Ich habe gerade das Gefühl, dass wir wohl eine etwas eigenartige Familie sind.

Wie schön, dass ich dich habe, sagte Alexander und zog seine Frau fest an sich.
Und ich bin glücklich, dass du bei mir bist!, erwiderte Liselotte.

Und mit wem sonst soll ich zusammen sein?, lachte er. Natürlich nur mit dir du bist mein Schicksal, die beste Frau der Welt.

Liselotte schenkte ihm keinen weiteren Satz, küsste ihn zärtlich auf die Wange und eilte dann in die Küche, um den frisch aus dem Ofen kommenden Apfelkuchen herauszuholen.

Heute feierten Alexander und Liselotte ihr silbernes Jubiläum. Sie wollten es im kleinen Familienkreis halten nur zu zweit und mit ihren Kindern. Sie haben zwei Kinder: den Sohn Andreas, der gerade die zehnte Klasse besucht, und die Tochter Klara.

Klara hat erst vor Kurzem ihr Studium abgeschlossen, einen Job gefunden und ist ausgezogen. Sie hat eine kleine Wohnung ganz in der Nähe ihrer Arbeit gemietet. Obwohl Liselotte ihr immer wieder angeboten hat, zu Hause zu bleiben hier ist genug Platz für alle will Klara ihr eigenes Ding machen.

Warum willst du in eine eigene Wohnung ziehen?, fragte Liselotte. Hier hast du dein Zimmer, wir wohnen alle zusammen, warum das Ganze? Wenn du heiratest, kannst du ja wieder bei uns einziehen.

Mama, ich liebe dich und Papa sehr, und ich weiß, dass ihr mich nie vertreiben würdet, aber ich möchte das eigene Leben ausprobieren. Und ehrlich gesagt, du kochst so lecker, deine Kuchen sind so gut, dass ich Angst habe, irgendwann zu einem Elefanten zu werden. Du bist schlank und isst kaum, ich hingegen nehme zu, wenn ich deine Leckereien sehe! Ich muss auf meine Figur achten das geht nicht, wenn ich ständig bei euch bin.

Liselotte lächelte, während sie ihrer Tochter zusah. Äußerlich ähnelten sie sich kaum. Liselotte ist klein und zierlich, fast durchsichtig, man hält sie manchmal für ein junges Mädchen. Sie legt keinen Wert auf äußere Aufmachung, trägt kaum MakeUp, bindet ihr Haar meist zu einem lockeren Pferdeschwanz und kleidet sich zurückhaltend. Klara dagegen ist eine echte Schönheit das hat sie vom Vater geerbt.

Alexander ist ein auffallender Mann: groß, kräftig, mit ein paar zusätzlichen Kilos, die er sich bei Liselottes Kuchen zugelegt hat. In jungen Jahren war er sehr gutaussehend, und auch mit achtundvierzig bleibt er ein attraktiver Typ.

Liselotte weiß, dass sie neben ihm nicht besonders auffällt. Sie hat das Flüstern im Rücken längst akzeptiert, weil sie für Alexander die schönste und begehrenswerteste Frau der Welt ist.

Als Liselotte Alexander kennenlernte, war sie zwanzig, er zweiundzwanzig.

An diesem Septembertag ging die Studentin Lena zur Geburtstagsparty ihrer Kommilitonin und Freundin Viktoria. Sie hatte ein kleines Geschenk vorbereitet und entschied sich, noch einen kleinen Blumenstrauß zu kaufen.

Im Blumenladen war nur ein junger Mann, der gerade einen Strauß auswählte. Die Verkäuferin, eine freundliche junge Frau, zeigte ihm verschiedene Optionen und war sichtlich interessiert. Auch Lena bemerkte das Interesse der Verkäuferin. Der junge Mann war ausgesprochen hübsch.

Mit so einem Aussehen könnte er doch nur im Kino arbeiten, dachte Lena. Vielleicht ist er ja sogar Schauspieler.

Der junge Mann bemerkte ebenfalls Lena und sprach sie an:

Mädchen, welchen Strauß mögen Sie lieber? Diesen mit roten Rosen oder den mit Pfingstrosen?

Lena wurde verlegen, weil sie nicht damit gerechnet hatte, dass ein so gutaussehender Typ zu ihr spricht, antwortete aber schließlich:

Ich würde die Pfingstrosen nehmen, obwohl die meisten Mädchen Rosen bevorzugen.

Die Verkäuferin fragte neugierig:

Und Ihrer Freundin, welche Blumen gefallen?,
der junge Mann erwiderte verwirrt: Meiner Freundin? Ich kaufe die Blumen nicht für meine Freundin, ich kenne gar nicht die, für die ich den Strauß kaufen soll.

Wie bitte?, staunte die Verkäuferin und warf einen Blick zu Lena.

Ein Freund geht zur Party seiner Cousine und hat mich überredet mitzukommen, erklärte der junge Mann, während er die überraschten Gesichter sah. Ich wollte nicht mit leeren Händen erscheinen, also habe ich einen Strauß gekauft. Und jetzt gibt es so viele Auswahlmöglichkeiten, dass ich nicht weiter weiß.

Lena riet: Wenn Sie Rosen nehmen, liegen Sie nie falsch jedes Mädchen liebt Rosen.

Mögen Sie auch Rosen?, fragte der junge Mann vorsichtig.

Lena spürte, wie ihr Gesicht leicht erblühte. Sie senkte die Augen und sagte:

Ich mag am liebsten Feldblumen, aber Rosen finde ich auch schön. Sie scheinen ja fast alle zu mögen.

Der junge Mann erwiderte begeistert:

Wie interessant ich mag Feldblumen ebenfalls. Meine Mutter bringt immer ein kleines Bündel vom Feld mit, wenn sie zum Garten fährt. Dort wächst alles, was man sich vorstellen kann. Feldblumen haben eine verborgene Schönheit unscheinbar, aber wenn man genau hinhört, erkennt man, wie wundervoll sie sind.

Er kaufte einen Strauß Rosen, verließ den Laden lächelnd.

Was für ein schöner Typ, sagte die Verkäuferin. Ein Lächeln, das ein Star haben könnte.

Lena stimmte zu und kaufte einen kleinen Strauß Chrysanthemen, verabschiedete sich und ging zu Viktorias Wohnung.

Zu ihrer Überraschung sah sie dort den lächelnden Jüngling aus dem Blumenladen. Er hieß Sascha und war mit seinem Freund Matthias, Viktorias Cousin, gekommen.

Sascha war ebenfalls überrascht, Lena wiederzusehen, und warf ihr immer wieder verliebte Blicke zu. Lena lächelte verlegen und wandte den Blick ab. Später am Abend setzten sie sich zusammen, plauderten und lernten sich besser kennen.

Was sie damals besprachen, erinnerte sich Lena heute kaum noch. Sascha fragte etwas, sie antwortete, er erzählte, sie hörte zu

Sie verstand nicht, warum er neben ihr saß, warum er ihr zulächelte und ihr Aufmerksamkeit schenkte. Sie bemerkte, dass Viktoria sie schief ansah und ein wenig verärgert wirkte.

Als die Musik ankündigte und die Gäste zu tanzen begannen, bat Viktoria Sascha um einen Tanz. Er glitt kurzerhand zu ihr, wobei er Lena kurzzeitig aus den Augen verlor. Kurz darauf kehrte er jedoch zu ihr zurück, begleitete sie nach Hause und bot an, sie zu begleiten.

Am nächsten Tag, als Lena im Institut war, sah sie Viktoria, die ihr kaum ein Hallo schenkte. Nach der Vorlesung fragte Lena erneut nach dem Grund für die Kühle.

Hast du das nicht verstanden?, fuhr Viktoria scharf.

Was soll ich verstehen?

Dass Matthias Sascha zu mir mitgebracht hat, um uns vorzustellen! Ich habe ihn in Matthias Fotos gesehen und fand ihn toll. Und du hast den ganzen Abend mit ihm geflirtet. Außerdem hast du ihn auch noch mitgenommen! Und jetzt tust du so, als wärst du schüchtern!

Lena war fassungslos: Ich habe mit keinem geflirtet! Ich weiß gar nicht, wie man flirtt, das war nie in meinem Kopf. Sascha hat mich selbst nach Hause begleitet, ich habe das nicht verlangt.

Viktoria warf ihr einen verärgerten Blick zu und ging davon.

Lena fühlte sich klein. War sie wirklich die Freundin, die einem anderen Mann den Weg ebnete? War sie eine heimtückische Aufreißerin? Nein, das konnte nicht sein.

Sie, Lena, die von den Jungs kaum beachtet wurde, schaffte es dennoch, die Aufmerksamkeit von Sascha, einem gutaussehenden Typen, zu erregen. Viktoria passte perfekt zu ihm hübsch, lebhaft, voller Bewunderer. Lena hingegen ist zurückhaltend und unscheinbar.

Doch Sascha schaute nicht auf andere, nur auf Lena. Er kannte fast niemanden in der Runde, also verbrachte er den Abend damit, mit dem Mädchen aus dem Blumenladen zu reden.

Während Lena nach Hause ging, stand sie vor dem Spiegel, sah ihr Spiegelbild und flüsterte:

Wirklich, wer braucht mich eigentlich?

Plötzlich vibrierte ihr Handy. Es war Sascha. Am Vorabend hatte er nach ihrer Nummer gefragt, aber sie dachte, er würde nie anrufen.

Sie verabredeten sich für den Abend an der Weserpromenade. Als Lena pünktlich dort ankam, wartete Sascha bereits mit einem Strauß Feldblumen und einem breiten Lächeln sie wusste sofort, dass sie verliebt war.

So begann die Liebesgeschichte von Liselotte und Alexander. Viele sagten, sie würden bald auseinandergehen. Keiner glaubte, dass so ein gut aussehender Mann sich ernsthaft für ein Mädchen wie Lena interessieren könnte. Einige neideten ihnen und meinten, die Beziehung sei zum Scheitern verurteilt, weil ein schöner Junge wohl irgendwann andere Frauen anschauen würde.

Aber Sascha sah nur Lena. Und nach kurzer Zeit vertraute sie seinen Gefühlen und ignorierte die Neider.

Ein Jahr nach ihrem Kennenlernen verlobten sich Alexander und Liselotte. Kein Tag verging, an dem er ihr nicht sagte, dass sie die Beste sei. Zehn Jahre nach der Hochzeit fragte Liselotte ihn einmal:

Warum hast du gerade mich ausgewählt? Ich habe doch nichts, was Männer besonders mögen, ich bin ganz normal.

Alexander war überrascht, lächelte und antwortete:

Man kann nicht erklären, warum man sich verliebt. Aber ich versuche es: Ich habe mich in deine Augen verliebt, weil sie die schönsten sind, voller Güte und Aufrichtigkeit. Ich liebe deine Stimme, deinen Duft, deine Seele. Für mich bist du die schönste Frau der Welt. Und das liegt nicht nur an deinem Geschmack für Feldblumen du bist selbst eine dieser zarten Blumen, deren Schönheit nicht schreit, sondern leise verzaubert.

Das Familienessen zum 25jährigen Jubiläum war gemütlich. Die Kinder sagten ihren Eltern liebe Worte das schönste Geschenk für Liselotte und Alexander.

In der Mitte des Tisches stand ein zarter Strauß Feldblumen. Alexander schenkt seiner Frau die stets zu ihrem Geburtstag im Juli und zum Hochzeitstag.

Sascha, flüsterte Lena, als sie ins Bett gingen. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind das falsche Paar.

Warum?, fragte er überrascht.

Wir haben 25 Jahre lang nie gestritten. Gibt es das überhaupt?

Willst du dich streiten?, lachte er. Dann lass uns doch streiten!

Er begann, sie zu kitzeln.

Nein, nein, das will ich nicht, rief Lena lachend, weil sie das Kitzeln gar nicht mochte.

Ich will auch nicht streiten, sagte Sascha und küsste sie.

Gefällt dir das? Lass ein Like da und schreib gern einen Kommentar! Als die letzten Kerzen erloschen, füllte ein warmes Leuchten den Raum, das nicht von Licht, sondern von Erinnerung ausging. Lisetotte sah zu Alexander, wie seine Augen im Schein der Flammen funkelten, und flüsterte: Wir haben ein ganzes Leben miteinander geteilt, und jedes Jahr fühlt sich an wie ein neuer Anfang. Alexander drückte ihre Hand fester und antwortete: Unsere Geschichte ist das schönste Geschenk, das wir uns je gegeben haben.

Draußen, am Fenster, schimmerte die Abendsonne über der Weser und ließ die Feldblumen im kleinen Glasstrauß fast zu tanzen beginnen. Lena, die neben ihnen stand, bemerkte, wie das Licht die zarten Blüten in ein goldenes Glühen tauchte, und spürte plötzlich, dass all die Zweifel des Jahres wie ein Blatt im Wind davontrieben. Sascha zog sie sanft näher, ihre Köpfe berührten sich, und er flüsterte: Wir haben noch unzählige Morgen, in denen wir uns entscheiden können, zu lachen statt zu streiten.

In diesem Moment trat Andreas auf, ein Tablett mit dem noch warmen Apfelkuchen balancierend. Für die beiden, die heute zeigen, dass Liebe nicht nur ein Wort, sondern ein ständiger Akt ist, sagte er und reichte das Stück. Die Kinder setzten sich zusammen, lachten, teilten Geschichten und ließen die vergangenen Jahre in einem harmonischen Murmeln zusammenfließen.

Der Abend endete mit einem leisen Lied, das Lisetotte leise summte, während Alexander leise die Klaviermelodie ergänzte. Die Melodie schwebte durch das Haus, vermischte sich mit dem Duft von Äpfeln und Feldblumen und hinterließ ein Gefühl von Vollständigkeit, das jeden Anwesenden tief berührte.

Als sie später allein im Garten standen, sahen sie die Sterne über ihnen funkeln. Lisetotte lehnte ihren Kopf an Alexanders Schulter, Lena vergrub ihre Hände leicht in Saschas und flüsterte: Wir haben das Glück gefunden, das wir nicht suchen mussten.

Ein leiser Windhauch trug den Duft der Feldblumen über die Felder, als hätte die Natur selbst das Versprechen bekräftigt, dass wahre Verbundenheit egal ob 25 oder 50 Jahre immer wieder neu erblüht, wenn man sie nur pflegt.

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Homy
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