” Gala schwärmt von eurem Haus, ich will mal sehen, worauf ihr so viel Geld verschwendet habt,” sagte Larissa Petrowna mit herablassendem Lächeln.
Vier lange Jahre hatten Olga und Viktor an ihrem zweistöckigen Landhaus gebaut. Jede freie Minute floss in die Renovierung, und endlich, nach all der Zeit, war der Umzug für die Familie geschafft.
Zusammen mit ihren drei Kindern bezogen Olga und Viktor das neue Haus und freuten sich auf ein glückliches Familienleben. Alles wäre perfekt gewesen, wenn nicht Viktors Mutter plötzlich Interesse gezeigt hätte. Vorher hatte sie den Hausbau für pure Zeit- und Geldverschwendung gehalten.
Kaum war die Familie eingezogen, meldeten sich Verwandte, um das Haus zu besichtigen. Innerhalb von zwei Monaten hatten alle einen Besuch abgestattet bis auf Viktors Mutter, Larissa Petrowna.
“Bei euch ist es wie im Märchen!” schwärmte ihre eigene Schwester. “Hast du es schon gesehen?”
“Nein, dazu kam ich noch nicht,” antwortete Larissa mit gespielter Gleichgültigkeit.
Doch am selben Abend schrieb sie ihrem Sohn und verlangte Fotos.
“Gala lobt euer Haus in den höchsten Tönen. Ich will sehen, wofür ihr so viel Geld ausgegeben habt.”
Viktor schickte ihr ohne groß nachzudenken ein paar Bilder. Doch statt Freude folgte nur Kritik:
“Interessant, dass mich niemand einlädt. Alle waren schon da, nur ich nicht”
“Vielleicht, weil du den Bau immer für Unsinn hieltest?” erinnerte Viktor sie.
“Ach, was für eine dumme Frage! Wer die Vergangenheit aufwärmt, bekommt nur kalte Asche,” fauchte sie.
“Und wer sie vergisst, kriegt sie doppelt,” konterte Viktor trocken.
Um das Thema zu wechseln, redete Larissa weiter über das Haus.
“Schick mir die Adresse, ich komme vorbei,” forderte sie bestimmt.
Schon am nächsten Tag stand sie vor der Tür.
Olga, die nichts von dem Anruf wusste, war geschockt.
“Warum hast du mir nichts gesagt?”
“Ich dachte nicht, dass sie so schnell kommt,” gestand Viktor, selbst überrascht.
Larissa brachte Schokolade für die Enkel mit drei Tafeln, die Olga sofort auffielen. Doch ihr Verhalten blieb kühl, wie immer.
Mit kritischem Blick musterte Larissa das Haus. Ihr Gesicht verriet deutlich: Sie war nicht begeistert.
Erst beim Essen, nach zwei Gläsern Sekt, kam der wahre Grund hervor.
“Warum muss ich wie eine Bettlerin in meiner Wohnung leben, während diese Dame hier wie eine Königin residiert?”
“Was ist falsch an deiner Wohnung? Wir haben deine alte Einzimmerwohnung verkauft und dir eine Zweizimmerwohnung gekauft! Dazu überweise ich dir monatlich 300 Euro. Wo siehst du da eine Bettlerin?”
“Bin ich dir etwa nicht dankbar? Natürlich! Aber ich will auch ein Haus!”
“Mama, wir haben unser Traumhaus gebaut. Was hat das mit dir zu tun?”
“Was heißt das? Habe ich dich nicht geboren und großgezogen? Verdiene ich kein schönes Leben? Warum lädt ihr mich nie ein?”
Olga, die das Gespräch mithörte, seufzte:
“Viktor, es hat keinen Sinn. Sie beneidet uns einfach.”
Larissa schnaubte und griff nach der Sektflasche.
Draußen auf der Terrasse versuchte Viktor, Klartext zu reden.
“Mama, deine ständigen Vorwürfe sind schwer auszuhalten. Die Kinder meiden dich, und Ola leidet unter deinem Verhalten. Zusammenleben? Unmöglich.”
“Ah, ich bin also die böse Oma? Vielleicht kannst du dich einfach nicht gegen deine Frau durchsetzen!”
“Mein Haus steht für unser Familienglück. Und ich lasse es nicht kaputtmachen!”
“Ich soll es kaputtmachen? Das denkt sich deine Frau, nicht wahr? Meine Gefühle interessieren hier keinen!” Mit Tränen in den Augen rief sie ein Taxi und verschwand.
Seitdem war das Verhältnis zerrüttet.
Einen Monat später rief sie Viktor wütend an: Sie wollte ihre Wohnung verkaufen und ein Haus kaufen. Doch dann stellte sich heraus die Wohnung gehörte ihm.
“Du hast mich betrogen! Alles hast du dir unter den Nagel gerissen!”
“Ich habe viel Geld dazugegeben, also gehört sie mir. Fair, oder?”
Sie knallte den Hörer auf. Seitdem meldete sie sich nicht mehr und ignorierte jeden Kontaktversuch.
So viel Drama in einer Familie, oder? Manchmal ist weniger einfach mehr.





