Beim Anblick des neben der Bank liegenden Hundes rannte ich zu ihm – sein Blick fiel auch auf die Leine, die Natalie achtlos liegen ließ.

Als ich den am Bänkenrand liegenden Hund bemerkte, rannte ich sofort hin. Auch das lose Halsband, das Heike achtlos fallen ließ, landete in meinem Blickfeld. Mars, der alte Schäferhund, sah mit mürrischem Blick zu seinem Besitzer hinauf

Meine Schwester und ich reden seit fast zwei Jahren kaum noch miteinander. Heike versteht bis heute nicht, wie aus einer winzigen Kleinigkeit ein so heftiger Streit entstehen konnte.

Gisela und Friedrich Schneider wurden ein Jahr auseinander geboren. Seit ihrer Kindheit waren sie unzertrennlich, immer füreinander einstand. Egal, welchen Streich sie spielten, die Verantwortung teilten sie immer gerecht, keiner versteckte sich hinter dem anderen.

Ihr Heimatdorf Kleinendorf wuchs von Jahr zu Jahr und blühte. Unser Glück lag darin, dass der Dorfvorsteher, Wolfgang Müller, ebenfalls dort geboren wurde und ein ausgezeichneter Wirtschaftsexperte war.

Nachdem Wolfgang sein Agrarstudium abgeschlossen hatte, kehrte er ins Dorf zurück und engagierte sich aktiv. Seine Bemühungen wurden schnell anerkannt, und nach zehn Jahren wurde er zum Leiter der Gemeindeverwaltung von Kleinendorf ernannt.

Auch im Privatleben liefen die Dinge gut. Gisela, nachdem sie die Fachoberschule für Gesundheitspflege beendet hatte, begann im Dorfarzt zu arbeiten. Wolfgang konnte an einer so hübschen Frau nicht vorbeigehen. Gisela erwiderte sein Interesse. Sie heirateten, und das ganze Dorf feierte die Hochzeit. Friedrich freute sich ehrlich für das Glück seiner Schwester, obwohl seine eigene Ehe mit Heike alles andere als sorgenfrei war.

Während Gisela noch jung war, schimpfte Heike gelegentlich über sie und bezeichnete sie als unnötig oder eingebildet. Nach der Heirat verwandelte sich das Schimpfen jedoch in Neid. Heike verlangte immer mehr von ihrem Mann ein größeres Haus, ein besseres Auto, mehr Luxus

Immer wieder warf Friedrich ihr vor: Alle anderen haben alles, wir haben gar nichts! Der Mann gab sein Bestes, doch Heikes Wünsche konnten weder mit Geld noch mit Kraft befriedigt werden.

Auch Heike war unglücklich: das Glück der Mutterschaft war ihr nicht geschenkt worden. Währenddessen hatte Gisela eine glückliche Ehe, bekam einen Sohn und später eine Tochter, baute ein geräumiges Haus und ihr Mann erreichte einen angesehenen Rang

Familientreffen endeten immer öfter in Wortgefechten. Jedes Mal, wenn Friedrich die GiselaFamilie besuchte, fing Heike sofort an, ihren Mann zu schikanieren.

Der letzte Skandal ereignete sich an Friedrichs Geburtstag. Gisela schenkte ihm einen LabradorWelpen aus der Stadt er hatte seit Langem einen solchen Hund gewünscht. Wolfgang gab ihm zudem ein neues Motorrad.

Alles schien in Ordnung, bis die betrunkene Heike in Rage geriet und Gisela den angesammelten Groll ablud:

Na, Gisela? Der Hund das ist doch ein Fehltritt? Wenn wir keine Kinder mehr haben, können wir doch wenigstens einen Hund nehmen, oder?

Lena, die Gisela zu beruhigen versuchte, sagte:

Heike, beruhige dich. Später wirst du dich nur noch schämen

Doch es half nichts. Ein großer Streit brach aus, die Gäste teilten sich in Lager. Wolfgang flüsterte seiner Frau zu, sie sollten gehen, und sie verließen die Feier.

Zwei Jahre vergingen. An diesem Abend begann Friedrich, den Kontakt zu seiner Schwester zu meiden; ihre Begegnungen beschränkten sich auf ein paar kurze, seltene Treffen. Auch zwischen ihm und Heike wuchs die Spannung.

Abends spazierte Friedrich immer öfter zum Fluss mit Mars. Gemeinsam wirkten sie glücklich: Friedrich warf einen Stock, Mars rannte freudig hinterher, legte sich dann an seine Füße und lauschte den leisen Geschichten seines Herrn.

Gisela hatte davon von den Nachbarn erfahren, unternahm aber nichts Friedrich blieb unbeirrt.

Nach dem misslichen Wortgefecht hasste Heike Gisela immer mehr und auch den ihr geschenkten Mars. Wenn Friedrich nicht zu Hause war, vertrieb sie den Hund aus dem Haus, schmiss ihn hin und wieder sogar um.

Die neugierigen Nachbarinnen luden das Feuer nur weiter an:

Hör mal, Heike, dein Mann geht wieder am Fluss mit dem Hund spazieren

Gestern hat er sich mit Gisela und den Kindern getroffen gelacht und gefreut!

Der Eifersuchtsgroll füllte Heike völlig aus. Einmal fragte Friedrich:

Heike, tust du Mars etwas zu Leide?

Brauche ich deinen Hund? knurrte sie und verließ das Zimmer.

Mars versteckte sich immer öfter vor Heike und zuckte zusammen, sobald sie auftauchte.

Alles endete, als Friedrich eines Morgens wütend ausrief:

Ich habe die Nase voll von diesem ewigen Neid!

Allein zurückgelassen, kochte Heikes Wut hoch, sie zerrte Mars auf den Hof, band ihn an die Bank und ließ die Leine um ihn legen. Der arme Hund schrie vor Schmerz. Nachdem sie ihren Ärger losgeworden war, ließ Heike die Leine fallen, packte ihre Sachen und verließ das Haus für immer.

Als Friedrich abends nach Hause kam, fand er den Hund nicht mehr an der Tür. Im Haus herrschte Chaos. An der Bank entdeckte er Mars, die Pfote im Gebiss, die Hände fest umklammert. Schnell löste er die Leine, nahm ihn in die Arme und eilte zur Tierarztpraxis.

Gisela bereitete gerade das Verlassen des Hauses vor, als sie ihren Bruder mit dem blutenden Hund sah:

Lisel, bitte hilf mir! flehte Friedrich verzweifelt.

Sie brachten Mars in die Behandlungsräume. Gisela untersuchte das Tier gründlich:

Wer hat das getan?

Heike senkte Friedrich den Blick.

Gisela nickte schweigend, nähte die Wunden, reinigte die Augen, gab ihm Wasser.

Später im Flur flüsterte Friedrich reumütig:

Entschuldige, Liselotte

Schon gut, lächelte seine müde Schwester. Und Heike?

Nein, das war’s. antwortete er ernst.

Gisela rief Wolfgang an:

Wolfgang, bitte komm schnell zu uns.

Kaum hörte sie die erschöpfte Stimme ihrer Frau, machte sich Wolfgang sofort auf den Weg.

Eine halbe Stunde später stand er im Flur. Als er das zitternde Geschwisterpaar sah, lag neben ihnen Mars, der leise jammerte, nichts fragte, nur ein schwaches Lächeln zeigte:

Komm her, meine Helden.

Sie brachten Friedrich nach Hause und gaben ihm Ratschläge zur Pflege des Hundes.

Als Gisela ihrer Mutter erzählte, was geschehen war, seufzte diese nur:

Sie hätten sich schon längst scheiden lassen sollen.

Sie schüttelte den Kopf und ging zu ihrem Sohn, um beim Aufräumen zu helfen.

Im Garten saß Friedrich, streichelte Mars. Die Mutter kam hinzu, streichelte beide:

Seid ihr noch am Leben?

Ja, wir leben, antwortete Friedrich.

Ein wohliger Duft von gekochtem Fleisch und frischem Gemüse wehte aus dem Haus. Mars schnüffelte, wedelte mit dem Schwanz. Friedrich lächelte und stand auf.

Das Leben ging weiter.

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Homy
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Beim Anblick des neben der Bank liegenden Hundes rannte ich zu ihm – sein Blick fiel auch auf die Leine, die Natalie achtlos liegen ließ.
„Willst du dazu eigentlich mal was sagen?“ – fragte sie, während sie in meiner Küche stand Es war vor anderthalb Jahren im Winter, mein Sohn war 5 Monate alt. Der Bruder meines Mannes bat darum, mit seiner Freundin eine Woche bei uns bleiben zu dürfen. Wie kann man da nein sagen? Begeistert war ich nicht – schließlich war unser Baby gerade geboren, ich hatte kaum Zeit zum Schlafen oder Essen und die Verwandten sorgten nicht gerade für Entspannung. Aber gut, ich dachte, vielleicht helfen sie mir, ich kann mich etwas ausruhen und endlich wieder mit jemandem Tee trinken und reden. Sie kamen mit leeren Händen, um eine Woche bei uns zu wohnen – wenigstens ein kleines Geschenk fürs Baby hätte angebracht gewesen! Ich habe die Regel: In ein Zuhause mit Baby geht man nicht mit leeren Händen – so wurde ich erzogen. Aber offenbar herrschte bei ihnen eine andere Auffassung. Sie kamen geschäftlich, verrieten aber nicht, worum es genau ging. Ich gab mir Mühe, eine gute Gastgeberin zu sein: kochte, putzte, lernte sie besser kennen. Alles schien okay, doch während der Tage in unserem Haus bot sie mir kein einziges Mal Hilfe an – weder beim Kochen noch beim Putzen, noch bei der Versorgung des Babys, wenn ich Hausarbeit machte. Sie verschwand morgens für ihre eigenen Angelegenheiten, ihr Freund schlief bis mittags, mein Mann war bei der Arbeit – und ich rannte mit dem Baby durch die Wohnung. Sie kam wieder, legte sich auf die Couch, relaxte oder sah fern, während ich mich mit dem Säugling und dem Haushalt abmühte: draußen war Matsch, überall Dreckspuren im Flur, dazu musste gekocht, das Kind gefüttert und gebadet werden. Am dritten Tag war ich schon mit meinen Nerven am Ende. Ich sprach meinen Mann auf meine Beschwerden an, doch er zuckte nur mit den Schultern: „In Frauenangelegenheiten mischt sich ein Mann nicht ein.“ Am vierten Tag kam mein Mann nach der Arbeit, und die lieben Gäste fuhren ins Kino. Wir vier kochten gemeinsam etwas, aßen zusammen, dann kamen die beiden wieder, diesmal mit jeder Menge Bier und Knabbereien – natürlich nichts, was für eine stillende Mutter geeignet wäre. Wenigstens ein Stück Kuchen hätten sie besorgen können… Das glückliche Paar aß mit, dann schauten sie einen Film und riefen meinen Mann dazu. Da war ich gekränkt und holte sie zum Gespräch: – Entschuldige, aber könntest du mir nicht wenigstens einmal deine Hilfe anbieten? Du siehst doch, ich habe ein kleines Kind und bin total erschöpft. Du könntest wenigstens mal Kartoffeln schälen oder generell mal fragen, ob du helfen kannst. – Willst du mich etwa ermahnen? Ich glaube nicht, dass das angemessen ist! Ich bin doch auch erschöpft. (Wieso eigentlich – vom Sofa?) – Schau mal, Liebling, du bist in MEINER Wohnung, nicht umgekehrt. Ich bin nicht deine Gastgeberin, du bist mein Gast. – Ich habe keine Lust, mir das anzuhören! – Weißt du was, meine Liebe, pack deine Sachen und geh bitte! Sie packten und waren weg. Ich habe danach noch lange wegen des Ganzen geweint. Wie seht ihr das? Ist so ein Verhalten normal?