Verträge und Vereinbarungen

Verträge

Alles änderte sich an jenem Abend, als Wilhelm Theobald Krüger wieder einmal seiner Nachbarin, Gertrud Katharina Schulze, erlaubte, in seiner Wohnung sauberzumachen.

Gertrud hatte am Abend, ganz nachbarschaftlich, einen Kuchen mitgebracht war wohl mit Kirschen oder vielleicht auch mit Äpfeln, sie meinte es immer gut mit ihrem Nachbarn und vergaß dabei, dass ein Künstler und im Fall von Wilhelm ein Schriftsteller eigentlich hungrig sein sollte. Später konnte Wilhelm Theobald gar nicht mehr sagen, mit was der Kuchen gebacken gewesen war. Er war nicht traurig, fühlte sich vielmehr in Panik. Wilhelm hatte sonst nie einen Grund zur Sorge, denn er beherrschte sein Leben bis ins Kleinste jede Minute, jede Sekunde, hielt er alles fest im Griff. Ein Stratege, ein Taktiker, ein Meister der Planung so sah er sich selbst. Das Unvorhergesehene jedoch, das an jenem verhängnisvollen Donnerstag geschah, hätte er sich nicht ausmalen können…

Gertrud stellte den Kuchen auf den Tisch, mit einem braunen Waffelhandtuch abgedeckt, und lächelte.

Ach, immer arbeiten Sie, Wilhelm! Sie schonen Ihre Hände ja gar nicht! Schreiben, schreiben, und noch mal schreiben… Das kann doch nicht gut für die Augen sein, mein Lieber! klagte sie kopfschüttelnd.

Wilhelm hob den Kopf von seinem neuesten Manuskript, runzelte die Stirn, als wollte er sich erinnern, wie diese Frau überhaupt in sein Arbeitszimmer geraten war dabei hatte er sie nur Minuten vorher selbst hereingelassen. Dann fiel ihm der Duft und die goldene Kruste des Kuchens auf und er sog den Geruch ein, noch ernster werdend.

Die Augen? fragte er unnötig nach, nahm die Brille ab und nickte. Gertrudchen, wie denn sonst! Solange der Kopf noch arbeitet, muss man schaffen, schaffen! Sie wissen ja, wie das läuft lässt man sich unterbrechen, ist der Gedanke verloren und schon ist der Kopf mit Unfug gefüllt. Aber ich habe so viel zu sagen! Mit erhobenem Zeigefinger unterstrich er seine Worte.

Gertrud nickte bedeutungsvoll, als ob sie verstand, wie das so ist, wenn man seine Gedanken mit Nichtigkeiten verstopft. Doch in Gertruds Kopf war nie Platz für Unwichtiges: Da schwirrten lauter praktische, ordentliche Gedanken: Kartoffeln kaufen, Knöpfe für Wilhelms Mantel besorgen, Kürbissamen einweichen, Fenster putzen, Strom und Gas überweisen, im Hausmeisterbüro nachfragen, warum der Schrott noch immer nicht abgeholt wurde, Wäsche bügeln ihre und Wilhelms, des großen Schriftstellers…

Gertrud hatte Wilhelms Werke nie gelesen, aber schon von seinem Auftreten wusste sie: Das ist einer von den ganz Großen. Sie wusste schließlich, dass Wilhelm in diesem berühmten Schriftstellerhaus am Leuschnerweg oft verkehrte, mit anderen bedeutenden Autoren diskutierte und geradezu die Szene bestimmte.

Nach diesen Sitzungen kehrte Wilhelm immer tief in der Nacht zurück, zerzaust, mit schiefem Schlips, rauchte nervös und schrieb dann wieder… Nur Talente haben solche Angewohnheiten.

Leo Tolstoi, erzählte man sich, habe nach getaner Feldarbeit auch erst geschrieben und seine Frau pflegte ihn liebevoll.

Aber Wilhelm Theobald Krüger hatte keine Frau. So traurig war das.

Dafür hatte er Verträge. So nannte er die Besuche fremder Damen, die immer mal wieder bei ihm aufkreuzten.

Die ist aus Osnabrück, für einen Vertrag. Die andere aus Hamburg… aus Bremerhaven, aus Erfurt, aus Würzburg, aus Hannover erklärte er Gertrud, wenn wieder eine neue Frau auftauchte. Immer in seiner Wohnung, nie im Hotel oder Restaurant!

Gertrud Katharina konnte diese Verträge nicht ausstehen! Es war doch klar, was diese Damen wollten im Ruhm des Künstlers sonnen, ein wenig Glanz abkriegen! Sie wollten keine Partnerin sein nein, sie wollten nur erzählen, man sei bei Krüger gewesen! Champagner mit Wilhelm Theobald getrunken, und so weiter…

Ach, was soll’s! Jeder will sich am Stern wärmen, aber davon hat das Gestirn selbst nichts, nur Ärger!

Vor dem Eintreffen eines neuen Vertrags rannte Wilhelm schon frühmorgens zum Friseur, badete ausgiebig, so lang, dass Gertrud vor der Tür mit ihren Milchflaschen fast umkippte.

Heraus kam schließlich ein gesäuberter, herausgeputzter Wilhelm Theobald, der Gertrud abschüttelte, eilig zur S-Bahn-Station joggte.

Dort kamen die Verträge an. Manche schrieen laut, andere gaben sich distinguiert Wilhelm küsste jeder Dame die Hand, führte sie diskret davon.

Die Ankunftszeiten, Waggonnummern und Kabinen waren akribisch notiert verwechseln durfte man nichts!

Manche Damen blieben nur ein bis zwei Tage, selten eine Woche. Dann war Wilhelm tagelang außer sich so nannte es Gertrud: ausgelaugt, zerrupft, schrieb und zerriss, brüllte und trat gegen den Schemel. Zu jeder dieser Besuche hatte Gertrud das Gefühl, dass Wilhelm aufgebraucht wurde, bis zum letzten Tropfen.

Die Gäste hatten offenbar keine Lust zu kochen nur Kaffee, belegte Brote, sonst ließ man den armen Mann hungern. Ein Schriftsteller von Rang musste schließlich ordentlich essen abwechslungsreich, wohlschmeckend!

So kochte Gertrud: Mal Apfelkuchen, mal Kartoffelpuffer, mal Ente mit Äpfeln und brachte es dem Nachbarn.

Während Wilhelm aß, polterte sie schon mit ihrem Eimer, wischte durch die Flure.

Lassen Sie das, sofort aufhören, sofort hinaus!, schrie Wilhelm aus der Küche, verschluckte sich, hustete, rief noch mal lauter. Doch Gertrud hörte nicht hin. Sie half gern einem Talent, fühlte sich beteiligt.

Manchmal bezahlte Wilhelm sie großzügig für ihre Hilfe, meinte, sein Honorar reiche, er würde bald nach Frankreich oder in die Schweiz, um seine Romane vorzustellen, verreisen.

Und was wird dann aus uns? brachte Gertrud jedes Mal theatralisch vor. Wie wird die deutsche Prosa ohne Sie weitergehen?

Ich kehre zurück, meine Liebe! Ganz sicher! klopfte Wilhelm der Nachbarin freundschaftlich aufs Schulterblatt. Ich mache nur dies und das, komme zurück ich habe Verträge, Gertrudchen! Überall warten Verträge! Wo sollte ich sonst hin!

Doch Gertrud fürchtete, dass keine Verträge Wilhelm in ihrem kleinen Ort Wiesenfeld halten würden.

Man wird ihn mir weglocken, ganz bestimmt! dachte sie mit geballter Faust. Dem muss man Einhalt gebieten!

Gertrud schultere das Kreuz, deutsche Literatur zu retten und… Eines Tages, während sie die Wohnung reinigte, fiel ihr das knallrote Notizbuch auf.

Darin standen sämtliche Verträge, die Wilhelm immer wieder in das staubige, kleine Wiesenfeld geführt hatten. Eine Stadt, einst von Stahlarbeitern erbaut keine Sehenswürdigkeiten außer einem Schornstein. Und da sollte einem Schriftsteller nicht irgendwann die Lust vergehen? Doch, die vergeht! Bald will Wilhelm seine Verträge anderswo abschließen Die Damen werden ihn locken, auf die große Reise schicken, und er so talentiert wie vertrauensvoll…

Und Gertrud? Was würde sie ohne Wilhelm Theobald Krüger tun?

Das Notizbuch im Fass im Hinterhof zu verbrennen, schien Gertrud der einzig richtige Ausweg. Ohne die flatterhaften Damen, keine Versuchung mehr sollen sie ruhig fernbleiben!

Doch Wilhelm verstand ihre guten Absichten nicht. Er durchwühlte seine Wohnung, riss Schubladen auf, kippte die Küchenschränke aus das Notizbuch blieb verschwunden.

Dort standen eben Fahrpläne, Reihenfolgen, Waggonnummern, Vorlieben Wie soll er nun jemanden abholen? Nach Namen hatte er sich nie die Mühe gemacht, alles zu behalten ein Fehler.

…Haben Sie nicht etwa gesehen? Rot, mit Lesezeichen? japste Wilhelm, schweißüberströmt.

Nein, ich glaube nicht, zuckte Gertrud die Schultern. Was sollte denn drinstehen?

Als ob sie es nicht wüsste! Sie hatte alle Namen gelesen! Sie rief alle an und sagte, Wilhelm sei fortgezogen, lasse grüßen.

Nicht aus Bosheit. Sondern aus Sorge um die deutsche Literatur!

Das ist lebenswichtig für mein Schaffen, verstehen Sie?! Ohne das bin ich verloren!, schrie Krüger, klatschte sich auf seine mollige Brust.

Ach was! Es regelt sich schon alles, glauben Sie mir, versuchte Gertrud ganz mütterlich ihn zu beruhigen, bot einen Stück Kohlkuchen an aber Wilhelm hörte schon nicht mehr hin, murmelte vor sich hin, hastete zur Bahnstation.

Dort lief er die Gleise entlang, betrachtete jede ankommende Dame, drängelte, hoffte, wurde enttäuscht, presste die Stirn gegen den Zaun, atmete schwer.

Konzentrieren… Ordnung muss rein!, murmelte er krankhaft, schrieb Damenlisten, zeichnete Pläne, wühlte im Kalender am Ende lag alles wieder auf dem Boden, und Gertrud tauchte in der offenen Wohnungstür mit etwas Herzhaftem auf schalt den Nachbarn, dass er so nervös war, und überredete ihn zum Essen.

Widerwillig, aber hungrig, kam er in die Küche, erschöpft, blass, und aß. Gertrud beobachtete ihn… wie eben Schriftsteller essen.

Sein Zustand beunruhigte Gertrud, sie fragte sich insgeheim, ob sie nicht selbst schuld an seiner Verwirrung war. Aber nein ihre Überzeugung blieb standhaft.

Die Damen, was hatten sie schon gebracht? Sie raubten Wilhelm Kraft und Seelenruhe! Erst nach ihrem Abzug konnte er schreiben war das etwa gut? Solche Qualen für ein bisschen Inspiration?

Wilhelm war kein alter Mann, natürlich sehnte er sich nach Wärme. Doch sollte nicht die Frau um ihn werben und Halt geben? Dann würde Wilhelm große Werke schreiben, Wiesenfeld berühmt machen und Gertrud würde ihm (nach seinem Tod, natürlich) ein Denkmal setzen lassen…

So verging ein, zwei Wochen. Ein paar Damen standen noch vor Wilhelms Tür Gertrud schickte sie fort, behauptete, er sei längst nach Oldenburg verreist.

Eines Tages aber stand auf einmal Gisela Frederike Hartmann an Gertruds Seite vor Wilhelms Wohnung.

Wer ist das, Gertrud? Ich will keine Interviews, ich bin ausgebrannt! Wilhelm wollte die Tür zuschlagen, doch Gisela stand schon im Flur, zog die Stiefel aus, ließ Wilhelm artig den Mantel abnehmen, richtete ihr Kleid, band das Haar neu und schritt bestimmt in den Flur.

Das ist meine Cousine, Gisela, verkündete Gertrud. Sie wollte mal reinschauen. Ich hab ihr von unserem berühmten Schriftsteller erzählt. Seien Sie nicht böse lassen Sie das Mädchen Sie kennenlernen, ja? Gertrud faltete die Hände, bat rührend.

Wilhelm blickte verwirrt von Gertrud zu Gisela, die rund und kräftig war, sich selbstbewusst bewegte und ihre Schönheit stolz vor sich hertrug.

Aber ich… Ich warte heute noch auf Theresa, und dann auf Maria, und… Ach Gott, alles vergessen! Die Adressen, die Züge das Notizbuch ist weg, alles verloren! Er fuhr sich durch die Haare, den Kopf voller Sorge.

Das findet sich, das passiert jedem mal, beruhigte ihn Gertrud und tätschelte seine Schulter. Ich hab auch ständig die Schlüssel im falschen Mantel! Suchen, suchen, und dann sind sie auf einmal da! Das kommt schon in Ordnung. Und vielleicht ist es an der Zeit, mit den Verträgen Schluss zu machen? Lernen Sie doch mal Gisela kennen ein kluges Mädchen, liest gern Prosa. Gisela, mach uns Tee, ich hole Gebäck, rief Gertrud.

Während sie weglief, fand sich Wilhelm verloren in der Küche, er sah, wie Gisela auf einen Stuhl stieg, um oben im Schrank nach Tassen zu suchen.

Sie können doch fallen! Wilhelm erschrak.

Aber Gisela nahm einfach die hübschen Porzellantassen runter, stieg sicher hinab und setzte Wasser auf.

Setzen. Sie. Sich, befahl sie Wilhelm und deutete auf einen Stuhl. Wilhelm gehorchte, wollte flüchten, doch ein Blick hielt ihn fest.

Wir trinken jetzt Tee. In aller Ruhe. Erzählen Sie mir von ihrer Arbeit, wies sie an. Ihre Stimme war tief und warm.

Ich will nicht! Ich habe genug zu tun, Fristen, und gleich kommt auch noch Pauline…, Wilhelm fielen allerlei Namen ein, keine Erinnerung mehr, welche Dame wann kommen wollte.

Sie kommt schon zurecht. Wir werden ihr auch eine Tasse anbieten. Gastfreundschaft geht vor! Erst mal essen, dann weitersehen!

Als Wilhelm aufspringen wollte, sagte Gisela strenger: Nicht drängeln!

Sie zeigte auf den Tee. Giselas Hände zitterten leicht, vielleicht vor Aufregung.

Wilhelm murmelte: Sie findet mich schon, die Pauline. Ich weiß nur den Zug nicht mehr… Mein Notizbuch…

Kommen Sie zur Ruhe! nickte Gisela, Sie sind doch fürs Schreiben da, nicht zum Bahnfahren. Erst essen, dann ruhen, dann weiterarbeiten!

Bestimmt setzte sie Wilhelm an den Tisch, blies auf den Tee, so dass er sich nicht verbrannte, nahm das Gebäck von der hereinstürmenden Gertrud und schickte diese diskret hinaus.

Ich dachte, wir sitzen zusammen…, beschwerte sich Gertrud.

Jetzt nicht! Autor braucht Ruhe. Das sehen Sie doch!, sagte Gisela ernst. Danach sitzen wir zu dritt, aber jetzt Kreativkrise! Nur Ruhe hilft!

Gertrud zog sich zurück, spürte aber: Jetzt wird es besser. Gisela wird Wilhelm schon aufrichten, den Stern der deutschen Literatur retten!

Wilhelm aß und blickte verstohlen auf die Besucherin. Sie aß mit Genuss, große Bissen. Doch sie stopfte nicht, aß kultiviert, soweit möglich bei ihrer Statur.

Wilhelm merkte, dass er vor ihr Respekt hatte. Nie hatte er Angst vor Frauen zumindest eine andere Angst: Die, verlassen zu werden, ein falsches Wort zu sagen Bei Gisela jedoch war der Respekt von anderer Art. Vielleicht so, wie ein Hund seinen Herrn fürchtet, der ihm manchmal einen Knochen hinhält.

Trinken Sie noch was! Sie müssen Ihre Nieren reinigen, alles steckt doch da drin!, sagte Gisela und klopfte ihm sanft auf den Rücken. Auch Ihre Sorgen mit dem Tee, und mit Honig… Haben Sie welchen da? Als Wilhelm zögerte, rief sie: Ich kaufe selbst ein. Ich kümmere mich jetzt! Und ihr Blick ließ keinen Zweifel, was damit noch alles gemeint war der ganze Haushalt, ja auch er!

Wilhelm schluckte, spürte Angst und ein leises Prickeln zwischen den Schultern. Gisela bemerkte es, strich ihm über den Rücken. Er schloss für einen Moment die Augen, so wohl war ihm.

So, genug, zog sie die Hand weg. Genug gegessen. Jetzt schlafen! Ich mache alles fertig, dann komme ich nach!

Wie, zu mir? fragte er leise.

Na selbstverständlich! Sie sind ausgelaugt, Sie haben seit Monaten nichts Vernünftiges beendet. Lassen Sie es sich nicht kaputtmachen. Man hat Ihnen den Frieden gestohlen, den einfachen Trost. Diese Schar wartender Damen wollen nur Ruhm, kein echtes Leben!

Sie sagte Wilhelm so warm, wie nie zuvor jemand. Früher hatten ihn die Damen alle möglichen seltsamen Namen gegeben was ihn befremdete. Bei Gisela fühlte er sich wie früher, als Kind bei der Großmutter im Sommer, friedlich, voller Kraft, still und kreativ.

Gehen Sie, Wilhelm, ich komme gleich! nickte Gisela. Waschen Sie sich die Krümel weg. Dann ruhen Sie eine Runde.

Wilhelm schlich ins Bad, trabte weiter ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa fallen. Sein Magen war wohlig voll, der süße Tee machte schläfrig, keine Sorge quälte ihn mehr.

Gerade wollte er einschlafen, als er spürte, dass sein Kopf auf etwas Warmem, Weichem landete Giselas runder Brust. Sie strich ihm sanft über die Wange und begann eine alte Wiegenliedmelodie zu summen von Schwänen und Adlern, von einsamen Küken.

Wilhelm schlief ein so friedlich wie seit Jahren nicht mehr.

Gisela blieb wach, betrachtete das Zimmer entschied, was hier zu verändern wäre: neue Vorhänge, der Teppich raus oder doch nochmal reinigen. Sie suchte nach Büchern im Regal und seufzte. Wilhelm wird wieder sein größtes Werk schreiben, da war sie sich sicher. Denn jetzt war er endlich in richtigen Händen. Gisela würde ihn nicht hergeben, nein!

Gertrud schaute noch herein, wollte eingelegte Äpfel anbieten, aber Gisela blickte streng, und Gertrud verschwand.

Von Gertrud würde Gisela ihren Wilhelm auch beschützen vielleicht Vielleicht würde sie noch überlegen

Drei Jahre später hatte Gisela Wilhelm eine Tochter und dann einen Sohn geboren. Zur Buchpremiere von Unter sanftem Flügel in Berlin kam sie mit den beiden Kindern an der Hand und lächelte bescheiden, während Wilhelm die Ovationen erhielt.

In einer Ecke standen ein paar blasse, dünne Damen und wischten sich verstohlen die Tränen ab Gisela wusste, das waren die aus dem roten Buch. Jede findet ihren Wilhelm, dachte sie ruhig, es braucht nur den richtigen Blick!

Gisela Frederike, kommen Sie für das Familienfoto! rief man. Sie strich das Haar glatt, steckte die Kinderhände in Gertruds Hand und schwebte an Wilhelms Seite über die Stufen aufrecht, stolz.

Wilhelm lächelte und küsste sie auf die Wange. Alle klatschten Beifall, freuten sich über Wilhelms späten Glück.

Gertrud war zufrieden und lobte sich: Die deutsche Prosa war gerettet, hätte sie doch gut gemacht, die kluge GertrudUnd als Wilhelm in den Applaus hineinschaute, sah er nicht die Lichter, die Prominenten, die Verleger sondern nur das vertraute Strahlen in Giselas Augen, das warme Gewicht der kleinen Hände an seiner, den Geruch von Tee und frischem Kuchen, und das sichere Gefühl, angekommen zu sein. Seine Stimme zitterte, als er ins Mikrofon sagte: Ich danke meiner Familie meiner wahren Inspiration. Ohne euch gäbe es keine Geschichten, nur leere Seiten.

Gertrud wischte sich verstohlen eine Träne ab, klopfte den Kindern sacht die Schultern und flüsterte: So gehört sich das, mein Wilhelm. Und als sie Hand in Hand nebeneinander aus der Halle traten, lag das Tosen der Welt weit hinter ihnen und zu Hause, auf dem alten Holztisch, wartete schon ein noch warmer Kuchen. Mit Kirschen. Diesmal wusste es Wilhelm ganz genau.

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Homy
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