Dringend gesucht: Ehemann!Dringend gesucht: Ehemann!

Heute im Rückblick auf die letzten Monate schreibe ich diese Zeilen in mein Tagebuch um die Ereignisse festzuhalten die mein Leben verändert haben und mich zu der glücklichsten Zeit geführt haben. Anna hat mir von einem wichtigen Gespräch mit ihrer Tochter Liesel berichtet das den Anstoß für alles gab. Mama dir ist es einfach notwendig schnell einen neuen Ehemann zu finden Sehr sehr dringend.

Anna ließ fast die Tasse mit Kaffee fallen der sogar ein wenig auf die Tischdecke spritzte. Sie stellte sie auf den Tisch räusperte sich und sah ihre Tochter eindringlich an. Erkläre mir worum es geht bat sie und versuchte ruhig zu sprechen. Woher kommt diese Forderung.

Das Mädchen trat von einem Bein auf das andere senkte den Blick und begann das Muster auf dem Teppich zu betrachten. Liesel war es unangenehm aber sie war fest davon überzeugt dass ihr Handeln richtig war. Weißt du Heute habe ich Papa gesagt dass du einen Mann kennengelernt hast seufzte sie schwer. Er hat mich mit Fragen gequält Die ganze Zeit fragt er ob du jemanden gefunden hast All die Zeit habe ich nein geantwortet und danach hat er lange und wortreich erzählt welchen großen Fehler du gemacht hast als du ihn verlassen hast. Dass du nichts im Leben verstehst weil du einen so wunderbaren Mann verloren hast.

Sie hob den Blick zu ihrer Mutter. In den Augen lagen Verärgerung Ratlosigkeit und sogar Wut auf den Vater. Und außerdem er wiederholt immer wieder dass du bald verstehen wirst wie unrecht du hattest und zurückkommen wirst. Angeblich findest du niemanden Besseren. Da bin ich ausgerastet. Ich habe gesagt dass du jemanden getroffen hast.

Anna fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Sofort kamen ihr die bekannten Intonationen ihres ehemaligen Mannes in den Sinn diese vorgetäuschte Sicherheit diese Art jedes Gespräch in einen Monolog über die eigene Richtigkeit zu verwandeln. Ich kann mir vorstellen mit welchen farbenfrohen Bezeichnungen er das begleitet sagte sie mit leichter Ironie. Bis heute kann er nicht akzeptieren dass ich ihn den Perfekten verlassen habe. Manchmal scheint es mir dass Stefan auf deinen Wochenendbesuchen nur wegen seiner eigenen Monologe besteht. Ihm ist es wichtig nicht mit dir zu reden sondern frische Klatschgeschichten zu erfahren. So heilt er sein Selbstwertgefühl.

Liesel seufzte schwer und ließ sich auf das Sofa fallen wie gewohnt die Beine unter sich gezogen. Sie stützte sich auf ein Kissen strich zerstreut mit der Hand über den weichen Stoff der Polsterung und versuchte ihre Gedanken zu sammeln. Ja das denke ich auch sagte sie irgendwohin blickend. Eineinhalb Stunden muss ich mir anhören wie toll er ist. Die restliche Zeit bin ich völlig frei er interessiert sich nicht einmal wie es mir geht. Er fragt nicht mal wie ich in der Schule bin oder ob ich etwas brauche.

Das Mädchen sprach darüber so alltäglich als würde sie den gewohnten Tagesablauf beschreiben Aufstehen Frühstück Schule Hausaufgaben. Für Liesel war das wirklich längst zur Gewohnheit geworden so sehr dass es keine Emotionen mehr hervorrief. Sie lehnte sich an die Rückenlehne des Sofas und starrte an die Decke drehte gedanklich das letzte Gespräch mit ihrem Vater noch einmal durch. Wie immer begann alles mit seiner neuesten Leistung diesmal beschrieb er ausführlich wie geschickt er Verhandlungen mit Partnern geführt hatte. Dann ging er zu seinen Plänen für die Zukunft über zu Schwierigkeiten mit denen er bei der Arbeit konfrontiert ist dazu wie alle seinen Beitrag unterschätzen. Eineinhalb Stunden Monolog Liesel hatte sogar die Zeit im Kopf notiert um es im Gespräch mit ihrer Mutter zu erwähnen.

Als sie versuchte von ihrer Schulolympiade in Mathematik zu erzählen nickte der Vater nur zerstreut und wechselte sofort das Thema zu seinen Angelegenheiten. Natürlich gut aber weißt du in meinem Alter habe ich schon und dann ging es wieder mit einer Reihe von Geschichten über seine Erfolge weiter. Das Mädchen zuckte leicht mit den Schultern und verdrängte die Erinnerungen. Sie hatte sich längst an diese Ordnung gewöhnt. Solange Liesel sich erinnern konnte war Papa immer nur mit sich selbst beschäftigt. Die anderen Familienmitglieder existierten irgendwie am Rand seiner Aufmerksamkeit wichtig aber nicht so wichtig um sich vom Wichtigsten abzulenken von ihm selbst.

Alle Gespräche führte er unweigerlich auf sich und seine Probleme zurück. Wenn Mama über Müdigkeit klagte begann er sofort zu erzählen wie schwer es ihm bei der Arbeit fällt. Wenn Liesel von Sorgen mit Freunden sprach fand der Vater einen Weg das Thema auf seine Schulzeit zu lenken natürlich viel lebendiger und ereignisreicher. Die Sorgen anderer schien er nicht zu bemerken oder hielt sie für unwichtig. Liesel konnte einfach nicht verstehen wie ihre Mutter fünfzehn Jahre neben einem solchen Menschen ausgehalten hatte. Er war buchstäblich auf seine strahlende Person fixiert Vielleicht hatte Mama nur ihretwegen durchgehalten weil sie nicht wollte dass die Tochter ohne Vater aufwächst. Als Kind glaubte Liesel aufrichtig dass Papa sich eines Tages ändern würde anfangen würde sie zu bemerken sich für ihr Leben zu interessieren Aber die Jahre vergingen und nichts änderte sich. Und erst nach der Scheidung entdeckte das Mädchen überrascht dass es ohne ihm viel ruhiger war Niemand zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und hält fremde Kleinigkeiten für unwichtig.

Und warum soll ich mir dringend einen Lebensgefährten suchen Die Stimme von Anna klang etwas schärfer als sie es wahrscheinlich wollte. Ich habe es gesagt und damit basta was ist daran so schlimm.

Weißt du als Papa das hörte hat er sich völlig verändert Liesel verzog unwillkürlich das Gesicht und drückte eines der auf dem Sofa verstreuten Kissen an ihre Brust. Zuerst wurde er blass dann rot und fing an zu brüllen dass sogar die Nachbarin herbeigelaufen kam Ehrlich gesagt habe ich mich ein bisschen erschrocken. Sie schwieg einen Augenblick und erinnerte sich an die Szene. Die Stimme des Vaters ungewöhnlich hoch und brüchig seine zu Fäusten geballten Hände der unruhige Blick. Es schien als würde er gleich vor lauter Emotionen platzen.

Er verlangte dass ich den Namen dieses Mannes nenne und ihn in allen Einzelheiten beschreibe fuhr Liesel fort während sie mit den Fingern am Rand des Kissens zupfte. Ich habe abgelehnt gesagt dass du gebeten hast nichts zu verraten besonders ihm Es würde mich nicht wundern wenn er bald bei dir anruft und Ärger macht.

Anna drehte sich langsam um stützte sich auf das Fensterbrett und sah ihre Tochter eindringlich an. Ein interessanter Tag würde sie erwarten Das Ausmaß von Stefans Hysterie konnte sie sich leicht vorstellen Gut gemacht Töchterchen nichts zu sagen Anna setzte sich auf das Sofa neben Liesel und seufzte schwer während sie ihre Tochter umarmte. Nun ja jetzt konnte man nichts mehr tun. Die Worte waren gesagt und man konnte sie nicht zurücknehmen

Warum hast du dir das ausgedacht fragte sie leise und wiegte Liesel leicht in den Armen. Wir haben doch ruhig gelebt Jetzt müssen wir wieder seine Wutanfälle und sein Gejammer ertragen. Am liebsten hätte ich das Telefon ausgeschaltet. Liesel wand sich sanft aus der Umarmung setzte sich aufrecht hin und sah ihre Mutter ernst an. In ihren Augen leuchtete echte Überzeugung.

Weil du wunderbar bist sagte sie zuversichtlich. Du bist schön klug hast viele Freunde und bei den Männern bist du beliebt Denkst du ich sehe das nicht Und Papa redet die ganze Zeit schlecht über dich Ich habe es satt Die Frau strich ihrer Tochter liebevoll über die Haare und fuhr vorsichtig mit den Fingern durch die weichen Strähnen. In ihrem Blick lag Zärtlichkeit und leichte Ratlosigkeit. Ich habe verstanden Sonnenschein verstanden sagte sie sanft. Ehrlich gesagt dachte ich du würdest nicht wollen dass ich ernsthafte Beziehungen anfange. Schließlich sind erst ein halbes Jahr seit der Scheidung von deinem Vater vergangen.

Diese Worte fielen ihr nicht leicht. Irgendwo tief in ihrer Seele fürchtete sie dass die Tochter eine neue Romanze als Verrat oder als Versuch den Vater zu ersetzen auffassen könnte. Anna musterte Liesel aufmerksam um die kleinsten Anzeichen von Unzufriedenheit zu erkennen. Unsinn schnaubte Liesel und in ihrer Stimme lag eine so aufrichtige Entschlossenheit dass Anna unwillkürlich lächelte. Hauptsache du bist glücklich Das Mädchen verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte ihre Mutter an. In diesem Moment wirkte sie erstaunlich erwachsen klug für ihr Alter und bereit ihre Meinung zu vertreten.

Anna sah weiter ihre Tochter an und in ihrem Herzen schmolz die Angst allmählich. Liesel sprach so zuversichtlich dass die Zweifel zurückwichen. Vielleicht dachte sie wirklich zu viel an die Vergangenheit und hatte Angst vor der Zukunft Du bist klug mein Schatz sagte Anna leise und zog die Tochter wieder zu sich. Danke dass du dich so um deine Mama kümmerst. Liesel schmiegte sich an sie und kuschelte sich an ihre Seite. In diesem Moment spürten beide wie es zwischen ihnen noch wärmer und ruhiger wurde als würde ihre kleine Familie trotz allem mit jedem Tag stärker

An dem Tag als Stefan im Büro auftauchte hatte Anna starke Kopfschmerzen. Sie saß an ihrem Schreibtisch und versuchte sich auf einen Bericht zu konzentrieren. Die Zeilen verschwammen vor ihren Augen und in den Schläfen pochte ein dumpfer Schmerz der am Morgen nur leicht angedeutet hatte aber bis zum Mittag zu unerträglichen Ausmaßen angewachsen war. Die Frau massierte sich müde die Schläfen in der Hoffnung den Zustand etwas zu erleichtern. Die Bewegungen waren langsam fast mechanisch sie hatte sie schon Dutzende Male an diesem Tag ausgeführt.

Nach ein paar Minuten überlegte sie und bat eine Kollegin in die Apotheke zu gehen diese war buchstäblich zwei Minuten Fußweg vom Büro entfernt. Als sie mit Tabletten zurückkam nahm Anna sie mit Wasser aus dem Krug und versuchte wieder in die Dokumente zu schauen. Nutzlos. Der Kopf fühlte sich an als wäre er mit Blei gefüllt und jedes Geräusch Tastaturklappern das Summen der Klimaanlage ferne Gespräche im Flur hallte in ihr als scharfe Welle wider. In diesem Moment schaute der Sicherheitsmann ins Büro. Sein Gesicht war höflich aber in den Augen lag eine gewisse Wachsamkeit.

Frau Anna es ist jemand für Sie da sagte er und öffnete die Tür etwas. Ihr Exmann besteht auf einem Treffen. Gehen Sie runter oder sollen wir ihm helfen zu gehen Anna erstarrte. In ihr stieg eine Welle aus Ärger gemischt mit Müdigkeit auf. Sie atmete tief durch und versuchte äußerlich ruhig zu bleiben. Ich komme gleich runter entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten antwortete sie und erhob sich vom Schreibtisch.

Innerlich fluchte sie. Wie unpassend Der Arbeitstag war sowieso schon schwer der Kopf brummte und jetzt hatte Stefan beschlossen ohne Vorwarnung aufzutauchen. Warum rief er nicht an Warum kam er direkt ins Büro wo es viele Fremde gab Wollte er etwa eine Szene direkt im Büro machen Sie ging langsam zum Ausgang ohne zu eilen schnelle Bewegungen verstärkten nur die Kopfschmerzen. Im Flur war es lebhaft Mitarbeiter eilten ihren Aufgaben nach jemand lachte an der Kaffeemaschine jemand diskutierte ein Projekt an der Pinnwand mit Notizen. Anna ging an ihnen vorbei und spürte wie die Anspannung ihre Schultern zusammenzog.

Anna trat in die Halle und sah Stefan sofort. Er lief von einer Seite zur anderen näherte sich dem Empfangstresen und trat dann ein paar Schritte zurück. Seine Bewegungen waren ruckartig ungestüm er wedelte emotional mit den Händen bewies den Sicherheitsleuten etwas und hob ab und zu die Stimme. Auf den Gesichtern der Sicherheitskräfte lag gedämpfte Unzufriedenheit Sie versuchten höflich zu bleiben waren aber offensichtlich bereit entschlossener zu handeln wenn die Situation außer Kontrolle geriet. Was willst du fragte Anna ohne Umschweife als sie näher kam. Ihre Stimme klang ruhig obwohl in ihr der Ärger wuchs. Was soll dieses Theater hier Willst du die Polizei näher kennenlernen Das kann ich organisieren.

Stefan drehte sich ruckartig bei ihrer Stimme um. Sein Gesicht war gerötet die Augen brannten mit einem unbestimmten Feuer sei es vor Wut oder Aufregung. Er sprang zu seiner Exfrau und zeigte mit dem Finger anklagend auf sie als hätte er sie bei einem Verbrechen erwischt. Du rief er. Du Liesel hat mir alles erzählt Es ist erst ein halbes Jahr seit der Scheidung vergangen und du hast dir schon einen neuen Mann gesucht In seiner Stimme mischten sich Unglaube Kränkung und offensichtliche Eifersucht. Es schien als hätte er bis zum Schluss gehofft dass die Tochter sich irrt oder ihn nur auf den Arm nehmen will. Aber jetzt als er in Annas ruhiges Gesicht blickte verstand er dass es kein Scherz war.

Anna hob überrascht die Augenbrauen und neigte den Kopf leicht zur Seite. Ihre Haltung blieb entspannt aber in den Augen blitzte ein kalter Glanz. Und ich soll dir ewig die Treue halten fragte sie in ruhigem Ton. Sogar nach der Scheidung Du willst zu viel mein Lieber. Besonders wenn man bedenkt dass du die Treue auch in der Ehe nicht als notwendige Tugend angesehen hast. Stefan erstarrte einen Moment als wüsste er nicht wie er reagieren sollte. Seine Hand die noch in ihre Richtung ausgestreckt war sank langsam. In den Augen blitzte etwas wie Ratlosigkeit auf er hatte eine so ruhige selbstbewusste Abfuhr nicht erwartet.

Um sie herum gingen weiterhin Leute Mitarbeiter Besucher Boten Jemand warf neugierige Blicke in ihre Richtung jemand versuchte nicht hinzusehen. Aber für Stefan und Anna verengte sich die Welt für einen Moment auf diesen kleinen Raum zwischen ihnen einen Raum gefüllt mit alten Kränkungen unausgesprochenen Vorwürfen und einer neuen Realität mit der er schwer klarkam. Du du bist einfach stieß er schließlich hervor aber Anna ließ ihn nicht zu Ende sprechen. Lass uns keine Szenen machen Stefan ihre Stimme wurde etwas weicher aber nicht weniger fest. Wenn du etwas besprechen willst können wir ruhig reden. Aber nicht hier und nicht so. Szenen Ich zeige dir eine Szene

Stefan schrie fast und seine Stimme hallte durch die große Halle des Büros. Sein Gesicht war mit purpurroten Flecken bedeckt auf dem Hals traten angespannte Adern hervor und die Fäuste ballten und lösten sich unwillkürlich was die extreme nervöse Anspannung verriet. Er machte einen Schritt vor dann zurück als könnte er sich nicht entscheiden wie er seine Drohung am besten überbringen sollte. Ich werde nicht zulassen dass meine Tochter unter einem Dach mit einem unbekannten Mann lebt rief er ohne zu bemerken dass er die Aufmerksamkeit vorbeigehender Mitarbeiter auf sich zog. Ich werde dir Liesel wegnehmen Du wirst sie nie wieder sehen Du

Seine Worte klangen scharf fast hysterisch aber Anna hob nur leicht eine Augenbraue und behielt einen Ausdruck ruhiger Gleichgültigkeit auf dem Gesicht. Er würde die Tochter wegnehmen Na das würde sie sich gerne ansehen Jedes Gericht würde sich auf ihre Seite stellen Alles gesagt Du bist ja ein richtiger Künstler sagte sie in ruhigem leicht spöttischem Ton. Und präzisierte Aus dem Zirkus. Was geht hier vor

Stefan brach mitten im Satz ab und drehte sich ruckartig zur unbekannten Stimme um. In der Tür die in die Halle führte stand ich Rainer in einem eleganten dunkelblauen Anzug. Meine Haltung war lässig selbstbewusst und mein Blick ruhig und aufmerksam. Die Sicherheitsleute die zuvor versucht hatten Stefan dezent zurückzuhalten strafften sich sofort offensichtlich war ich ein Mann der in der Firma eine wichtige Rolle einnahm. Mischen Sie sich nicht ein zischte Stefan und warf mir einen gereizten Blick zu. Sein Gesicht glühte noch vor Wut und in der Stimme lag unverhohlene Abneigung. Das ist eine private Angelegenheit die geht Sie nichts an.

Ich beeilte mich nicht mit einer Antwort. Ich ging langsam vorwärts blieb etwas abseits stehen so dass ich beide Gesprächspartner sehen konnte. Ich lächelte was Stefan noch mehr aufbrachte. Eine private Angelegenheit ist es wenn Sie mit Ihrer Frau unter vier Augen sprechen sagte ich schließlich. Aber wenn Sie einen Skandal an einem öffentlichen Ort veranstalten hört es auf privat zu sein und wird öffentlich. Anna beobachtete die Szene schweigend und spürte wie die Spannung in der Luft fast greifbar wurde. Sie hatte mein Erscheinen nicht erwartet aber mein Eingreifen so unerwartet es war schien ihr angemessen zumindest brachte es Stefan aus seiner gewohnten Bahn von Drohungen und Geschrei.

Stefan machte einen Schritt auf mich zu offensichtlich wollte er scharf antworten aber ich rührte mich nicht. Mein Blick blieb ruhig fast gelassen als wäre ich es gewohnt mit viel emotionaleren Gegnern umzugehen. Wer sind Sie dass Sie mir Vorschriften machen zischte Stefan durch die Zähne versuchte die Reste seiner Fassung zu bewahren. Sie mischen sich in fremde Angelegenheiten ein Ich machte ein paar selbstbewusste Schritte vor. Ich ging zu Anna die immer noch leicht benommen dastand und nicht ganz verstand was passierte und legte sanft meinen Arm um ihre Taille. Deutlich ohne Raum für Fantasie zu lassen.

Wer ich bin sagte ich in ruhigem fast alltäglichem Ton aber in meiner Stimme lag eine solche kalte Entschlossenheit dass Stefan unwillkürlich einen Schritt zurücktrat. Ich bin derjenige der Anna glücklich macht. Du erlaubst dir auf meine Frau zu schreien und so etwas verzeihe ich nicht. Mit einem Ausflug zur Polizei kommst du da nicht davon ich werde dafür sorgen dass du mehr Probleme hast als du dir vorstellen kannst. Und wenn du es wagst die Tochter als Druckmittel zu benutzen Ich denke du hast mich verstanden oder Stefan erstarrte. Sein Gesicht das noch vor Wut glühte verlor allmählich die purpurne Farbe und wurde blass. Er wechselte den Blick von mir zu Anna als versuchte er zu begreifen dass die Situation außer seiner Kontrolle geraten war. In den Augen blitzte etwas wie Ratlosigkeit auf er hatte nicht erwartet auf einen so selbstbewussten und kühlen Gegner zu treffen.

Ein paar Minuten stand er schweigend da ballte und öffnete die Fäuste als kämpfte er mit dem Wunsch etwas Scharfes zu sagen. Aber die Worte kamen nicht entweder wegen der überwältigenden Sicherheit mit der ich sprach oder wegen der Erkenntnis dass seine gewohnten Methoden hier nicht funktionieren würden. Schließlich verzog er das Gesicht murmelte etwas Unverständliches kaum Hörbares und drehte sich ruckartig um. Sein Gang der noch vor kurzem fordernd und aggressiv war wirkte jetzt gehemmt als versuchte er mit aller Kraft die Reste seiner Würde zu bewahren. Bevor er die Halle verließ drehte er sich um und warf über die Schulter Auf Unterhalt kannst du nicht hoffen

Den brauche ich auch nicht schnaubte Anna kaum dass er hinter der Tür verschwunden war. Ihre Stimme klang leicht fast spöttisch aber darin lag echte Erleichterung. Zumindest muss Liesel nicht mehr zu ihrem Vater fahren Einen Moment später wurde Anna bewusst dass meine warme selbstbewusste Hand immer noch auf ihrer Taille lag. Diese Berührung so einfach und doch bedeutungsvoll ließ sie leicht erröten. Sie senkte unwillkürlich den Blick spürte wie leichte Röte auf ihre Wangen stieg und trat vorsichtig zurück bemüht es so natürlich wie möglich zu machen.

Mit einem leichten etwas verwirrten Lächeln wandte sie sich an mich Vielen Dank Rainer. Sie können sich gar nicht vorstellen wie sehr Sie geholfen haben Ihre Stimme klang aufrichtig ohne einen Hauch von Gekünsteltheit. In diesem Moment fühlte sie wirklich große Dankbarkeit nicht nur dafür dass ich in die unangenehme Szene eingegriffen hatte sondern auch dafür wie selbstbewusst und ruhig ich das getan hatte. Ich lächelte leicht meine Augen wurden für einen Moment wärmer. Besprechen wir das beim Mittagessen schlug ich vor und streckte die Hand in einer einladenden Geste aus.

Anna erstarrte für eine Sekunde und überdachte den Vorschlag. In ihrem Kopf blitzten die üblichen Zweifel auf ist es nicht zu früh wird es nicht leichtsinnig wirken Aber fast sofort verwarf sie diese Gedanken. Ich verhielt mich korrekt respektvoll und sie wollte wirklich mit mir reden ohne Eile und ohne Fremde. Außerdem keimte in ihr Neugier auf Wer ich wirklich war warum ich eingegriffen hatte was hinter dieser ruhigen Sicherheit steckte. Natürlich antwortete sie und legte ihre Hand in meine. Die Berührung war unerwartet angenehm fest zuverlässig aber ohne Aufdringlichkeit. Anna spürte wie die Anspannung die sie seit Stefans Erscheinen gefesselt hatte allmählich wich und Platz für leichte Aufregung und sogar Vorfreude machte.

Später an einem gemütlichen Tisch in einem kleinen Restaurant in der Nähe des Büros wurde das Gespräch freier. Das sanfte Licht der Lampen unaufdringliche Musik und der Duft von frischem Gebäck schufen eine einladende Atmosphäre. Allmählich erfuhr sie im Laufe des ungezwungenen Gesprächs dass ich schon lange zärtliche Gefühle für sie hegte. Ich erzählte das einfach ohne Pathos und schöne Phrasen eher wie etwas Natürliches das lange in mir gereift war aber keinen Ausweg gefunden hatte. Ich habe lange nicht gewagt mich zu nähern gestand ich während ich mit dem Löffel im Kaffee rührte. Du schienst mir immer so konzentriert ernst Ich verstand dass du eine schwierige Zeit nach der Scheidung durchmachst und wollte nicht drängen oder aufdringlich wirken.

Anna hörte zu ohne zu unterbrechen. In meinen Worten lag kein Hauch von Überheblichkeit oder Selbstgefälligkeit nur Aufrichtigkeit und Respekt für ihren persönlichen Raum. Und heute als ich sah wie dieser Mann dich anschreit Ich runzelte missbilligend die Stirn. Ich konnte einfach nicht danebenstehen Die Frau konnte ein sanftes Lächeln nicht unterdrücken. So war es also Sie hatte die Blicke der Vorgesetzten schon früher bemerkt aber falsch verstanden Ich war ihr sehr sympathisch aber wegen des Positionsunterschieds hätte sie selbst nie den ersten Schritt gewagt

Drei Monate nach dieser angespannten Szene im Büro wurden Anna und ich offiziell Mann und Frau. Die Hochzeit war großartig ich erfüllte buchstäblich alle Träume Annas und jedes ihrer Wünsche. Liesel freute sich aufrichtig für ihre Mama. Am Hochzeitstag half sie Anna beim Anziehen achtete darauf dass alles perfekt war von der Frisur bis zur letzten Knöpfe am Kleid. Als wir die Ringe tauschten lächelte das Mädchen und umarmte uns beide fest. Ich bin so glücklich für euch flüsterte sie und in ihren Augen leuchtete echte Freude.

Gleichzeitig warnte Liesel sofort ehrlich dass sie mich vorerst nicht Papa nennen wolle. Du gefällst mir Rainer sagte sie an einem der ersten Abende als wir zu dritt waren. Und ich bin froh dass Mama nicht allein ist. Aber Papa Wie er auch ist ich habe schon einen Papa. Ich nickte ohne einen Hauch von Kränkung Ich verstehe. Und das ist richtig Liesel. Hauptsache wir sind zusammen. Stefan bekam auch eine Einladung zur Hochzeit eher als Geste des Spottes denn ernsthaft. Anna zögerte ob sie ihm den Umschlag schicken sollte entschied sich aber schließlich dafür er sollte wissen dass ihr Leben weitergeht und zwar ohne ihn. Sie schickte die Einladung per Post ohne Begleitbrief einfach eine Karte mit Datum Uhrzeit und Adresse.

Natürlich erschien Stefan nicht auf der Hochzeit. Er dachte nicht einmal ernsthaft darüber nach zu kommen der bloße Gedanke daran rief in ihm eine Mischung aus Ärger und bitterer Kränkung hervor. Stattdessen fand er einen anderen Weg seine aufgestaute Unzufriedenheit abzulassen Er begann gemeinsame Bekannte anzurufen. Den ersten Anruf machte er bereits am Tag nach Erhalt der Einladung. Seine Stimme klang absichtlich ruhig aber in den Intonationen war deutlich Spannung zu hören. Stell dir vor sie hat mich zu ihrer Hochzeit eingeladen platzte er heraus ohne abzuwarten bis der Gesprächspartner die Begrüßung beendet hatte. Nach allem was war

Der Gesprächspartner ein alter Freund von der Universität fragte höflich was Stefan so empörend fand. Aber der winkte nur ab Wie konnte sie das nur Mich so zu demütigen In den nächsten Tagen wiederholte sich diese Szene immer wieder. Stefan wählte eine Nummer nach der anderen und jedes Gespräch begann gleich mit dieser Phrase über die Einladung ausgesprochen mit kaum unterdrückter Empörung. Er versuchte offenbar in den Worten anderer eine Bestätigung seiner Richtigkeit zu finden hoffte dass jemand sagen würde Ja das ist wirklich widerlich.

Aber die Gesprächspartner reagierten zurückhaltend. Jemand nickte mitfühlend jemand begnügte sich mit allgemeinen Phrasen wie Nun jeder hat sein eigenes Leben und jemand schwieg einfach nicht wissend was zu antworten. Und je öfter Stefan seinen Monolog wiederholte desto deutlicher wurde ihm dass seine Argumente nicht überzeugend klangen. Dann behauptete er Anna beeile sich zu sehr mit der neuen Ehe Es ist erst ein halbes Jahr her Kann man in so kurzer Zeit echte Liebe finden Das ist einfach ein Versuch der Realität zu entfliehen. Sie versucht nur mich zu vergessen verstehst du Dann wechselte er plötzlich zu etwas anderem Sie hat mir nicht einmal eine Chance gegeben alles zu korrigieren Wenn wir geredet hätten hätte ich es schaffen können Er selbst sagte nicht zu Ende was er hätte schaffen können sie zurückgewinnen etwas an sich ändern von vorne beginnen.

Manchmal nahmen seine Vorwürfe eine ganz seltsame Wendung an Ich habe so viel für sie getan und sie Hat nicht einmal Danke gesagt. Einfach so gegangen. Und die Tochter mitgenommen Diese Anschuldigungen der Undankbarkeit klangen besonders unüberzeugend. Die Gesprächspartner sahen sich an zuckten mit den Schultern und jemand bemerkte vorsichtig Und wofür sollte sie dir Danke sagen Ihr wart verheiratet das ist doch natürlich Stefan schwieg spürte wie in ihm Verärgerung aufstieg. Er verstand dass seine Worte nicht die Wirkung hatten die er erhofft hatte. Niemand teilte seine Empörung niemand nannte Anna unordentlich oder leichtsinnig. Im Gegenteil alle schienen zu denken dass sie das Recht hatte weiterzuleben und das machte ihn noch wütender.

Am Ende müde von den fruchtlosen Gesprächen hörte Stefan auf anzurufen. Er saß in seiner Wohnung sah auf die verbliebenen Kleinigkeiten von Anna eine vergessene Spange auf dem Regal ein altes Fotoalbum im Schrank ein paar zu klein gewordene Kleider und verstand wie man es auch dreht das Leben geht weiter. Nur ihm war es bisher nicht gelungen in diesem neuen Leben seinen Platz zu finden. In unserer kleinen Familie ging das Leben weiter ruhig gemäßigt erfüllt von kleinen Freuden gemeinsamen Abendessen Wochenendspaziergängen lustigen Streitigkeiten darüber welchen Film wir abends sehen sollten

Aus dieser Geschichte habe ich die persönliche Lektion gelernt dass man die Vergangenheit loslassen muss um die Zukunft zu umarmen und dass wahre Liebe und ein unterstützendes Familienleben die Kraft haben alle Hindernisse zu überwinden. Man sollte immer für das Glück der Menschen eintreten die einem am Herzen liegen.Heute im Rückblick auf die letzten Monate schreibe ich diese Zeilen in mein Tagebuch um die Ereignisse festzuhalten die mein Leben verändert haben und mich zu der glücklichsten Zeit geführt haben. Anna hat mir von einem wichtigen Gespräch mit ihrer Tochter Liesel berichtet das den Anstoß für alles gab. Mama dir ist es einfach notwendig schnell einen neuen Ehemann zu finden Sehr sehr dringend.

Anna ließ fast die Tasse mit Kaffee fallen der sogar ein wenig auf die Tischdecke spritzte. Sie stellte sie auf den Tisch räusperte sich und sah ihre Tochter eindringlich an. Erkläre mir worum es geht bat sie und versuchte ruhig zu sprechen. Woher kommt diese Forderung.

Das Mädchen trat von einem Bein auf das andere senkte den Blick und begann das Muster auf dem Teppich zu betrachten. Liesel war es unangenehm aber sie war fest davon überzeugt dass ihr Handeln richtig war. Weißt du Heute habe ich Papa gesagt dass du einen Mann kennengelernt hast seufzte sie schwer. Er hat mich mit Fragen gequält Die ganze Zeit fragt er ob du jemanden gefunden hast All die Zeit habe ich nein geantwortet und danach hat er lange und wortreich erzählt welchen großen Fehler du gemacht hast als du ihn verlassen hast. Dass du nichts im Leben verstehst weil du einen so wunderbaren Mann verloren hast.

Sie hob den Blick zu ihrer Mutter. In den Augen lagen Verärgerung Ratlosigkeit und sogar Wut auf den Vater. Und außerdem er wiederholt immer wieder dass du bald verstehen wirst wie unrecht du hattest und zurückkommen wirst. Angeblich findest du niemanden Besseren. Da bin ich ausgerastet. Ich habe gesagt dass du jemanden getroffen hast.

Anna fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Sofort kamen ihr die bekannten Intonationen ihres ehemaligen Mannes in den Sinn diese vorgetäuschte Sicherheit diese Art jedes Gespräch in einen Monolog über die eigene Richtigkeit zu verwandeln. Ich kann mir vorstellen mit welchen farbenfrohen Bezeichnungen er das begleitet sagte sie mit leichter Ironie. Bis heute kann er nicht akzeptieren dass ich ihn den Perfekten verlassen habe. Manchmal scheint es mir dass Stefan auf deinen Wochenendbesuchen nur wegen seiner eigenen Monologe besteht. Ihm ist es wichtig nicht mit dir zu reden sondern frische Klatschgeschichten zu erfahren. So heilt er sein Selbstwertgefühl.

Liesel seufzte schwer und ließ sich auf das Sofa fallen wie gewohnt die Beine unter sich gezogen. Sie stützte sich auf ein Kissen strich zerstreut mit der Hand über den weichen Stoff der Polsterung und versuchte ihre Gedanken zu sammeln. Ja das denke ich auch sagte sie irgendwohin blickend. Eineinhalb Stunden muss ich mir anhören wie toll er ist. Die restliche Zeit bin ich völlig frei er interessiert sich nicht einmal wie es mir geht. Er fragt nicht mal wie ich in der Schule bin oder ob ich etwas brauche.

Das Mädchen sprach darüber so alltäglich als würde sie den gewohnten Tagesablauf beschreiben Aufstehen Frühstück Schule Hausaufgaben. Für Liesel war das wirklich längst zur Gewohnheit geworden so sehr dass es keine Emotionen mehr hervorrief. Sie lehnte sich an die Rückenlehne des Sofas und starrte an die Decke drehte gedanklich das letzte Gespräch mit ihrem Vater noch einmal durch. Wie immer begann alles mit seiner neuesten Leistung diesmal beschrieb er ausführlich wie geschickt er Verhandlungen mit Partnern geführt hatte. Dann ging er zu seinen Plänen für die Zukunft über zu Schwierigkeiten mit denen er bei der Arbeit konfrontiert ist dazu wie alle seinen Beitrag unterschätzen. Eineinhalb Stunden Monolog Liesel hatte sogar die Zeit im Kopf notiert um es im Gespräch mit ihrer Mutter zu erwähnen.

Als sie versuchte von ihrer Schulolympiade in Mathematik zu erzählen nickte der Vater nur zerstreut und wechselte sofort das Thema zu seinen Angelegenheiten. Natürlich gut aber weißt du in meinem Alter habe ich schon und dann ging es wieder mit einer Reihe von Geschichten über seine Erfolge weiter. Das Mädchen zuckte leicht mit den Schultern und verdrängte die Erinnerungen. Sie hatte sich längst an diese Ordnung gewöhnt. Solange Liesel sich erinnern konnte war Papa immer nur mit sich selbst beschäftigt. Die anderen Familienmitglieder existierten irgendwie am Rand seiner Aufmerksamkeit wichtig aber nicht so wichtig um sich vom Wichtigsten abzulenken von ihm selbst.

Alle Gespräche führte er unweigerlich auf sich und seine Probleme zurück. Wenn Mama über Müdigkeit klagte begann er sofort zu erzählen wie schwer es ihm bei der Arbeit fällt. Wenn Liesel von Sorgen mit Freunden sprach fand der Vater einen Weg das Thema auf seine Schulzeit zu lenken natürlich viel lebendiger und ereignisreicher. Die Sorgen anderer schien er nicht zu bemerken oder hielt sie für unwichtig. Liesel konnte einfach nicht verstehen wie ihre Mutter fünfzehn Jahre neben einem solchen Menschen ausgehalten hatte. Er war buchstäblich auf seine strahlende Person fixiert Vielleicht hatte Mama nur ihretwegen durchgehalten weil sie nicht wollte dass die Tochter ohne Vater aufwächst. Als Kind glaubte Liesel aufrichtig dass Papa sich eines Tages ändern würde anfangen würde sie zu bemerken sich für ihr Leben zu interessieren Aber die Jahre vergingen und nichts änderte sich. Und erst nach der Scheidung entdeckte das Mädchen überrascht dass es ohne ihm viel ruhiger war Niemand zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und hält fremde Kleinigkeiten für unwichtig.

Und warum soll ich mir dringend einen Lebensgefährten suchen Die Stimme von Anna klang etwas schärfer als sie es wahrscheinlich wollte. Ich habe es gesagt und damit basta was ist daran so schlimm.

Weißt du als Papa das hörte hat er sich völlig verändert Liesel verzog unwillkürlich das Gesicht und drückte eines der auf dem Sofa verstreuten Kissen an ihre Brust. Zuerst wurde er blass dann rot und fing an zu brüllen dass sogar die Nachbarin herbeigelaufen kam Ehrlich gesagt habe ich mich ein bisschen erschrocken. Sie schwieg einen Augenblick und erinnerte sich an die Szene. Die Stimme des Vaters ungewöhnlich hoch und brüchig seine zu Fäusten geballten Hände der unruhige Blick. Es schien als würde er gleich vor lauter Emotionen platzen.

Er verlangte dass ich den Namen dieses Mannes nenne und ihn in allen Einzelheiten beschreibe fuhr Liesel fort während sie mit den Fingern am Rand des Kissens zupfte. Ich habe abgelehnt gesagt dass du gebeten hast nichts zu verraten besonders ihm Es würde mich nicht wundern wenn er bald bei dir anruft und Ärger macht.

Anna drehte sich langsam um stützte sich auf das Fensterbrett und sah ihre Tochter eindringlich an. Ein interessanter Tag würde sie erwarten Das Ausmaß von Stefans Hysterie konnte sie sich leicht vorstellen Gut gemacht Töchterchen nichts zu sagen Anna setzte sich auf das Sofa neben Liesel und seufzte schwer während sie ihre Tochter umarmte. Nun ja jetzt konnte man nichts mehr tun. Die Worte waren gesagt und man konnte sie nicht zurücknehmen

Warum hast du dir das ausgedacht fragte sie leise und wiegte Liesel leicht in den Armen. Wir haben doch ruhig gelebt Jetzt müssen wir wieder seine Wutanfälle und sein Gejammer ertragen. Am liebsten hätte ich das Telefon ausgeschaltet. Liesel wand sich sanft aus der Umarmung setzte sich aufrecht hin und sah ihre Mutter ernst an. In ihren Augen leuchtete echte Überzeugung.

Weil du wunderbar bist sagte sie zuversichtlich. Du bist schön klug hast viele Freunde und bei den Männern bist du beliebt Denkst du ich sehe das nicht Und Papa redet die ganze Zeit schlecht über dich Ich habe es satt Die Frau strich ihrer Tochter liebevoll über die Haare und fuhr vorsichtig mit den Fingern durch die weichen Strähnen. In ihrem Blick lag Zärtlichkeit und leichte Ratlosigkeit. Ich habe verstanden Sonnenschein verstanden sagte sie sanft. Ehrlich gesagt dachte ich du würdest nicht wollen dass ich ernsthafte Beziehungen anfange. Schließlich sind erst ein halbes Jahr seit der Scheidung von deinem Vater vergangen.

Diese Worte fielen ihr nicht leicht. Irgendwo tief in ihrer Seele fürchtete sie dass die Tochter eine neue Romanze als Verrat oder als Versuch den Vater zu ersetzen auffassen könnte. Anna musterte Liesel aufmerksam um die kleinsten Anzeichen von Unzufriedenheit zu erkennen. Unsinn schnaubte Liesel und in ihrer Stimme lag eine so aufrichtige Entschlossenheit dass Anna unwillkürlich lächelte. Hauptsache du bist glücklich Das Mädchen verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte ihre Mutter an. In diesem Moment wirkte sie erstaunlich erwachsen klug für ihr Alter und bereit ihre Meinung zu vertreten.

Anna sah weiter ihre Tochter an und in ihrem Herzen schmolz die Angst allmählich. Liesel sprach so zuversichtlich dass die Zweifel zurückwichen. Vielleicht dachte sie wirklich zu viel an die Vergangenheit und hatte Angst vor der Zukunft Du bist klug mein Schatz sagte Anna leise und zog die Tochter wieder zu sich. Danke dass du dich so um deine Mama kümmerst. Liesel schmiegte sich an sie und kuschelte sich an ihre Seite. In diesem Moment spürten beide wie es zwischen ihnen noch wärmer und ruhiger wurde als würde ihre kleine Familie trotz allem mit jedem Tag stärker

An dem Tag als Stefan im Büro auftauchte hatte Anna starke Kopfschmerzen. Sie saß an ihrem Schreibtisch und versuchte sich auf einen Bericht zu konzentrieren. Die Zeilen verschwammen vor ihren Augen und in den Schläfen pochte ein dumpfer Schmerz der am Morgen nur leicht angedeutet hatte aber bis zum Mittag zu unerträglichen Ausmaßen angewachsen war. Die Frau massierte sich müde die Schläfen in der Hoffnung den Zustand etwas zu erleichtern. Die Bewegungen waren langsam fast mechanisch sie hatte sie schon Dutzende Male an diesem Tag ausgeführt.

Nach ein paar Minuten überlegte sie und bat eine Kollegin in die Apotheke zu gehen diese war buchstäblich zwei Minuten Fußweg vom Büro entfernt. Als sie mit Tabletten zurückkam nahm Anna sie mit Wasser aus dem Krug und versuchte wieder in die Dokumente zu schauen. Nutzlos. Der Kopf fühlte sich an als wäre er mit Blei gefüllt und jedes Geräusch Tastaturklappern das Summen der Klimaanlage ferne Gespräche im Flur hallte in ihr als scharfe Welle wider. In diesem Moment schaute der Sicherheitsmann ins Büro. Sein Gesicht war höflich aber in den Augen lag eine gewisse Wachsamkeit.

Frau Anna es ist jemand für Sie da sagte er und öffnete die Tür etwas. Ihr Exmann besteht auf einem Treffen. Gehen Sie runter oder sollen wir ihm helfen zu gehen Anna erstarrte. In ihr stieg eine Welle aus Ärger gemischt mit Müdigkeit auf. Sie atmete tief durch und versuchte äußerlich ruhig zu bleiben. Ich komme gleich runter entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten antwortete sie und erhob sich vom Schreibtisch.

Innerlich fluchte sie. Wie unpassend Der Arbeitstag war sowieso schon schwer der Kopf brummte und jetzt hatte Stefan beschlossen ohne Vorwarnung aufzutauchen. Warum rief er nicht an Warum kam er direkt ins Büro wo es viele Fremde gab Wollte er etwa eine Szene direkt im Büro machen Sie ging langsam zum Ausgang ohne zu eilen schnelle Bewegungen verstärkten nur die Kopfschmerzen. Im Flur war es lebhaft Mitarbeiter eilten ihren Aufgaben nach jemand lachte an der Kaffeemaschine jemand diskutierte ein Projekt an der Pinnwand mit Notizen. Anna ging an ihnen vorbei und spürte wie die Anspannung ihre Schultern zusammenzog.

Anna trat in die Halle und sah Stefan sofort. Er lief von einer Seite zur anderen näherte sich dem Empfangstresen und trat dann ein paar Schritte zurück. Seine Bewegungen waren ruckartig ungestüm er wedelte emotional mit den Händen bewies den Sicherheitsleuten etwas und hob ab und zu die Stimme. Auf den Gesichtern der Sicherheitskräfte lag gedämpfte Unzufriedenheit Sie versuchten höflich zu bleiben waren aber offensichtlich bereit entschlossener zu handeln wenn die Situation außer Kontrolle geriet. Was willst du fragte Anna ohne Umschweife als sie näher kam. Ihre Stimme klang ruhig obwohl in ihr der Ärger wuchs. Was soll dieses Theater hier Willst du die Polizei näher kennenlernen Das kann ich organisieren.

Stefan drehte sich ruckartig bei ihrer Stimme um. Sein Gesicht war gerötet die Augen brannten mit einem unbestimmten Feuer sei es vor Wut oder Aufregung. Er sprang zu seiner Exfrau und zeigte mit dem Finger anklagend auf sie als hätte er sie bei einem Verbrechen erwischt. Du rief er. Du Liesel hat mir alles erzählt Es ist erst ein halbes Jahr seit der Scheidung vergangen und du hast dir schon einen neuen Mann gesucht In seiner Stimme mischten sich Unglaube Kränkung und offensichtliche Eifersucht. Es schien als hätte er bis zum Schluss gehofft dass die Tochter sich irrt oder ihn nur auf den Arm nehmen will. Aber jetzt als er in Annas ruhiges Gesicht blickte verstand er dass es kein Scherz war.

Anna hob überrascht die Augenbrauen und neigte den Kopf leicht zur Seite. Ihre Haltung blieb entspannt aber in den Augen blitzte ein kalter Glanz. Und ich soll dir ewig die Treue halten fragte sie in ruhigem Ton. Sogar nach der Scheidung Du willst zu viel mein Lieber. Besonders wenn man bedenkt dass du die Treue auch in der Ehe nicht als notwendige Tugend angesehen hast. Stefan erstarrte einen Moment als wüsste er nicht wie er reagieren sollte. Seine Hand die noch in ihre Richtung ausgestreckt war sank langsam. In den Augen blitzte etwas wie Ratlosigkeit auf er hatte eine so ruhige selbstbewusste Abfuhr nicht erwartet.

Um sie herum gingen weiterhin Leute Mitarbeiter Besucher Boten Jemand warf neugierige Blicke in ihre Richtung jemand versuchte nicht hinzusehen. Aber für Stefan und Anna verengte sich die Welt für einen Moment auf diesen kleinen Raum zwischen ihnen einen Raum gefüllt mit alten Kränkungen unausgesprochenen Vorwürfen und einer neuen Realität mit der er schwer klarkam. Du du bist einfach stieß er schließlich hervor aber Anna ließ ihn nicht zu Ende sprechen. Lass uns keine Szenen machen Stefan ihre Stimme wurde etwas weicher aber nicht weniger fest. Wenn du etwas besprechen willst können wir ruhig reden. Aber nicht hier und nicht so. Szenen Ich zeige dir eine Szene

Stefan schrie fast und seine Stimme hallte durch die große Halle des Büros. Sein Gesicht war mit purpurroten Flecken bedeckt auf dem Hals traten angespannte Adern hervor und die Fäuste ballten und lösten sich unwillkürlich was die extreme nervöse Anspannung verriet. Er machte einen Schritt vor dann zurück als könnte er sich nicht entscheiden wie er seine Drohung am besten überbringen sollte. Ich werde nicht zulassen dass meine Tochter unter einem Dach mit einem unbekannten Mann lebt rief er ohne zu bemerken dass er die Aufmerksamkeit vorbeigehender Mitarbeiter auf sich zog. Ich werde dir Liesel wegnehmen Du wirst sie nie wieder sehen Du

Seine Worte klangen scharf fast hysterisch aber Anna hob nur leicht eine Augenbraue und behielt einen Ausdruck ruhiger Gleichgültigkeit auf dem Gesicht. Er würde die Tochter wegnehmen Na das würde sie sich gerne ansehen Jedes Gericht würde sich auf ihre Seite stellen Alles gesagt Du bist ja ein richtiger Künstler sagte sie in ruhigem leicht spöttischem Ton. Und präzisierte Aus dem Zirkus. Was geht hier vor

Stefan brach mitten im Satz ab und drehte sich ruckartig zur unbekannten Stimme um. In der Tür die in die Halle führte stand ich Rainer in einem eleganten dunkelblauen Anzug. Meine Haltung war lässig selbstbewusst und mein Blick ruhig und aufmerksam. Die Sicherheitsleute die zuvor versucht hatten Stefan dezent zurückzuhalten strafften sich sofort offensichtlich war ich ein Mann der in der Firma eine wichtige Rolle einnahm. Mischen Sie sich nicht ein zischte Stefan und warf mir einen gereizten Blick zu. Sein Gesicht glühte noch vor Wut und in der Stimme lag unverhohlene Abneigung. Das ist eine private Angelegenheit die geht Sie nichts an.

Ich beeilte mich nicht mit einer Antwort. Ich ging langsam vorwärts blieb etwas abseits stehen so dass ich beide Gesprächspartner sehen konnte. Ich lächelte was Stefan noch mehr aufbrachte. Eine private Angelegenheit ist es wenn Sie mit Ihrer Frau unter vier Augen sprechen sagte ich schließlich. Aber wenn Sie einen Skandal an einem öffentlichen Ort veranstalten hört es auf privat zu sein und wird öffentlich. Anna beobachtete die Szene schweigend und spürte wie die Spannung in der Luft fast greifbar wurde. Sie hatte mein Erscheinen nicht erwartet aber mein Eingreifen so unerwartet es war schien ihr angemessen zumindest brachte es Stefan aus seiner gewohnten Bahn von Drohungen und Geschrei.

Stefan machte einen Schritt auf mich zu offensichtlich wollte er scharf antworten aber ich rührte mich nicht. Mein Blick blieb ruhig fast gelassen als wäre ich es gewohnt mit viel emotionaleren Gegnern umzugehen. Wer sind Sie dass Sie mir Vorschriften machen zischte Stefan durch die Zähne versuchte die Reste seiner Fassung zu bewahren. Sie mischen sich in fremde Angelegenheiten ein Ich machte ein paar selbstbewusste Schritte vor. Ich ging zu Anna die immer noch leicht benommen dastand und nicht ganz verstand was passierte und legte sanft meinen Arm um ihre Taille. Deutlich ohne Raum für Fantasie zu lassen.

Wer ich bin sagte ich in ruhigem fast alltäglichem Ton aber in meiner Stimme lag eine solche kalte Entschlossenheit dass Stefan unwillkürlich einen Schritt zurücktrat. Ich bin derjenige der Anna glücklich macht. Du erlaubst dir auf meine Frau zu schreien und so etwas verzeihe ich nicht. Mit einem Ausflug zur Polizei kommst du da nicht davon ich werde dafür sorgen dass du mehr Probleme hast als du dir vorstellen kannst. Und wenn du es wagst die Tochter als Druckmittel zu benutzen Ich denke du hast mich verstanden oder Stefan erstarrte. Sein Gesicht das noch vor Wut glühte verlor allmählich die purpurne Farbe und wurde blass. Er wechselte den Blick von mir zu Anna als versuchte er zu begreifen dass die Situation außer seiner Kontrolle geraten war. In den Augen blitzte etwas wie Ratlosigkeit auf er hatte nicht erwartet auf einen so selbstbewussten und kühlen Gegner zu treffen.

Ein paar Minuten stand er schweigend da ballte und öffnete die Fäuste als kämpfte er mit dem Wunsch etwas Scharfes zu sagen. Aber die Worte kamen nicht entweder wegen der überwältigenden Sicherheit mit der ich sprach oder wegen der Erkenntnis dass seine gewohnten Methoden hier nicht funktionieren würden. Schließlich verzog er das Gesicht murmelte etwas Unverständliches kaum Hörbares und drehte sich ruckartig um. Sein Gang der noch vor kurzem fordernd und aggressiv war wirkte jetzt gehemmt als versuchte er mit aller Kraft die Reste seiner Würde zu bewahren. Bevor er die Halle verließ drehte er sich um und warf über die Schulter Auf Unterhalt kannst du nicht hoffen

Den brauche ich auch nicht schnaubte Anna kaum dass er hinter der Tür verschwunden war. Ihre Stimme klang leicht fast spöttisch aber darin lag echte Erleichterung. Zumindest muss Liesel nicht mehr zu ihrem Vater fahren Einen Moment später wurde Anna bewusst dass meine warme selbstbewusste Hand immer noch auf ihrer Taille lag. Diese Berührung so einfach und doch bedeutungsvoll ließ sie leicht erröten. Sie senkte unwillkürlich den Blick spürte wie leichte Röte auf ihre Wangen stieg und trat vorsichtig zurück bemüht es so natürlich wie möglich zu machen.

Mit einem leichten etwas verwirrten Lächeln wandte sie sich an mich Vielen Dank Rainer. Sie können sich gar nicht vorstellen wie sehr Sie geholfen haben Ihre Stimme klang aufrichtig ohne einen Hauch von Gekünsteltheit. In diesem Moment fühlte sie wirklich große Dankbarkeit nicht nur dafür dass ich in die unangenehme Szene eingegriffen hatte sondern auch dafür wie selbstbewusst und ruhig ich das getan hatte. Ich lächelte leicht meine Augen wurden für einen Moment wärmer. Besprechen wir das beim Mittagessen schlug ich vor und streckte die Hand in einer einladenden Geste aus.

Anna erstarrte für eine Sekunde und überdachte den Vorschlag. In ihrem Kopf blitzten die üblichen Zweifel auf ist es nicht zu früh wird es nicht leichtsinnig wirken Aber fast sofort verwarf sie diese Gedanken. Ich verhielt mich korrekt respektvoll und sie wollte wirklich mit mir reden ohne Eile und ohne Fremde. Außerdem keimte in ihr Neugier auf Wer ich wirklich war warum ich eingegriffen hatte was hinter dieser ruhigen Sicherheit steckte. Natürlich antwortete sie und legte ihre Hand in meine. Die Berührung war unerwartet angenehm fest zuverlässig aber ohne Aufdringlichkeit. Anna spürte wie die Anspannung die sie seit Stefans Erscheinen gefesselt hatte allmählich wich und Platz für leichte Aufregung und sogar Vorfreude machte.

Später an einem gemütlichen Tisch in einem kleinen Restaurant in der Nähe des Büros wurde das Gespräch freier. Das sanfte Licht der Lampen unaufdringliche Musik und der Duft von frischem Gebäck schufen eine einladende Atmosphäre. Allmählich erfuhr sie im Laufe des ungezwungenen Gesprächs dass ich schon lange zärtliche Gefühle für sie hegte. Ich erzählte das einfach ohne Pathos und schöne Phrasen eher wie etwas Natürliches das lange in mir gereift war aber keinen Ausweg gefunden hatte. Ich habe lange nicht gewagt mich zu nähern gestand ich während ich mit dem Löffel im Kaffee rührte. Du schienst mir immer so konzentriert ernst Ich verstand dass du eine schwierige Zeit nach der Scheidung durchmachst und wollte nicht drängen oder aufdringlich wirken.

Anna hörte zu ohne zu unterbrechen. In meinen Worten lag kein Hauch von Überheblichkeit oder Selbstgefälligkeit nur Aufrichtigkeit und Respekt für ihren persönlichen Raum. Und heute als ich sah wie dieser Mann dich anschreit Ich runzelte missbilligend die Stirn. Ich konnte einfach nicht danebenstehen Die Frau konnte ein sanftes Lächeln nicht unterdrücken. So war es also Sie hatte die Blicke der Vorgesetzten schon früher bemerkt aber falsch verstanden Ich war ihr sehr sympathisch aber wegen des Positionsunterschieds hätte sie selbst nie den ersten Schritt gewagt

Drei Monate nach dieser angespannten Szene im Büro wurden Anna und ich offiziell Mann und Frau. Die Hochzeit war großartig ich erfüllte buchstäblich alle Träume Annas und jedes ihrer Wünsche. Liesel freute sich aufrichtig für ihre Mama. Am Hochzeitstag half sie Anna beim Anziehen achtete darauf dass alles perfekt war von der Frisur bis zur letzten Knöpfe am Kleid. Als wir die Ringe tauschten lächelte das Mädchen und umarmte uns beide fest. Ich bin so glücklich für euch flüsterte sie und in ihren Augen leuchtete echte Freude.

Gleichzeitig warnte Liesel sofort ehrlich dass sie mich vorerst nicht Papa nennen wolle. Du gefällst mir Rainer sagte sie an einem der ersten Abende als wir zu dritt waren. Und ich bin froh dass Mama nicht allein ist. Aber Papa Wie er auch ist ich habe schon einen Papa. Ich nickte ohne einen Hauch von Kränkung Ich verstehe. Und das ist richtig Liesel. Hauptsache wir sind zusammen. Stefan bekam auch eine Einladung zur Hochzeit eher als Geste des Spottes denn ernsthaft. Anna zögerte ob sie ihm den Umschlag schicken sollte entschied sich aber schließlich dafür er sollte wissen dass ihr Leben weitergeht und zwar ohne ihn. Sie schickte die Einladung per Post ohne Begleitbrief einfach eine Karte mit Datum Uhrzeit und Adresse.

Natürlich erschien Stefan nicht auf der Hochzeit. Er dachte nicht einmal ernsthaft darüber nach zu kommen der bloße Gedanke daran rief in ihm eine Mischung aus Ärger und bitterer Kränkung hervor. Stattdessen fand er einen anderen Weg seine aufgestaute Unzufriedenheit abzulassen Er begann gemeinsame Bekannte anzurufen. Den ersten Anruf machte er bereits am Tag nach Erhalt der Einladung. Seine Stimme klang absichtlich ruhig aber in den Intonationen war deutlich Spannung zu hören. Stell dir vor sie hat mich zu ihrer Hochzeit eingeladen platzte er heraus ohne abzuwarten bis der Gesprächspartner die Begrüßung beendet hatte. Nach allem was war

Der Gesprächspartner ein alter Freund von der Universität fragte höflich was Stefan so empörend fand. Aber der winkte nur ab Wie konnte sie das nur Mich so zu demütigen In den nächsten Tagen wiederholte sich diese Szene immer wieder. Stefan wählte eine Nummer nach der anderen und jedes Gespräch begann gleich mit dieser Phrase über die Einladung ausgesprochen mit kaum unterdrückter Empörung. Er versuchte offenbar in den Worten anderer eine Bestätigung seiner Richtigkeit zu finden hoffte dass jemand sagen würde Ja das ist wirklich widerlich.

Aber die Gesprächspartner reagierten zurückhaltend. Jemand nickte mitfühlend jemand begnügte sich mit allgemeinen Phrasen wie Nun jeder hat sein eigenes Leben und jemand schwieg einfach nicht wissend was zu antworten. Und je öfter Stefan seinen Monolog wiederholte desto deutlicher wurde ihm dass seine Argumente nicht überzeugend klangen. Dann behauptete er Anna beeile sich zu sehr mit der neuen Ehe Es ist erst ein halbes Jahr her Kann man in so kurzer Zeit echte Liebe finden Das ist einfach ein Versuch der Realität zu entfliehen. Sie versucht nur mich zu vergessen verstehst du Dann wechselte er plötzlich zu etwas anderem Sie hat mir nicht einmal eine Chance gegeben alles zu korrigieren Wenn wir geredet hätten hätte ich es schaffen können Er selbst sagte nicht zu Ende was er hätte schaffen können sie zurückgewinnen etwas an sich ändern von vorne beginnen.

Manchmal nahmen seine Vorwürfe eine ganz seltsame Wendung an Ich habe so viel für sie getan und sie Hat nicht einmal Danke gesagt. Einfach so gegangen. Und die Tochter mitgenommen Diese Anschuldigungen der Undankbarkeit klangen besonders unüberzeugend. Die Gesprächspartner sahen sich an zuckten mit den Schultern und jemand bemerkte vorsichtig Und wofür sollte sie dir Danke sagen Ihr wart verheiratet das ist doch natürlich Stefan schwieg spürte wie in ihm Verärgerung aufstieg. Er verstand dass seine Worte nicht die Wirkung hatten die er erhofft hatte. Niemand teilte seine Empörung niemand nannte Anna unordentlich oder leichtsinnig. Im Gegenteil alle schienen zu denken dass sie das Recht hatte weiterzuleben und das machte ihn noch wütender.

Am Ende müde von den fruchtlosen Gesprächen hörte Stefan auf anzurufen. Er saß in seiner Wohnung sah auf die verbliebenen Kleinigkeiten von Anna eine vergessene Spange auf dem Regal ein altes Fotoalbum im Schrank ein paar zu klein gewordene Kleider und verstand wie man es auch dreht das Leben geht weiter. Nur ihm war es bisher nicht gelungen in diesem neuen Leben seinen Platz zu finden. In unserer kleinen Familie ging das Leben weiter ruhig gemäßigt erfüllt von kleinen Freuden gemeinsamen Abendessen Wochenendspaziergängen lustigen Streitigkeiten darüber welchen Film wir abends sehen sollten

Aus dieser Geschichte habe ich die persönliche Lektion gelernt dass man die Vergangenheit loslassen muss um die Zukunft zu umarmen und dass wahre Liebe und ein unterstützendes Familienleben die Kraft haben alle Hindernisse zu überwinden. Man sollte immer für das Glück der Menschen eintreten die einem am Herzen liegen.

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Homy
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