Viktor fuhr mit dem Auto durch ein abgelegenes bayerisches Dorf, als er plötzlich ein Mädchen entdeckte, das einsam am Straßenrand stand. Es war schon spät und außer ihnen war niemand mehr unterwegs. Er hielt an. – Kann ich Sie mitnehmen?

15. Januar

Heute ist mir etwas passiert, das mich noch immer sehr bewegt. Ich habe wie so oft in meinem kleinen LKW Waren ausgeliefert. Es war ein Feiertag, aber eben Arbeit ist Arbeit, die Lieferung musste raus. Mama hatte mir frische Kartoffelpuffer gemacht, sie wusste, wie sehr ich sie liebe. Der Duft hat noch im Fahrerhaus gehangen. Während draußen schon die Dämmerung hereinbrach, machte ich das Radio an ein lustiges Lied wurde gespielt und ich wurde richtig fröhlich.

Es war schon dunkel, als ich durch ein kleines Dorf in der Nähe von Würzburg fuhr. Kaum war ich an der Bushaltestelle vorbei, sah ich im Scheinwerferlicht ein Mädchen stehen. Sie hob die Hand, wollte offensichtlich eine Mitfahrgelegenheit erhaschen. Niemand sonst war weit und breit zu sehen.

Ich bremste ab; sie wirkte erleichtert, fror offensichtlich stark und kam schnell gelaufen.

Kann ich mitfahren?, fragte sie leise.

Natürlich, steigen Sie ein. Hier draußen sind inzwischen kaum noch Autos unterwegs. Warten Sie schon lange?

Ja, schon ziemlich lang, sagte sie und plötzlich liefen ihr die Tränen übers Gesicht. Ich war etwas perplex.

Ich fragte nach: Ist Ihnen etwas passiert?

Schluchzend begann sie zu erzählen:

Ich heiße Friederike. Heute ist ja der alte Neujahrstag, es stehen freie Tage bevor. Eine Kollegin aus dem Büro hat mich eingeladen, das Fest in ihrem Wochenendhaus im Dorf zu feiern. Ihr Mann wollte grillen, es sollte ein richtig schönes, geselliges Fest werden. Sie meinte, ich solle sie anrufen, sobald ich aus dem Bus steige, dann käme sie zur Haltestelle beim Dorfladen.

Ich merkte, wie schwer es ihr fiel, zu sprechen: Ich habe zugesagt Mein Freund und ich, wir haben uns kurz vor Weihnachten getrennt. Meine Kollegin wollte nicht, dass ich allein zu Hause sitze und grüble.

Also bin ich in den Bus Richtung Veitshöchheim gestiegen, habe ihr geschrieben und sie sagte: ‘Warte beim Laden, ich komm gleich.’ Aber als ich ausgestiegen bin, war da nichts. Kein Laden, kein Licht, nur Felder im Dunkeln. Ich schaue zum Bus, der gerade abfährt und sehe auf dem Schild: Er fährt nach Kitzingen, nicht Veitshöchheim Ich war im falschen Bus gelandet und das Dorf, zu dem ich eigentlich musste, lag auf der anderen Seite der Stadt. Mein Bus war schon weitergefahren und ich rief noch, aber der Fahrer hat es nicht gehört. Nach zwei Stunden Warten begriff ich, dass das heute der letzte Bus war.

Tränen liefen über ihr Gesicht. In Richtung Stadt fuhr kein Auto mehr, ich wollte schon zu Fuß ins nächste Dorf, hab dann aber immer wieder versucht, jemanden anzuhalten. Alles blieb leer. Ich stand schließlich fast drei Stunden da draußen. Wären Sie nicht gekommen, ich weiß nicht, was ich gemacht hätte Danke.

Ich musste lächeln und sagte: Komm lass uns du sagen

Sie nickte und ein leises Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Friederike gefiel mir von Anfang an sie war hübsch, unkompliziert, und wirkte sehr selbstständig, ohne Allüren. Mir wurde warm ums Herz. Ich hielt am Straßenrand und meinte: Dir ist jetzt bestimmt wieder warm. Zeit, etwas zu essen. Meine Mutter backt wirklich köstliche Kartoffelnudeln.

Wir teilten mein Proviant. Friederike hatte in ihrer Tasche noch etwas Wurst, ein Stück Käse und Zartbitterschokolade.

Später machten wir es uns in der Fahrerkabine zum Schlafen gemütlich, Friederike oben auf der Liege, ich am Sitz. Als ich gerade das Licht ausmachte, fragte sie plötzlich: Bist du eigentlich verheiratet, Simon?

Nein, antwortete ich.

Warum nicht?

Ich lachte: Weil ich gerade erst die Frau getroffen habe, die mir wirklich gefällt aber ich habe es ihr noch nicht sagen können.

Das verstand sie und sagte: Na dann gute Nacht, Simon.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich, als hätte das Schicksal eingegriffen. Die Fahrt lief problemlos weiter, Friederike lachte viel, und sie erzählte, dass es ihre erste derartige Abenteuerfahrt war und dass sie rückblickend froh darüber war.

Als wir am Nachmittag nach Würzburg zurückkamen, bat ich sie um ihre Nummer.

Sie lächelte mich schüchtern an: Und die Frau, die dir so gefällt?

Ich grinste: Ich habe von dir gesprochen. Es wäre schön, dich wiederzusehen wenn du magst.

Sie stimmte freudig zu: Gerne! Du bist ein echter Kavalier, Simon, hast mich aus einer misslichen Lage gerettet, und unterwegs bewiesen, dass es noch richtige Männer gibt.

Im April haben Friederike und ich standesamtlich geheiratet. Manchmal hält das Leben wunderbare Überraschungen für einen bereit man muss ihnen nur begegnen.

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Homy
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