13. März
Heute ist wirklich etwas passiert, что mich ins Nachdenken gebracht hat. Wie oft begehen wir den Fehler, Menschen nach dem Äußeren zu beurteilen?
Mein Alltag in der Münchner Innenstadt, im Luxusautohaus, läuft normalerweise in geordneten Bahnen elegantes Ambiente, Kunden in Designerkleidung, höfliche Gespräche. Doch heute stand ein Mann im Showroom, der so gar nicht ins Bild passte: Ein graues Kapuzenpullover, abgetragene Jeans, zerzaustes Haar. Er lehnte sich entspannt an einen brandneuen silbernen Porsche und betrachtete ganz ruhig die Rücklichter. Ich konnte nicht anders, als ihn abfällig zu mustern. Warum muss ausgerechnet so jemand direkt an unser teuerstes Modell?
Ich straffte meinen Hosenanzug, rief mir ein kühles Lächeln ins Gesicht und ging schnellen Schrittes auf ihn zu. Mein Tonfall war so frostig wie die Winterluft im Februar:
Die S-Bahn hält dort drüben, junger Mann. Könnten Sie sich bitte vom Auto entfernen? Die Wagen sind nichts für Schaulustige und den Lack darf sich hier nur anschauen, wer ihn sich auch leisten kann!
Er nahm meine Worte völlig ungerührt hin, schaute nur kurz auf seine Armbanduhr, sagte nichts. Plötzlich ging die Tür zum Büro so stürmisch auf, dass wir beide aufschreckten. Herr Berger, unser Geschäftsführer, kam regelrecht angesprintet schon von weitem sah ich den Stress auf seinem Gesicht. Er zupfte nervös an seiner Krawatte, warf mir nicht einmal einen Blick zu, sondern stürzte direkt auf den Fremden zu. Was dann geschah, hätte ich niemals erwartet:
Er verbeugte sich förmlich und sagte in ehrfürchtigem Ton:
Herzlich willkommen, Herr Schuster! Entschuldigen Sie bitte die Verzögerung, wir waren nicht auf Ihren überraschend frühen Besuch als Inhaber der gesamten Kette vorbereitet.
Mir wurde ganz kalt. Meine Finger verkrampften sich, und ich fühlte, wie das Blut aus meinem Gesicht wich. All meine Professionalität war fort, meine Selbstsicherheit wie weggeblasen. Herr Schuster schaute mich ruhig an kein Ärger, nur dieses nüchterne, fast traurige Enttäuschtsein in seinem Blick. Er trat ganz nahe an mich heran und sagte leise:
Eigentlich bin ich heute gekommen, um Ihnen persönlich den Vertrag für Ihre Beförderung zu überreichen. Doch Ihre Einstellung Menschen gegenüber hat mir diese Entscheidung eben sehr leicht gemacht.
Mir blieb die Luft weg. Ich wusste nicht, ob ich um Entschuldigung bitten, weglaufen oder mich herausreden sollte. Doch ich brachte kein Wort heraus, ich stand einfach nur da.
Ganz ruhig wandte sich Herr Schuster an Herrn Berger:
Ich will keine Mitarbeiter in meiner Firma haben, die Menschen nach Kontostand beurteilen. Bitte stellen Sie Frau Schneider noch heute frei. Und den Schlüssel für diesen Porsche nehme ich selbst mit.
Ohne viel Federlesen zückte er aus der Tasche seine matte schwarze Karte eine von diesen exklusiven, unbegrenzt gedeckten EC-Karten und reichte sie dem Chef. Ich konnte ihn nur noch sprachlos anstarren, während Herr Schuster und Herr Berger im Büro verschwanden.
Noch immer stehe ich da, der Tag zieht an mir vorbei. Wie konnte ich nur so oberflächlich sein? Wie oft passiert es uns, dass wir jemanden einfach abschreiben, nur weil er nicht in unser Bild passt?
Eines habe ich schmerzhaft gelernt: Höflichkeit und Respekt sind wertvoller als alles Geld der Welt und wer das vergisst, der verliert.




