Ein Blitz Ein lauter Knall Dunkelheit Dunkelheit
Endlich begann die Dunkelheit sich zu lichten. Eine Stimme war zu hören:
Verena Müller, hier ist der Rettungssanitäter, bei denen ist etwas explodiert.
Durch den Schmerz spürte Thomas eine Berührung einer Hand an seinem Hals. Er versuchte, die Augenlider zu öffnen. Es gelang mit Mühe. Vor den Augen ein Anhänger in Form eines Rechtecks mit eingravierten Sternzeichen… Die Augen der Frau in weißem Kittel
In den Operationssaal! ertönte die Stimme ganz in der Nähe.
Die Eltern kamen von der Arbeit nach Hause. Die Mutter stürzte sofort in die Küche, nachdem sie einen Blick in das Zimmer geworfen hatte, wo der Sohn seine Hausaufgaben machte. Dieter hingegen, als er das Zimmer betrat, bemerkte sofort, dass die Stimmung beim Sohn nicht die beste war.
Thomas, was ist passiert? der Vater tätschelte ihm den Kopf.
Nichts, – brummte der Sohn, der Viertklässler.
Na komm, sag schon!
Bald ist der Frauentag. Die Lehrerin hat uns heute aufgehalten und gesagt, dass wir den Mädchen Geschenke vorbereiten sollen.
Na und, wo liegt das Problem? lächelte der Vater.
Bei uns sind gleich viele Jungen und Mädchen. Und sie hat verteilt, wer wem schenkt, – der Sohn seufzte schwer. Mir ist die Hässliche zugefallen, Verena Müller.
Alle Mädchen wollen ein Geschenk zum Frauentag bekommen, auch die nicht so hübschen, – der Vater versuchte, mit dem Sohn wie mit einem Erwachsenen zu sprechen. Und wie hat sie verteilt? Alphabetisch?
Nein, nach Sternzeichen?
Wie das? Dieter konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Nach Kompatibilität. Verena ist Jungfrau, und für Jungfrauen passt am besten der Stier. Und ich bin genau Stier.
Das ist doch gut, wenn ihr zusammenpasst! Wenn du groß wirst, verliebst du dich vielleicht noch in sie.
Der Vater hielt sich nicht zurück und lachte. Sofort kam die Mutter ins Zimmer gelaufen:
Was geht hier vor?
Helene, geh in die Küche, – das Gesicht des Vaters wurde streng. Wir haben mit dem Sohn ein ernstes Gespräch.
Als die Mutter hinausging, fragte Thomas mit trauriger Stimme:
Papa, und was soll ich jetzt machen?
Ein Geschenk vorbereiten!
Welches?
Morgen auf der Arbeit mache ich deiner Auserwählten ein Geschenk.
Papa, welches Geschenk kannst du machen? Du arbeitest doch in der Fabrik.
Ja! Aber ich arbeite in der Galvanik. Dort werden alle Arten von Metallbeschichtungen hergestellt.
Papa, ich habe nicht verstanden.
Morgen wirst du es selbst sehen!
***
Am nächsten Tag brachte der Vater einen Anhänger an einer Kette in Form eines Rechtecks, der golden wirkte. Auf einer Seite waren zwei Sternzeichen eingraviert, Stier und Jungfrau, und auf der anderen Seite stand fein, aber schön geschrieben:
«Meiner Mitschülerin Verena zum Frauentag! Thomas».
Oh, wie schön sah dieser Anhänger aus! Und als die Mutter ihn in ein Zellophanpäckchen verpackte, sah es noch atemberaubender aus.
***
Und dann der 7. März. Die Lehrerin hatte nicht vor, Unterricht zu halten. Zuerst überreichten die Schüler ihr ein Geschenk. Sie bedankte sich lange. Dann verkündete sie, dass die Jungen den Mädchen Geschenke geben sollten.
Was da losging! Alle Jungen rannten zu ihren Auserwählten. Thomas ging auch zu Verena Müller und sagte, wie der Papa es gelehrt hatte:
Verena, ich gratuliere dir zum Frauentag! Vielleicht verbindet das Schicksal eines Tages den Stier und die Jungfrau.
Nachdem er den auswendig gelernten Satz gesagt hatte, ging Thomas zu seinem Platz zurück und bemerkte natürlich nicht, wie das Herz dieses Mädchens, das er für hässlich hielt, schlug.
Bald zogen Verenas Eltern in einen anderen Stadtteil, und Verena besuchte ab der fünften Klasse eine andere Schule.
***
Thomas öffnete die Augen. Die weiße Decke des Krankenhauszimmers. Er versuchte, Arme und Beine zu bewegen. Nur der linke Arm bewegte sich.
Wo bin ich? wandte er sich an niemanden.
Ein Klappern war zu hören, und an sein Bett trat ein Patient auf Krücken, sah ihn aufmerksam an und fragte:
Aufgewacht? Du bist in der Abteilung für Notfallchirurgie.
Sind meine Arme und Beine alle heil? fragte Thomas mit leiser Stimme.
Scheint so, alles an Ort und Stelle, – teilte der die frohe Nachricht mit. Nur bist du von Kopf bis Fuß bandagiert.
Das ist gut, wenn alles heil ist.
Da kam eine Krankenschwester und fragte teilnahmsvoll:
– Wie fühlst du dich?
– Was ist mit mir passiert! antwortete Thomas mit einer Gegenfrage.
– Dein Leben ist nicht in Gefahr. Arme und Beine werden funktionieren. Nur viele Narben bleiben, – sie reichte ihm das eingeschaltete Telefon. Deine Mutter hat gebeten anzurufen, wenn du aufwachst.
– Söhnchen, – durch Tränen klang die Stimme der Mutter.
– Mama, alles in Ordnung, – er versuchte, so munter wie möglich zu sprechen. Sie haben gesagt, dass nur kleine Narben bleiben werden. Bald werden sie mich entlassen.
– Sie haben mir nicht erlaubt, über Nacht bei dir zu bleiben. Sohn, ich komme jetzt.
– Mama, reg dich nicht so auf!
Er legte das Telefon neben sich, versuchte der Schwester zuzulächeln:
– Danke!
– Na, so schnell entlassen sie dich nicht, – lächelte die Schwester zurück. Drei Wochen liegst du bestimmt hier!
– Was ist bei euch passiert? fragte der Nachbar im Zimmer, als die Schwester hinausging.
– Ich bin Rettungssanitäter. In der Fabrik haben Sauerstoffflaschen zu explodieren begonnen, – begann Thomas sich zu erinnern. Wir wurden gerufen. Wir kamen vor den Feuerwehrleuten an. Der Raum ist riesig, drinnen drei Verletzte. Wir rannten hinein, dort lagen Flaschen verstreut, hier und da Feuer. Wir begannen, die Verletzten herauszutragen Ich ging als Letzter hinaus Als ich schon bei der Tür war, explodierte eine weitere Flasche Danach weiß ich nichts mehr.
– Ja, dir ist was zugestoßen.
– Weber Thomas, – ertönte die Stimme der Krankenschwester. Ein Kollege von der Arbeit ist bei dir.
– Hallo, Thomas! Wie geht’s?
– Arme, Beine heil! antwortete der Verletzte optimistisch. Aber hallo sagen kann ich vorerst nur mit der linken Hand!
– Ach, komm schon!
– Was ist danach passiert?
– Wir waren schon draußen, als es explodierte. Sofort sind wir zurückgerannt, haben dich rausgezogen du warst voller Blut die Ärzte waren schon da
– Danke!
– Thomas, wovon redest du?! plötzlich erschien ein Lächeln auf dem Gesicht des Freundes. – Sie wollen uns wohl für Medaillen vorschlagen.
– Bis dahin bin ich entlassen.
– Na gut, ich gehe. Jetzt kommt die Visite. Die Schwester sagte, nicht lange.
Bevor der Freund ging, kam der Arzt, ein Mann um die vierzig:
– Na, wie geht’s, Held? er trat an sein Bett.
– Normal.
– Wenn du schon redest, dann wirst du leben. Komm, ich untersuche dich!
– Haben Sie mich genäht? fragte Thomas.
– Nein, Verena Müller. Sie kommt übermorgen.
***
Zwei Tage später. Thomas versuchte schon aufzustehen. Allerdings war der Schmerz in den Beinen noch stark, die rechte Hand zerrissen. Und überall am Körper mindestens ein Dutzend Wunden. Zwei im Gesicht, als es explodierte, stieß er gegen das Tor, gut, dass er die rechte Hand rechtzeitig vorgestreckt hatte. Er schaute in den Spiegel. Das Gesicht war immer noch geschwollen.
Heute sollte die Visite vom Arzt durchgeführt werden, der ihn vorgestern fünf Stunden lang im Operationssaal genäht hatte. Thomas war sogar ein bisschen nervös.
Und dann kam sie herein. Jung, schlank, zwar mit Brille, aber die stand ihr überhaupt nicht schlecht, und der weiße Kittel stand ihr gut. Thomas war mit siebenundzwanzig schon verheiratet gewesen. Aber nach einem halben Jahr waren sie auseinander die Charaktere passten nicht zusammen, wie in der Scheidungserklärung stand, aber in Wirklichkeit gefiel der Ex-Frau das Gehalt des Rettungssanitäters nicht.
– Guten Tag! sagte die Ärztin und ging zu seinem Bett.
– Guten Tag! Haben Sie mich genäht?
– Ich, – lächelte sie. Stimmt etwas nicht?
– Lassen Sie mich Sie untersuchen!
Und sie beugte sich über ihn Vor den Augen der Anhänger mit den Sternzeichen, der sich von ihrem Hals schlängelte:
– Verena Müller!!! rief er aus.
Sie schaute aufmerksam auf sein geschwollenes Gesicht.
– Entschuldigung! sagte sie, ohne ihn zu erkennen.
– Ich bin Stier, – und zeigte auf den Anhänger.
– Thomas Weber? ihre Lippen zitterten. Erinnerst du dich noch an mich?
– Ach was, Verena? als er die Tränen in den Augen der Frau sah, legte er seine Handfläche auf ihre Hand.
– Entschuldige! sie holte ein Taschentuch und trocknete die Augen. Ich habe nie gedacht, dass wir uns so treffen würden.
An diesem Tag kam Verena nicht mehr in sein Zimmer. Aber Thomas hatte schon verstanden, dass sie denselben Dienstplan hatte wie er: Tag, Nacht und zwei freie Tage.
Er wollte vor ihr nicht hilflos wirken. Den ganzen nächsten Tag versuchte er, im Zimmer auf die Betten gestützt zu gehen, ein paar Mal, an der Wand haltend, ging er in den Flur.
Abend. Die Ärztin der Tagschicht war gegangen. Die neue Schicht kam das merkte man an den Gesprächen im Flur. Jetzt Visite
Und plötzlich Schreie, eilige Schritte im Flur. So ist es, wenn ein neuer Verletzter gebracht wird.
Es war schon zehn Uhr. Die Krankenschwester kam, schaltete das Licht im Zimmer aus. Aber er konnte nicht schlafen. Schon nach Mitternacht waren Schritte im Flur zu hören, sie verstummten, und in dieser Stille spürte Thomas eher, als dass er es hörte, dass im Flur jemand weinte. Er stand auf und ging vorsichtig in den Flur.
Hinter dem Schalter saß seine ehemalige Klassenkameradin und weinte, den Kopf in die Hände gestützt. Er ging hin und legte seine gesunde Hand auf ihre Schulter:
– Was ist los, Verena!
Sie stand auf und vergrub sich an seiner Schulter:
– Ich habe eine Frau operiert, sie ist unter ein Auto gekommen, – schluchzend begann sie zu erzählen. Ich habe alles Mögliche und Unmögliche gemacht Sie ist jetzt auf der Intensivstation, aber sie wird es nicht überleben. Sie hat zwei Kinder ihr Mann ist jetzt bei ihr im Zimmer
– Beruhige dich, Verena!
– Drei Jahre arbeite ich schon als Chirurgin und kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass Menschen sterben.
– Beruhige dich, beruhige dich! Solche Berufe haben wir nun mal. In fünf Jahren habe ich auch so viele Tode gesehen, aber wir haben auch viele Leben gerettet, – Thomas seufzte schwer. – Deshalb hat mich auch meine Frau verlassen. Sie sagt: ich komme nicht mehr ich selbst nach Hause und verdiene zu wenig. Aber mit meinem Gehalt kommt man immer zurecht man kann leben.
– Bei mir ist es genauso, – sie schaute ihm ins Gesicht. Die Jungs sehen mich als durchgeknallt an. Bis jetzt war ich nicht verheiratet, lebe wie ein Teenager bei den Eltern.
– Ach komm schon, wir sind doch erst siebenundzwanzig das ganze Leben liegt noch vor uns.
– Nein, Thomas, wir sind schon siebenundzwanzig.
– Verena Müller, ihr Puls verschwindet, – rief die herausgelaufene Krankenschwester.
– Entschuldigung! und Verena rannte zur Intensivstation.
In dieser Nacht konnte Thomas nicht einschlafen. Am Morgen kam die Krankenschwester, machte wie üblich die Spritze.
– Die Frau, die heute Nacht operiert wurde, lebt sie? fragte er unerwartet sogar für sich selbst.
– Sie lebt, aber ihr Zustand ist äußerst kritisch.
***
Drei Wochen vergingen. Die Wunden am Körper von Thomas waren verheilt. Mit Verena trafen sie sich, wenn ihre Schichten waren, mehr noch, es zog ihn immer stärker zu ihr. Aber die Abteilung für Notfallchirurgie ist nicht der Ort, um über etwas sehr Persönliches zu sprechen.
Und dann während einer der morgendlichen Visiten teilte der Arzt mit:
– Heute entlassen wir dich, – lächelte er und fügte hinzu. Aus dem Krankenhaus. Du gehst direkt in deine Poliklinik, und dort entscheiden sie, wie lange du noch krankgeschrieben bist.
– Man kann sich fertig machen!
– Ja, ja! Beeil dich nicht besonders. Jetzt wird deine Entlassung vorbereitet.
Als der Arzt hinausging, rasierte sich Thomas. Im Spiegel stellte er zufrieden fest, dass die zwei verbliebenen Narben das Gesicht nicht verschandeln, eher Männlichkeit hinzufügen. Auf die anderen Narben lohnt es sich nicht zu achten.
Er packte zusammen, ging in den Flur. Ihm entgegen, sich an der Wand haltend, kam eine Patientin.
Sie hat es doch geschafft! durchzuckte ihn ein freudiger Gedanke.
Die Krankenschwester kam heraus, reichte die Entlassung:
– Auf Wiedersehen, Thomas! Komm nicht wieder zu uns!
***
Er hatte eine eigene Einzimmerwohnung, aber er fuhr zu den Eltern. Denn Mama hatte ihn so erwartet und sich Sorgen gemacht. Sogar Urlaub genommen.
– Mein Sohn! sie stürzte in seine Arme.
– Alles gut, Mama! Wie du siehst, bin ich lebendig und gesund.
– Komm, ich habe dir etwas zu essen gemacht. Wie dünn du geworden bist.
– Oh, wie ich das hausgemachte Essen vermisst habe!
– Bis du wieder gesund bist und heiratest, wirst du im Elternhaus leben. Dein Zimmer steht noch leer, – und rief wie zu einem Kind. Geh, wasch dir die Hände!
***
Bis zum Abend ging Thomas zum Friseur. Er ging in seine Wohnung. Holte etwas Kleidung. Die Mutter begann sofort, sie in Ordnung zu bringen.
Am Abend kam der Vater von der Arbeit. Sie setzten sich, wie früher, alle zusammen und redeten bis in die Nacht.
Er legte sich in seinem Zimmer schlafen, wo Kindheit und Jugend vergingen, aber schlief nicht sofort ein:
Morgen muss ich in die Poliklinik gehen. Dann zur Arbeit. Und abends
Mit diesem Gedanken an den nächsten Abend schlief er ein weit nach Mitternacht.
***
Am nächsten Tag ging Thomas am Morgen in die Poliklinik. Bis zum Mittag ging er durch die Zimmer. Nachmittags ging er zu seiner Arbeit, es war gerade seine Schicht.
– Wohin gehst du? fragte der Vater interessiert.
– Papa, erinnerst du dich vor langer Zeit, als ich noch in der vierten Klasse war. Du hast mir einen Anhänger für ein Geschenk an die Klassenkameradin gemacht?
– Die hässliche Verena Müller? Ich erinnere mich.
– Erinnerst du dich, du hast noch gesagt: Wenn du groß wirst, verliebst du dich vielleicht in sie.
– Das erinnere ich mich auch.
– Papa, Verena ist jetzt Chirurgin. Sie hat mich operiert. Und sie trägt den Anhänger immer noch um den Hals.
– Das ist ja was!
– Papa, deine Worte haben sich erfüllt. Ich gehe zu ihr!
***
Siebenundzwanzig Jahre sind nicht so viel für den Anfang eines Lebens mit dem geliebten Menschen.Ein Blitz Ein lauter Knall Dunkelheit Dunkelheit
Endlich begann die Dunkelheit sich zu lichten. Eine Stimme war zu hören:
Verena Müller, hier ist der Rettungssanitäter, bei denen ist etwas explodiert.
Durch den Schmerz spürte Thomas eine Berührung einer Hand an seinem Hals. Er versuchte, die Augenlider zu öffnen. Es gelang mit Mühe. Vor den Augen ein Anhänger in Form eines Rechtecks mit eingravierten Sternzeichen… Die Augen der Frau in weißem Kittel
In den Operationssaal! ertönte die Stimme ganz in der Nähe.
Die Eltern kamen von der Arbeit nach Hause. Die Mutter stürzte sofort in die Küche, nachdem sie einen Blick in das Zimmer geworfen hatte, wo der Sohn seine Hausaufgaben machte. Dieter hingegen, als er das Zimmer betrat, bemerkte sofort, dass die Stimmung beim Sohn nicht die beste war.
Thomas, was ist passiert? der Vater tätschelte ihm den Kopf.
Nichts, – brummte der Sohn, der Viertklässler.
Na komm, sag schon!
Bald ist der Frauentag. Die Lehrerin hat uns heute aufgehalten und gesagt, dass wir den Mädchen Geschenke vorbereiten sollen.
Na und, wo liegt das Problem? lächelte der Vater.
Bei uns sind gleich viele Jungen und Mädchen. Und sie hat verteilt, wer wem schenkt, – der Sohn seufzte schwer. Mir ist die Hässliche zugefallen, Verena Müller.
Alle Mädchen wollen ein Geschenk zum Frauentag bekommen, auch die nicht so hübschen, – der Vater versuchte, mit dem Sohn wie mit einem Erwachsenen zu sprechen. Und wie hat sie verteilt? Alphabetisch?
Nein, nach Sternzeichen?
Wie das? Dieter konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Nach Kompatibilität. Verena ist Jungfrau, und für Jungfrauen passt am besten der Stier. Und ich bin genau Stier.
Das ist doch gut, wenn ihr zusammenpasst! Wenn du groß wirst, verliebst du dich vielleicht noch in sie.
Der Vater hielt sich nicht zurück und lachte. Sofort kam die Mutter ins Zimmer gelaufen:
Was geht hier vor?
Helene, geh in die Küche, – das Gesicht des Vaters wurde streng. Wir haben mit dem Sohn ein ernstes Gespräch.
Als die Mutter hinausging, fragte Thomas mit trauriger Stimme:
Papa, und was soll ich jetzt machen?
Ein Geschenk vorbereiten!
Welches?
Morgen auf der Arbeit mache ich deiner Auserwählten ein Geschenk.
Papa, welches Geschenk kannst du machen? Du arbeitest doch in der Fabrik.
Ja! Aber ich arbeite in der Galvanik. Dort werden alle Arten von Metallbeschichtungen hergestellt.
Papa, ich habe nicht verstanden.
Morgen wirst du es selbst sehen!
***
Am nächsten Tag brachte der Vater einen Anhänger an einer Kette in Form eines Rechtecks, der golden wirkte. Auf einer Seite waren zwei Sternzeichen eingraviert, Stier und Jungfrau, und auf der anderen Seite stand fein, aber schön geschrieben:
«Meiner Mitschülerin Verena zum Frauentag! Thomas».
Oh, wie schön sah dieser Anhänger aus! Und als die Mutter ihn in ein Zellophanpäckchen verpackte, sah es noch atemberaubender aus.
***
Und dann der 7. März. Die Lehrerin hatte nicht vor, Unterricht zu halten. Zuerst überreichten die Schüler ihr ein Geschenk. Sie bedankte sich lange. Dann verkündete sie, dass die Jungen den Mädchen Geschenke geben sollten.
Was da losging! Alle Jungen rannten zu ihren Auserwählten. Thomas ging auch zu Verena Müller und sagte, wie der Papa es gelehrt hatte:
Verena, ich gratuliere dir zum Frauentag! Vielleicht verbindet das Schicksal eines Tages den Stier und die Jungfrau.
Nachdem er den auswendig gelernten Satz gesagt hatte, ging Thomas zu seinem Platz zurück und bemerkte natürlich nicht, wie das Herz dieses Mädchens, das er für hässlich hielt, schlug.
Bald zogen Verenas Eltern in einen anderen Stadtteil, und Verena besuchte ab der fünften Klasse eine andere Schule.
***
Thomas öffnete die Augen. Die weiße Decke des Krankenhauszimmers. Er versuchte, Arme und Beine zu bewegen. Nur der linke Arm bewegte sich.
Wo bin ich? wandte er sich an niemanden.
Ein Klappern war zu hören, und an sein Bett trat ein Patient auf Krücken, sah ihn aufmerksam an und fragte:
Aufgewacht? Du bist in der Abteilung für Notfallchirurgie.
Sind meine Arme und Beine alle heil? fragte Thomas mit leiser Stimme.
Scheint so, alles an Ort und Stelle, – teilte der die frohe Nachricht mit. Nur bist du von Kopf bis Fuß bandagiert.
Das ist gut, wenn alles heil ist.
Da kam eine Krankenschwester und fragte teilnahmsvoll:
– Wie fühlst du dich?
– Was ist mit mir passiert! antwortete Thomas mit einer Gegenfrage.
– Dein Leben ist nicht in Gefahr. Arme und Beine werden funktionieren. Nur viele Narben bleiben, – sie reichte ihm das eingeschaltete Telefon. Deine Mutter hat gebeten anzurufen, wenn du aufwachst.
– Söhnchen, – durch Tränen klang die Stimme der Mutter.
– Mama, alles in Ordnung, – er versuchte, so munter wie möglich zu sprechen. Sie haben gesagt, dass nur kleine Narben bleiben werden. Bald werden sie mich entlassen.
– Sie haben mir nicht erlaubt, über Nacht bei dir zu bleiben. Sohn, ich komme jetzt.
– Mama, reg dich nicht so auf!
Er legte das Telefon neben sich, versuchte der Schwester zuzulächeln:
– Danke!
– Na, so schnell entlassen sie dich nicht, – lächelte die Schwester zurück. Drei Wochen liegst du bestimmt hier!
– Was ist bei euch passiert? fragte der Nachbar im Zimmer, als die Schwester hinausging.
– Ich bin Rettungssanitäter. In der Fabrik haben Sauerstoffflaschen zu explodieren begonnen, – begann Thomas sich zu erinnern. Wir wurden gerufen. Wir kamen vor den Feuerwehrleuten an. Der Raum ist riesig, drinnen drei Verletzte. Wir rannten hinein, dort lagen Flaschen verstreut, hier und da Feuer. Wir begannen, die Verletzten herauszutragen Ich ging als Letzter hinaus Als ich schon bei der Tür war, explodierte eine weitere Flasche Danach weiß ich nichts mehr.
– Ja, dir ist was zugestoßen.
– Weber Thomas, – ertönte die Stimme der Krankenschwester. Ein Kollege von der Arbeit ist bei dir.
– Hallo, Thomas! Wie geht’s?
– Arme, Beine heil! antwortete der Verletzte optimistisch. Aber hallo sagen kann ich vorerst nur mit der linken Hand!
– Ach, komm schon!
– Was ist danach passiert?
– Wir waren schon draußen, als es explodierte. Sofort sind wir zurückgerannt, haben dich rausgezogen du warst voller Blut die Ärzte waren schon da
– Danke!
– Thomas, wovon redest du?! plötzlich erschien ein Lächeln auf dem Gesicht des Freundes. – Sie wollen uns wohl für Medaillen vorschlagen.
– Bis dahin bin ich entlassen.
– Na gut, ich gehe. Jetzt kommt die Visite. Die Schwester sagte, nicht lange.
Bevor der Freund ging, kam der Arzt, ein Mann um die vierzig:
– Na, wie geht’s, Held? er trat an sein Bett.
– Normal.
– Wenn du schon redest, dann wirst du leben. Komm, ich untersuche dich!
– Haben Sie mich genäht? fragte Thomas.
– Nein, Verena Müller. Sie kommt übermorgen.
***
Zwei Tage später. Thomas versuchte schon aufzustehen. Allerdings war der Schmerz in den Beinen noch stark, die rechte Hand zerrissen. Und überall am Körper mindestens ein Dutzend Wunden. Zwei im Gesicht, als es explodierte, stieß er gegen das Tor, gut, dass er die rechte Hand rechtzeitig vorgestreckt hatte. Er schaute in den Spiegel. Das Gesicht war immer noch geschwollen.
Heute sollte die Visite vom Arzt durchgeführt werden, der ihn vorgestern fünf Stunden lang im Operationssaal genäht hatte. Thomas war sogar ein bisschen nervös.
Und dann kam sie herein. Jung, schlank, zwar mit Brille, aber die stand ihr überhaupt nicht schlecht, und der weiße Kittel stand ihr gut. Thomas war mit siebenundzwanzig schon verheiratet gewesen. Aber nach einem halben Jahr waren sie auseinander die Charaktere passten nicht zusammen, wie in der Scheidungserklärung stand, aber in Wirklichkeit gefiel der Ex-Frau das Gehalt des Rettungssanitäters nicht.
– Guten Tag! sagte die Ärztin und ging zu seinem Bett.
– Guten Tag! Haben Sie mich genäht?
– Ich, – lächelte sie. Stimmt etwas nicht?
– Lassen Sie mich Sie untersuchen!
Und sie beugte sich über ihn Vor den Augen der Anhänger mit den Sternzeichen, der sich von ihrem Hals schlängelte:
– Verena Müller!!! rief er aus.
Sie schaute aufmerksam auf sein geschwollenes Gesicht.
– Entschuldigung! sagte sie, ohne ihn zu erkennen.
– Ich bin Stier, – und zeigte auf den Anhänger.
– Thomas Weber? ihre Lippen zitterten. Erinnerst du dich noch an mich?
– Ach was, Verena? als er die Tränen in den Augen der Frau sah, legte er seine Handfläche auf ihre Hand.
– Entschuldige! sie holte ein Taschentuch und trocknete die Augen. Ich habe nie gedacht, dass wir uns so treffen würden.
An diesem Tag kam Verena nicht mehr in sein Zimmer. Aber Thomas hatte schon verstanden, dass sie denselben Dienstplan hatte wie er: Tag, Nacht und zwei freie Tage.
Er wollte vor ihr nicht hilflos wirken. Den ganzen nächsten Tag versuchte er, im Zimmer auf die Betten gestützt zu gehen, ein paar Mal, an der Wand haltend, ging er in den Flur.
Abend. Die Ärztin der Tagschicht war gegangen. Die neue Schicht kam das merkte man an den Gesprächen im Flur. Jetzt Visite
Und plötzlich Schreie, eilige Schritte im Flur. So ist es, wenn ein neuer Verletzter gebracht wird.
Es war schon zehn Uhr. Die Krankenschwester kam, schaltete das Licht im Zimmer aus. Aber er konnte nicht schlafen. Schon nach Mitternacht waren Schritte im Flur zu hören, sie verstummten, und in dieser Stille spürte Thomas eher, als dass er es hörte, dass im Flur jemand weinte. Er stand auf und ging vorsichtig in den Flur.
Hinter dem Schalter saß seine ehemalige Klassenkameradin und weinte, den Kopf in die Hände gestützt. Er ging hin und legte seine gesunde Hand auf ihre Schulter:
– Was ist los, Verena!
Sie stand auf und vergrub sich an seiner Schulter:
– Ich habe eine Frau operiert, sie ist unter ein Auto gekommen, – schluchzend begann sie zu erzählen. Ich habe alles Mögliche und Unmögliche gemacht Sie ist jetzt auf der Intensivstation, aber sie wird es nicht überleben. Sie hat zwei Kinder ihr Mann ist jetzt bei ihr im Zimmer
– Beruhige dich, Verena!
– Drei Jahre arbeite ich schon als Chirurgin und kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass Menschen sterben.
– Beruhige dich, beruhige dich! Solche Berufe haben wir nun mal. In fünf Jahren habe ich auch so viele Tode gesehen, aber wir haben auch viele Leben gerettet, – Thomas seufzte schwer. – Deshalb hat mich auch meine Frau verlassen. Sie sagt: ich komme nicht mehr ich selbst nach Hause und verdiene zu wenig. Aber mit meinem Gehalt kommt man immer zurecht man kann leben.
– Bei mir ist es genauso, – sie schaute ihm ins Gesicht. Die Jungs sehen mich als durchgeknallt an. Bis jetzt war ich nicht verheiratet, lebe wie ein Teenager bei den Eltern.
– Ach komm schon, wir sind doch erst siebenundzwanzig das ganze Leben liegt noch vor uns.
– Nein, Thomas, wir sind schon siebenundzwanzig.
– Verena Müller, ihr Puls verschwindet, – rief die herausgelaufene Krankenschwester.
– Entschuldigung! und Verena rannte zur Intensivstation.
In dieser Nacht konnte Thomas nicht einschlafen. Am Morgen kam die Krankenschwester, machte wie üblich die Spritze.
– Die Frau, die heute Nacht operiert wurde, lebt sie? fragte er unerwartet sogar für sich selbst.
– Sie lebt, aber ihr Zustand ist äußerst kritisch.
***
Drei Wochen vergingen. Die Wunden am Körper von Thomas waren verheilt. Mit Verena trafen sie sich, wenn ihre Schichten waren, mehr noch, es zog ihn immer stärker zu ihr. Aber die Abteilung für Notfallchirurgie ist nicht der Ort, um über etwas sehr Persönliches zu sprechen.
Und dann während einer der morgendlichen Visiten teilte der Arzt mit:
– Heute entlassen wir dich, – lächelte er und fügte hinzu. Aus dem Krankenhaus. Du gehst direkt in deine Poliklinik, und dort entscheiden sie, wie lange du noch krankgeschrieben bist.
– Man kann sich fertig machen!
– Ja, ja! Beeil dich nicht besonders. Jetzt wird deine Entlassung vorbereitet.
Als der Arzt hinausging, rasierte sich Thomas. Im Spiegel stellte er zufrieden fest, dass die zwei verbliebenen Narben das Gesicht nicht verschandeln, eher Männlichkeit hinzufügen. Auf die anderen Narben lohnt es sich nicht zu achten.
Er packte zusammen, ging in den Flur. Ihm entgegen, sich an der Wand haltend, kam eine Patientin.
Sie hat es doch geschafft! durchzuckte ihn ein freudiger Gedanke.
Die Krankenschwester kam heraus, reichte die Entlassung:
– Auf Wiedersehen, Thomas! Komm nicht wieder zu uns!
***
Er hatte eine eigene Einzimmerwohnung, aber er fuhr zu den Eltern. Denn Mama hatte ihn so erwartet und sich Sorgen gemacht. Sogar Urlaub genommen.
– Mein Sohn! sie stürzte in seine Arme.
– Alles gut, Mama! Wie du siehst, bin ich lebendig und gesund.
– Komm, ich habe dir etwas zu essen gemacht. Wie dünn du geworden bist.
– Oh, wie ich das hausgemachte Essen vermisst habe!
– Bis du wieder gesund bist und heiratest, wirst du im Elternhaus leben. Dein Zimmer steht noch leer, – und rief wie zu einem Kind. Geh, wasch dir die Hände!
***
Bis zum Abend ging Thomas zum Friseur. Er ging in seine Wohnung. Holte etwas Kleidung. Die Mutter begann sofort, sie in Ordnung zu bringen.
Am Abend kam der Vater von der Arbeit. Sie setzten sich, wie früher, alle zusammen und redeten bis in die Nacht.
Er legte sich in seinem Zimmer schlafen, wo Kindheit und Jugend vergingen, aber schlief nicht sofort ein:
Morgen muss ich in die Poliklinik gehen. Dann zur Arbeit. Und abends
Mit diesem Gedanken an den nächsten Abend schlief er ein weit nach Mitternacht.
***
Am nächsten Tag ging Thomas am Morgen in die Poliklinik. Bis zum Mittag ging er durch die Zimmer. Nachmittags ging er zu seiner Arbeit, es war gerade seine Schicht.
– Wohin gehst du? fragte der Vater interessiert.
– Papa, erinnerst du dich vor langer Zeit, als ich noch in der vierten Klasse war. Du hast mir einen Anhänger für ein Geschenk an die Klassenkameradin gemacht?
– Die hässliche Verena Müller? Ich erinnere mich.
– Erinnerst du dich, du hast noch gesagt: Wenn du groß wirst, verliebst du dich vielleicht in sie.
– Das erinnere ich mich auch.
– Papa, Verena ist jetzt Chirurgin. Sie hat mich operiert. Und sie trägt den Anhänger immer noch um den Hals.
– Das ist ja was!
– Papa, deine Worte haben sich erfüllt. Ich gehe zu ihr!
***
Siebenundzwanzig Jahre sind nicht so viel für den Anfang eines Lebens mit dem geliebten Menschen.





