Mein Name ist Annika Steinbach.
Für meinen Mann, Tobias Steinbach, war ich stets die Frau im Hintergrund. Unauffällig, verlässlich, ohne großes Aufsehen. Genau die Ehefrau, die im Alltag zur Selbstverständlichkeit wird und dabei für ihn unsichtbar bleibt.
Was er nie ahnte: Schon lange vor unserer Hochzeit war ich die alleinige Eigentümerin der Villa Falkenhof, einem luxuriösen Hotelanwesen an den Ufern des Chiemsees. Ein Erbe meiner Großmutter, das ich mit Bedacht geheim hielt.
Ich wollte nur eins: geliebt werden für das, was ich bin und nicht für das, was jemand durch mich besitzen kann.
Die Wahrheit traf mich wie ein Donnerschlag.
Freitagmorgen verkündete Tobias, er müsse auf eine Geschäftsreise.
Leitungsklausur, ganz langweilig, sagte er beiläufig.
Tatsächlich hatte er ein exklusives Wochenende mit seiner Geliebten, Lara König, gebucht ausgerechnet in meiner Villa.
Ironie des Schicksals: An diesem Tag war ich selbst vor Ort für eine spontane Inspektion. Ich liebe es, das Anwesen unangekündigt zu durchstreifen schlicht gekleidet in eine bequeme beige Stoffhose, weißes T-Shirt, flache Espadrilles.
Und dann erblickte ich sie.
Tobias und Lara, Hand in Hand, vertraut, innig.
Lara trug einen teuren Badeanzug, auffällige Sonnenbrille, und diese provokante Selbstsicherheit derer, die meinen, die Welt gehöre ihnen.
Wahnsinn, wie schön es hier ist, flüsterte sie. Bist du sicher, dass wir uns das leisten können?
Tobias grinste nur.
Kein Stress. Ich hab Annikas Karte benutzt. Sie merkt sowas nie. Viel zu vertrauensselig.
Eisige Kälte kroch in mir hoch.
Er gönnte seiner Affäre mein Anwesen und zahlte alles mit meiner Kreditkarte.
Die beiden steuerten die Rezeption an. Als sie an mir vorbeigingen am Rosengarten, schaute Lara mich abschätzig an.
Hallo?, fuhr sie mich an. Service! Nehmen Sie meine Tasche, die ist schwer.
Ich rührte mich nicht. Ihr Lächeln gefror.
Sind Sie taub? Tobias, siehst du das? Was für eine faule Angestellte
Tobias drehte sich um.
Er erstarrte. Unaussprechliche Panik in seinem Blick doch der Schock war nichts gegen das, was noch kommen sollte.
Annika?
Lara runzelte die Stirn.
Ihr kennt euch?
Ich hob die Augenbraue und lächelte ruhig.
Hallo Tobias. Na wie läuft das Seminar?
Was machst du hier? stotterte er. Verfolgst du mich etwa?
Lara lachte schrill.
Warte das ist deine Frau? Kein Wunder, dass du Abwechslung brauchst. Sie sieht wirklich aus, als ob sie hier arbeitet.
Dann wandte Lara sich an die Rezeption.
Ich will, dass sie verschwindet. Sie ruiniert meinen Aufenthalt. Und ich möchte sofort die größte Suite. VIP, ja?
Die Empfangsdame blickte nervös in meine Richtung. Ich nickte nur dezent.
Natürlich, gnädige Frau. Wenn Sie bitte den Weg in unseren VIP-Bereich nehmen möchten
Lara lächelte überheblich. Zwei Sicherheitsleute begleiteten sie und Tobias, ich folgte mit Abstand.
Schon nach wenigen Minuten runzelte Lara misstrauisch die Stirn.
Wo gehen Sie mit uns hin? Das hier ist nicht der Weg zu den Suiten.
Wir durchquerten Technikräume, den Personalhintereingang und den Mitarbeiterparkplatz. Lara blieb abrupt stehen.
Das ist doch nicht Ihr Ernst?!
Wir sind angekommen.
Was soll das?! Holen Sie den Direktor!
Der Hoteldirektor tauchte auf eleganter Anzug, gerader Rücken. Er überblickte die Szene und wandte sich dann mir zu.
Guten Tag, Frau Steinbach. Frau Steinbach ist Eigentümerin der Villa Falkenhof. Die Konten, die auf Herrn Steinbach laufen, werden mit sofortiger Wirkung gesperrt.
Lara wurde leichenblass. Ich nahm die Sonnenbrille ab.
Lara, ich arbeite nicht hier. Ich bin die Besitzerin dieses Hauses.
Ich drehte mich zu Tobias.
Wirklich dumm ist es, seine Frau zu betrügen und das auch noch auf ihre Kosten, in ihrem eigenen Hotel.
Er sackte in sich zusammen.
Annika, bitte
Nein.
Ich sah zum Sicherheitsdienst.
Führen Sie die beiden hinaus. Hausverbot für immer.
An diesem Abend saß ich allein mit einem Glas Silvaner am See und sah der Sonne beim Untergehen zu. Allein, aber frei. Ein paar Wochen später organisierte ich die Eröffnungsfeier für Falkenhof Frauen, ein Frauenförderprogramm für einen neuen Lebensstart.
Es war kein Verrat. Es war ein Erwachen. Einen falschen Mann zu verlieren manchmal ist das der einzige Weg, um seinen eigenen Platz in der Welt zurückzugewinnen.





