Liebes Tagebuch,
heute war ein merkwürdiger Tag auf unserem Schrebergarten in der Nähe von Brandenburg.Meine Frau, **Anna Hannelore**, ging jeden Morgen mit einer Tasse Tee durch den Garten, prüfte die Beete und bewunderte die Obstbäume.Unser Stück Land hat fünfzehn Hektar die Hälfte ist für Gemüse wie Kartoffeln, Möhren und Kohl reserviert, die andere Hälfte ist unser Obstgarten mit Apfel, Birnen und Beerensträuchern.
Anna ist besonders stolz auf ihre Brombeer und Heidelbeersträucher. Vor fünf Jahren pflanzte sie die ersten Setzlinge; jetzt wartet sie auf die erste reiche Ernte.Direkt daneben stehen Himbeersträucher, die jedes Jahr mit süßen Beeren locken, und eine lange Weinrebe, deren schwere Trauben im Spätsommer schwer an den Reben hängen.
Peter, schau, wie die Heidelbeeren prall werden! rief sie, als sie den Weinberg betrachtete.
Wunderschön, erwiderte ich, während ich das Rasiermessgerät für die Hecke ansetzte.
Im Sommer kommen unsere Enkelkinder vorbei: **Lukas**, zwölf, und **Ute**, zehn. Sie helfen im Beet, sammeln Beeren und baden im nahegelegenen Weiher.Anna liebt das Lachen der Kinder.
Nebenan wohnt **Gisela Schwarz**. Ihr Garten ist klein nur sechs Hektar und besteht ausschließlich aus Blumenbeeten und einem kleinen Schrebergartenhaus. Jeden Sommer kommen ihre fünf Enkel, im Alter von vier bis vierzehn Jahren, zu ihr.Gisela arbeitet in Berlin, doch im Sommer ist sie die ganze Zeit zu Hause und kümmert sich um die Enkel.
Die Kinder beider Familien laufen oft zwischen den beiden Gärten hin und her. Anna mag das sehr, denn das fröhliche Treiben ist ein Bild des Sommers.
Tante Anna, dürfen wir bei euch spielen? fragten die Nachbarskinder.
Natürlich, ihr Lieben. Aber bitte seid vorsichtig bei den Beeten, sagte Anna.
Ein Morgen bemerkte ich ein seltsames Bild: Viele Heidelbeersträucher standen fast kahl, nur grüne, unreife Beeren hingen noch.
Peter, komm sofort her! rief Anna.
Was ist geschehen?
Sieh dir die Heidelbeeren an wo sind die reifen Beeren?
Ich trat näher, betrachtete die Sträucher.
Komisch, gestern standen sie noch voller Früchte.
Vielleicht haben Vögel gefressen?
Vögel picken nur einzelne Beeren, hier ist alles abgepickt, als hätte jemand gezielt die Ernte weggeräumt.
Anna prüfte auch die Himbeeren sie waren fast leer, sogar die unreifen Beeren fehlten.
Peter, jemand hat auch die Himbeeren geplündert!
Das kann nicht sein!
Doch die Fakten lagen auf dem Tisch: Die Sträucher, die gestern noch voller Beeren hing, standen jetzt kahl.
Am Abend setzte ich mich auf die Gartenbank mit einem Buch, doch mein Blick blieb auf die Beete gerichtet. Nach einer Stunde sah ich, wie fünf Kinder durch ein Loch im Zaun krochen und sich den Heidelbeersträuchern näherten.
Schaut, wie blau die Beeren sind! jubelte das jüngste Kind.
Lasst uns alles sammeln, sagte der Älteste.
Sie begannen methodisch, die verbliebenen Beeren zu pflücken, stopften sie in Taschen und stopften die Hände voll.
Ich trat aus meinem Versteck:
Was macht ihr hier?
Die Kinder erstarrten, die Älteren versuchten, die Tüten hinter dem Rücken zu verbergen.
Wir haben nur ein bisschen probiert, murmelte der dreizehnjährige **Mischko**.
Ein bisschen? Ihr habt doch den ganzen Strauch abgeerntet!
Tante Anna, dürfen wir noch etwas mitnehmen? fragte die vierjährige **Karla**. Sie schmecken so gut!
Nein, das ist mein Obst, das wir selbst gezüchtet haben.
Enttäuscht zogen sich die Kinder zurück zum Zaunloch. Ich sah zu Gisela über die Gartenwand hinweg.
Gisela, wir müssen reden, sagte ich.
Ich höre, antwortete sie.
Deine Enkel haben meine Heidelbeeren zerstört.
Gisela zuckte mit den Schultern.
Na und? Kinder sind doch Kinder.
Sie haben meine gesamte Ernte ruiniert!
Ach, sei doch nicht so traurig, Anna. Es sind doch nur ein paar Beeren.
Ich war fassungslos.
Ein paar Beeren? Fünf Jahre Pflege, jeden Strauch gegossen und gedüngt!
Nun, du wirst neue anbauen, das ist alles.
Könntest du dich wenigstens entschuldigen?
Wofür? Kinder sind Kinder.
Das Gespräch endete im Sande, weil Gisela das Verhalten ihrer Enkel nicht als Fehltritt ansah.
Am nächsten Tag bemerkte ich, dass auch die Trauben, die bis Ende August reifen sollten, verschwunden waren.
Gisela!, rief ich über den Zaun.
Was denn jetzt?
Deine Enkel haben wieder etwas abgeerntet!
Vielleicht waren sie sauer, also haben sie die Trauben weggenommen.
Natürlich sauer! Sie waren noch grün, aber fast alle Trauben wurden abgerupft!
Sie wollten es nur mal probieren.
Ich spürte, wie das Blut in meinen Adern zu kochen begann.
Gisela, deine Kinder zerstören meinen ganzen Garten!
Übertreib nicht. Dein Garten ist doch groß und prächtig.
Groß ist egal ich baue das seit Jahren.
Gisela schüttelte den Kopf und ging ins Haus, die Tür hinter sich zuschlagend.
Abends erzählte ich dir, Peter, von dem Gespräch.
Kannst du das glauben? Sie hat sich nicht einmal entschuldigt!, sagte ich.
Du zuckte mit den Schultern: Es ist leichter, das Thema abzuwischen, als mit den Kindern zu reden.
Aber das ist Diebstahl!
Beruhige dich, Anna. Die Kinder verstehen das noch nicht.
Sie sind doch schon dreizehn!
Du seufztest. Du wolltest keinen Streit mit den Nachbarn wegen ein paar Beeren.
Kurz darauf fehlte auch noch die Geißblattpflanze.
Das reicht!, befahl Anna bestimmt.
Sie ging wieder zu Gisela, die gerade die Blumen mit einer Gießkanne wässerte.
Jetzt haben sie sogar das Geißblatt genommen!
Welches Geißblatt?
Deins! Deine Enkel klettern wieder durch das Loch im Zaun.
Anna, das ist doch nichts, als dass die Kinder ein bisschen Beeren probiert haben.
Nicht probiert, aber komplett abgeerntet! Meine ganze Ernte ist weg!
Du beschuldigst die Kinder doch nur, du bist selbst schuld!
Wie kann das sein?
Wer hat ihnen erlaubt, über dein Grundstück zu laufen? Sie haben das so gewöhnt.
Ich wollte doch nur, dass sie Freundschaften schließen.
Gut, dann hast du das Ergebnis deiner guten Absichten.
Gisela stellte die Gießkanne ab, ging zurück ins Haus und sagte:
Wenn du nicht willst, dass sie wieder kommen, mach den Zaun höher.
Aber wir müssen den Kindern erklären, dass man nichts klaut!
Schwierig, sie werden es nie verstehen.
Anna kehrte mit Tränen in den Augen nach Hause zurück, setzte sich auf die Bank und weinte. Nach so vielen Jahren Arbeit im Garten war alles verloren.
Anna, hör nicht weinen, tröstete ich sie. Nächstes Jahr gibt es neue Beeren.
Es geht nicht um die Beeren! Die Nachbarin weigert sich zu entschuldigen, das ist unerhört!
Was können wir von ihr nehmen? Sie ist einfach
Gisela hat den Ruf, im Schrebergartenviertel nicht die freundlichste Person zu sein, aber bis jetzt haben wir uns immer gut verstanden.
Peter, sollen wir den Zaun höher bauen?
Ja, das ist nötig.
Doch das wird teuer werden.
Was sollen wir tun? Sonst wird der ganze Garten gerodet.
Am nächsten Tag begannen wir mit dem Bau eines neuen Zauns. Ich brachte Bretter, Maschendraht und Pfosten, arbeitete vom Morgengrauen bis zum Abend. Gisela beobachtete das Geschehen von ihrem Garten aus und kommentierte spöttisch:
Na, ihr seid ja richtig geizig! Ihr habt einen Zaun gebaut, damit die Kinder nicht mehr herkommen.
Anna schwieg nur und biss die Lippen zusammen.
Die Enkel von Gisela spielten weiterhin am Zaun und suchten neue Lücken. Ich verstopfte jede Öffnung, füllte die Spalten.
Tante Anna, warum habt ihr den Zaun gebaut? fragte die kleine Karla.
Damit die Beeren bleiben.
Dürfen wir dann noch zu euch kommen zum Spielen?
Nein, das ist jetzt vorbei.
Der neue Zaun half, doch das Verhältnis zu den Nachbarn war endgültig ruiniert. Gisela wandte sich ab, die Kinder kamen nicht mehr.
Geizige alte Frau!, riefen sie über den Zaun.
Anna versuchte das zu ignorieren, aber ihr Herz war schwer. Früher war unser Hof voller Kinderlachen, jetzt herrschte Stille.
Gisela erzählte den anderen Schrebergärtnern ihre Version:
Stellt euch vor, wie gierig! Sie lassen ihren Enkeln nicht einmal ein Bäumchen essen.
Haben sie wirklich alles aufgegessen? fragten die Nachbarn.
Nur ein paar Beeren! Und jetzt tut sie, als hätte sie ein Vermögen verloren.
So entstand das Bild, dass Anna gierig und unfreundlich sei, während Gisela die liebenswerte Großmutter wäre.
Der Sommer ging zu Ende, die Kinder von Gisela fanden andere Wege, sich zu ärgern: Bälle über den Zaun werfen, Müll verstreuen, Wasser aus Schläuchen spritzen.
Gisela, sag deinen Enkeln, dass sie nicht den Garten verwüsten dürfen!
Was haben sie getan?
Sie haben Müll auf unseren Beeten verteilt.
Vielleicht hat der Wind das gebracht.
Die Schandtaten gingen weiter Steine wurden gegen das Fenster geworfen, Wasser spritzte über den Zaun.
Vielleicht sollten wir die Polizei rufen, Peter?
Anna, das ist doch nur kindisches Treiben.
Aber sie sind ja schon dreizehn, das ist kein Spiel mehr!
Ich seufzte, weil ich nicht noch mehr Streit wegen ein paar Beeren wollte.
Einige Tage später verschwand sogar das Wald-Erdbeergewächs.
Das halte ich nicht mehr aus!, rief Anna.
Sie ging erneut zu Gisela, die gerade Rosen wässerte.
Jetzt haben sie auch die Wald-Erdbeeren genommen!
Welche WaldErdbeeren?
Deine! Deine Enkel klettern immer wieder durch das Loch.
Anna, beruhige dich, das ist doch nur ein kleiner Ärger.
Nicht ein kleiner Ärger mein ganzer Ertrag ist weg!
Du bist doch selbst schuld, dass du die Kinder so frei hast laufen lassen.
Wie kann das sein?
Wer hat dir erlaubt, dass sie über dein Grundstück laufen?
Ich wollte doch nur, dass sie Freundschaften schließen.
Und jetzt hast du das Ergebnis deiner guten Absicht.
Gisela stellte die Gießkanne ab und sagte:
Wenn du nicht willst, dass sie wieder kommen, mach den Zaun höher.
Aber die Kinder müssen doch lernen, dass man nicht klaut!
Ja, das müssen sie, aber sie verstehen das nicht.
Anna ging mit schwerem Herzen zurück nach Hause, setzte sich auf die Bank und weinte.
Anna, warum weinst du? tröstete ich sie. Nächstes Jahr gibt es wieder Beeren.
Es geht nicht um die Beeren, sondern um die fehlende Entschuldigung.
Was soll man von ihr nehmen? Sie ist
Gisela ist im Schrebergartenviertel als nicht gerade freundlich bekannt, doch bis vor Kurzem haben wir uns gut verstanden.
Peter, bauen wir den Zaun höher?
Ja, das müssen wir.
Doch das kostet Geld.
Was sollen wir sonst tun? Sonst wird der ganze Garten zerstört.
Am folgenden Tag arbeiteten wir unermüdlich am neuen, hohen Zaun. Gisela beobachtete uns und schaltete ein:
Na, ihr seid ja richtig sparsam! Ihr schließt die Kinder aus.
Anna schwieg nur.
Die Enkel von Gisela suchten weiterhin nach Schlupflöchern, doch ich verstopfte jede Lücke.
Tante Anna, warum habt ihr den Zaun gebaut? fragte die kleine Karla.
Damit die Beeren bleiben.
Dürfen wir dann noch zu euch kommen zum Spielen?
Nein, das ist jetzt vorbei.
Der neue Zaun hat zwar den Verlust der Beeren begrenzt, aber das Verhältnis zu unseren Nachbarn ist endgültig abgekühlt. Gisela wendet sich ab, die Kinder kommen nicht mehr vorbei, und man hört sie aus der Ferne nur noch als die GeizhalsOma rufen.
Ich habe gelernt, dass Nachbarschaft nicht nur aus Grenzzäunen besteht, sondern aus Kommunikation und gegenseitigem Respekt. Ohne offene Worte und das Eingestehen von Fehlern führt selbst die kleinste Beere zu einem großen Streit.
**Persönliche Lehre:** Man muss klare Grenzen setzen, aber noch wichtiger man muss das Gespräch suchen, bevor ein kleines Missverständnis zu einem unüberwindbaren Graben wird.





