Lisa, wir nehmen nicht viel. Pack uns für die Reise deinen typischen Kuchen und ein paar Gläser Marmelade ein – streckte sich träge Klaus mit einem Lächeln im Gesicht.

Liselotte, wir nehmen nicht viel mit. Pack uns doch dein Spezialkuchen und ein paar Gläser Himbeergelee ein,schlug Günther mit einem Lächeln nach hinten in den Sessel.
Liselotte starrte den Besucher ungläubig an. Wie konnte er so dreist fragen?

In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken daran, wie viel Mühe sie sich gegeben hatte, den Kuchen perfekt zu backen und das Häuschen für die Ankunft vorzubereiten. Und nun saß Günther, der die ganze Woche keinen einzigen Hammer gehoben hatte, im Schatten und verlangte ein Takeaway.

Sie warf einen Blick zu Markus, der scheinbar nicht bemerkte, wie sich sein Bruder benahm.

Günther, bist du nicht ein wenig zu fordernd?fragte Liselotte, bemüht, die Ruhe zu bewahren.

Ach, lass das, Lisel!wischte er ab, ohne sich umzudrehen.Wir sind doch Familie, wir teilen doch gern. Und bei euch liegt doch ein ganzes Vermögen rum!

Ein Stich von Ärger und Zorn stieg in Liselotte auf. Das kleine Häuschen am Bodensee, das sie vor drei Jahren gekauft hatten, war für sie und Markus ein wahres Refugium geworden. Im Sommer gab es hier keine faulen Tage: frühes Aufstehen, Hacken, Beeren sammeln, Hühner füttern, Vorräte für den Winter anlegen jede helfende Hand war Gold wert. Deshalb klang Günthers Forderung wie eine Beleidigung. Er sah das Haus nur als kostenlosen Ferienort, Liselotte und Markus aber als seine Diener.

Alles begann vor drei Wochen, als Günther anrief und anbot, vorzuschauen, ein wenig auf dem Hof zu helfen und gleichzeitig die Natur zu genießen. Diese Worte kamen völlig überraschend. Günther und seine Frau Ursula waren Stadtmenschen bis ins Mark: Partys, Kneipen, Kinos, Shopping am Wochenende.

Helfen?hakte Liselotte zweifelnd nach.

Doch Günther fuhr begeistert fort:

Na klar! Wir sind doch Familie! Ihr habt leichter zu tun, wir brauchen frische Luft. Ich wollte schon lange Himbeeren pflücken und die Badewanne aufwärmen

Nachdem sie aufgelegt hatte, saß Liselotte noch lange am Küchenfenster und streifte gedankenverloren über den Saum ihrer Schürze. Sie kannte Günthers Art er versprach gern, hielt selten ein. In ihrem Inneren nagte das Misstrauen, doch Markus, als er die Nachricht hörte, leuchtete auf:

Vielleicht sammeln sie ja ein paar Beeren. Und dann hilft mir mein Bruder beim Zaun.

Die nächsten Tage vergingen für Liselotte wie ein Sturm. Sie wusch und bügelte die Bettwäsche, stellte frische Handtücher bereit, fuhr in die Stadt für frischen Fisch, Fleisch für Grillspieße, Obst und Süßes damit die Gäste sich willkommen fühlten.

Vielleicht wird alles gut,murmelte sie, während sie die Handtücher aufhängte.Wenn sie wenigstens ein bisschen mithelfen, ist das schon ein Trost.

Als Günther und Ursula endlich ankamen, begrüßte Liselotte sie mit einem gezwungenen Lächeln, das ihre Zweifel kaum verbergen konnte. Die Verwandten wirkten entspannt, als kämen sie gerade vom Bodenseebad zurück.

Na, dann sind wir ja hier!rief Günther begeistert und breitete die Arme aus.

Liselotte lächelte weiter und lud sie zum Tisch ein. Auf der Terrasse standen bereits Salate, warme Brezeln und ein kühler Apfelsaft. Die ersten halben Stunden vergingen mit plaudernden Neuigkeiten, dann brachte Markus vorsichtig den Plan für die kommenden Tage vor.

Morgen starten wir mit dem Mähen, danach sammeln wir die Beeren. Viel zu tun, aber zusammen schaffen wir das.

Ja, ja, natürlich,nickte Ursula, doch in ihren Augen bemerkte Liselotte ein leichtes Staunen und ein Hauch Verwirrung das Wort Mähen war ihr fremd wie ein Wort aus einem anderen Leben.

Liselotte spürte diesen Blick, und ein Vorahnungsschauer durchlief ihr Herz: Irgendetwas sagte ihr, die Hilfe könnte mehr Ärger bringen.

Der erste Tag verlief festlich. Liselotte versuchte, das hohe Gras, die von Unkraut überwucherten Erdbeeren und die Eimer mit Äpfeln im Schuppen nicht zu sehen. Günther war in Höchstform: erzählte lauthals Witze, knackte Sonnenblumenkerne, prahlte damit, er sei müde vom Stadtleben und glückselig, endlich in der Natur zu sein.

Ursula posierte im neuen Sommerkleid vor Sonnenuntergang und See, schoss dutzende Fotos. Markus lächelte sein Bruder war endlich da, und er hoffte, die Arbeit würde schneller vorangehen.

Doch am nächsten Morgen änderte sich die Stimmung. Liselotte erwachte im Morgengrauen vom Krähen des Hahns, zog Gummistiefel an und trat hinaus in den Hof. Der Tau glitzerte auf dem Gras, die Luft roch nach Heu und frischer Morgenluft. Die Hühner krähten nach Futter.

Sie schaufelte Körner, und ihr Blick glitt zum Fenster des Gästezimmers: Vorhänge zugezogen, alles still.

Bis acht Uhr hatte Liselotte bereits die Vögel gefüttert, einen Eimer grüner Gurken eingesammelt und die Beete gegossen. Markus kam mit einer Tasse Tee herein und sagte:

Günther und Ursula sind in die Stadt gefahren. Sagen, es gibt Dringendes.

Liselotte nickte schweigend, obwohl etwas in ihr innerlich nagte. Sie hoffte, die Helfer kämen zumindest nach dem Frühstück zurück.

Erst am Abend kehrten sie zurück, strahlend und zufrieden. Günther schüttelte die Taschen mit Chips, Limonade und einem Beutel Schaumküsse aus, als hätte er ein Wunder vollbracht.

Liselotte, hier ist ja ein WellnessResort!rief er, während er in den Sessel auf der Terrasse plumpste.Alles erledigt sich von selbst!

Am folgenden Tag stieg Liselottes Ärger weiter. Sie schnitt das Gras allein, trug schwere Eimer, wischte Böden und bereitete das Mittagessen zu. Günther lag im Liegestuhl, scrollte gelangweilt am Handy und klagte über Kopfschmerzen.

Ich glaube, ich hab mich erkältet. Bleibe heute im Bett.

Ursula dehnte sich auf einem Strandtuch am Wasser, machte Selfies und taufte ihre Posts mit #Landleben, #Entschleunigung, #Urlaub.

Tag für Tag wurde Liselotte müder und gereizter. Sie stand um fünf Uhr auf, legte sich erst nach Mitternacht wieder hin, spülte Geschirr und räumte nach den Gästen auf.

Die Besucher boten nie ihre Hand an sie glaubten, allein ihre Anwesenheit sei ein Geschenk.

Wir sind doch zu euch zu Besuch gekommen,staunte Ursula, als Liselotte sie bat, beim Abwasch zu helfen.Müssen Gäste doch arbeiten?

Von da an war Liselottes Lächeln permanent gezwungen, und jede Bitte der Gäste ein Stoß ins Fassungsvermögen. Langsam, aber unvermeidlich, ging die Gastfreundschaft zu Ende.

Am fünften Tag konnte Liselotte das wachsende Unbehagen nicht länger verbergen. Sie fühlte, dass die Aufregung seit Ankunft der Gäste den Höhepunkt erreicht hatte.

Den ganzen Tag schuftete sie im Garten, räumte Beete auf, schleppte Wasser­eimer, während von der Terrasse das Lachen drang, wo Ursula, im Liegestuhl versunken, mit Freundinnen plauderte.

Als Markus erschöpft vom Feld zurückkam, sah Liselotte ihn ernst an.

Ich halte das nicht mehr aus,sagte sie.Sie räumen nicht mal das Geschirr auf! Heute wollte Günther sein Hemd waschen, und Ursula meinte, das Frühstück sei einfach nur.

Markus nickte, und sie beschlossen, die Gäste am Abend in die morgige Arbeit einzubinden: Günther soll den Zaun reparieren, Ursula das ErdbeerUnkraut jäten. Liselotte hoffte, dass sie so wenigstens begreifen würden: Erholung ist schön, aber ein Hof arbeitet nicht von allein.

Günther, morgen müssen wir den Zaun reparieren,sagte Markus beim Abendessen.Hilfst du?

Natürlich, natürlich,wischte er ab, kaute einen Grillspieß und starrte weiter aufs Handy.

Klar war, dass ihm das Tippen mehr Spaß machte als die Arbeit auf dem Feld.

Am nächsten Morgen stand Markus früh auf. Die Luft war frisch, nach Heu und Tau. Er holte das Werkzeug aus dem Schuppen, prüfte Bretter und Nägel, kochte starken Tee für seinen Bruder, um den Tag freundlich zu beginnen.

Er klopfte an die Tür des Gästezimmers. Stille. Noch ein Klopfen, lauter. Nur das leise Surren der Klimaanlage war zu hören. Beim Öffnen war das Zimmer leer. Auf dem Nachttisch lag ein Zettel:

Wir sind in der Stadt, kommen am Abend zurück! Grillen heute Abend!

Am Abend kehrten Günther und Ursula zurück, beladen mit Taschen voller Fleisch, Schaumküsse und Trockenfisch. Sie lachten, klagten über schreckliche Staus und die Hitze. Liselotte, völlig erschöpft, hielt kaum noch das Gleichgewicht auf dem Gehweg.

Wir hatten doch die Arbeit auf dem Hof vereinbart,erklärte sie.

Ach ja, ja,antwortete Günther lässig, schwenkte den Fleischbeutel.Morgen helfen wir sicher! Versprochen.

Doch am Morgen des siebten Tages verkündete er:

Wir müssen dringend weg. Schade, dass wir nicht helfen konnten!

Und dann, mit einem Grinsen:

Liselotte, pack uns auf dem Weg deinen Spezialkuchen und ein paar Gläser Himbeergelee ein. Es ist einfach köstlich!

Ein Feuer aus Wut entbrannte in Liselotte. Eine Woche harter Arbeit Morgendämmerungen im Garten, endloses Kochen, Waschen, Putzen und das Pflegen undankbarer Gäste kulminierte in einer entschlossenen Absage.

Wir geben euch nichts,sagte sie, bemüht, klar zu sprechen, doch ihre Stimme zitterte.Ihr habt in der Woche keinen einzigen Handgriff gemacht.

Günther erstarrte, konnte es nicht fassen. Sein Gesicht wurde rot, die Augen verengten sich.

So etwas!schrie er, die Stimme krachte.Und wo bleibt die Gastfreundschaft? Wir kommen doch aus ganzem Herzen!

Mit welchem Herzen?warf Liselotte zurück.Ihr seid nur zum Faulenzen hier, während ich allein arbeite und ihr in der Hängematte liegt und in den Laden springt!

Markus, der sonst Streit mied, stellte sich neben seine Frau, legte ihr eine Hand auf die Schulter und sah Günther fest an.

Günther, du hast selbst Hilfe angeboten. Statt zu arbeiten habt ihr nur gegessen, getrunken und euch über die Hitze beschwert.

Was redest du da, Markus!brüllte er und trat nach vorne.Wir sind Familie! Und du verlangst Geld für das Essen! Schande dir, Bruder!

Ursula, die am Geländer stand, seufzte laut, hob die Hände gen Himmel, als wolle sie ihren Ärger demonstrieren, und ging zum Auto. Sie setzte sich demonstrativ hinein und knallte die Tür zu.

Fahrt euch fort, Günther!rief sie vom Fahrzeug.Hier wird uns nicht geschätzt! Und das nennt man noch Familie

Günther drehte sich zu Markus und Liselotte um. Er wollte etwas sagen, schüttelte aber nur die Hand ab, als wolle er alle Vorwürfe abwinken, und ging zum Auto. Mit einem lauten Knall schlug er den Kofferraum zu, setzte sich ins Fahrzeug und fuhr davon.

Sein Gesicht war von Zorn verzerrt, in den Augen ein Mix aus Überraschung und Groll, als hätte die Welt plötzlich Ungerechtigkeit gegen ihn beschlossen.

Er rief über die Schulter:

Haut euch doch mit euren Kuchen weg!schrie er, während er die Tür schloss.Wir kommen nie wieder!

Als das Auto um die Kurve verschwand, blieben Liselotte und Markus am Gehweg zurück. Erleichterung mischte sich mit tiefer Erschöpfung.

Markus seufzte schwer und ließ sich auf die Stufe der Veranda fallen.

Eine harte Lehre, aber nützlich,sagte er und sah Liselotte verständnisvoll an.Wir werden keine Freunde des Sofas mehr empfangen.

Liselotte nickte, wissend, dass diese Erfahrung wirklich wertvoll war.

Am Abend gingen sie über das Feld, schätzten das noch zu erledigende Werk. Der Zaun verlangte noch Reparatur, die Erdbeeren das Jäten, das Heu war immer noch nicht gemäht. Sie schlenderten den Weg entlang, lauschten dem abendlichen Rascheln des Gartens. Liselotte erwischte sich dabei, wie die Müdigkeit nach harter Arbeit ihr lieber war als die Müdigkeit durch die Dreistigkeit anderer.

Am Abend deckten sie die Sauna, setzten Tee mit dem Himbeergelee an, das Günther so hartnäckig verlangt hatte. Sie blickten auf den See, und Liselotte spürte, dass ihr kleines Häuschen am Bodensee wieder ihr stilles Reich war.

Von nun an empfangen wir nur Gäste, die mit einem Spaten kommen, nicht mit einem Smartphone,sagte sie, und beide lachten, weil sie wussten, dass im Leben das Wichtigste gegenseitige Hilfe und Respekt sind.

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Homy
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Lisa, wir nehmen nicht viel. Pack uns für die Reise deinen typischen Kuchen und ein paar Gläser Marmelade ein – streckte sich träge Klaus mit einem Lächeln im Gesicht.
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