Teilnehmer nicht erreichbar
Anne, hast du zufällig mein Handy-Ladegerät gesehen? fragte ich, während ich leicht gehetzt ins Wohnzimmer stürmte und meine Frau mit hoffnungsvollem Blick ansah. Ich muss nämlich gleich zum Bahnhof und finde das blöde Ding nicht.
Klar kannst du es nicht finden, dachte Anne. Man müsste eben Dinge auch mal an ihren Platz legen und nicht überall in der Wohnung verteilen!
Nein, hab ich nicht gesehen… antwortete sie leise.
Sie log und errötete dabei nicht einmal.
Natürlich wusste sie ganz genau, wo mein Ladegerät war. Aber sie sagte es mir nicht. Zum ersten Mal wollte sie mir eine kleine Lektion erteilen.
In letzter Zeit war sie schlichtweg genervt davon, dass ich immer schusseliger und nachlässiger wurde. Gerade dreißig Jahre alt und benehme mich teilweise wie ein alter Opa! Sogar ihr Großvater war mit siebzig noch strukturierter als ich heute.
Früher nahm sie das locker, aber inzwischen brachte es sie richtig auf die Palme, manchmal zu Recht. Ständig ließ ich irgendwo eine benutzte Kaffeetasse stehen, verlegte meine Brille im Bad, fand meine Hausschuhe nicht Und dann stand ich wieder schuldbewusst vor ihr: Anne, Liebling, hast du zufällig meine, na, ihr kennt das Brille, Hausschuhe, Wohnungsschlüssel.
Was sie aber noch viel mehr störte: In letzter Zeit war ich völlig von der Arbeit vereinnahmt und schenkte Anne fast gar keine Aufmerksamkeit mehr. Morgens früh zur Arbeit, abends spät nach Hause.
Gemeinsames Abendessen? Fehlanzeige.
Sie achtete auf ihre Figur und aß abends sowieso nichts mehr, und Gespräche fanden höchstens noch zu meiner Arbeit statt sonst über nichts.
Anne, der Chef will sieben neue Filialen in vier Städten eröffnen, und ich soll alles im Blick behalten. Wahnsinnige Verantwortung, aber auch ein gutes Gehalt! Wenn alles klappt, können wir uns bald endlich ein Auto leisten. Ich hab nämlich echt keine Lust mehr, immer mit der S-Bahn durch die Stadt zu gurken und zu den Dienstreisen wäre das auch praktischer als endlos Bus zu fahren. Und danach sparen wir für eine neue Wohnung! Dann wird endlich alles gut.
Ich hielt kurz inne und schaute zu Anne, um zu sehen, wie das auf sie wirkte.
Dann haben wir bald alles, Anne! Endlich läufts!
Wieder redet er nur vom Geld, Autos, Wohnung dachte sie traurig merkt er eigentlich nicht, dass unsere Ehe auseinanderbricht?
Es lief wirklich schlecht zwischen uns in letzter Zeit; wir zankten uns häufig. Dabei waren wir noch vor zwei Jahren bis über beide Ohren ineinander verliebt
Wir konnten früher nicht genug von einander bekommen, mussten immer zusammen sein!
Deswegen hatte Anne auch geheiratet sie war sicher, dass ich ihr Mensch bin, mit dem sie wirklich glücklich werden kann.
Aber nicht einmal dreieinhalb Jahre später steckte unsere Beziehung in einer Sackgasse. Klar, Anne wusste von Beziehungskrisen, aber sie hätte niemals gedacht, dass das alles so schnell geht.
Sie hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, tat aber trotzdem alles, was sie konnte sie liebte mich ja. Sogar zu einer Familienberatung hatte sie mich überreden wollen dreimal hatte sie einen Termin gemacht.
Ich habe nie geschafft, hinzugehen immer war die Arbeit wichtiger.
Bei jedem Mal musste sie Frau Dr. Seiler, die Familientherapeutin, vertrösten.
Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal? fragte sie höflich beim dritten Versuch.
Vielleicht… Ich melde mich dann, antwortete Anne.
Aber Anne hat nie wieder angerufen.
Sie hatte gemerkt: Es bringt nichts. Mit mir darüber reden, dass ich mehr Zeit für sie haben soll und weniger für die Arbeit, war auch zwecklos.
Anne hatte sogar vorgeschlagen, gemeinsam ein kleines Café oder einen Blumenladen zu eröffnen einfach, um mehr Zeit miteinander zu verbringen.
Das hat mich allerdings überhaupt nicht interessiert. Ich wollte den Chef nicht enttäuschen alles, was ich tat, war doch zu unserem Wohl!
Ein eigenes Geschäft? Viel zu riskant, vor allem wenn es finanziell doch eigentlich läuft.
Verstehst du? Diese Frage stellte ich Anne jedes Mal, so als müsste ich mich selbst überzeugen.
Ja Natürlich, ich verstehe antwortete sie, aber ich merkte, wie ihre Augen leer wurden.
Je mehr wir uns leisten konnten (das nächste Smartphone, einen besseren Laptop, die neue Kaffeemaschine), desto schneller verschwanden die wirklich wichtigen Dinge aus unserem Leben.
Natürlich ich verdiente mehr als Anne und sorgte für uns. Wir renovierten unsere Wohnung, kauften alle möglichen Geräte nicht nur Mikrowelle, Kühlschrank, Waschmaschine, sondern auch Dinge wie Geschirrspüler, Hightech-Kaffeemaschine und Saugroboter
Aber machte uns das glücklich?
Anne konnte sich nicht mehr erinnern, wann wir das letzte Mal einfach zusammen einen Film geschaut, im Park spazieren waren oder gemeinsam einkaufen gingen.
Sie vermisste das sehr.
Was sie am meisten vermisste, war einfach MICH. Und es tat ihr furchtbar weh mitanzusehen, wie unsere so glückliche Ehe in sich zusammenfiel wie ein Kartenhaus.
Genau deshalb nervten sie meine Marotten wie nie zuvor schmutzige Tassen auf der Fensterbank, vergessene Brillen im Bad, verlorene Socken und verschollene Hausschuhe…
Kleinigkeiten, aber sie brachten sie tagtäglich mehr auf die Palme.
Ihr Ärger wurde so groß, dass sie darüber nachdachte, sich scheiden zu lassen. Sie konnte einfach nicht mehr es reichte!
Jetzt auch wieder: Ich laufe wie aufgezogen durch die Wohnung, finde nicht das Ladegerät, das ich gestern auf der Kommode im Flur liegen ließ (aus der Tasche genommen, aber dann wieder nicht in die Hand genommen), und Anne bringt das auf die Palme. Kein Wunder, dass sie mir nicht hilft.
Du hast es also nicht gesehen murmelte ich verzweifelt und durchwühlte die gesamte Wohnung. Seltsam. Ich bin mir sicher, dass ich es gestern von der Arbeit mitgebracht habe.
Weißt du, da wäre ich mir an deiner Stelle nicht zu sicher.
Was?
Dass du dich tatsächlich erinnerst. Ehrlich, mit deinem Gedächtnis stimmt einfach was nicht.
Ach Quatsch, versuchte ich zu lächeln. In letzter Zeit wird es mir einfach ein bisschen zu viel auf Arbeit, da bin ich manchmal neben der Spur.
Und sonst? Passiert dir noch was anderes in letzter Zeit? spitzte Anne zu. Erinnerst du dich überhaupt noch, dass du eine Frau hast?
Anne, nicht schon wieder…, runzelte ich die Stirn. Ich mochte diese Gespräche überhaupt nicht. Ich hab dir doch schon erklärt, was für eine Verantwortung auf meinen Schultern lastet. Ich tu das alles schließlich für uns! Damit es uns an nichts fehlt! Warum musst du jetzt anfangen zu streiten? Ich muss jetzt wirklich los, der Zug fährt bald
Ach so! Du bist natürlich wieder der Held und ich bin schuld an allem? Bequeme Einstellung!
Von Wort zu Wort eskalierte es wieder und wir stritten uns diesmal besonders heftig. Unsere Nachbarin, Frau Berger, klopfte sogar mehrfach gegen die Wand, damit wir endlich etwas ruhiger wurden.
Schließlich fuhr ich ohne Ladegerät und sehr mieser Laune zum Bahnhof.
Wer konnte es mir verdenken Anne hatte mir unmissverständlich gesagt, wenn ich jetzt fahre, könnte ich auch gleich ganz wegbleiben.
Während ich die Treppen hinunterstürmte, hörte ich, wie sie die Wohnungstür schloss. Dann lehnte sie sich dagegen und
fing an zu weinen.
Sie hatte sich eigentlich vorgenommen, ruhig zu bleiben, aber die Emotionen übermannten sie ein weiteres Mal.
Anne war einfach wütend auf mich.
Darauf, dass ich sie wieder einmal allein ließ.
Und darauf, dass ich offensichtlich nichts ändern wollte. Für mich war alles in Ordnung. Hauptsache ich war der tolle Versorger! Dass meine Frau unter Einsamkeit und mangelnder Aufmerksamkeit litt, ignorierte ich einfach.
Selbst über Kinder konnten wir nicht sprechen ich war einfach immer zu beschäftigt. Wir schliefen im selben Bett, aber gewissermaßen Rücken an Rücken.
Anne wollte so nicht mehr leben oder besser: Sie konnte es nicht mehr. Sie war ausgebrannt.
Sie wusste nur zu gut, dass es nicht besser werden würde. Erst ärgerten sie meine Macken, später würde ich sie als Mensch stören. Lieber beendete sie das jetzt, sofort und konsequent ein Punkt, kein Komma, kein weiteres Mal sehen.
Sobald sie sich etwas gefangen hatte, setzte sie sich an den Laptop, um nach den Unterlagen zu suchen, die man für eine Scheidung benötigt.
Wenn er von der Dienstreise zurück ist, sage ich es ihm. Ich will mich scheiden lassen, dachte Anne, während sie ins Browserfenster tippte.
Es wäre für beide das Beste, davon war sie überzeugt. Sie wollte nicht länger auf Zuneigung hoffen und ich? Nun, ich konnte ja weiter an meiner Karriere stricken, wenn sie mir so wichtig war.
Den ganzen Abend suchte sie Informationen dazu im Netz, las traurige Scheidungsgeschichten in Frauenforen, guckte Liebesvideos und schlief schlussendlich vor dem Laptop ein.
*****
Sie wachte früh morgens auf. Die Laune im Keller, die Stimmung noch schlechter. Sie beschloss, das Radio anzumachen, um irgendwie wach zu werden.
Im Hintergrund lief So lang man Träume noch leben kann von Münchener Freiheit, während sie am Fenster stand und Kaffee trank.
Sie dachte an mich, an unsere Beziehung, an die bevorstehende Scheidung. Ihr Kopf war voller Gedanken.
Und ehrlich gesagt: Sie war sich plötzlich gar nicht mehr sicher, ob es richtig war, aufzugeben.
Klar, sie war erschöpft, klar einiges nervte gewaltig. Aber sie liebte mich. Und ich sie vielleicht ja auch.
Wie Tolstoi sagte: Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre Weise unglücklich.
Vielleich hatte der Mann wirklich recht?
War es vielleicht zu früh, alles hinzuschmeißen? Vielleicht sollte sie doch um unser Glück kämpfen?
Sie wollte mich auf einmal unbedingt anrufen.
Als sie es tat, meldete sich aber nur die Mailbox: Der Teilnehmer ist nicht erreichbar oder befindet sich außerhalb des Empfangsbereichs.
Seltsam, murmelte sie.
Sie wählte noch einmal. Wieder nur die kalte, mechanische Stimme.
Im Radio begannen gerade die Nachrichten, sie wollte eigentlich schon in das Schlafzimmer gehen, als die ersten Worte des Moderators sie wie angewurzelt an Ort und Stelle stehen ließen.
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Leider gibt es für manche von Ihnen heute einen traurigen Anlass. Uns liegen neue Informationen zu dem gestrigen tragischen Verkehrsunfall etwa dreißig Kilometer vor der Stadt vor. Ein Reisebus, der gestern Abend Richtung Weiden fuhr, kam auf schneeglatter Straße ins Schleudern, driftete auf die Gegenfahrbahn Leider überlebte keiner der Insassen. Wir sprechen unser Mitgefühl den Angehörigen aus.
Wie schrecklich, dachte Anne. Keiner hat überlebt Wie leid mir diese Menschen tun.
Als sie den Ortsnamen Weiden nochmal innerlich wiederholte, stockte ihr der Atem.
Mein Gott! realisierte sie plötzlich, dass ich genau diesen Bus nehmen wollte. Das darf nicht wahr sein!
Mit zitternden Händen griff sie nach ihrem Handy und wählte meine Nummer unzählige Male jedes Mal wieder: Teilnehmer nicht erreichbar.
Anne konnte einfach nicht glauben, dass ich fort war. Sie war völlig unvorbereitet darauf, mich für immer zu verlieren.
Und in ihrem Kopf klangen immer wieder die Liedzeilen:
So lang man Träume noch leben kann, wird das Leben weiter geh’n
Es darf nicht wahr sein, bitte, bitte, lieber Gott, gib mir meinen Mann zurück, flehte sie.
Eigentlich glaubte sie nicht an Wunder, aber in dieser Sekunde war das ihre einzige Hoffnung.
An mich zu glauben, dass ich am Leben bin, dass ich zurückkehre das war das Einzige, was half. Sie hätte alles dafür gegeben.
Sollte ich ruhig weiter meine Sachen in der Wohnung verteilen, bis spätabends arbeiten, auf Dienstreisen gehen Hauptsache, ich war am Leben.
Bitte, bitte, lieber Gott! weinte Anne jetzt beinahe hemmungslos. Gib mir meinen Mann zurück!
Die Tränen rannen über ihr Gesicht, tropften auf ihr zitterndes Kinn und fielen geräuschlos zu Boden.
Sie wollte schon ihre beste Freundin, Katharina, anrufen und alles erzählen, als auf einmal
jemand die Wohnungstür aufsperrte. Wie der Blitz stürzte sie aus der Küche in den Flur und da stand ich. Mit einem kleinen Kätzchen auf dem Arm. Anne blieb vor lauter Schreck wie erstarrt stehen.
Anne, hi. Ich hab dir was mitgebracht. Wärs okay, wenn Miezi künftig bei uns wohnt?
Martin Wie kommst du denn hierher? Du solltest doch
Ach, das ist eine längere Geschichte, lächelte ich. Stell dir vor: Fünf Minuten vor Abfahrt wollte dieses kleine Kätzchen ins Bahnhofsgebäude draußen wars bitterkalt, und die Mitarbeiter haben versucht, es zu verscheuchen. Und dann haben auch noch die Reisenden auf den Bus geschimpft, weil das Kätzchen zwischen ihren Beinen rumsprang.
Aus Angst schoss das Kätzchen auf die Straße, und ich konnte es einfach nicht da lassen.
Viele Autos fuhren ja nicht, aber einer hätte es übersehen können
Kurzentschlossen rannte ich also hinterher, um das Tier zu retten. Einfach war das nicht, aber ich habe es irgendwie hinbekommen.
Als ich zurück zur Haltestelle kam, war der Bus nach Weiden natürlich längst abgefahren.
Halb so wild, grinste ich und schaute die Katze an. Es sollte wohl nicht sein, dass ich diese Dienstreise mache.
Ich rief den Chef an, erklärte die Situation, aber der war total außer sich, schimpfte, dass ich unverantwortlich sei und sagte, ich solle gefälligst sofort los.
Als mein Telefon mitten im Gespräch Akku leer war, dachte der Chef anscheinend, ich hätte absichtlich aufgelegt. Ihr könnt euch denken, wie das manchmal läuft.
Jedenfalls war ich meinen Job wohl los der Chef meinte aufgebracht, ich sei nicht mehr tragbar, egal wie gut ich bin.
Ich ließ meine Tasche im Schließfach und lief die ganze Nacht in der Stadt umher. Es war leer auf den Straßen, und ich dachte viel nach. Vielleicht hatte Anne ja recht. Ich habe ihr wirklich keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt.
Klar, die Arbeit, das Geld… Aber irgendwann muss man auch LEBEN. Das wurde mir in dieser kalten Nacht plötzlich klar.
Die kleine Katze saß unter meiner Jacke und spendete mir Wärme ich fühlte die Kälte überhaupt nicht.
Morgens, als ich meine Gedanken geordnet hatte, ging ich nach Hause zurück. Ich wollte einen Neuanfang wagen.
So stand ich also an der Tür, erzählte, warum ich nicht losgefahren war und wunderte mich plötzlich, wieso Anne so seltsam und verheult aussah.
Anne wusste in dem Moment überhaupt nicht, wen sie zuerst umarmen sollte: ihren lebendigen Ehemann oder die Katze, die mich praktisch gerettet hatte.
Am Ende drückte sie uns beide an sich mich und die kleine Miezi.
Dann erzählte sie, was mit dem Bus passiert war, zu dem ich nicht mehr rechtzeitig gekommen war.
Das gibts doch nicht sagte ich nachdenklich. Dann hat mir Miezi wohl das Leben gerettet?
Offensichtlich schon, lächelte Anne. Du hast sie gerettet, und sie hat dich gerettet. Ein echtes Wunder. Lass mich das Kätzchen noch mal knuddeln. Ohne sie
Und so saßen wir am Küchentisch ich erzählte, wie ich Miezi gerettet hatte, und Anne lachte endlich mal wieder herzlich.
Wie sehr sie diese vertrauten Gespräche vermisst hatte. Bekamen wir etwa doch noch eine zweite Chance vom Leben?
Am Abend rief mein Chef an.
Als er von dem Unfall im Radio hörte, hatte er seine Meinung komplett geändert kündigte sogar an, mir einen Dienstwagen samt Fahrer zu organisieren. Aber am nächsten Tag habe ich trotzdem meine Kündigung eingereicht.
Meine Prioritäten hatten sich geändert. Jetzt stand Anne ganz oben, nicht mehr die Arbeit.
Kurz darauf eröffneten wir tatsächlich unser kleines Café.
Der Umsatz war zwar noch nicht groß, aber das Wichtigste: Wir verbrachten unsere Tage nun gemeinsam.
Und natürlich war Miezi auch immer dabei.
Viele Leute kamen ins Café nicht nur wegen des Kaffees, sondern auch, um mit Miezi zu spielen. Sie war so lieb, dass keiner ihr widerstehen konnte.
Und so gingen viele Gäste irgendwann selbst ins Tierheim oder nahmen eine Katze von der Straße auf.
Tja, so war das.
Worum es geht?
Um vieles: Liebe, Familie, schwere Entscheidungen, Menschlichkeit. Und um Hoffnung auf Wunder. Denn manchmal geschehen sie wirklich. Ja, wirklichAls ich abends deutlich später als sonst die letzte Tasse spülte, stand Anne in der Tür, strahlte und hielt Miezi auf dem Arm. Sie sah mich an, in ihren Augen dieses Glitzern, das ich vermisst hatte und plötzlich wusste ich: Wir hatten wirklich alles verändert.
Nicht Geld, neue Geräte oder Karriere machten unser Leben reich sondern das, was in viel zu hektischen Zeiten verloren zu gehen drohte: Liebe, Zeit füreinander, gemeinsame Träume. Und manchmal ein bisschen Mut, auf das Herz zu hören.
Anne lächelte, küsste mich auf die Stirn und flüsterte: Komm, lass uns spazieren gehen einfach so, nur wir und Miezi. Ich zog die Tür hinter uns zu. Die Straßenlaternen tauchten alles in warmes Licht, und hinter dem Fenster unseres Cafés lag das kleine, zufriedene Kätzchen zusammengerollt auf dem Lieblingsplatz.
Es war still, fast feierlich. Über uns funkelten die ersten Sterne.
Wir gingen Hand in Hand durch die kühle Nacht, sprachen über nichts und alles.
Vielleicht würden die Sorgen und Herausforderungen nie gänzlich verschwinden aber jetzt wussten wir: Solange wir aufeinander achtgeben, gemeinsam träumen und an kleinen Wundern festhalten, ist selbst das Unscheinbarste ein Grund zum Glücklichsein.
Und die Liebe? Sie bleibt manchmal gut versteckt zwischen Alltag, Kaffeetassen und vergessenen Ladegeräten, aber immer da, wenn man sie sucht.
So wie der Frühling selbst nach dem kältesten Winter zurückkehrt.



