Der Regen prasselte so heftig nieder, dass das ganze Haus plötzlich kalt und abweisend wirkte.

Der Regen prasselt so heftig gegen das Haus, dass alles draußen bedrohlich und kalt wirkt.

Vor der verregneten Terrassentür steht ein kleiner Junge im Spider-Man-Kostüm, durchweicht, zitternd, und so verzweifelt am Weinen, dass er kaum noch Luft bekommt. Seine winzigen Hände trommeln hilflos gegen das nasse Glas.

Papa!

Drinnen leuchten warme Lampen.

Draußen steht er ganz allein.

Dann rennt plötzlich ein Mann durch den strömenden Regen heran.

Schwarze Lederjacke.

Die Jeans, durchweicht bis auf die Haut.

Den Motorradhelm trägt er in einer Hand.

Sein Gesicht ist von Panik und Wut gezeichnet.

Als er den kleinen Jungen sieht, zerbricht plötzlich etwas in ihm.

Er fällt auf ein Knie in die Pfütze, wirft im Regen die Jacke von sich und wickelt den Jungen mit beiden Armen fest ein.

Der Kleine sinkt in sich zusammen, klammert sich zitternd an ihn.

Der Mann hält ihn fest, sieht das rote, am Körper klebende Kostüm, die blauen Lippen, die zitternden Hände

und erst dann blickt er zum Haus.

Jetzt verändert sich sein Gesicht.

Keine Angst.

Keine Verwirrung.

Nur blanke Wut.

Die Wut, die kommt, wenn jemand, den man liebt, absichtlich verletzt wurde.

Er steht auf.

Den Jungen fest an sich gedrückt.

Das Regenwasser läuft ihm übers Gesicht, als stünde er unter einem Wasserfall.

Er setzt den Jungen direkt unter das Vordach der Terrasse, macht einen Schritt zurück und rammt mit voller Wucht seine Stiefel gegen die Glastür.

Das Glas splittert, bricht und sprüht in tausend Scherben ins Haus.

Das Geräusch durchschneidet alles.

Wasser spritzt über die Fliesen.

Überall Glassplitter.

Er stürmt hinein wie jemand, der den Punkt überschritten hat, an dem es noch ein Zurück gibt.

Hoch über die Holztreppe.

Stufe für Stufe.

Schwer. Schnell. Unaufhaltsam.

Oben: eine geschlossene Schlafzimmertür.

Er klopft nicht.

Er tritt sie so heftig auf, dass sie gegen die Wand kracht.

Dahinter richten sich, im schwachen Licht, eine Frau und ein anderer Mann erschrocken im Bett auf.

Die Frau japst, hält sich das Laken vor die Brust.

Im Türrahmen steht der Mann, das Regenwasser tropft von ihm auf den Parkettboden, sein Atem geht heftig, seine Augen lodern.

Dann spricht er den Satz, der alles erstarren lässt:

Ihr habt ihn ausgesperrt.

Die Frau starrt ihn entsetzt an.

Doch bevor sie Antworten kann, ertönt die brüchige Stimme des Jungen von unten:

Papa Mama hat gesagt, ich bin böse.

Diese Worte schneiden schärfer als das zerbrochene Glas auf dem Boden.

Der Mann im Betthinter dem Laken halb verstecktsieht sofort zur Frau.

Nicht verwundert.

Sondern schuldig.

Der Vater sieht es.

Jeden einzelnen Moment.

Das Zögern.

Die Angst.

Das Wissen darum, dass es hier keinen Irrtum mehr gibt.

Regentropfen rollen von den Fäusten des Vaters auf das Parkett.

Sein Atem bebt.

Nicht aus Angst, was er tun könnte.

Sondern, weil er sich zusammenreißt, es nicht zu tun.

Die Frau findet endlich ihre Stimme.

So war das nicht

Halt.

Nur dieses eine Wort.

Leise.

Eiskalt.

Das erschreckt sie mehr als jedes Schreien.

Draußen poltert der Donner gegen die Fenster.

Der Junge hustet kraftlos.

Der Vater schließt für einen Moment die Augen.

Dieser Klang verändert alles.

Er dreht sich sofort um und rennt wieder nach unten.

Draußen kauert der kleine Junge unter dem Terrassendach, gewickelt in die Lederjacke. Die Spider-Man-Maske halb vom Gesicht gerutscht.

Die kleinen Schuhe blinken noch schwach rot die Lichter kämpfen gegen das Regenwasser.

Der Vater kniet sich sofort neben ihn.

Hey. Kleiner, schau mal zu mir.

Die Lippen des Jungen zittern, bläulich vor Kälte.

Mama hat gesagt, Helden weinen nicht, flüstert er.

Da bricht im Vater endgültig etwas zusammen.

Er nimmt den Jungen ganz vorsichtig in den Arm.

Du hast nichts falsch gemacht.

Der Junge versteckt sofort sein Gesicht an Papas Brust.

Ich hatte Angst.

Ich weiß.

Ich hab so lange geklopft

Der Vater presst die Augen zu.

Von oben nähern sich Schritte, zögernd.

Die Frau steht nun oben auf der Treppe, einen Seidenmorgenmantel übergeworfen, die Wimperntusche zerlaufen, Angst in den Augen.

Du machst es schlimmer als es war!

Der Vater blickt langsam zu ihr auf.

Und zum ersten Mal

merkt sie, dass sie den Mann vor sich überhaupt nicht mehr kennt.

Du hast ein sechsjähriges Kind im Unwetter ausgesperrt.

Er wollte nicht aufhören zu weinen!

Der Satz hallt wie ein Schock durch das Haus.

Sogar der Mann hinter ihr ist entsetzt, dass sie das wirklich sagt.

Der Vater steht langsam auf, den Jungen noch immer im Arm.

Das Wasser läuft in Strömen von seiner Kleidung auf den Marmorboden.

Er ist sechs.

Die Frau umklammert sich selbst jetzt fest.

Er braucht Erziehung.

Der Junge schluchzt leise gegen seine Schulter.

Dann

ganz still

klingt die Stimme, die das Letzte zwischen den Eltern zerstört.

Mama hat gesagt, du kommst sowieso nicht wieder, weil du dein Motorrad mehr liebst als uns.

Stille.

Der Vater sieht die Frau an.

Denn nur eine konnte dem Jungen das sagen.

Der Kleine hebt mit tränennassen Augen den Kopf.

Sie meinte, wenn ich lange genug draußen bleibe, gehst du vielleicht für immer.

Der Mann im Schlafzimmer macht einen vorsichtigen Schritt zurück.

Im Gesicht des Vaters bleibt nur noch Fassungslosigkeit zurück.

Keine Wut.

Schlimmer.

Trauer.

Er sieht auf das kleine Spider-Man-Kostüm, das nass am Körper des Jungen klebt.

Auf die zitternden Hände.

Auf die durchnässte Maske.

Heute war Halloween gewesen.

Da fällt es ihm wieder ein.

Das Versprechen.

Ich bin vor Einbruch der Dunkelheit da, Kleiner. Warte mit dem Süßigkeitensammeln auf mich.

Aber das Motorrad hatte zwischen München und Augsburg eine Panne, irgendwo auf der B17, mitten im Regen.

Das Handy ging aus.

Und sein Sohn

hatte draußen gewartet, als Superheld verkleidet, weil er fest daran glaubte, dass Papa kommt.

Das erste Mal steigen dem Vater Tränen in die Augen.

Keine dramatischen Tränen.

Nur ein Erkenntnis nach der anderen, alle schwer zu ertragen.

Der kleine Junge tastet vorsichtig nach Papas Gesicht.

Papa?

Der Vater hält ihn nur noch fester.

Ich bin hier.

Die Stimme der Mutter schnellt brüchig von oben:

Du kannst ihn nicht einfach mitnehmen!

Der Vater sieht langsam zu ihr hinauf.

Und dann

spricht der Junge zum ersten Mal selbst:

Ganz leise.

Zittrig vor Kälte.

Ich möchte nicht mehr bei Mama bleiben.

Das ganze Haus wird still.

Die Frau wird kreidebleich.

Der Vater schluckt schwer.

Da zieht der Junge mit letzter Kraft ein verregnetes, verknittertes Stück Papier aus der Tasche seines durchnässten Spider-Man-Kostüms.

Strichmännchen-Zeichnung.

Ein kleiner Junge.

Ein Motorrad.

Ein Mann mit riesigem Lächeln.

Und darüber, in krakeliger Kinderschrift:

MEIN HELD KOMMT IMMER WIEDER.

Der Vater sieht das

und ist endgültig gebrochen.

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Homy
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Der Regen prasselte so heftig nieder, dass das ganze Haus plötzlich kalt und abweisend wirkte.
Die gesamte Essenz im Handeln