Nach dem Training eilte Anna nach Hause und versprach ihrem Mann, Fischsuppe zu kochen.

Nach dem Training rannte Leni eilig nach Hause; sie hatte ihrem Mann Klaus versprochen, eine deftige Fischsuppe zu kochen. Kaum hatte sie die Wohnungstür geöffnet, sah sie Klaus in der Küche und einen Rotwein in der Hand.

Na, das geht ja locker!Klaus, hast du nicht genug Geduld, um mir zu warten? Lass mich wenigstens einen Snack für dich zubereiten

Nein, setz dich, wir haben ein ernstes Gespräch.

Leni hatte ihren Mann noch nie so resigniert und verwirrt gesehen.

Herrgott, was ist denn hier los?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll Also, ich sags dir ganz offen: Meine Sekretärin Katja ist schwanger und das Kind ist von mir. Ich ziehe zu ihr.

Das ist ja ein echter SeifenoperMoment! Und wie lange läuft das schon?

Ein gutes Jahr etwa. Kaum war sie da, hat sie mir ständig Aufmerksamkeit geschenkt. Jung, hübsch, quirlig fast wie du damals. Ich hab mich wie ein Schuljunge verliebt! Ich wollte dir das ja eigentlich gestehen, aber ich hatte keinen Mut. Ich wollte dich nicht verletzen

Und jetzt ist es zu spät, wir werden bald Eltern. Du weißt doch, dass ich mir immer ein Kind gewünscht habe. Jonas ist für mich wie ein Sohn, nur nicht blutsverwandt. Ich brauche einen Erben, dem ich meine Firma übergeben kann. Mit Katja fühle ich mich wieder jung. Hast du schon von der MidlifeCrisis gehört? Ich glaube, die hat mich erwischt.

Ich bin ein Mistkerl, das stimmt. Aber ich lasse dich und Jonas nicht im Regen stehen. Wohnung, Auto alles gehört euch. Ich zahle weiter Geld, wie versprochen, und übernehme die UniKosten. Das neue Haus habe ich bereits auf Katja überschrieben, schließlich wird sie die Mutter meines Kindes.

Ich verstehe, Klaus, dass man bei so einer Schönheit wie Katja nicht widerstehen kann. Und du bist ja unser echter Kerl. Einen eigenen Nachwuchs zu vernachlässigen, wäre ehrenhaft. Danke für die finanzielle Unterstützung, ich will jetzt erstmal ein bisschen die Welt entdecken und für mich leben.

Wann ziehst du aus? Brauchst du Hilfe beim Packen?

Klaus starrte verwirrt. Leni wirkte so gelassen zumindest keine Szene, kein Drama.

Leb wohl, mein lieber Mann, danke für die gemeinsamen Jahre. Es war schön mit dir! Das Leben hat eben seine eigenen Drehbücher. Vielleicht finde ich ja jemanden, der mich glücklich macht. Jetzt geh, Katja ist sicher schon ungeduldig und will mich nicht länger warten lassen.

Klaus schnappte hastig die Koffer, lächelte verlegen und eilte zum Aufzug.

Mit einem Knall schloss Leni die Tür, ging in die Küche, holte eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, öffnete sie, goss ein volles Glas ein und trank es in einem Zug. Ihr ExMann hatte sie verlassen so absurd das auch klang.

Sie hatte nie daran gedacht, dass das passieren könnte. All die Jahre waren sie in Ruhe zusammengewohnt, vielleicht nicht leidenschaftlich, aber mit Zuneigung, Gewohnheit und Respekt.

Genug Trübsal, dachte sie. Neuer Lebensabschnitt, neue Regeln! Ich werde etwas zu tun finden, und das Geld kommt ja von Klaus. Wer will schon auf Geld verzichten, wenn es einem mehr Möglichkeiten eröffnet? Ich muss mich nur an den Status einer Alleinstehenden gewöhnen

Und plötzlich wirbelten neue Eindrücke in ihr Leben. Sie meldete sich zu Tanzkursen an und ging nach Feierabend hin. Am Wochenende besuchte sie Museen, Kinos und das Fitnessstudio zum Glück hatte sie Gesellschaft. Die Nachbarin Irma, eine alleinstehende Witwe, begleitete sie gern.

Jonas studierte in einer anderen Stadt, kam selten nach Hause. Leni war nun ganz auf sich gestellt. Sie kochte nur das, was ihr schmeckte, musste sich nicht mehr anpassen. Sie tat, was ihr Lust machte, und niemand durfte ihr etwas verbieten. An einen neuen Mann dachte sie gar nicht erst; das Alleinsein war gar nicht so schlecht.

Die Scheidung verlief ruhig und gütlich. Im Gerichtssaal sah Leni flüchtig Katja im Flur eine echte Schönheitskönigin. Da war wohl Geschmack im Spiel.

Klaus überzahlte jeden Monat das Geld, wie er es versprochen hatte. Leni war dankbar für diese großzügige Geste. Sie wusste, dass sein Unternehmen gut lief und er problemlos weiter unterstützen konnte, als Zeichen für die gemeinsamen Jahre. Katja schien von all dem nichts zu wissen, sie hätte das sicher nicht gebilligt.

Ein Jahr verging. Lenis Leben änderte sich kaum: Tanz, Fitness, ein paar Kurztrips ins Ausland. Das Geld von Klaus kam plötzlich nicht mehr, und ihr war zu peinlich, nach dem Grund zu fragen. Wahrscheinlich hatte Katja das gekürzt. Na und? Das Leben geht weiter. Jonas verdiente ordentlich, studierte noch, und konnte seine Studienkosten selbst tragen. Sein Gehalt reichte für seinen Alltag.

An einem freien Tag, ohne Eile, genoss Leni jeden Moment. Beim Kochen der Fischsuppe bemerkte sie, dass kein Brot mehr da war und das liebte sie. Schnell lief sie zur Bäckerei und traf dort zufällig Klaus.

Klaus, was machst du hier?

Leni, hallo! Ich wohne jetzt gleich um die Ecke habe eine Wohnung gekauft.

Das ist aber was Neues! Und Katja? Gibts ein Baby? Wer hat denn das Kind bekommen?

Eine Tochter ja, das war ein ganz wilder Ritt. Katja wurde von einem Konkurrenten eingeschleust, ich verliebte mich, und dann wollte sie das Ganze ausnutzen, das Unternehmen auf sie übertragen. Ich stimmte aus lauter Emotionen zu, ließ ihr einen Teil auf das Konto, von dem sie nichts wusste. Am Ende wurde ich rausgeworfen, das Kind ist nicht meins, das Geschäft ging an den Wettbewerber. So ein Trauerspiel, wie aus einem schlechten SeifenopernDrehbuch.

Ich habe jetzt wieder eine Wohnung, einen Job, lebe halbwegs gut, aber das alte Leben ist vorbei. Und ich kann dir nicht mehr helfen. Tut mir leid, Leni, du willst mir sicher nicht mehr schreiben, weil ich dich verraten habe.

Leni musste fast ein bisschen Mitleid mit ihm haben er sah doch gar nicht so schlimm aus. Katja, diese Schwindlerin! Er hatte so viel Arbeit und Herzblut in die Firma gesteckt.

Du Dummkopf, Klaus! Komm rüber, ich habe gerade die Fischsuppe fertig, die du so gern magst.

Sie setzten sich an die alte Küche, die jahrelang ihr gemeinsamer Treffpunkt gewesen war, plauderten, lachten und tauschten Neuigkeiten aus allerdings nicht mehr als Mann und Frau, sondern als alte Freunde.

Ab und zu telefonierten sie noch, aber nie von einer gemeinsamen Zukunft. Jeder lebte sein eigenes Leben. Leni lernte beim Tanzen einen netten Mann kennen, heiratete ihn und war glücklich.

Klaus wurde zur Hochzeit eingeladen, kam und freute sich wirklich für sie. Dort traf er die Schwester des Bräutigams. Einen halben Jahr später tanzte Leni mit ihrem neuen Mann bei seiner eigenen Hochzeit und Klaus war ebenfalls dabei.

So zeigt das Leben, dass es unberechenbar ist! Man sollte nie den Mut verlieren und nicht zu früh das Handtuch werfen. Wer weiß, was kommt? Man muss einfach leben und jeden Tag genießen.

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Homy
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Nach dem Training eilte Anna nach Hause und versprach ihrem Mann, Fischsuppe zu kochen.
Und bis heute wache ich manchmal nachts auf und frage mich, wann mein Vater es geschafft hat, uns wirklich alles zu nehmen. Ich war 15, als es passierte. Wir lebten in einem kleinen, aber gepflegten Haus – mit Möbeln, der Kühlschrank war voll an Einkaufstagen und die Rechnungen waren fast immer pünktlich bezahlt. Ich war in der 10. Klasse und meine einzige Sorge war, mich durch Mathe zu kämpfen und genug Geld für die Turnschuhe zu sparen, die ich so sehr wollte. Alles begann sich zu verändern, als mein Vater immer später nach Hause kam. Er kam rein, sagte kein Wort, warf die Schlüssel auf den Tisch und verschwand direkt mit dem Handy in seinem Zimmer. Meine Mutter schimpfte: — Schon wieder zu spät? Glaubst du, das Haus macht sich von allein? Er antwortete trocken: — Lass mich, ich bin müde. Ich hörte alles von meinem Zimmer aus mit Kopfhörern, tat so, als würde nichts passieren. Eines Abends sah ich ihn im Garten telefonieren. Er lachte leise, sagte Dinge wie „fast erledigt“ und „keine Sorge, ich regel das“. Als er mich bemerkte, legte er sofort auf. Ich spürte ein seltsames Gefühl im Bauch, sagte aber nichts. An dem Tag, an dem er ging, war Freitag. Ich kam von der Schule und sah den offenen Koffer auf dem Bett. Meine Mutter stand mit roten Augen an der Schlafzimmertür. Ich fragte: — Wo geht er hin? Er sah mich nicht mal an und sagte: — Ich bin eine Weile weg. Meine Mutter schrie ihn an: — Eine Weile mit wem? Sag die Wahrheit! Da explodierte er: — Ich gehe zu einer anderen Frau. Ich habe genug von diesem Leben! Ich fing an zu weinen: — Und ich? Und meine Schule? Und das Haus? Er antwortete nur: — Ihr schafft das schon. Er schloss seinen Koffer, nahm die Dokumente aus der Schublade, griff zu seinem Portemonnaie und verließ das Haus ohne Abschiedswort. Am selben Abend versuchte meine Mutter, Geld vom Bankautomaten abzuheben, doch die Karte war gesperrt. Am nächsten Tag in der Bank erfuhr sie, dass das Konto leer war. Er hatte alles abgehoben, was sie gemeinsam gespart hatten. Obendrein erfuhren wir, dass zwei Monatsrechnungen nicht bezahlt waren und er einen Kredit aufgenommen hatte – ohne ihr Wissen, sie als Bürgin eingetragen. Ich erinnere mich, wie meine Mutter am Tisch saß, Quittungen prüfte, mit einem alten Taschenrechner rechnete, weinte und immer wieder sagte: — Es reicht für nichts… es reicht einfach nicht… Ich versuchte, ihr beim Sortieren der Rechnungen zu helfen, begriff aber kaum, was eigentlich passierte. Eine Woche später wurde das Internet abgestellt, kurz darauf fast auch der Strom. Meine Mutter fing an zu putzen – in fremden Haushalten. Ich begann, Süßigkeiten in der Schule zu verkaufen. Es war mir peinlich, in der Pause mit der Tüte Schokolade herumzustehen, aber ich tat es, weil zuhause nicht mal das Nötigste reichte. Eines Tages öffnete ich den Kühlschrank: darin nur eine Kanne mit Wasser und ein halber Tomate. Ich setzte mich in die Küche und weinte allein. Am selben Abend gab es nur weißen Reis – sonst nichts. Meine Mutter entschuldigte sich ständig, dass sie mir nicht mehr geben konnte wie früher. Später sah ich auf Facebook ein Foto von meinem Vater mit jener Frau im Restaurant – sie stoßen mit Wein an. Meine Hände zitterten. Ich schrieb ihm: „Papa, ich brauche Geld für Schulmaterial.“ Er antwortete: „Ich kann nicht zwei Familien versorgen.“ Das war unser letztes Gespräch. Danach hat er nie wieder angerufen. Nie gefragt, ob ich meinen Abschluss geschafft habe, ob ich krank bin, ob ich etwas brauche. Er ist einfach verschwunden. Heute arbeite ich, bezahle alles selbst und unterstütze meine Mutter. Aber diese Wunde ist bis heute offen. Nicht nur wegen des Geldes – sondern wegen dem Verlassen, der Kälte, der Art, wie er uns im Stich ließ und einfach weiterlebte, als wäre nichts gewesen. Und trotzdem, viele Nächte wache ich immer noch auf – mit derselben Frage im Herzen: Wie überlebt man es, wenn der eigene Vater einem alles nimmt – und einen zwingt, als Kind das Überleben zu lernen?