Die unscheinbare Gabi

Die unscheinbare Johanna

Mein Gott, ist das etwa ein Mann? Ein einziges Missverständnis! Sieht Johanna nicht selbst, wen sie heiraten will? Klein, schmächtig, ein Gesicht wie die Sünde furchtbar!

Nun übertreib mal nicht! Groß ist er wirklich nicht. Aber das Äußere zählt doch nicht so sehr. Und Johanna na ja, eine Schönheit ist sie ja auch nicht gerade.

Das stimmt schon. Aber stell dir deren Kinder vor. Furchtbar!

Die jungen Mütter, die sich vor dem Mehrfamilienhaus auf der Bank langweilten, rückten wie auf Kommando die Decken über ihren schlafenden Babys zurecht und beobachteten Johanna, während sie sich über deren zukünftigen Nachwuchs das Maul zerrissen. An deren eigenen Kindern konnte sich ohnehin niemand messen.

Johanna selbst war gerade dabei, die Einkaufstüten für ihre Mutter aus Torsten, ihrem Verlobten, aus dem Auto zu laden. Mit einem Lächeln nickte sie den Nachbarinnen zu und warf sich dann in die Arbeit:

Torsten, mein Schatz, ist das nicht zu viel für dich? Gib mir zumindest eine Tüte! versuchte sie, ihm zu helfen, aber er ließ sie nicht.

Johännchen, halt du lieber die Tür auf! Schweres tragen ist nichts für Frauen. Das geht nicht!

Die Nachbarinnen warfen sich gegenseitig einen Blick zu.

Sieh dir den mal an! Schweres ist keine Frauensache, hör mal! Typisch. Vor der Hochzeit sind sie alle so aufmerksam! Lass Johanna erstmal heiraten, dann werden wir ja sehen, wie ihr Traummann ist!

Johanna und Torsten verschwanden längst im Hausflur, während die Nachbarinnen weiter über Größe, Gesicht, Auto und Gang der beiden schwatzten. Nicht zum ersten Mal schaden tut das ja keinem, außer vielleicht dem guten Ruf.

Aber Johanna kümmerte der Klatsch wenig. Sie sehnte sich nach ihrer Mutter, die sie seit zwei Wochen nicht mehr gesehen hatte. Erst die Geschäftsreise, dann der Wohnungsumbau, den sie vor der Hochzeit mit Torsten noch fertig bekommen wollten. Ihre Mutter hatte sie angehalten, sich zu schonen, keine unnötigen Wege zu machen Kühlschrank voll, Telefon funktioniert, bis zur Hochzeit sei es ohnehin kaum noch Zeit. Aber wie soll man da alles schaffen?

Am Ende aber hielt Johanna es doch nicht aus. So lange und so fern von ihrer Mutter war sie noch nie gewesen. Sie wusste noch nicht, wie man mit der Sehnsucht zurechtkommt.

Johanna war das einzige Kind ihrer Mutter Martha, die sie mit 35 bekam. Martha war eine ganz gewöhnliche, unattraktive Verkäuferin in einem kleinen Hamburger Supermarkt und hatte von Freunden und Familie längst den Stempel der alten Jungfer. Kinder? Daraus wurde wohl nichts mehr.

Aber Martha überraschte alle. Sie fuhr ans Meer in den Urlaub und kam nicht irgendeinem, sondern mit einem echten Traummann zurück: groß, breitschultrig, mit blauen Augen. Gegen ihn wirkte Martha wie ein graues Mäuschen neben einem riesigen prächtigen Kater. Irgendwie schien das nicht zu passen.

Doch danach war es Martha, die im Pelz spazieren ging.

Marthas Mann war klug und fleißig, konnte nicht nur Geld verdienen, sondern auch vermehren. Und für seine über alles geliebte Frau war ihm nichts zu teuer. Martha ging richtig auf, trug wieder schicke Sachen, ließ sich eine moderne Frisur schneiden und hielt fortan Distanz zu sämtlichen Freundinnen.

Eigentliche Freundinnen hatte Martha nie. Sie blieb ein Außenseiter. Niemand wollte sie zu Feiern mitnehmen, tanzen gehen was sollte man auch die Laune verderben, wenn man sie bloß anschaute?

Deshalb war der Abschied von den wenigen Bekannten, die nur wegen eines Gefallens oder zur Sicherstellung der nächsten begehrten Supermarktware zu ihr auf eine Tasse Tee kamen, keineswegs schwer.

Martha fürchtete den Klatsch der ist ja schlimmer als eine Pistole. Niemand weiß, wann und wo er einschlägt. Sie wusste, dass viele ihre Ehe für nicht standesgemäß hielten und mit schlechten Ratschlägen parat standen. Daher machte sie ihr Zuhause zu einer richtigen Festung offen nur für die Familie, um ihr Glück zu schützen.

Dabei hätte sie keine Angst haben müssen. Ihr Mann Thomas wollte niemanden sonst kennen außer Martha. Er hatte früh gelernt, dass Äußerlichkeiten nichts bedeuten, wenn das Herz nicht dabei ist. Thomas, der ohne Eltern bei einer trinkenden Großmutter aufwuchs, kannte das besser als jeder andere.

Seine Eltern starben, bevor er drei war. Sein halb angetrunkener Vater kam nach einer Hochzeitsfeier eines Freundes in einer regnerischen Nacht von der Straße ab. Thomas blieb verwaist mit seiner Großmutter zurück, die den einzigen Sohn verlor und den Schmerz nie verkraftete. Anfangs trank sie nur gelegentlich, dann immer mehr. Mit acht Jahren konnte Thomas sich schon allein bekochen, Hemden bügeln, damit es keine Fragen in der Schule gab, und strebte nach guten Noten. Seine Schönheit fiel sofort auf, machte das Leben aber nur schwerer, weil das aufdringliche Interesse der Erwachsenen nicht abreißen wollte.

Er wurde stur und misstrauisch. Niemand schenkte ihm Zärtlichkeit, Großmutter bevorzugte die Flasche und die Leute bedauerten höchstens seine Situation. Keiner fragte, wie es ihm wirklich ging, auf dieser Welt.

Niemand, außer der Bäckereifachverkäuferin, zu der Thomas täglich Brot holen ging. Sie, Anna, zog alleine zwei Söhne groß und wusste aus eigener Erfahrung, was es hieß, ohne Mutter zu sein. Sie selbst kam aus dem Kinderheim, aber ihre Kinder hatten immer ein fürsorgliches Zuhause: Frisches Brot, gebratene Kartoffeln, Tee mit Honig. Den Honig brachte ihr der Imker aus der Nachbarschaft.

Oh danke! Was bin ich schuldig?

Gar nichts! Sie stehst ja selbst den ganzen Tag für andere da. Nimm es an!

Thomas bekam zu seinem Laib Brot jeden Tag eine kleine Rosinenschnecke geschenkt.

Für die Pause in der Schule, hörst du? sagte Anna streng und fuhr ihm sanft durch die Locken.

Diese unerwartete, geschenkte Zuwendung wärmte ihm das Herz und half ihm, den Tag durchzustehen. Anfangs wollte er die Schnecke ablehnen, merkte aber, dass es Anna kränkte. Also bedankte er sich und half ihr manchmal in der Bäckerei. So wurde Anna für Thomas mit der Zeit zur Mutter.

Als Thomas fünfzehn war, starb die Großmutter. und Anna nahm Thomas kurzerhand als dritten Sohn auf.

Du gehörst schon lange zur Familie. Jetzt bestätigen wir es offiziell.

So bekam Thomas Mutter und Brüder und die Wut verschwand aus seinem Herzen, weil endlich jemand da war, der sie wegfegte, wenn sie wiederkam.

Nach der Ausbildung bekam Thomas einen Job, renovierte die Wohnung der Großmutter, aber mit der Liebe wollte es nicht klappen. Frauen lernten ihn zwar gerne kennen, aber zogen schnell wieder die Reißleine. Die, in die Thomas sich verliebte, fand klare Worte:

Ach Thomas, dich kann ich nicht ernst nehmen. Zu gut siehst du aus. Du wirst mich sowieso verlassen vielleicht auch noch mit Kind. Du hast doch Auswahl wie ein Model! Wozu eine Familie?

Der alte Frust klopfte wieder ans Herz, aber Thomas wusste, wohin mit seinen Sorgen.

Dann war sie es eben nicht, mein Sohn! Deine Richtige läuft irgendwo herum, du musst nur warten. Ohne Hoffnung passiert gar nichts. Warte nur!

Anna wusste immer die richtigen Worte. Thomas beruhigte sich Geduld hatte er ja, also würde der Rest auch irgendwann kommen.

Aber die Jahre gingen und nichts passierte. Thomas wurde wieder trauriger. Anna beschloss, dass sich was ändern musste. So fuhr Thomas zum ersten Mal in seinem Leben an die Ostsee.

Ach Thomas! Du MUSST das Meer sehen! Es ist…

Wie denn?

Riesig! Sanft aber auch wild! Immer anders, immer überraschend! Du wirst es lieben. Das ist Glück, fahr los!

Dort lernte Thomas dann Martha kennen. Keiner beachtete das schüchterne Mädchen am Geländer, das aufs stürmische Meer starrte. Aber Thomas war wie vom Blitz getroffen Martha erinnerte ihn an Anna. Nachdem er sie besser kennenlernte, wusste er das war das größte Geschenk nach seiner Mutter. Martha war genauso gutherzig und aufopfernd, voller Liebe wie Anna. Das hatte Thomas so lange gesucht und in Martha gefunden. Er würde sie nie wieder hergeben.

Ihre Tochter, Johanna, liebten Thomas und Martha so sehr, dass sie manchmal selbst Angst davor hatten.

Machen wir sie nicht zu sehr zu unserem Schatz, Thomas? Verwöhnen wir sie nicht zu sehr?

Quatsch! Sie ist unsere Kleine und klug dazu.

Er glaubte so fest daran, dass Johanna gar nicht anders konnte, als brav zu sein und die Eltern stolz zu machen.

Ganz die Mama! lobte Anna das Enkelkind. So gutherzig wie Martha! Pass gut auf deine Mädchen auf, mein Sohn! Das ist Glück, so viel Liebe in einem Haus zu haben!

Thomas hatte den besten Kontakt zu seiner Ersatzmutter und seinen Brüdern. Deshalb erzählte er ihnen als Erstes, als er merkte, dass mit ihm etwas nicht stimmte, bevor er Martha und Anna beunruhigen wollte.

Richtig so, Thomas. Wir klären das. Seine Brüder waren Männer der Tat.

Schon nach wenigen Tagen besorgen sie einen Arzt. Die Diagnose war niederschmetternd, aber sie ließen Thomas nicht im Stich.

Nicht aufgeben! Du hast eine Tochter! Wir stehen dir bei es gibt Fortschritte in der Medizin.

Zehn Jahre dauerte der Kampf gegen die Krankheit. Thomas hielt sich, überraschte die Ärzte mit seinem Lebenswillen.

Wissen Sie, andere hätten längst aufgegeben. Sie sind ein zäher Mensch!

Thomas nickte, wenn ihm schwindlig wurde, und dachte nur an Martha und Johanna, die nach der Schule oft ins Krankenhaus kam, um einen Korb mit Essen zu bringen.

Ich habe keinen Hunger, mein Schatz, wehrte sich Thomas.

Doch, Papa, iss! Die Suppe ist zu salzig, Mama hat beim Kochen geweint. Aber ich hab ihr gesagt, du wirst gesund! Stimmts?

Ja, Johännchen So wirds sein

Und Thomas kam jedes Mal nach Hause zurück, auch wenn die Ärzte pessimistischer wurden. Zu Hause wartete man auf ihn! Wie hätte er nicht zurückkommen können?

Er ging eines Nachts, leise in Marthas Armen, zu Hause. Schlief ein und wachte nicht mehr auf. Martha saß bis zum Morgengrauen da, ihn umschlungen, und ließ ihr gemeinsames Leben Revue passieren.

Ach, Thomas Ich kann mich wirklich nicht beklagen Es war so viel Schönes! Ich war so glücklich mit dir. Danke, mein Liebster

Am nächsten Morgen tappte Johanna wie gewohnt zu den Eltern ins Schlafzimmer und stieß einen kleinen, klagenden Schrei aus wie ein Vögelchen, das gefangen wurde.

Sei ruhig, Kleines. Papa hat jetzt keine Schmerzen mehr Ihm gehts gut Hör auf zu weinen Martha versuchte erst gar nicht, ihre Tränen zu verbergen. Ich bin bei dir

Martha und Johanna blieben nicht allein. Thomas Brüder kümmerten sich, Anna kam oft zu Besuch. Die Familie rückte zusammen. Alleine die Trauer bewältigen das ging ohnehin nicht. Weder Herz noch Seele würden das aushalten.

Die Jahre vergingen. Johanna wurde älter und schaute sich immer weniger gern im Spiegel an. Sie wusste, dass sie nicht schön war. Und daran konnte sie nichts ändern.

Wie hätte sie ihre Nase stutzen, ihre Augen größer machen können? Nicht einmal die Karotten, die sie kiloweise aß, weil sie irgendwo las, dass das angeblich das Wachstum fördert, halfen.

In der Schule wurde sie ausgelacht, und Martha tröstete sie flüsternd, die Tränen abwischend:

Wir werden noch sehen, wer am glücklichsten wird, mein Mädchen! Gib der Zeit Zeit!

Johanna machte Abitur, studierte, wurde eine ausgezeichnete Fachkraft, aber niemand erkannte ihre Freundlichkeit oder ihren stillen Charakter. Die Blicke galten den Schönen und Selbstbewussten. Vor den Prüfungen klauten sie Johanna die besten Zusammenfassungen, denn sie war immer bestens vorbereitet sie hatte im Unterricht nie geträumt, wusste sie doch: in der Gruppe, wo weit mehr Mädchen als Jungen waren, hatte sie anders keine Chance.

Und was jetzt, Mama? fragte Martha besorgt, als sie bemerkte, dass Johanna zwar beruflich brillierte, aber keine Ahnung hatte, wie sie privat jemanden finden könnte.

Was schon! Wir schicken sie ans Meer! lachte Anna. Hat doch beim ersten Mal schon funktioniert! Vielleicht bringt Wiederholung Glück! Was meinst du?

Gute Idee! Bloß Johanna fährt nie allein. Da bleibt sie stur!

Dann reisen wir eben alle zusammen. Brüder mit Familien und Kindern die ganze Sippe. Da läuft Johanna garantiert irgendwann von uns davon, wenns zu trubelig wird! Weißt du noch, wie sie damals Richtung Innenstadt verschwand, als sie uns auf der Datsche besuchte? Anna lachte, erinnerte sich an die Streiche der Enkel. Unsere Rasselbande kann jeden in die Flucht schlagen! Sie findet schon ihren Weg!

Also, los gehts! entschied Martha.

Das Schicksal wollte es aber anders.

Johanna fuhr ans Meer, aber sie weigerte sich entschieden, ohne ihre Familie irgendetwas zu unternehmen.

Ich will nirgendwo allein hingehen!

Den Verwandten blieb nichts übrig, als sich zu fügen.

Doch das Schicksal hatte seinen eigenen Plan. Kaum war Johanna nach dem Urlaub zurück in Hamburg, passierte es quasi vor der Haustür. Auf dem Weg von der Arbeit parkte sie das Auto, da fing ein Platzregen an.

Die neuen Lackschuhe musste sie verabschieden, riss sie aus und watete barfuß durch die Pfützen nach Hause, wo Mama sicher schon wartete. Fast angekommen, spritzte ein vorbeirauschendes Auto sie von oben bis unten nass.

Na klasse! war alles, was Johanna sagen konnte.

Dann lachte sie so, dass der Fahrer, der anhalten wollte, um sich zu entschuldigen, von ihrem Lachen richtiggehend gefesselt wurde.

Das Schicksal lächelte, hakte noch einen Punkt auf der To-Do-Liste ab und zog weiter, in dem Wissen, dass mit Torsten nun alles zum Guten käme.

Und so kam es.

Einige Jahre später, als die Nachbarinnen wieder auf der Bank vor dem Haus saßen und ihren inzwischen älteren Kindern zuschauten, tuschelten sie aufs Neue, als Torstens Auto vorfuhr:

Siehst du die Pelzjacke an dem Trampel? Mein Mann würde mir nie sowas spendieren, aber ihrer macht das locker!

Hörst du dich eigentlich noch?

Steht ihr überhaupt nicht! Pelz zu so einer!

Du bist so fies! Deine Augen sind neidisch, und deine Zunge noch schlimmer! Warum hast dus bloß auf Johannas Glück abgesehen? Klar, ihr Mann ist kein Adonis, aber herzlich! Liebt sie und die Kinder, verwöhnt sie. Dich fuchst wahrscheinlich die Eifersucht!

Ja, ich platze! Wieso ist das Leben so ungerecht? Die kriegen alles geschenkt, andere nichts! Guck sie dir an! Weder schön noch attraktiv und die Kinder sind bildhübsch! Woher kommt das nur?

Von ihrem Vater! Meine Mutter sagte immer, Johannas Vater war ein auffälliger Schönling! Also, das ist einfach Genetik, sonst nichts.

Ja? Und warum ist Johanna dann so ruhig, immer freundlich, nie nachtragend, immer dankbar? Sie müsste doch eigentlich die ganze Welt hassen, weil sie kein bisschen Schönheit abbekam!

Vielleicht ja, aber sie MUSS nicht! Du wärst weniger neidisch, dann wärst du selber noch hübscher!

Ach, hör auf! Ich rede vom Glück mit Männern, du erzählst von Unsinn! Wie schafft man das, einen Mann so an sich zu binden? Was hat sie für ein Geheimnis?

Frag sie! Vielleicht verrät sies dir!

Pah, bei DER lerne ich doch nichts fürs Leben!

Dann schimpf halt weiter bringt bestimmt Schönheit, mit den Zähnen zu knirschen

Johanna jedoch interessierte der Klatsch nicht. Sie hatte alle Hände voll zu tun: Mutter wird langsam schwächer, Anna plant den Umzug nach Hamburg, um bei den Urenkeln zu helfen. Die Onkel laden zum Grillen. Torsten verspricht, beim Hausbau mitzuhelfen, die Kinder fordern Aufmerksamkeit.

Alexander, Marie, nach Hause! Oma hat gerade den Kuchen aus dem Ofen geholt! Es gehört sich nicht, sie warten zu lassen!

Und so wird es wieder einen dieser Abende geben, mit Zeit für Gespräche, Musik und Märchen erzählt von Martha für die Enkel.

Und das Leben geht weiter©Und wenn später am Abend die Kinder auf Omas Schoß sitzen, krümelnd vom warmen Streuselkuchen, schaut Johanna aus dem Fenster in den kleinen Garten. Der Duft von Flieder zieht herein, Torsten und die Onkel lachen draußen beim Grill, Anna spült mit den Enkeln die Kaffeetassen.

Martha lehnt sich im Sessel zurück, streicht der kleinen Marie übers Haar und erzählt leise von einer Zeit, als am Meer zwei ganz gewöhnliche Menschen einander fanden. Dass Glück wächst, wo man liebt und dass Schönheit Zeit braucht, um ins Herz zu sickern.

Johanna schaut auf ihre Familie, ihr Lächeln ist sanft und ruhig. Für einen Moment hört sie das Getuschel der Nachbarinnen nicht mehr; es zählt nur der Klang des Zusammenlebens, das Lachen ihrer Kinder, Torstens schüchternes Augenzwinkern.

Später, als die Schatten länger werden, nimmt sie Alexanders Hand und spürt ihre eigene Kraft, die so lange als unscheinbar galt. Aber wer genau hinhört, sieht sie jetzt: ein stilles, selbstverständliches Glück, das ihren Abend golden färbt.

Vielleicht wirft das Leben nicht jedem Schönheit in den Schoß aber Johanna hat, ohne es zu merken, alles auf ihre Weise gewonnen. Und draußen schließt Martha für einen Moment die Augen und denkt: Wenn der Klatsch der anderen das Einzige bleibt, worüber sie reden, habe ich wirklich nichts zu bereuen.

Im Haus leuchten die Fenster. Das Lachen klingt hinaus auf die Straße, mitten hinein in alles Gerede, und es trägt sich weiter so leise und unaufdringlich, dass man erst im Nachklang merkt, wie kostbar es ist.

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Homy
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