
Du hast es durchgestanden. Du bist stark.
Wir sind stark, zusammen.
Die Sonne sank hinter den Buchen, das Haus roch nach Brot und frischer Milch. Ein echtes Heim. Ihr Heim.
Wo niemand demütigt, niemand vertreibt, niemand fremd nennt.
Wo man lieben, leben und Kinder großziehen kann.
Wo man endlich glücklich sein darf.





