Wahre Liebe – Eine berührende Geschichte aus dem Herzen Deutschlands

Echte Liebe

Franzi, was machst du denn hier? Warum stehst du so herum? fragte Frau Nina Baumann das Mädchen, das unschlüssig vor dem Standesamt in Hamburg auf und ab ging.

Und Sie, wohin gehen Sie? stammelte Franziska, zog aus der Jackentasche ihren Ausweis. Wir wollten doch zu Ihnen Wir bräuchten einen Antrag

Wir? Wir gehen jetzt nach Hause, Kindchen. Feierabend, schau doch auf die Uhr! sagte Nina und knöpfte ihren Trenchcoat zu. Draußen war es inzwischen deutlich kühler geworden, der Himmel, den Nina immer als hoch und klar bezeichnete, wie ihre Mutter es zu sagen pflegte, war plötzlich bedrohlich niedrig und wolkenverhangen. Nina verstand nie wirklich, wie ein Himmel hoch oder niedrig sein konnte, aber manchmal reckte sie den Kopf und fragte sich, ob er nicht doch gerade etwas näher gekommen sei. Jetzt jedenfalls war ein Gewitter im Anmarsch, und durch die dünnen Nylonstrümpfe kroch die Kälte sofort an ihren Beinen hoch.

Auch Franziska fröstelte, sie hatte ihr schönstes Kleid angezogen, Sandalen, und darüber bloß ein dünnes Jäckchen. Der Wind fuhr ihr bis auf die Haut.

Blaue Lippen hast du schon, Franzi! Ab nach Hause mit dir, stell Wasser für einen Tee auf, brate ein paar Kartoffeln, schön auf Speck, am besten noch mit etwas Fleisch dazu das wärmt! grinste Nina, zuckte mit den Schultern. Oder lies einfach ein Buch. Aber hier rumstehen, das bringt dir gar nichts. Sie wandte sich Richtung Bushaltestelle, drehte sich aber noch einmal scharf um:

Was für einen Antrag wolltet ihr denn abgeben, Goldstück? Und wer ist dieses wir überhaupt?

Das sind ich und Jörg Romanowsky Franziska wurde feuerrot. Wir wollen heiraten. Jörg hat gesagt

Jörg hat gesagt spottete Tante Nina und verengte die Augen. Dein Jörg ist ein Schwätzer vor dem Herrn! Der erzählt viel, wenn der Tag lang ist. Hör lieber nicht so auf ihn! Geh heim, Franzi. Freu dich, dass er nicht gekommen ist, dann hast du dein Leben nicht gleich ruiniert! Such dir lieber einen ordentlichen, zuverlässigen, klugen Mann, überstürze nichts! Du kannst später noch oft genug im Brautkleid hüpfen, am Herd stehen, heimlich Tränen vergießen, weil der Ehemann dich nicht weiter ansieht, und ach, vergiss das letzte, so ist es doch nicht bei allen! Nina senkte schnell den Blick, aus Angst, Franziska könnte merken, wie schlecht es bei ihr zu Hause lief. Nicht direkt schlecht eher gar nicht. Das beschreibt es am besten: NICHTS. Ihr Mann, der Franz, lag abends schweigend auf dem Sofa, drehte sich nur gelegentlich, dass die alten Sprungfedern quietschten. Er kannte sie nur noch, wenn es ans Tischdecken ging. Ist das ein Leben? Früher war es Liebe gewesen, wild und heiß, beide waren verrückt nacheinander, konnten nicht genug bekommen. Dann kamen die Kinder erst die Tochter, dann der Sohn Franz war damals stolz, hatte Nina mit Blumen, Pralinen, Sekt überhäuft, das ganze Gehalt und noch das vom Werk gesammelte Geld war für die Glückwünsche draufgegangen. Und dann war alles erledigt, als hätten sie einen Auftrag erfüllt. Es blieb leere Routine, Gleichgültigkeit. Wir haben wohl die letzten fünfzehn Jahre bloß noch der Kinder und, ja, der Anständigkeit halber zusammen gelebt, dachte Nina bitter. Heute lassen sich die Leute ja schnell scheiden aber damals, da schämte man sich, da waren Männer keine Mangelware, aber die wurden nicht dauernd gewechselt. Und seine Schmutzwäsche vor allen auszubreiten eine Schande!

Nina hatte mit zwanzig geheiratet; Franzi war nun neunzehn das könnte ihr Schicksal sein. Solange das Herz brennt, denkt man, es gäbe niemand Besseren, aber erlischt das Feuer, beißt man sich in die Finger, weil man so übereilt war.

Was sagen Sie nur, Tante Nina? Jörg ist doch nett, liebevoll stampfte Franziska auf den Boden. Über ihnen grollte der Himmel, bald würde es regnen. Er hat gesagt, wir gehen heute zusammen, bestimmt hält ihn nur die Arbeit auf!

Ja, ja, so ist das Ach, Franzi, hätte ich deine Jugend und du meinen Kopf das wärs! Aber wie auch immer, ihr seid zu spät, jetzt geh nach Hause. Das Gewitter naht von Westen, hör doch! Im August so ein Donnerwetter wie am Jüngsten Tag! Nina bekreuzigte sich. Erinnerst du dich an Frau Schweiger aus eurem Haus? Franzi nickte. Die hats mal erwischt, weißt du, Blitz durch den Regenschirm. Seither ist sie ein wenig anders. So, ich geh dann. Bis morgen, wenn dein Jörg es sich nicht doch noch überlegt.

Franziska nickte, blickte Nina nach, drückte den Ausweis und wurde plötzlich vom Platzregen überrascht das Kleid, das Jäckchen, die Schleife im Haar, alles war binnen Sekunden pitschnass und eiskalt.

Franzi rannte los, stieß fast mit den anderen zurück ins Warme eilenden Menschen zusammen. Wahrscheinlich hatte Jörg ihr auf der Arbeit Bescheid geben wollen, aber man hatte es ihr nicht ausgerichtet. Das war alles sicher ein Missverständnis! Kaum war sie daheim, wollte sie ihn anrufen vielleicht war wirklich was passiert.

Franzi? Bist dus? Endlich! rief ihre Schwester Lena aus dem Flur. Franzi! Schnell ins Bad, du bist ja klatschnass! Willst du noch krank werden? Warte! packte sie die schluchzende Schwester am Arm. Und warum hast du mein Kleid an? Die Kette von Mama hast du dir auch genommen Franzi! Wer hat dir beigebracht, in fremden Schränken zu wühlen? Mama! Schau nur!

Lena schimpfte und fuchtelte herum, Franziska zog schnell Kleid und Kette aus, reichte sie wortlos hin und verschwand ins Badezimmer. Sie wollte nicht jetzt Jörg anrufen, Lena würde sowieso alles belauschen und schlecht von ihm reden.

Lena, wo war sie denn? kam Maria Baumann aus der Küche. Meckere nicht rum, das Kleid ist doch eh zu klein für dich Franzi ist empfindlich, da muss man Rücksicht nehmen.

Rücksicht? Franzi soll mal selbst was nähen! Ihr schont sie, malt ihr ein Filmmärchen aus, ich musste mir alles selber erkämpfen! Ich geb nichts ab!

Lena drehte das Radio laut, Maria seufzte. Ja, Franziska war zart, weich, sie musste immer beschützt werden! Im Kindergarten wurde sie von zwei rüpelhaften Jungs bestohlen und gehänselt. Franziska weinte, schlief nicht. Also ließ Maria sie zu Hause bleiben, engagierte Frau Paulsen, eine pensionierte Lehrerin (die besten Gouvernanten!), las ihr romantische Geschichten vor, passte auf die Schleifen im Haar auf und wischte ihr das Eis von den Wangen.

Lena war ein ganz anderes Kaliber. Früh raus, in die Kita, die Schule, dann die Uni. Egal ob müde, krank oder bockig sie musste und packte an. Lena wurde tough, konnte sich wehren, griff für Franziska sogar mal zur Not zur Faust.

Doch irgendwann hatte Lena genug, hänselte Franzi, dass sie zu weich sei.

Ihr habt sie verzogen, klagte Lena einmal, als Franziska wegen Nichtigkeiten wieder in Tränen ausbrach. Maria stellte das Bügeleisen ab, runzelte die Stirn. Lena setzte nach: Die würde nie aufstehen und zurückgeben. Wie will sie denn bestehen? Man muss sich doch wehren können!

Womit denn? Was hab ich denn schon? schluchzte Franziska und deutete mit dem Finger auf sich. Du bist immer die Schöne und Schlaue, ich ich bin ein Nichts.

Was du sein willst, das kannst du werden, Franzi, widersprach Lena. Ich musste mich auch erst formen, man hielt mich nicht im Treibhaus. Ich bin einfach gewachsen.

Mama, das ständige Verwöhnen hilft ihr nicht! sagte Lena beim Hinausgehen, Maria strich Franziska liebevoll über den Kopf. Wie sollte sie sie nicht schützen, ihr spätes Wunder, die letzte weiße Blume in ihrer Familie, die sie noch soviel länger Kind sein lassen, für die sie Kleider nähen und über Gedichte an Schulfeiern staunen wollte

Vater Franz Baumann kümmerte das alles wenig, Hauptsache, seine Töchter waren satt und ordentlich gekleidet. Den Rest würde Maria schon regeln

Franziska saß lange im Bad, zog dann den kuscheligen Bademantel an und rief bei den Romanowskys an.

Guten Abend, flüsterte sie, als am Apparat das übliche, fröhliche Hier spricht Familie Romanowsky, nein, nicht kaiserlich, wie kann ich helfen? erklang immer Opa Gregor, ein Stimmungsmacher. Kann ich Jörg bitte sprechen?

Jörg? Die sind alle weg. Vom Werk, ein Auftrag auf dem Land, Helfer im Bauernverband Morgenröte. Sollte einen Sack Kohl mitbringen. Wozu wir den brauchen, frag ich mich!

Bitte wie bitte? Welcher Kohl? Welcher Bauernhof?! Wir waren doch verabredet Franziska brach ab, legte auf.

Mädchen! Nicht traurig sein! rief Gregor hinterher. Er kommt sicher zurück!

Doch am anderen Ende war nur das Freizeichen.

Wie kann das sein? Franziska blieb ratlos stehen, als hätte sie vergessen, wo sie war.

Franzi, komm essen. Wir warten nicht auf Papa, der kommt heute spät. Lena! Kommt jetzt endlich! knallte Maria im Hintergrund mit der Pfanne und schob Stühle zurecht.

Kaum saßen sie, klingelte das Telefon. Franziska sprang, doch die Mutter griff ihr energisch ans Handgelenk.

Lass gut sein. Ich geh schon. Sie ging zum Telefon. Hallo? Nina? Hallo! Was? Nein ja, ich sprech leiser

Franziska lief rot an, schloss die Augen.

Was hast du denn schon wieder? Lena kaute weiter am Frikadellenbrötchen. Du bist komisch, Franzi!

Maria hörte die Freundin an, kam dann bestimmt zurück, stemmte die Hände in die Hüften.

Franzi, stimmt das? Was Tante Nina sagte?!

Je nachdem, was sie gesagt hat, Mama. Deine Nina ist eine Klatschbase, das weißt du doch, murmelte Franziska, schob nervös eine Haarsträhne zurück.

Ach, Unschuldslamm! Willst mich für dumm verkaufen oder was Lena, hast du das gewusst? fuhr Maria die große Tochter an.

Was? Och Mama, sag doch, was ist denn los? Was hat unser Fränzchen wieder angestellt? Lena wischte den Teller mit einem Stück Schwarzbrot aus. Doofe Angewohnheit, aber es schmeckte. Auf die Meinung der anderen pfiff sie.

Franzi wollte heiraten, Lena! Tante Nina hat sie vorm Standesamt abgefangen. Gut, dass nichts daraus wurde! Lena! Hör auf, den Tee so zu schlürfen! Maria schlug auf den Tisch. Franzi, sprich!

Was denn, Mama?

Deine Nummern! Lena, sie will irgendeinen Jörg heiraten! Sagt die Nina jedenfalls

Die weiß gar nichts! fuhr Franziska hoch. Die ist einfach nur boshaft und neidisch, und überhaupt!

Wer ist dieser Jörg? Lena, kennst du ihn? Franzi will ihn heiraten! ignorierte Maria Franziskas Einwand.

Jaja, Mama, keine Panik. Und wenn? Heiraten und dann, was? Wie heißt er noch gleich, Franzi?

Jörg! Er ist liebenswert und ich fühle mich bei ihm gut. Wir werden heiraten, das hat er mir versprochen! Ich liebe ihn! Franziska wurde blass und sah, wie Lena nur spöttisch grinste.

Jörg hatte sie zufällig im Park kennengelernt, er spendierte ihr ein Eis, sie lachten und fuhren Karussell, alberten herum. Was war es an ihm? Franziska wusste es nicht sie mochte schlicht, wie glücklich sie sich neben ihm gefühlt hatte.

Mit Jörg lief sie im Regen, kletterte aufs Dach, ohne Angst, herunterzufallen. Einmal musste sie sogar einen Brieftauben küssen. Sie lachte noch heute darüber.

Es ist so schön flüsterte Franziska oft, wenn sie mit ihm irgendwo heimlich Brot mit Salz aß, auf dem Dachboden saßen. So schön, dass es schon Angst macht.

Wovor denn? wunderte sich Jörg.

Na ja dass alles vorbei sein könnte. Dass du mich verlässt.

Er hatte nie direkt gesagt, dass er sie liebte. Geküsst, ja. Aber kein großes Liebesgeständnis, vor dem man Schiss bekam. Und jetzt verlassen?

Jörg sah sie eine Weile mitfühlend an so dünn und traurig stand sie da. Franziska arbeitete in einer Fabrik, war einfach, nicht wie Lena, die elegante Akademikerin. Franziska hatte immer schnell einen Beruf lernen wollen, nicht studieren. Nichts konnte sie mehr umstimmen.

Franzi, denk doch an die Zukunft, seufzte Maria. Papa, Lena, ich wir alle mit Abitur. Wie kannst du so gar nicht weiterlernen wollen?

Ich will nicht wie ihr! Kann ich nicht ein einziges Mal selber entscheiden? Ich hab meinen Ausweis, ich bin erwachsen. Mama, hör auf!

Maria ließ ab.

Sie sucht halt den einfachen Weg, meinte auch Nina später. Lena ist durch Schwierigkeiten gegangen, Franzi nimmt, was sie kriegen kann…

Und so saß Franziska, erwachsen, auf dem alten Dachboden, aß Brot und ersann sich ein Märchen.

Wohin sollte ich denn gehen, Franzi? Jörg drückte sie an sich. Er wollte eigentlich rauchen, aber Franziska verabscheute Zigarettenrauch. Wollen wir heiraten? platzte er plötzlich heraus.

Was?

Nichts Morgen Standesamt, fünf Uhr. Ich haue früher von der Schicht ab, und du kommst auch. Wir geben den Antrag ab! Bring den Ausweis.

Jörg! Franziska fiel ihm um den Hals, wurde dann aber verlegen. Ich will!

Na sicher doch! lachte er.

Und ein Kleid?

Klar!

Ringe?

Selbstverständlich Jörg jagte eine Maus mit einem Zeitungspapier.

Goldene? Jörg, das ist doch teuer…

Mach dir keine Gedanken. Später. Alles später! sagte Jörg. Franziska versank in seinen zärtlichen Händen. Später war alles…

Hast du Mama, Papa gefragt? Wer ist das überhaupt? Wo wollt ihr leben? Hattet ihr schon irgendwas? zeterte Maria.

Ach Mama, bei ihnen war sicher nichts Lena hob eine Braue. Nicht wahr?

Franzi schwieg. Sie werden nichts verstehen. Sie wird glücklich, egal was war.

Und was ist bei dir und Boris? schleuderte sie Lena entgegen. Der ist älter als Papa!

Lena errötete. Maria verzog den Mund. Sie mochte Boris, einen langweiligen, aber wohlhabenden Witwer, nie recht.

Das ist was anderes, Franzi. Boris ist klug, gebildet… dein Jörg? Der ist noch ein Junge. Maria log ein wenig, das wusste sie selbst; das eine Mal im Restaurant hatte gereicht.

Ich halte mich raus, wenn du bei deinem alten Boris bleibst.

An diesem Abend kroch Franziska früh ins Bett, stellte sich vor, wie Jörg ihr einen goldenen Ring ansteckt, wie er im Anzug komisch aussieht, aber ihr Mann ist. Und Lena bleibt mit Boris allein… In etwas würde sie ihrer Schwester voraus sein im Glück! Sie tat ihr sogar leid was weiß Lena schon von der Liebe…

Zwei Tage lang hörte Franziska nichts von Jörg. Nach Feierabend ging sie zur Fabrik, vielleicht war er ja schon wieder daheim vom Bauernhof.

Vor dem Eingang stand Jörgs Freund, Michael, ein schmaler, stiller Kerl.

Franziska? Sie? Bei Michaels Blick wurde sie schüchtern.

Hallo. Ist Jörg da? Sein Opa sagte, ihr seid weggefahren…

Ja, wir sind gestern zurückgekommen. Ich hole ihn kurz!

Michael hüpfte ins Werk.

Wenig später kam Jörg in der Ecke fütterte er eine abgemagerte Streunerkatze. Franziska vergab ihm sofort.

Jörgi! winkte sie.

Der alte Pförtner, Herr Zacharias, ließ sie passieren er freute sich immer über junge Paare, die es ernst meinten.

Hallo, Franzi! Alles klar?

Gut Aber du warst nicht da, ich habe gewartet, doch du bist nicht gekommen. Können wir heute zum Amt? Sie sah ihn von unten herauf an oh, diese himmelblauen Augen…

Wohin? spuckte Jörg zur Seite.

Zum Standesamt! Wir wollten doch, du hast gesagt…

Du glaubst doch nicht ernsthaft daran? Das war ein Scherz, Franzi! Hochzeit, Restaurant wovon willst du das bezahlen? Wer liebt hier wen? Ich dich? Niemals! Wir waren halt Freunde Das hast du dir alles eingebildet!

Das sagte er laut, nicht ihr, sondern der neuen Kollegin Jenny Kessler, die gerade vorbeikam.

Jenny lachte, ihr rotes Kopftuch rutschte zu Boden. Jörg hob es auf, lief ihr nach.

Jenny, ihr Tuch!

Danke. Sie haben ja eine schöne Braut, Jörg! Darf ich zur Hochzeit kommen? Sie ging weiter.

Jörg rief Franziska herrisch zu, sie solle ihn in Ruhe lassen.

Franziska weinte, rannte zum Ausgang am liebsten wäre sie verschwunden, wo sie keiner sah, um einfach alles zu vergessen.

Michael schüttelte traurig den Kopf.

Das war nicht fair, Jörg.

Was kann ich dafür? Sie klammert, so ein Theater! Sie merkt nie, wann es reicht! schnauzte Jörg zurück. Ihn interessierte inzwischen nur noch Jenny, die stolze, eigenwillige Frau. Mit ihr fühlte er sich herausgefordert mit Franzi war es bloß Kinderspielerei.

Zuhause rief Maria vorsichtig an Franziskas Zimmertür.

Kind, komm wenigstens essen! Sag, was los ist. Auf der Arbeit was? Oder der Jörg?

Er nicht, Mama! Lass mich in Ruhe, bitte!

Maria zuckte die Schultern.

Lena kehrte zurück, Franz auch. Sie aßen. Nach einer Weile schickte Maria Lena zu Franziska mit Tee und Süßem.

Lena setzte sich zu ihr, hörte das Weinen, legte sich schließlich dazu, wie früher, als sie beide Schutz gesucht hatten.

Ich habs mir alles eingeredet, oder? Ich dachte wirklich, er will mich heiraten er hat nur gescherzt, Lena, hat mich bloßgestellt, alle habens gesehen! Ich schäme mich so!

Ja und? Ach, Franzi Und Männer fürchten sich nun mal vor Standesämtern, sie rennen davon bis zur großen Liebe, oder ergeben sich irgendwann. Mit der Zeit sehen wir weiter.

Und du, Lena Bleibst du mit Boris?

Nein, hab ich abblitzen lassen. Jetzt auf, wasch dich, trink Tee, hör auf zu jammern! Ich hab dich lieb, Franzi du schaffst das.

Ich… ich verstehe.

Einige Wochen darauf, an einem goldenen Septembertag, begegnete Michael ihr vor dem Haus, adrett im Anzug, mit einem Strauß Dahlien.

Franzi, alles Gute zum Geburtstag. Ich hab Kinokarten für morgen, wollen wir?

Franzi stand wortlos, blinzelte nur.

Sie geht mit! erklärte Lena trocken. Ihr macht das fein. Tschüß!

J-ja, stotterte Michael.

Zwei Jahre später heirateten sie. Franzi zog zu Michael, Lena blieb allein, wollte auf die wahre Liebe warten. Manchmal sah Franzi nachts einen Mann vor dem Haus, Lena jagte ihn davon.

Solche Frauen wollt ihr, was Michael? fragte Franzi ihren Mann.

Was für Frauen?

Na, selbstbewusste. Ihr Männer seid ja Jagdhunde

Mag sein, aber ich will nur dich. So, und jetzt bitte, was gibts zu essen? Ich habe einen Bärenhunger!

Ist alles fertig. Und ich liebe dich, Michael Sie lächelte. Und das war keine Lüge.

Michael war ganz anders, aber mit ihm war es gut.

Manchmal dachte Franzi an Jörg sie hätten wohl Streit gehabt Sie war dankbar, dass er damals nicht zum Standesamt kam.

Ihr einfacher Alltag, den Michael vor allen Widrigkeiten schützte, endete, als ihr zweites Kind früher kam und lange im Krankenhaus bleiben musste. Franzi brachte Milch, stand am Klinikfenster, schaute lange in die Lichter hinauf.

Bitte, lassen Sie mich rein! flehte sie die Dame in Weiß an.

Nein, Liebes. Geduld. Wenn der Arzt sagt, dann. Und jetzt ab nach Hause! Du hast doch einen Mann und ein Kind daheim? Die brauchen dich auch! Und komm uns nicht mit Milch, die voller Tränen ist. Sonst trinkt der Kleine das nicht!

Franzi wusste nicht, wie man lächelt, wenn das Herz so schwer ist. Lena hatte das irgendwie gelernt, sie aber nicht

Doch sie musste. Eines Abends sagte Michael nach dem Essen, als Franzi wieder nur stumm vor sich hinstarrte und alles vernachlässigte:

Es ist für uns alle schwer! Auch ich mache mir Sorgen, aber so geht es nicht. Unsere Anna braucht dich! Lies ihr was vor, ich räume die Küche auf.

Ich kann nicht Ich kann gar nichts schrie Franzi und rannte ans Fenster.

Du kannst und du musst! Als ich zehn war, hat meine Mutter ein totes Kind geboren. Sie hats nicht verkraftet und hat sich das Leben genommen. Und du willst jetzt aufgeben, Franzi? Was ist mit Anna und dem Kleinen? Du bist ihre Welt! Jetzt reiß dich zusammen! Michael schüttelte sie. Wir sind alle bei dir.

Franzi weinte, ihm war es egal, denn er zwang sie, stark zu werden. Und irgendwann sprach Anna nicht mehr, wurde bettnässend, weinte nur noch…

Da traf es Franzi wie ein Schlag: Für Anna, für Andi, für Michael war sie die ganze Welt und sie hatte sie ausgeschlossen, war unerreichbar.

Anna, es tut mir leid! Lass uns zusammen lesen, rausgehen Bitte, sag etwas!

Sie streichelte ihre Tochter, wischte Tränen weg, ihre eigenen und Annas, hoffte, es sei noch nicht zu spät.

Und sie hatte Glück Andi kam bald heim. Da hielt sie beide Kinder im Arm, Michael legte den Arm um sie.

Das war ihre Familie, ihre echte, und Franziska lernte endlich, erwachsen zu sein.

Jörg bemühte sich derweil, zu Jenny aufzuschließen: machte Fortbildungen, entwickelte sich, wurde ihrem Anspruch gerecht. Mit Franzi wäre er abgestumpft, vielleicht gar wie Franz und Nina einfach aus Gewohnheit zusammen geblieben…

Liebe ist für jeden anders, man darf sie nicht verlieren. Man muss für die kämpfen, die man liebt, sich voll und ganz schenken. Dann hat das Leben einen Sinn.

Das habe ich, Franz, heute verstanden.

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Homy
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Wahre Liebe – Eine berührende Geschichte aus dem Herzen Deutschlands
Eltern pflegen ist Sache der Tochter, nicht des Sohnes! – so entschieden die Verwandten — Die Mutter ist schlechter dran. Die Beine halten gar nicht mehr, sie ist gestern zweimal gestürzt, nur um zur Toilette zu kommen. Allein schaffe ich das nicht mehr, mein Rücken macht nicht mit, das weißt du doch. Jedenfalls haben wir uns beraten und beschlossen: Wir bringen sie zu dir. Lisa ließ sich langsam auf den Hocker sinken. Ihr Herz rutschte ihr in die Magengrube. — Zu uns? Papa, hast du unsere Wohnung gesehen? Wir haben ein Zimmer, da sind mein Mann, das Kind und ich. Wo soll ich sie denn hinlegen?! — Stell dich nicht so an. Dein Mann schläft auf dem Klappbett in der Küche, die Mutter kommt auf das Sofa. Du bist doch sowieso zu Hause, kümmerst dich ums Kleine, ob einer mehr oder weniger – was macht das schon? Und wir brauchen jetzt keine zusätzlichen Ausgaben! In Lisas Familie gab es immer eine klare Hierarchie. Ganz oben stand Michael – der ersehnte Sohn, der „Erbe“, für den die Eltern alles getan hätten. Lisa war einfach das „erste Pfannkuchen“, das aus Sicht der Mutter missglückt war. Lisa erinnerte sich noch gut an ihren zehnten Geburtstag – da bekam sie eine Schachtel Pralinen und ein billiges Haarklammern-Set. Eine Woche später bekam Michael zum sechsten Geburtstag eine riesige Modelleisenbahn, die das halbe Wohnzimmer füllte. — Mama, warum bekommt Michael die Eisenbahn und ich nur Pralinen? – fragte Lisa damals. — Michael ist ein Junge und jünger als du, – schnitt Galina Arkadjewna, ihre Mutter, das Thema ab. – Und du bist die Ältere, du musst schon teilen lernen! Und überhaupt, wage es nicht, deinem Bruder zu missgönnen. Hilf ihm lieber die Schienen aufbauen, sonst ist er traurig. So war es immer. Als es darum ging, die Zimmer zu verteilen, wurde Lisa ins Durchgangszimmer auf ein unbequemes Schlafsofa verfrachtet, weil „Michael für die Hausaufgaben einen eigenen Bereich braucht“. Als Lisa vom Tanzkurs träumte und sogar die Aufnahmeprüfung bestand, sagte der Vater streng: — Kein Geld. Michael braucht Nachhilfe in Englisch. Er ist begabt, er wird es weit bringen. Hauptsache, er bekommt einen guten Start! Michael ging am Ende zu keinem Kurs. Englisch schwänzte er, in der Schule dümpelte er zwischen „ausreichend“ und „mangelhaft“, trug aber stets die modernsten Turnschuhe und das neuste Handy. Lisa büffelte im Halbdunkel der Durchgangsstube, während der Fernseher bis Mitternacht lief. Als sie einen Studienplatz an einer renommierten Universität ergatterte, gab es kein Festessen. — Na, bestanden, sehr schön, – gähnte der Vater. – Pack deine Sachen, Studentenwohnheim wartet. Eine Wohnung mieten wir nicht, wir müssen für Michaels Ausbildung sparen. Mit seinem Zeugnis kommt er nie in einen staatlichen Platz. — Aber im Wohnheim sind es vier Leute im Zimmer, – wollte Lisa einwenden. — Das schaffst du schon, – warf die Mutter ein. – Denk mal nach, du willst doch nicht, dass dein Bruder sein Leben lang als Straßenkehrer arbeitet! Lisa lebte fünf Jahre in der Wohnheimsbude, jobbt nachts als Bedienung, nur um sich Winterstiefel leisten zu können. Michael wechselte in der Zeit mehrere Autos, die die Eltern ihm aus Prestigegründen kauften. Jede kaputte Stoßstange, jedes Knöllchen wurde vom „Altersvorsorge-Geld“ bezahlt. *** — Lisa, hörst du mich? – die Stimme des Vaters am Telefon wurde lauter. – Morgen um zwei bringen wir die Mutter vorbei. Bereite alles vor. Frische Bettwäsche, koch Diät-Suppe. — Ich nehme niemanden auf, – sagte Lisa leise, aber bestimmt. — Was hast du gesagt? – Der Vater war offenbar sprachlos. – Wiederhol das! — Ich nehme die Mutter nicht auf. Ich habe ein zweijähriges Kind. Das braucht 24-Stunden-Aufmerksamkeit. Ich habe einen Mann, der auf zwei Jobs schuftet, damit wir nicht hungern. Ich habe keinen Platz und keine Kraft, eine pflegebedürftige Mutter zu versorgen. Ihr habt euren Lieblingssohn. Bringt sie zu ihm. — Er heiratet! – brüllte der Vater. – Verstehst du was du tust? Du verrätst die Familie! Michael hat sich verschuldet, um die Hochzeit zu organisieren, wir haben alles dafür gegeben. Er ist am Ende seiner Nerven, er hat keine Zeit für sowas! — Hat er wieder Schulden? – Lisa lachte bitter. – Erinnere dich mal daran, als er betrunken am Steuer saß und den Zaun samt Gewächshaus des Nachbarn platt gemacht hat. Damals habt ihr auch alles gezahlt, damit die Sache unter den Tisch fällt. Und als ich heiratete und wenigstens um einen Zuschuss für die Wohnung bat, hieß es, Michael müsse „sich gesundheitlich erholen“ von diesem Vorfall. — Das ist was anderes! Damals war es ein Notfall! — Die Not ist in euren Köpfen, Papa. Michael ist ein gesunder Mann, er hat eine eigene Wohnung, die ihr ihm gekauft habt. Er kann eine Betreuung für die Mutter engagieren, wenn er so erfolgreich ist! — Du… du bist kaltherzig geworden, – schnauzte der Vater. – Wir haben dich großgezogen, ernährt! Wir haben dir die Ausbildung ermöglicht. Du bist uns bis ans Lebensende verpflichtet! Hast du überhaupt ein Gewissen? Hol sofort die Mutter ab! — Ihr wolltet euch eine Haushälterin erziehen und habt euch verrechnet. Schluss jetzt, Papa, ich muss das Kind füttern. Wir sind morgen nicht zu Hause, gehen zur Klinik und dann zu meiner Schwiegermutter. Kommt also nicht. Lisa legte auf und schüttelte die Tränen ab. *** Eine Stunde später hämmerte es an der Tür. Nicht geklingelt, sondern mit der Faust gedröhnt. Lisa drückte den weinenden Sohn an sich. — Lisa, mach auf! Ich weiß, dass du da bist! – tönte der Bruder. – Mach SOFORT auf! Lisa ging zur Tür, löste aber nicht die Kette. — Was willst du, Michael? — Bist du total wahnsinnig?! Vater ruft an, heult fast, Mutter auf Pillen seit heute früh. Warum weigerst du dich zu helfen? Ist es so schwer, das Sofa freizumachen? — Michael, warum räumst du nicht eine deiner beiden Luxusschlafzimmer? Bring die Mutter in eins davon, und deine Angelina kann sie betreuen. Die wird schließlich Teil der Familie, soll sie mal Fürsorge zeigen für die Schwiegermutter. — Bist du verrückt? – Michael japste. – Geli ist Model, die schleppt doch keine Nachttöpfe für alte Leute! Die benutzt Kosmetik, die kostet mehr als dein Kinderwagen. Die kann in so einem Umfeld gar nicht leben! Das musst du verstehen. Wir haben eine Feier mit 200 Gästen, dann Flitterwochen auf den Malediven! Willst du mir das Leben ruinieren? — Deine Reise kostet so viel wie ein Jahr professionelle Pflegekraft, – entgegnete Lisa. – Storniert den Urlaub, engagiert Hilfe für die Mutter. Wo ist da das Problem? — Das Problem bist du! Du bist immer schon geizig und gemein. Die Eltern haben dir alles gegeben, und du… — Was haben sie mir gegeben, Michael? Ein gebrauchtes Fahrrad zum 16. Geburtstag, als du ein Moped bekommen hast? Oder das Kakerlakenwohnheim, während du im Ledersofa im Loft abhängst? Hast du dir überhaupt jemals etwas erarbeitet, das teurer ist als eine Packung Zigaretten? — Wie kannst du nur! Ich gründe ein Business! Ich werde bald richtig verdienen. Ich investiere in meine Zukunft! Was soll ich mit einer pflegebedürftigen Mutter am Hals? Lisa grinste. — Du meinst von dem Geld, das Vater aus Garagen- und Datschenverkauf bekommen hat? Das eigentlich für Mutters Behandlung war? Michael schwieg einen Moment und legte dann los: — Das war ihr Wille. Sie glauben an mich. Du… du bist bloß neidisch. Morgen kommt die Mutter zu dir. Ob du willst oder nicht. Vater bringt sie mit dem Taxi und lässt sie im Hausflur, wenn du nicht öffnest. Kapiert? — Versucht es ruhig, – sagte Lisa leise. – Ich rufe Polizei und Sozialdienste, und notiere, dass ihr einen hilflosen Menschen in Not allein gelassen habt. Mal sehen, wie das deinem „Business“ und Gelis Ruf bekommt. Michael brüllte noch irgendwas und trat gegen die Tür, Lisa ging einfach ins Zimmer. Sie setzte dem Sohn Zeichentrickfilme auf, um den Lärm zu übertönen, und hockte sich selbst auf den Boden, die Knie umklammert. Ihrem Mann erzählte sie natürlich alles. Und er stellte sich hinter sie. *** Am nächsten Tag klingelte ständig das Telefon. Tante Waltraud, Mamas Schwester, warf Lisa vor: — Lisa, wie kannst du nur, sie hat dich geboren! So habe ich dich nicht eingeschätzt! Die Mutter, krank und hilflos, einfach so elend sterben lassen! Der Patenonkel rief auch an: — Lisa, sei doch Mensch, der Michael muss sein Leben aufbauen. Hast du gar kein Herz? Eltern pflegen ist Sache der Tochter, nicht des Sohnes! Alle Verwandten, die seit Jahren sahen, wie Lisa in der Familie zurücksteckte, schlugen sich jetzt auf die Seite des „Goldjungen“. Anfangs nahm Lisa ab, dann legte sie das Handy weg. Um sich abzulenken, fuhr sie mit dem Sohn durch die ganze Stadt in den Park und ließ das Handy zu Hause. Ihr Mann sagte entschlossen: — Ich habe morgen freigenommen. Falls sie aufkreuzen, empfange ich sie persönlich. Die sollen wissen, dass du nicht allein bist! Aber weder an diesem noch am nächsten Tag kamen Vater oder Bruder. Lisa beruhigte sich; scheinbar ließen sie sie in Ruhe. *** Der Tag von Michaels Junggesellenabschied kam. Lisa kochte das Abendessen, wartete auf ihren Mann. Als es klingelte, erschrak sie. Schon wieder? Noch einmal klingeln, dann sah sie nach – vor der Tür stand Angelina, Michaels Verlobte. Im Trainingsanzug, mit verschmierter Wimperntusche. Angelina hatte Lisa erst wenige Male gesehen – Michael hatte sie zum Angeben vorgestellt, um zu beweisen, dass die Familie „normal“ sei. Lisa öffnete vorsichtig. — Darf ich reinkommen? – fragte Angelina. Lisa trat zurück, ließ sie ein. — Was ist passiert? Hat Michael dich geschickt? Komm in die Küche, ich brate Kartoffeln. — Nein, – Angelina schüttelte den Kopf. – Ich bin weg von ihm. Lisa erstarrte. — Warum das? — Ich habe zufällig gehört, wie er mit seinem Vater sprach. Die Mutter tut nur so krank, um dich unter Druck zu setzen und hier unterzubringen. Sie haben das zusammen eingefädelt – dein Vater ist die kranke Frau satt. Plan: Mutter wohnt bei dir eine Woche, und ihre Wohnung ist dann frei für Michaels Kumpels, die zur Hochzeit kommen sollen. Zurücknehmen will sie dein Vater gar nicht! Mir wurde so schlecht dabei… Lisa war fassungslos. — Mutter geht es also gar nicht so schlecht? — Es geht ihr schlecht, Lisa. Sie ist wirklich krank, aber nicht so schlimm. Die Geschichte, dass sie halbtot ist, haben sie erfunden. Die beiden haben ihren eigenen Plan: Mutter zu dir, Wohnung vermieten, Vater zieht auch aus – er hat längst eine andere Frau… Angelina schluchzte. — Ich dachte, er wäre nur verwöhnt, aber eigentlich nett. Aber er… ist nicht menschlich. Gestern hat er sogar die Katze der Mutter getreten, weil sie im Weg stand. Kurz: Ich habe Sachen gepackt und bin gegangen. Die Hochzeit findet nicht statt. Angelina weinte lange in Lisas Küche. Oleg, Lisas Mann, ließ sie in Ruhe – Lisas Trost tat Angelina gut, und Lisa wusste: Sie hatte sich in Angelina getäuscht. Sie war viel menschlicher als der Bräutigam. *** Nachdem Angelina abgesprungen und das Hochzeitsgeld ihrer Familie weg war, stand Michael tief in der Kreide. Die Kreditgeber, bei denen er Geld für „Hochzeitsgeschenke“ geliehen hatte, forderten Rückzahlung. Endlich kapierten die Eltern die Situation. Michael nahm nicht nur die Mutter nicht zu sich – er klaute auch noch die Wohnungsunterlagen und versuchte, das elterliche Apartment zu beleihen, um die Schulden zu begleichen. Als es aufflog, bekam Viktor Stepanowitsch einen Schlaganfall. Natürlich wandten sie sich hilfesuchend an Lisa, doch sie ignorierte die Bitten des Vaters. Sollen sie sehen, wie sie zurechtkommen. Am Ende haben sie sich so einen Sohn selbst großgezogen…