Kein Entkommen – Wenn alle Wege versperrt sind

Wohin nur fliehen

Hildegard, erkennst du mich wirklich nicht? Ich bins, Sebastian… dein einziger Neffe.

Sebastian?!

Ein paar Sekunden lang atmete die Tante schwer.

Mein Gott, ich hab schon gedacht, du bist längst gestorben oder sitzt im Gefängnis. Kein Anruf, kein Brief, nichts…

*****

Warum ausgerechnet jetzt?, fluchte Sebastian vor seinem Laptop, während aus der Nachbarwohnung der Bohrhammer brüllte. Eigentlich wollte er den Lärm gar nicht hören, aber da half weder Handflächen auf die Ohren drücken noch Kopfhörer und sogar das Kopfkissen über dem Kopf brachte gar nichts.

Zwecklos.

Jeder neue Schlag vom Bohrhammer war so schrill und metallisch, dass es sich eher nach Baustelle als nach Wohnblock anfühlte.
Wann hört das endlich auf? Wie viel hält ein Mensch aus?

Am liebsten wäre Sebastian vom Schreibtisch aufgesprungen, hätte die Wohnung verlassen, mit einem Kick die Stahltür des Nachbarn eingetreten und dem Nachbarn das verhasste Gerät aus der Hand gerissen.

Aber dazu reichte es nur in seinen Tagträumen oder vielleicht…

…auf den Seiten seines neuen Romans.

Im echten Leben hätte Nachbar Wolfgang ihn bestimmt glatt mit dem Bohrhammer vertrieben.

Schließlich war Wolfgang früher Fallschirmjäger. Riesig gebaut und mit Blicken, bei denen einem glatt die Haut kribbelt…
Also blieb Sebastian am Ende nichts anderes als sich zu fügen.

Eigentlich hätte er sich mit der Situation abgefunden wenn da nicht die neueste Entwicklung gewesen wäre…

Ein Chef eines bekannten Berliner Verlags hatte wohl Sebastians letzten Roman über einen rätselhaften Mordfall im fiktiven Klein-Stadt gelesen und meldete sich bei Sebastian mit einem echten Top-Angebot.

Sie bekommen echt gutes Geld von uns, wenn Sie in drei Monaten liefern können.

Bin dabei! rief Sebastian direkt begeistert.

Wunderbar. Aber wie gesagt, Sie haben genau drei Monate da machen wir keine Ausnahme!

Typisch Sebastian: Erst zustimmen, dann nachdenken.
Er hatte überhaupt noch keine Idee für einen neuen Fall, geschweige denn Charaktere oder einen Plot.

Sicher, einen spannenden Kriminalfall zu erfinden, klingt einfach aber spannend, logisch und überraschend sollte er eben auch sein. Das würde dauern. Und am wichtigsten: Für das perfekte Verbrechen braucht es Zeit und viele Varianten…

Letztes Mal hatte er dafür fast ein halbes Jahr gebraucht und jetzt nur drei Monate.

Klarer hätte das Timing kaum schlechter sein können: Kaum war der Vertrag mit dem Verlag da, startete Wolfgang mit dem Renovieren und der Bohrhammer drehte täglich durch.

Sebastian fragte bei Wolfgang, als sie sich auf dem Balkon trafen:

Sag mal, wie lange willst du denn noch renovieren, Wolfgang?

Ach, bestimmt drei Monate. Warum, stört dich das etwa?

Nein, nein, hab nur so gefragt und Sebastian machte sich ganz schnell aus dem Staub.

Ein Hotel? Unbezahlbar. Wohnung mieten? Auch teuer und was, wenn die neuen Nachbarn renovieren oder einen Monat lang den neuen Nachwuchs feiern oder das Klavier neu entdecken?

Zu riskant, entschied Sebastian.

Plötzlich krachte im Nebenzimmer etwas zu Boden er fuhr erschrocken zusammen, vergaß, er saß auf dem Bett, direkt unter dem Bücherregal mit seinen eigenen Romanen.

Kopfschmerzen inklusive und da fiel ihm seine Tante wieder ein: Hildegard.

Das letzte Mal hatte er sie auf der Beerdigung seiner Mutter gesehen also, vor sieben Jahren. Aber ihre Nummer wusste er immer noch auswendig. Warum, wusste er selbst nicht. Nach dem Kopfstoß tauchte sie jedenfalls wieder auf, also nutzte er die Gelegenheit.

Hallo? kam Hildegards Stimme. Zum Glück war sie noch am Leben!

Hallo, Tante Hildegard. Ich bins, Sebastian.

Sebastian Sebastian Bist du der Installateur? Aber ich dachte, ich habe das letzte Mal alles bezahlt Oder hab ich was vergessen?

Nein, Tante, ich bins, Sebastian, dein einziger Neffe.

Sebastian?!

Ein paar Sekunden lang ringte die Tante mit Luft.

Mein Gott, ich hab schon gedacht, du bist entweder gestorben oder im Gefängnis gelandet. Nie rufst du an, nie irgendwas…

Nein, nein, bin am Leben, ehrlich! Hab einfach zu viel zu tun, deshalb melde ich mich selten das erklärte Sebastian hastig.

Sieben Jahre nur gearbeitet? Keine Minute frei? Bist du irgendwo versklavt?

Ach was. Weißt du, ich bin inzwischen Schriftsteller. Ich schreibe Krimis weil sie beliebt sind.

Schriftsteller? Wozu hast du dann Physik studiert? Deine Mutter und ich haben eine Menge Geld für dein Studium ausgegeben. Alles umsonst?

Tja, war einfach nicht meins… Aber eigentlich wollte ich dich was fragen…

Ach so, du rufst also nicht einfach so an. Was brauchst du?

Ja… naja, ich wollte fragen, ob ich vielleicht für eine Weile auf deinem Schrebergarten wohnen darf.

Was? Du willst meinen Schrebergarten für dich? Na du hast Wünsche, mein Lieber… Hast du einen Dachschaden?

Woher weißt du das? Sebastian lachte, trotzdem den Kopf reibend. Nein, Quatsch. Ich will bloß für ein paar Monate Ruhe auf deinem Garten.

Also, grade versuche ich den Garten zu verkaufen naja, nicht ich, aber der Makler.

Kannst du den Verkauf bitte drei Monate aufschieben? fragte Sebastian hoffnungsvoll.

Kann schon sein.

Wirklich?!

Aber nur, wenn du dort für Ordnung sorgst. Potenzielle Käufer sollen ja nicht über meterhohe Brennnesseln staunen!

Kein Problem! Schick mir einfach die Kontaktdaten vom Makler …

Gedanklich war er zwar panisch denn wann sollte er sich zwischen Schreiben und Unkrautbekämpfen noch kümmern?

Aber Sebastian hoffte, dass er in der totalen Ruhe schneller schreiben würde und dann am Ende mehr Zeit für Aufräumen bliebe.

*****

Der Plan stand. Es war Spätsommer, die meisten Kleingärtner waren schon in die Stadt zurück.

Sebastian war sicher, dass er hier komplett allein war. Und das Wetter war noch mild primitive Ausstattung des Gartenhäuschens stört da nicht.

Sebastian schlängelte sich durchs Gestrüpp zur Laube, als er plötzlich eine Stimme hörte:

Halt! Wer da?!

Sebastian blieb wie angewurzelt stehen.

Antworte, Mensch! Wer bist du? Die Stimme aus dem Nichts wurde fordernder.

Ich heiße Sebastian.

Was machst du hier?

Zu Besuch.

Bei wem? Hier wohnt seit sieben Jahren niemand mehr. Du bist doch sicher ein Dieb!

Das ist der Garten meiner Tante Hildegard. Sie hat mir erlaubt, drei Monate zu bleiben. Wirklich.

Na dann, komm mal zum Zaun.

Welcher Zaun? fragte Sebastian verwirrt.

Na, geh nach links.

Am Zaun stand ein alter Mann mit Hund einem riesigen Hund, der Sebastian so anstarrte, als würde er ihn am liebsten fressen.

Sebastian hatte panische Angst vor Hunden.

Der Mann stellte sich als Hermann vor.

Nachdem er sicher war, dass Sebastian wirklich Hildegards Neffe war, eröffnete Hermann, dass er eh seit sieben Jahren hier lebt, seiner Tochter die Stadtwohnung überlassen hatte, und der Hund, Treuer, sich irgendwann zu ihm gesellt hatte. Jetzt lebten sie eben zusammen.

Und, dass er auf die verlassenen Gärten aufpasse, damit hier niemand Microwellen, Kühlschränke oder TVs klaut. Es bringt zwar nur ein Taschengeld, aber besser als nichts. Übrigens du willst also drei Monate schreiben? Na dann wirst du hier wirklich absolute Ruhe haben wir sind ganz allein!

*****

Sebastian schleppte Nahrung, Laptop und Mikrowelle in die Laube (einen Kühlschrank gab es zum Glück einen Fernseher brauchte er eh nicht). Beim Anblick des verwilderten Gartens entschied er spontan, zuerst mal gründlich aufzuräumen.

Ich muss hier ja drei Monate leben und peinlich, wenn Hermann so sauber ist

Vier Tage lang kämpfte Sebastian gegen das Unkraut, dann war der Garten picobello. Den Grünschnitt deponierte er auf dem Komposthaufen man weiß ja nie, vielleicht macht mal jemand Kompost!

All die Zeit über beobachtete Treuer gespannt jede Bewegung von Sebastian ohne ein Wort. Dieses Schweigen wirkte richtig unheimlich, so als würde der Hund jeden Moment über den Zaun springen.

Gut, dass zwischen den Gärten ein hoher Drahtzaun war der war Sebastians Beruhigungsmittel schlechthin, besser als jede Baldriantinktur.

So, jetzt wird geschrieben! freute sich Sebastian, öffnete den Laptop und genoss die Stille. Keine Autos, keine Hähne, keine Handwerker, nirgendwo.

Doch das Glück währte nur kurz.

Kaum hatte Sebastian den Text geöffnet, brüllte Treuer auf dem Nachbargrundstück los.

Was hat der denn? fragte sich Sebastian. Vier Tage lang war Treuer mucksmäuschenstill. Jetzt bellte er so, dass man nicht wusste, was schlimmer war: Bohrmaschine oder Hund!

Das Seltsame: Kaum betrat Sebastian den Garten, war Ruhe sobald er das Haus betrat, ging das Bellen wieder los.
Was ist das bitte für ein Fluch?

Leon fragte Hermann um Rat. Der zuckte nur die Schultern: Er habe auch keine Ahnung, warum. Als Kompromiss legte Hermann Treuer für eine Stunde an die Kette. Aber das machte alles nur schlimmer Treuer bellte noch wilder.

Tagelang versuchte Sebastian zu schreiben aber es ging nicht. Im Kopf war nur Hundelärm. Keine Ideen, keine Sätze, nur Bellen, Tag und Nacht.

Am liebsten wäre er zu Treuer gegangen und hätte ihm einen Satz heiße Ohren verpasst!
Aber selbst dafür fehlt ihm der Mut diese Hundegrauen hatte er schon als Kind.

Was nun?, saß Sebastian grübelnd auf der Veranda. Eigentlich müsste ich hier weg. Aber wohin? Und: Die Woche ist schon rum.

Am schlimmsten war: Vor lauter Stress blockierte der Kopf komplett.

Sebastian starrte Tag um Tag auf den leeren Bildschirm. Manchmal zuckten seine Finger über die Tastatur, aber immer wieder sackten die Hände herunter, als würde sie ein unsichtbares Gewicht drücken.

Die Tage verflogen, statt zu schreiben durchstreifte Sebastian den Garten und räumte den Kühlschrank leer.

Hermann, erklär mir mal, warum dein Hund immer losbellt, sobald ich im Haus bin?

Das kann dir keiner sagen, Sebastian. Aber ich glaube, der mag dich einfach!

Joa… ich ihn eher weniger.

Das kommt noch. Ohne Hunde kann man nicht leben. Weißt du, wie viele Leute das behaupten und am Ende unzertrennlich mit ihren Hunden werden?

Naja, aber irgendjemand muss Treuer ja verlassen haben, sonst wäre er nie zu dir gekommen.

Tja, Sebastian, diese Leute sind keine Menschen… keine echten zumindest…

*****

Am selben Tag, spät abends, hielt plötzlich ein Rettungswagen beim Nachbargrundstück, und Hermann wurde auf einer Trage rausgebracht. Sebastian sah alles durchs Toilettenfenster.

Sogar Hermanns Worte hörte er:

Wer passt denn jetzt auf die Gärten auf? Wer füttert denn Treuer? Der ist doch ganz allein…

Keine Sorge, es wird alles gut, beruhigte ihn der junge Sanitäter. Sie kommen wieder ganz auf die Beine, dann können Sie weitermachen. Aber jetzt müssen Sie erstmal mit! Ein Herzinfarkt ist kein Spaß mehr.

Die ganze Nacht lag Sebastian wach, hörte, wie Treuer zum Mond jaulte. Schlief erst morgens ein, wachte aber erst abends wieder auf.
In den folgenden Nächten ging es so weiter: Treuer heulte, als würde sein Herz brechen. Schließlich tauchte nach einigen Tagen der Dorfpolizist auf.

Der betrat den Garten, verbrachte eine Stunde im Haus, dann kam er raus und verplombte die Tür.

Entschuldigung, was ist passiert? fragte Sebastian vorsichtig.

Wer sind Sie überhaupt?

Ich wohne nur für eine Weile hier.

Sebastian erzählte dem Polizisten die ganze Geschichte, zeigte den Pass, nannte Hildegards Nummer. Da erklärte der Polizist nüchtern:

Ihr Nachbar ist gestorben. Herzinfarkt.

Ach Mann… Was ist jetzt mit seinem Hund? Der ganz allein hier…

Keine Ahnung. Sie können ihn behalten. Oder eben laufen lassen der schafft schon allein.

Einfach laufen lassen, ja…, Sebastian starrte vorwurfsvoll zu Treuer rüber. Seit Tagen saß er auf der Kette.

Hunger? fragte Sebastian und merkte gleich, wie dämlich das klang. Natürlich: Der Hund hatte seit Tagen nichts gefressen.

Sebastian brachte einen Batzen Fleischwurst, schmiss das Ding aber daneben.

Sebastian war in der Schule nie beim Basketball dabei immer daneben. Das gleiche mit dem Wurststück; es landete einen halben Meter zu früh, Treuer konnte es an der schweren Kette nicht erreichen.

Noch zwei Versuche genauso schlecht.

Fluchend schlich sich Sebastian auf das Nachbargrundstück, auf schwankenden Knien, betete nur, nicht ohnmächtig umzufallen.

Treuer sah ihn hungrig an, schleckte sich dauernd die Lefzen. Sebastian brachte ihm das Futter direkt zum Napf.

Danach fegte Treuer alles restlos weg.

Sebastian wagte einen Schritt, den er später noch bereuen sollte: Er löste Treuer von der Kette und bevor er überhaupt reagieren konnte, sprang der Hund ihn um, riss ihn um und… fing an, ihm das Gesicht abzulecken.

Aaaaaaah! schrie Sebastian.

Umsonst: Es war ja sowieso niemand mehr in der Kolonie, der ihn hätte hören können.

Der Polizist hatte gesagt, er könne den Hund freilassen, damit der nicht verhungert. Aber Treuer wollte nicht fort von Sebastian im Gegenteil, er folgte ihm auf Schritt und Tritt.

Sag mal, was hast du vor? Du glaubst doch wohl nicht, dass ich dich hier behalte, oder?

Wuff!

Denk ja nicht! Erstens, der Garten gehört meiner Tante und die hat mir verboten, Besuch zu bekommen. Zweitens, ich wohne hier nur vorübergehend. Und drittens: Ich verdiene grad nichts, weil ich das Buch nie fertig schreiben werde alles nur wegen dir!

Wuff!

Ja, genau du bist schuld! Tagelang gebellt, jede Nacht geheult so kriegt man gar nichts fertig! schimpfte Sebastian.

Zwecklos.

Denn Treuer stellte keine Fragen: Du bist jetzt mein Herrchen und ich lebe bei dir.

Sebastian gab sich geschlagen.

Zu seinem Erstaunen bellte Treuer kein einziges Mal mehr und störte nicht beim Schreiben. Grund zur Freude? Eigentlich ja aber jetzt, in der Stille, brachte Sebastian trotzdem nichts zustande.

Er war so entwöhnt von Ruhe, dass ihm in der Stille jegliche Idee abhandenkam.

Fast hätte er bereut, seine Wohnung verlassen zu haben. Über Wolfgang den Ex-Fallschirmjäger und den unheimlichen Bohrhammer hätte er aus dem Stegreif einen Krimi schreiben können.

Stattdessen schleppte er die Hundehütte von Hermanns Grundstück herüber.

Mit ordentlicher Gittertür aus Armierungseisen. Beim Fressen setzte er Treuer rein.

Weil: Treuer klaute das Essen! Sebastian deckte draußen auf das Wetter war traumhaft , holte den Teekessel, kam zurück alles leergefressen.

Mann, sag mal, was soll das! brummte Sebastian.

Und Treuer schaute ihn unschuldig an, schleckte sich die Lippen. Also: Hütte her, Hund zum Fressen einsperren!

Halben Tag schleppte er das Ding sauschwer. Aber Hermanns Schuppen mit dem Handwagen war ja verschlossen.

Geholfen hat das wenig: Während Sebastian den Tisch deckte, den Hund einsperrte, sich wirklich sicher war kam er zurück, war alles aufgefressen.
Und Treuer saß harmlos in der Hütte, tat, als wüsste er von nichts.

Tags drauf beobachtete Sebastian extra das Fenster. Was er sah: Ein grauer Straßenkater, offenbar stadtbekannt, schlich sich ran, öffnete blitzschnell die Klinke an der Hütte und beide, Hund und Kater, machten sich übers Essen her. Danach schlich der Kater zurück, schloss die Tür wieder hinter sich.

Ich glaub, ich spinne…!, dachte Sebastian. Gibts so was wirklich?

Von da an schloss er Treuer nie wieder ein und ließ den Kater Astrid (wegen seiner Sturheit) auch mitessen. Sie waren zu dritt: Sebastian, Treuer und Astrid.

Der Kater bedankte sich auf seine Art in einer Nacht erlegte er sämtliche Mäuse im Häuschen und legte sie ordentlich vor Sebastians Bett. Die Flüche, die daraufhin am Sonntagmorgen durch die Kolonie schallten, hörte man sicher bis ins 15 km entfernte Städtchen.

Fazit… seufzte Sebastian in seinen Tee zwei Wochen hab ich hier jetzt verbracht, keine einzige fertige Seite. Keine Idee, keine Figuren. Aber Hund und Katze, die… ernährt werden wollen. Aber womit? fragte er sich selbst, als er in den leeren Kühlschrank schaute.

Er musste wohl einkaufen fahren alleine? Keine Chance.

Schon beim Türöffnen hatten sich Hund und Katze ins Auto gedrängelt.
Also mussten sie mit.

Hin und zurück, dazu Pausen fürs Gassi und Vögeljagen aus der geplanten Stunde wurden drei.

Mit Treuer und Astrid etwas zu planen, war eh vergeblich die machten das schon, wie sie wollten

Sebastian wollte nur noch weg hier… Aber wohin denn?

*****

Nach dem Abendessen fasste Sebastian schweren Herzens den Entschluss, am nächsten Tag den Verlagsleiter anzurufen Vertrag absagen, dann Sachen packen. Es hatte keinen Sinn.

Aber es sollte wieder anders kommen…

Denn in dieser Nacht hörte er plötzlich einen Motor in der Nähe. Kein normaler Pkw. Er rief sogar kurz den Dorfpolizisten an.

Der sagte nur knapp, er komme gleich vorbei.

Sebastian hörte, wie ein Transporter aufs Nachbargrundstück rollte. Selbst war er gerade in der Toilette und sah alles durch den Fensterspalt: Zwei Männer verschafften sich Zugang zu Hermanns Laube. Sie schleppten alles raus, was Wert hatte.

Na super eindeutig Diebe. Aber was tun?

Bis der Polizist kam, waren die längst wieder weg; Hermanns Laube lag am Ende der Kolonie, da bemerkt einen keiner.

Jetzt hieß es handeln.

Sebastian schlich sich vorsichtig zum Grundstück, spähte in den Kombi: Mikrowellen, Kühlschränke, TVs und sogar eine Spielekonsole!

Er näherte sich der Laube da kamen die beiden aus dem Haus.

Irgendwie kamen sie ihm verdammt bekannt vor, er konnte nur nicht sagen woher.

Mann, wir haben ganz gut Beute gemacht heute, sagte einer und hielt einen Fernseher.

Ja, und Opa Hermanns Medaillen können wir auch verticken.

Da entdeckten sie Sebastian.

Wer bist du?

Polizei! log Sebastian. Ihr seid festgenommen! Hände hoch, umdrehen! Kein Widerstand!

Gehört im Tatort, also kopiert.

Mist… Der Typ mit dem Fernseher wurde kreidebleich.

Der andere aber lachte.

Ach was, das ist kein Polizist, das ist doch der Typ, von dem der Opa irgendwas von Buch schreiben erzählte!

Stimmt! grinste sein Kumpel.

Kämpfen konnte Sebastian nicht, also rechnete er schon mit dem Schlimmsten.

Gerade näherten sich die beiden bedrohlich da schossen plötzlich zwei Schatten aus der Dunkelheit. Astrid sprang dem einen aufs Gesicht und massierte mit den Pfoten, Treuer hatte den anderen am Boden und knurrte, dass ihm der Sabber ins Gesicht tropfte.

Aaaah! heulte der am Boden.

Schrei nur, hier hört dich keiner, dachte Sebastian zufrieden.

Auch der zweite schenkte sich den Widerstand schnell.

Mit zitternden Händen schaffte Sebastian es, wenigstens einen mit der Hundekette zu fesseln.

Da kam der Polizist und grinste breit, als er die Hundekette gegen Handschellen austauschte.

Prima gemacht, Sebastian! lachte der Polizist. Hatte schon lange versucht, die zu kriegen! Und du hältst sie im Alleingang auf.

Ich war ja nicht allein, zeigte Sebastian auf Treuer und Astrid. Ohne die beiden hätte ich nichts ausrichten können.

So Freunde braucht man! Pass gut auf sie auf…

Wohin soll’s besser werden?, dachte Sebastian.

Sagen Sie mal, diese Typen, ich hab sie doch schon mal gesehen aber woher eigentlich?

Das waren die Sanitäter… Hatten wohl vor, sich Extra-Geld zu verschaffen. Aber dir haben sie ihre Beute gelassen!

Der Polizist fuhr mit den beiden davon, Sebastian eilte ins Haus. Plötzlich hatte er die perfekte Idee für den Roman!

*****

Zweieinhalb Monate später lieferte Sebastian sein Manuskript beim Verlag ab der Verlagsleiter verschlang es in einer Nacht.

Du bist der Beste, Sebastian! Das ist ein Bestseller! Das Geld gibts nach Veröffentlichung plus Umsatzbeteiligung!

Kurze Zeit später verkaufte Sebastian seine Stadtwohnung, kaufte seiner Tante Hildegard das Grundstück ab und gleich noch Hermanns Garten dazu. Vereinte alles zu einem.

Mit dem Erlös plus Honorar baute er ein richtiges Haus: eigenes Bad, Heizung alles da.

Und so begann für Sebastian ein erfülltes, stilles Leben, mit Treuer und Astrid an seiner Seite.

Tagsüber schrieb er an neuen Fällen, abends drehten sie zu dritt ihre Kontrollrunden. Jeden Tag dankte Sebastian dem Schicksal. Und sogar Wolfgang mit dem Bohrhammer denn ohne Renovierungsstress hätte sein ganzes Glück nie begonnen…

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Homy
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