Heike, was sind das für deine überflüssigen Kilos? Ist das nicht ein Problem? hakte Lukas Mutter Ursula nach, während sie die Kaffeetasse schwenkte.
Meiner Meinung nach habe ich keine überschüssigen Pfunde, zumal mein zukünftiger Mann sie überhaupt mag. Nicht jeder muss eine Streichholzschachtel oder ein Bambusröhrchen sein. Heike warf einen spöttischen Blick über die Schulter zu Ursula und ihrer Schwiegermutter, die ebenfalls am Tisch saß. Die Bemerkung brachte Ursula zum Aufblitzen.
Mama! Hast du DiätTee gekauft? Und ChiaSamen? Warum hast du mir so viel Öl in die Müsli gegeben, das ist doch extra Gewicht! Lukas, hast du wieder dieses Hefebrot besorgt? Das ist ungesund! Man muss morgens drei Gläser Wasser trinken, sonst geht das Gewicht nicht weg Wo ist mein Wasser? das waren fast schon die täglichen Mantras, die Lukas seit seiner Kindheit gehört hatte.
Seine Mutter und seine ältere Schwester klagten ständig über ihre Figur. Klara, die mit achtunddreißig bereits unverheiratet war, wirkte wie ein knochiger, gebeugter Gaul mit hungrigen Augen. Ursula hingegen erinnerte an eine gerade, strenge Stricknadel.
Lukas hatte das satt. Er zog sich lieber zu lebensfrohen Menschen mit gutem Appetit hin und träumte stets davon, dass seine zukünftige Frau ganz anders sein würde als Mutter und Schwester. Und tatsächlich fand er sie!
Sie hieß Heike. Schon ihr Name klang weich, angenehm und süß, fast wie ein frischgebackenes Stück Kuchen. Heike war nicht dick, aber mit 1,73m und 85kg strahlte sie vor Gesundheit und guter Laune. Hohe Brust, schmale Taille, weibliche Rundungen und Grübchen auf den runden Wangen, die man am liebsten zwicken wollte das alles ließ Lukas beim ersten Anblick ausflippen.
Eines Abends brachte er Klara zur Bank, um ein paar Formalitäten zu erledigen. Sie nahm ihr Ticket und setzte sich auf den vorgesehenen Stuhl, während Lukas im Saal umherwanderte, erwartungsvoll. Plötzlich hörte er ein silbrigklirrendes Lachen, leise, aber ansteckend genug, dass er unwillkürlich mitlachte. Neugierig folgte er dem Geräusch.
Die Lacherwelt gehörte einer jungen Bankangestellten, die gerade einem älteren Kunden ein witziges Wortspiel erzählte. Sie lachte erneut, und Lukas konnte den Blick nicht von ihr abwenden von den welligen Haaren bis zu den Lippen, die ein kleines Lächeln trugen. Auch ihr Körper wirkte völlig im Gleichgewicht, das man mit bloßem Auge bemerkte.
Im Auto hörte er Klara monotone Plaudereien, während er gedanklich noch immer bei der Angestellten war.
Lukas, hörst du zu? fragte Klara ungeduldig.
Natürlich, Klara, ich höre zu. murmelte er, während er versuchte, dem Gespräch zu folgen.
Also, ich erkläre ihm, dass ich kein gebratenes Fleisch, sondern nur gekochte Hähnchenbrust esse, beklagte sich Klara über ihren heimlichen Verehrer. Lukas nickte verständnisvoll, zwinkerte und dachte: Was für ein Schlingel
Am nächsten Tag, kurz vor Sonnenuntergang, fuhr er zur Bank. Sein Traumobjekt saß bereits dort und er atmete erleichtert auf. Als die Filiale schloss, holte er einen Strauß Rosen aus dem Kofferraum und ging zu ihr.
Mädchen, brauchen Sie keinen Mann oder soll ich Ihrer Mutter einen vorstellen? brachte er mit einem leicht übertriebenen Spruch und überreichte die Rosen. Sein Gesicht wirkte so verwirrt und komisch, dass Heike laut kicherte und die Blumen annahm.
Ach du meine Güte, wie schön! Wie duften die! hauchte sie, tauchte ihr Gesicht in den Duft und ließ Lukas vor Bewunderung strahlen.
Von da an waren sie unzertrennlich. Manchmal trifft man im Leben jemanden und weiß sofort: Das ist es, das eigentliche Glück, und nichts Weiteres mehr zu suchen. So war es bei Lukas und Heike. Nach einem Monat Kennenlernen machte er ihr einen Antrag, den sie freudig annahm. Jetzt blieb nur noch das Kennenlernen der Eltern.
Heikes Eltern empfingen ihn mit einem üppig gedeckten Tisch, Kuchen, Lachen und lautem Geplänkel. Heikes Mutter Gisela, eine stattliche Schönheit, drückte ihm beide Wangen voller Zuneigung so sehr, dass er fast rot wurde. Ihr Vater Friedrich klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und führte ihn in die Küche.
Halte dich fern von zu vielen Frauen, sonst wirst du erstickt. Aber keine Sorge, meine Frau Gisela ist eine friedliche Frau! Darum liebe ich sie seit dreißig Jahren. Und Heike ist unser Diamant. Beschütze sie, junger Mann. sagte Friedrich und musterte Lukas aufmerksam.
Sie setzten sich lange an den Tisch, aßen mit großem Appetit, lachten laut und erzählten absurde Anekdoten. Später spielte Friedrich auf der Gitarre, und alle sangen im Chor mit. Lukas fühlte sich in dieser Familie so wohl, als hätte er sie sein ganzes Leben gekannt.
Drei Tage später besuchten sie Lukas Eltern. Auf dem Weg hielten sie in einer Konditorei, wo Heike handgemachte Eclairs für die Damen kaufte. Um fünf Uhr abends waren sie am Ziel.
Die Tür öffnete sich, und Ursula, Lukas Mutter, stand im Flur.
Oh hallo, meine Lieben sagte sie erstaunt und starrte Heike mit offenem Mund, die Hand am Türrahmen.
Mama, ich liebe dich auch. Wollen wir nicht am Eingang stehen bleiben, sondern rein? flüsterte Lukas, und sie traten gemeinsam ein.
Natürlich, mein Sohn, bitte Und ihr seid wohl Heike, richtig? fragte Ursula und musterte Heike von Kopf bis Fuß.
Ja, ich bin Heike! Freut mich, Sie kennenzulernen. reichte Heike ihre Hand und ging hinein, während Ursula verwirrt daneben stand.
Vater, das ist Heike, meine Verlobte, wir haben die Anmeldung gemacht, die Hochzeit steht bald bevor. Das ist meine Familie: Schwester Klara, Mutter Ursula und Vater Markus. stellte Lukas die Braut seinen Verwandten vor.
Die Nachricht von der Hochzeit überraschte die Familie, die still und leicht fassungslos dastand. Nur das Klirren von Besteck war zu hören.
Heike! Wir freuen uns sehr! Hast du schon die Flasche Sekt? Oh, das passt perfekt! Und ein bisschen Naschzeug, das ist für euch, die Mädchen. lockerte Vater Markus die Stimmung.
Nein, nein, wir essen keinen Kuchen, vor allem nicht nachts. Was? Heike schob Gisela widerwillig eine Schachtel Süßes zur Seite.
Ihr esst nicht, wir schon! Her damit, schauen wir mal, was drin ist. Ich glaube, Heike bringt nichts Schlechtes mit. rief Markus fröhlich.
Schließlich hatten alle Platz genommen, das Buffet bestand aus Schokolade, leichten Häppchen und einer Flasche Sekt. Sie öffneten die Flasche, stießen an, nahmen einen Schluck und wieder herrschte kurze Stille.
Mama, ich habe deine Eltern kennengelernt. Sie sind wunderbare Menschen, die werden dir gefallen. sagte Lukas, um das Schweigen zu brechen. Heike sah auf ihr Glas, während Ursula unverwandt Heike anstarrte. Dann erzählte Vater Markus einen Witz, alle lachten, und die Anspannung löste sich.
Heike, mach dir keine Sorgen, ich habe einen tollen Spezialisten. Ich stelle dich ihm vor, er wird dir helfen. sagte plötzlich die Schwiegermutter.
Problem? Ich habe keins, erwiderte Heike überrascht.
Na ja, Heike, und das mit den überflüssigen Kilos? Ist das nicht ein Problem? hakte Ursula erneut nach.
Aus meiner Sicht habe ich keine überflüssigen Pfunde, zumal mein zukünftiger Mann sie mag. Nicht jede Frau muss eine Streichholzschachtel sein. spöttelte Heike, während Ursula und Klara verdutzt dastanden.
Heike, du hast zwanzig Kilos zu viel! Das ist ungesund. Und wenn du Kinder bekommst, weiß ich gar nicht, was mit dir passiert drohte Klara.
Wenn ich Kinder bekomme, sehe ich noch schöner aus, und mein Mann und ich werden glücklich sein. Und du, Klara, bist doch so schlank du brauchst doch einen hübschen Mann und mindestens zwei Kinder. schnippte Heike und biss genüsslich in ein Stück Torte.
Klara schluckte schwer, wollte etwas erwidern, doch Vater Markus füllte die Gläser und rief einen Trinkspruch aus:
Auf die Frauen dieser Familie, so verschieden und doch so geliebt!
Nach ein paar Stunden verließen sie das Haus, blickten einander an, seufzten synchron und lachten dann plötzlich gemeinsam.
Ich hätte nie gedacht, dass meine zukünftige Schwiegermutter mich als vollschlank bezeichnet. flüsterte Heike.
Heike, du bist hübsch und das weißt du! Und deine Mutter und Schwester? Verzeih ihnen, man kann die Familie nicht wählen. sagte Lukas.
Die Hochzeit wurde für den 25. August festgelegt. An diesem Tag versammelten sich Verwandte und Freunde im Standesamt, um das JaWort zu hören. Nach der Zeremonie gingen alle ins Restaurant.
Die Braut strahlte in einem schicken Kleid, das ihre weibliche Figur perfekt betonte. Der Bräutigam ließ seinen Blick nicht von ihr abwenden. Heikes Mutter Gisela, die nicht weniger schön war, präsentierte ihre Tochter in voller Pracht. Der Vater Friedrich spielte das Klavier, und die Gäste sangen im Chor.
Die Musik spielte, die beiden tanzten den ersten Walzer, wirbelten im Licht der Kronleuchter, und für einen Moment schien die Welt nur aus ihnen zu bestehen.
Also vielleicht sollte die Braut ein bisschen abnehmen. Das Kleid ist doch etwas zu eng. fuhr eine kritische Stimme, leider die von Ursula, ein.
Wie das Sprichwort sagt: Wer den Mund nicht hält, fliegt los. dachte Gisela leise, aber das Wort war bereits ausgesprochen.
Übrigens, die meisten Männer schauen nicht auf Knochen, sondern auf gesunde, lebendige Frauen. Dein Sohn ist da keine Ausnahme. sagte Friedrich, während er Gisela mit seinem wohlgeformten Oberkörper an die Wand drückte.
Ein kurzer Augenkrieg entstand zwischen den beiden Frauen, bis schließlich Friedrich die Lage beruhigte:
Mädels, wir sind doch hier, um zu feiern! Ich entführe euch beide zu einem Tanz. Und er führte Gisela in die nächste Runde.
Sie wirbelten im Walzer, die Musik dröhnte, Gesichter leuchteten vor Freude, und das Fest ging weiter, wie im bekannten Schlager.
Man darf hoffen, dass das junge Paar ein langes, glückliches Leben führt, denn das ist schließlich das Wichtigste, oder?





