«Die unscheinbare graue Maus! Wer will dich schon haben?!» — lachten alle. Doch dann kam die Überraschung.

**Tagebucheintrag**

Diese graue Maus, wer braucht die schon? das hörte Lina oft. Jeder Tag glich dem vorherigen. Sie saß an ihrem Schreibtisch, und der Stapel Papier vor ihr wuchs unaufhaltsam, als wäre er ein lebendiges Wesen. Ordner, Akten, Berichte ein Turm, der jeden Moment einzustürzen drohte. Kollegen kamen lächelnd mit Bitten: Linchen, du sagst doch nicht nein, oder? Schätzchen, hilf mir, ich schaffe es nicht allein. Und Lina konnte nicht widerstehen. Es fehlten ihr die Worte, die andere enttäuschen würden.

Der Zeiger der Uhr kroch langsam auf acht Uhr abends. Das Büro war still, nur das Klackern der Tastatur und das Schnarchen des Wachmanns durchbrachen die Ruhe. Linas müdes Gesicht wurde vom kalten Licht des Monitors beleuchtet. Mit 32 trug sie einen schlichten grauen Cardigan und ihr Haar ordentlich zum Dutt gebunden. Sie war verlässlich, die, auf die man zählen konnte. Bequem.

Plötzlich vibrierte das Telefon. Mama stand auf dem Display. Lina atmete tief ein und nahm den Anruf an.

Lina, Schatz, wo bist du? Wieder im Büro? Die Stimme ihrer Mutter klang besorgt.

Ja, nur noch schnell etwas fertigmachen.

Kind, du arbeitest dich kaputt! Wann lebst du denn? Ich hatte in deinem Alter schon deinen Vater kennengelernt, und du

Mama, bitte mach dir keine Sorgen, unterbrach Lina sie und drückte die Nasenwurzel. Es gibt da jemanden.

Stille. Die Worte waren ihr einfach so herausgerutscht, ein Schutzschild gegen weitere Fragen.

Wirklich?! Die Freude in Mutters Stimme war unüberhörbar. Warum hast du nichts gesagt? Wie heißt er?

Es ist noch frisch. Ich wollte warten, bis es ernster wird.

Dann kommt am Samstag zum Essen! Ich mache deine Lieblingssuppe und den Apfelkuchen!

Lina schloss die Augen. Sieben Tage, um jemanden zu finden, der diese Rolle spielte.

Gut, Mama. Wir kommen.

Am nächsten Morgen hatte sie dunkle Ringe unter den Augen. Die ganze Nacht hatte sie auf Dating-Websites verbracht. Wie sollte sie sich beschreiben? Schüchterne Buchhalterin sucht Mann für Scheinbeziehung?

Lina, alles okay? Du siehst erschöpft aus. Franzi aus der Marketingabteilung, immer gut gelaunt und aufdringlich, musterte sie.

Nur schlecht geschlafen.

Franzi ließ nicht locker, und Lina erzählte alles von der Mutter, dem erfundenen Freund, dem Druck.

Alles klar! Ich nehme dich unter meine Fittiche, rief Franzi. In einer Woche mach ich aus dir eine Königin!

Am Abend schleppte Franzi sie in ein teures Restaurant. Glänzendes Besteck, weiße Tischdecken, Preise, die ihr den Atem raubten.

Hier treffen wir die richtigen Leute, flüsterte Franzi.

Doch Lina fühlte sich fehl am Platz. Da war Markus, der Café-Besitzer, der nur von sich sprach. Dann Daniel und Stefan alle verloren schnell das Interesse.

Kopf hoch! Morgen gibts einen Selbstfindungsworkshop, tröstete Franzi.

Der Workshop war noch schlimmer. Fremde schrien über Selbstliebe, der Coach drängte sie, ihre Ängste zu teilen. Lina wollte nur nach Hause.

Die nächsten Tage waren eine Qual Partys, Events, oberflächliche Gespräche. Lina gab sich Mühe, doch sie fühlte sich leer.

Am Freitag, einen Tag vor dem Essen, saß sie wieder spät im Büro. Ein Kollege aus der IT, Thomas, blieb stehen. Ruhig, mit schlichten Brillengestell, fragte er: Alles in Ordnung? Du wirkst anders.

Sie erzählte ihm alles. Er hörte zu, dann sagte er: Vielleicht suchst du an den falschen Orten? Wenn du dich verstellst, findest du nur Falsches.

Aber der morgige Besuch

Ich komme mit. Als Freund. Damit deine Mutter sich keine Sorgen macht.

Am Samstag holte Thomas sie ab. Eine einfache blaue Hemd, ein Strauß Gänseblümchen, eine Schachtel Pralinen. Für deine Mutter.

Unterwegs redeten sie über Bücher, Filme, sein Studium in Heidelberg. Es fühlte sich leicht an.

Die Mutter strahlte. Das Essen war herzlich. Thomas lobte den Kuchen, erzählte Geschichten. Linas Mutter flüsterte: Was für ein toller Mann!

Auf dem Heimweg schlug Thomas einen Spaziergang vor. Sie tranken Kaffee, redeten über seinen Kater Miezi und ihre Kindheitsträume.

Warum sagst du nie Nein?, fragte er.

Ich habe Angst, allein zu bleiben.

Menschen sollten dich schätzen, wie du bist.

Sie sah ihn an. Im Laternenlicht wirkten seine Augen warm.

Und wer bin ich?

Du bist klug, einfühlsam, du liebst Stille und Bücher. Und dein Lächeln ist wunderbar, wenn es echt ist.

Ihr Herz klopfte.

Woher weißt du das?

Er lächelte. Wir arbeiten seit fünf Jahren im selben Haus. Ich ich habe dich immer bemerkt.

Am Montag lehnte Lina erstmals eine Bitte ab. Franzi kam: Und, hast du den Richtigen gefunden?

Lina lächelte. Ja. Ganz nah.

Sie sah zu Thomas hinüber, der vorbeiging.

Der aus der IT?, fragte Franzi verdutzt.

Genau der.

Aber ich dachte, du suchst jemanden Besonderes.

Er ist es.

Abends saßen sie in einem Café, tranken Tee und lachten. Linas Hand lag auf seiner.

Das Schönste? Ich suchte so lange etwas Besonderes dabei war es direkt nebenan.

Manchmal braucht es Zeit, um die einfachen Dinge zu sehen, sagte er.

Ein Monat später rief die Mutter wieder. Wann kommt ihr? Ich backe einen neuen Kuchen!

Lina lächelte. Thomas reparierte gerade ihren Laptop.

Ich liebe dich dafür, dass ich ich selbst sein kann, sagte sie.

Und ich liebe dich, weil du echt bist. Mein stiller Hafen.

Draußen wurde es Abend. Irgendwo tobte das Leben laut, bunt, hektisch. Doch ihr Glück war hier. Einfach, leise, aber wahr.

Manchmal muss man nicht weit gehen, um zu finden, was man sucht. Nur in sich hineinhorchen und genau hinschauen. Glück kann ganz nah sein wenn man es zulässt.

Lina lernte, Nein zu sagen. Nicht immer, aber wenn es wichtig war. Die Leute respektierten sie mehr.

Franzi umarmte sie eines Tages. Entschuldige, wenn ich zu aufdringlich war.

Du hast mir geholfen, aus meiner Schale zu kommen. Und zu verstehen, dass ich mich nicht ändern muss.

Jeder findet sein Glück anders. Für manche ist es Lärm und Trubel, für andere Stille. Hauptsache, man bleibt sich treu.

Am nächsten Samstag nahmen sie Miezi mit. Die Mutter strahlte. Ich bin so froh, dass du dein Glück gefunden hast.

Lina umarmte sie. Du hattest Recht. Ich musste etwas ändern nicht mich, sondern wie ich mich sehe.

Drinnen erzählte Thomas von einem Projekt. Miezi schnurrte. Draußen begann leiser Regen zu fallen.

Das war Glück. Einfach, ehrlich, echt.

Lina war keine unsichtbare Angestellte mehr. Sie war sie selbst eine Frau, die sich und ihr Glück gefunden hatte. Nicht in lauter Gesellschaft, sondern im eigenen Herzen und in den Augen des Menschen, der sie liebte, wie sie war.

**Was ich gelernt habe:**
Manchmal liegt das, wonach wir suchen, direkt vor uns. Wir müssen nur den Mut haben, es zu sehen und uns selbst zu sein.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

«Die unscheinbare graue Maus! Wer will dich schon haben?!» — lachten alle. Doch dann kam die Überraschung.
Geh weg von mir! Ich habe dir nie versprochen, dich zu heiraten – eigentlich weiß ich nicht einmal, …