Im Alter haben sich meine Kinder daran erinnert, dass sie eine Mutter haben, aber ich werde niemals vergessen, wie sie mit mir umgegangen sind.
Als mein Mann mich für eine jüngere Frau verließ, stellten sich meine Kinder auf seine Seite schließlich war er ein angesehener Mann, ein renommierter Geschäftsführer eines großen Unternehmens in Frankfurt. Jahrelang schienen sie mich völlig zu vergessen, während ich allein und verlassen zurückblieb. Erst vor kurzem ist mein Ex-Mann verstorben, und da kam heraus, dass er seinen gesamten Besitz seiner jungen Frau vermacht hatte.
Plötzlich erinnerten sich die Kinder an mich. Seitdem besuchen sie mich häufiger, aber ich kenne den wahren Grund Neulich fing meine Tochter an, Andeutungen zu machen: Es sei an der Zeit, über die Zukunft nachzudenken, ein Testament aufzusetzen. Keiner von ihnen ahnt, welche Überraschung ich für sie bereithalte. Sie werden es erst nach meinem Tod erfahren.
Im Alter erinnern sich meine Kinder an ihre Mutter doch das, was sie mir angetan haben, kann ich ihnen nie vergessen.
Die Jahre zogen ins Land, und ich fühlte mich wie am Rand der Welt vergessen. Meine Kinder behandelten mich immer wie eine Fremde, als sprächen wir verschiedene Sprachen.
Nach der Scheidung war unser Verhältnis endgültig zerrüttet. Sie entschieden sich für ihren Vater schließlich war er eine angesehene Persönlichkeit, ein erfolgreicher Geschäftsführer in einer bekannten Frankfurter Firma.
Offen gesagt, war es für sie auch lohnender, sich zu ihm zu halten. Und ich? Ich blieb allein zurück. Verlassene Ehefrau, verstoßene Mutter.
Meine Kinder vergaßen mich rasch. Über gemeinsame Bekannte hörte ich nur noch, wie sie mit ihrem Vater und der jungen Stiefmutter fröhlich Urlaube machten, teure Restaurants besuchten und gemeinsame Pläne schmiedeten.
Ich blieb derweil in meiner stillen Wohnung in Wiesbaden. Jede solche Nachricht fühlte sich an, als träfe sie mich wie ein scharfer Splitter.
Irgendwann begriff ich: Ich muss für mich selbst leben. Ich ging für einige Zeit nach Österreich arbeiten. Nach Jahren spürte ich erstmals Freiheit.
Als die Jahre meiner Arbeit gezählt waren, hatte ich genug gespart, um mein Leben neu zu gestalten. Zuhause renovierte ich die Wohnung, kaufte neue Möbel, moderne Geräte und legte etwas Geld für den Lebensabend zurück.
Inzwischen hatten meine Kinder eigene Familien gegründet. Aus der Ferne hörte ich nur, dass bei ihnen alles bestens lief: große Hochzeiten, Kinder, Feste. Doch dann die Nachricht: Mein Ex-Mann starb an einem Herzinfarkt und hinterließ sein ganzes Vermögen seiner jungen Frau.
Mein Sohn und meine Tochter blieben mit leeren Händen zurück. Ihr Ärger verwandelte sich schlagartig in eine ungewohnte Fürsorge für mich.
Zunächst begannen sie, mich mit kleinen Geschenken zu besuchen. Es gab Pralinen, Obst, sie erkundigten sich nach meinem Wohlbefinden. Ich begegnete ihnen mit einem Lächeln, doch innerlich durchschaute ich ihre Motive.
Heute bin ich 72 Jahre alt. Ich bin gesund, unternehme viel und genieße mein Leben. Doch vor kurzem fing meine Tochter an, vorsichtig anzusprechen, dass ich über ein Testament nachdenken sollte. Einige Wochen später klopfte meine Enkelin sie hat erst vor einem Jahr geheiratet an meine Tür.
Oma, bist du hier allein eigentlich nicht einsam? fragte sie neugierig.
Nein, ich fühle mich hier sehr wohl, antwortete ich ruhig.
Aber die Wohnung ist doch ganz schön groß, fuhr sie fort. Es ist bestimmt schwer, alles sauber zu halten. Vielleicht könnten mein Mann und ich zu dir ziehen? Für dich wäre es unterhaltsamer und wir müssten keine Miete mehr zahlen.
Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ihre Absicht war mehr als deutlich.
Wer sagt denn, dass ihr hier mietfrei wohnen könntet? sagte ich sachlich. Ich würde euch eine faire Miete anbieten.
Meine Enkelin war baff. Offenbar hatte sie erwartet, ich würde ihr alles einfach so überlassen. Doch ich hatte längst meinen eigenen Plan.
Schon vor einigen Jahren habe ich ein Testament aufgesetzt: Nach meinem Tod wird meine Wohnung verkauft und das Geld geht an eine Stiftung für schwerkranke Kinder.
Als meine Tochter davon erfuhr, war sie außer sich vor Wut. Sie rief an, schrie herum, nannte mich ungerecht und sagte, ich würde meinen Enkeln die Zukunft nehmen. Auch mein Sohn begann, mir nette Angebote zu machen, dass er sich wunderbar um mich kümmern könnte. Ihre plötzliche “Liebe” berührte mich nicht mehr.
Und Sie hätten Sie an meiner Stelle die Enkelin bei sich wohnen lassen?





