– Was denn? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Was für eine Geliebte? Mir reicht doch schon du!

Was soll das? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Welche Geliebte? Mir reicht es doch mit dir!

Sabine konnte nichts gegen dieses nagende Gefühl tun. Es brannte unter ihrer Haut wie ein ungelöster Verdacht. Die Ungewissheit fraß an ihr. Eines Tages fasste sie sich ein Herz und sprach es direkt an.

Fragte ihn, ob es stimmte doch er antwortete nur:

Was bildest du dir ein? Zehn Jahre Ehe! Welche Geliebte? Du reichst mir doch völlig!

Klaus schien aufrichtig zu sein. Nichts an seinem Lächeln, seinen Worten oder seinem Blick verriet ihn. Und trotzdem etwas ließ ihr keine Ruhe.

Sabine war nicht die Frau, die dem Schicksal vertraute. Sie würde die Wahrheit herausfinden, koste es, was es wolle. Doch wie?

Nach stundenlangem Suchen im Internet entschied sie sich, sein Handy zu überprüfen. Doch nichts Auffälliges. Ein paar belanglose Nachrichten mit ehemaligen Klassenkameradinnen nichts, was sie hätte beunruhigen müssen. Was sollte das schon?

Eine Sperre hatte er nie eingerichtet. Wozu auch?, pflegte er zu sagen. Keine versteckten Chats, keine gelöschten Nachrichten. Ein Engel in Menschengestalt.

Manchmal dachte Sabine, sie bilde sich alles nur ein. Doch jedes Mal, wenn Klaus sich verspätete, kribbelte es in ihr.

Ihre Freundin sagte stets:

Das sind nur deine Einbildungen! Klaus liebt dich und würde dich nie betrügen! Du ruinierst alles mit deiner Eifersucht!

Doch Sabine hörte nicht auf sie. Ihr Bauchgefühl sagte etwas anderes. Und teilen? Das kam für sie nicht infrage.

Einmal wagte sie es sogar, ihn zu überraschen stürmte in sein Büro, um zu sehen, ob er wirklich arbeitete oder sich anderweitig vergnügte. Als er sie sah, explodierte er. Blamierst du mich vor meinen Kollegen? Sie entschuldigte sich, und er verzieh schnell. Doch die Zweifel blieben.

Eigentlich lebten sie ein gutes Leben. Ein schönes Haus, zwei heranwachsende Kinder. Doch Sabine suchte weiter nach Problemen, wo keine waren.

Wer sucht, der findet heißt es. Nur bei ihr klappte es bisher nicht.

Mit dreißig und zwei Kindern hatte sie Angst, allein dazustehen. Sie wirkte ruhig, doch innerlich kochte es.

Nichts verriet Klaus. Kein Lippenstift auf dem Hemd, kein fremdes Parfüm, nicht einmal eine Veränderung in seinem Verhalten. Trotzdem spürte sie: Irgendetwas stimmte nicht.

Wäre da nicht der Zufall gewesen, hätte sie es vielleicht nie erfahren.

Als ihr jüngster Sohn eingeschult wurde, entschied sie sich, den Führerschein zu machen. Abends nach der Arbeit besuchte sie die Fahrschule. Drei Monate später bestand sie die Prüfung.

Klaus war stolz so stolz, dass er ihr ein Auto kaufte. Klein, aber perfekt für sie.

Natürlich gab er es nicht zu, aber er kaufte es nur, damit sie nicht sein Audi verlangte. Dafür bist du noch nicht bereit, sagte er.

Dann, an einem Wochenende, wachte Sabine früher auf als sonst. Sie wollte ihrer Familie eine Freude machen eine Auflauf mit Huhn und Auberginen backen. Doch das Mehl war alle.

Draußen war es eiskalt, Schnee lag auf den Straßen. Aber sie hatte gelernt, im Winter zu fahren. Also wollte sie schnell zum Supermarkt. Doch ihr Auto sprang nicht an. Sie kehrte leise zurück alle schliefen noch.

Zu Fuß gehen? Zu kalt. Also entschied sie sich, heimlich seinen Audi zu nehmen. Was sollte schon passieren? Nur ein paar Kilometer.

Sie nahm die Schlüssel, ging zurück und ließ den Motor warmlaufen. Während sie wartete, wollte sie die Scheiben putzen. Im Handschuhfach suchte sie nach Tüchern und stieß auf etwas.

Ein Handy fiel heraus. Doch wem gehörte es?

Sie kannte Klaus’ Telefon das hier war es nicht. Zuerst dachte sie, er hätte es versehentlich mitgenommen. Doch dann drückte sie den Knopf und es ging an.

Die erste Nachricht war von einer gewissen *Anja*.

*Mein Schatz, ich vermisse dich so sehr! Komm schnell zu mir! Ich warte auf dich!*

Sabine starrte. Kein Code. Also las sie weiter. Die Nachrichten waren endlos.

Klaus arbeitete offiziell bis fünf kam aber erst um sieben nach Hause. Jeden Tag besuchte er zuerst seine geliebte Anja. Eine Stunde, dann tat er, als wäre nichts gewesen.

Auf den Fotos war eine ältere Frau. Vierzig, mindestens. Was fand er nur an ihr?

Sabine kochte vor Wut.

Gerade als sie aussteigen wollte, sah sie Klaus aus dem Haus kommen. Sie hatte einen Zettel hinterlassen *Bin kurz einkaufen.* Er nutzte die Gelegenheit, um seiner Anja noch eine Nachricht zu schicken.

Jetzt fiel es ihr ein: Er ging oft abends zum Auto. Hab was vergessen, sagte er. Fast jeden Tag. Doch sie hatte nie etwas geahnt.

Klaus sah sie im Wagen und stürmte wütend heran.

Wer hat dir erlaubt, den zu nehmen? Das war nicht abgesprochen!

Sabine sah ihn und ihre Wut explodierte.

Sie schnallte sich an, legte den Rückwärtsgang ein und trat voll aufs Gas. Der Audi raste mit einem Quietschen gegen die Garagenwand. Ein kurzer Moment der Erleichterung.

Sie stieg aus, fixierte ihn.

Dann geh zu ihr! Mal sehen, wie sehr sie dich noch will, wenn du kein Auto und kein Zuhause mehr hast! Verschwinde!

Zum Beweis warf sie die Autoschlüssel in den tiefen Schnee und ging zurück ins Haus.

Die Jungs waren wach, verstanden aber nicht, was los war. Minuten später versuchte Klaus hereinzukommen doch sie verriegelte die Tür.

Geh zu ihr! Vergiss den Weg hierher!, schrie sie.

Klaus blieb nichts anderes übrig. In Hausschuhen, Bademantel und Jacke stapfte er zu seiner geliebten Anja. Dachte, sie würde ihn trösten. Doch weit gefehlt.

Als sie die Tür öffnete, hörte er eine Männerstimme:

Schatz, kommst du bald? Ich warte schon!

Klaus kam nur unter der Woche am Wochenende nie. Anja hatte offenbar auch zwei Verehrer. Warum sollte sie am Samstag allein sein?

Sie sah ihn schuldbewusst an und schloss die Tür.

Also lief er zur Wohnung seiner Mutter. Zwei Straßen weiter.

Als Helga ihn sah, verstand sie sofort. Sie wärmte ihn, fütterte ihn, hörte sich seine Geschichte an von der bösen Frau, die ihn grundlos rausgeworfen hatte. Dann sagte sie:

Mach dir keine Sorgen, mein Junge. Wer hätte gedacht, dass Sabine so ist? Dein Glück kommt noch! Du bist erst fünfunddreißig! Du wirst noch die Richtige finden!

Also blieb Klaus bei ihr. Ein neues Leben dachte er. Bis die Unterhaltsforderungen kamen. Da merkte er: Neu anfangen war nicht so einfach. Zum Glück verließ ihn seine Mutter nicht. Sonst wäre er verloren gewesen.

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Homy
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Die praktische Ehefrau