Kamera läuft! Und… Action!

Kamera läuft! Und… Action!

Ach du meine Güte! rief Oma Erna, die sich gemächlich mit zwei großen Stofftaschen die Bahnhofstraße entlangschleppte. Heute war Markttag im Dorf, und sie hatte keine Lust, den Bürgersteig zu erklimmen. Plötzlich erschütterte ein lautes Motorengeräusch den schmalen Weg hinter ihr, und sie wich erschrocken aus. Wie wild preschte ein Kleinbus an ihr vorbei ganz beklebt mit seltsamen Bildern am Lack , gefolgt von zwei rasenden PKWs.

Die sind doch nicht ganz dicht, diese Raser! Da wird man ja noch umgefahren! Rennen veranstalten sie hier! Kein Wunder, dass ehrliche Leute kaum noch normal durchkommen! schimpfte sie vor sich hin. Niklas! Niklas, warum heizen die denn so? Ist was passiert, ist jemand tot umgefallen?

Warum tot gleich, Oma Erna? zuckte Niklas, ein blonder Junge auf der Parkbank, die Schultern und griff in seine Chips-Tüte. In aller Seelenruhe stocherte er darin herum, bis er eine würzige Kartoffelscheibe fand, die er mit Genuss kaute. Vom Fernsehen sind die, ich sags dir Die drehen bei uns einen Film! Und weißt du was? Die berühmte Cobra kommt her! strahlte Niklas und reckte sich stolz.

Cobra? Bringen die jetzt Schlangen her?! Uns hier mit Giftschlangen zu erschrecken, haben die den Verstand verloren? Wir sind doch ein anständiges Dorf, da laufen Kinder rum! Wer hat so was denn erlaubt? empörte sich Oma Erna und stemmte die Fäuste in die Hüften, die Backen aufgebläht.

Ach Oma Erna, du hast aber wirklich keine Ahnung von der heutigen Filmwelt, was? knabberte Niklas eine weitere Chipsscheibe und trank einen Schluck Apfelschorle. Erna hatte sich schon neben ihn gesetzt, die schweren Taschen im Schatten unter einem Johannisbeerstrauch geparkt, und wollte nun auch in den Karton greifen. Nee, das geht nicht, Cholesterin! zog Niklas die Packung zurück.

Ach, Niklas, ich will doch nur probieren. Was kann mein Cholesterin dir schon anhaben? Die sagen doch immer, Wer nicht raucht und nicht trinkt, stirbt gesund! Gib mir doch wenigstens ein kleines Stückchen! bat sie erschrocken wie ein Schulkind und kaute auf ihrer Unterlippe.

Oma, bitte! Ich krieg bestimmt Ärger, wenn du wieder über die Stränge schlägst. Ach, weißt du was, hier, nimm! Sonst hab ich doch kein ruhiges Gewissen! Aber warum seufzt du jetzt schon wieder?

Oma Erna, die eben noch resigniert das Kinn in die Hände gestützt hatte, wurde wieder munter, nahm sich ein paar Chips heraus, schnupperte und seufzte: Ihr Gesicht, faltig wie ein Pfannkuchen mit Kartoffelnase, verzog sich kontrolliert, die Lippen kräuselten sich kurz, dann entspannten sie sich.

Ganz schön knusprig. Aber irgendwie sind sie zu lang gebacken trotzdem lecker, deine Chips! entschied sie und kaute genüsslich weiter. Also, du sagst, die bringen eine Schlange? Und worum gehts in dem Film? Leben der Tiere oder was? Hoffentlich entwischt die nicht und schluckt meine Hühner! Na, gibst du acht, dass da alles mit rechten Dingen zugeht, Niklas?

Niklas warf einen genervten Blick auf die alte Dame.

Ach Oma, du bist echt nicht uptodate! Die Cobra ist keine Schlange, das ist eine Schauspielerin, waschechte Berühmtheit aus Bremen oder vielleicht aus Dresden, weiß nicht mehr. Die hat mal die Sendung Was kostet die Butter? moderiert. Erinnerst du dich?

Die mit dem langen Haar? Im rosa Kostüm? fragte Erna misstrauisch.

Nein, schwarzes Haar, noch ganz jung. Vielleicht 23 Jahre, schön ist sie auch noch! schwärmte Niklas und bot ihr seinen Apfelsaft an. Doch Erna lehnte ab.

Schön und jung noch dazu? Na, da kenn ich die nicht… Und was hat es dann mit der Butter auf sich? Teurer geworden? Hat sie Unsinn erzählt! Ich war heute auf dem Markt. Alles wie immer! Mit einem letzten Schwung hörte das Wippen ihrer Füße auf. Ich sollte besser los die Butter schmilzt sonst! Machs gut, Niklas, und du halt dich möglichst von den Filmleuten fern! Nachher kommst du auch noch ins Fernsehen. Nach Hause jetzt, ja?

Und schon eilte sie die Straße entlang zu ihrem kleinen Fachwerkhaus, wie schon so viele Jahre. Jedes Ostern bemalte sie die Eier für die Dorfkinder mit feinen Kringeln und goldgelben Weidenkätzchen, ganz wie ihr verstorbener Mann ihr gezeigt hatte.

Im Sommer kam Niklas oft zu dem Zaun von Omas Grundstück, wo sie sogar eine Reckstange aus Eisen für die Dorfjugend aufgestellt hatte. Dort zog Niklas gymnastische Faxen, warf mit Fäusten wie ein Boxer, schwang sich dran hoch, schaffte es aber nie, sich wirklich hochzuziehen. Oma Erna meinte, sein Korsett sei einfach zu schwach, und schweres Arbeiten würde ihm Muskeln bringen. Doch Niklas hatte einfach keine Lust auf Mühe, zog lieber durch das Dorf, aß Chips und teilte sie mit der alten Dame.

So war es Brauch: Sie saßen, tratschten übers Wetter, Erna erzählte von ihrem Einkauf, Niklas brachte Neuigkeiten aus dem Internet, sie lachten, Kopfschütteln, dann ging Erna weiter langsam, schlurfend, aber zufrieden.

Heute aber lief Oma Erna besonders beschwingt, denn die Butter, die Butter schmilzt!

Als sie bei den fremden Wohnwagen ankam, die wie aus dem Nichts auf der Dorfwiese standen Autos, Wagen, Tische belegt mit Kisten und Schachteln, Leute auf Bänken, die auf ihren Laptops herumhämmerten und belegte Brötchen kauten blieb sie neugierig stehen. Die Fremden schienen gestresst und zerstreut, beachteten weder die Schwalben noch den Specht, der im Lindenbaum hämmerte, oder den süßen Duft der Blüten.

Mirochin, stand auf einem Zettel an einem Wohnwagen. Schmetterling, Mausi, da musste Oma Erna lachen. Mausi, so hieß mal ihr Kätzchen. Socke, Johanna, Anton…

Einige Wagen, überall auf der Wiese, jeder offenbar bewohnt von Schauspielern, die wohl gerade ihren Text lernten. Seltsam!

Erna sah sich nach einem schattigen Plätzchen für die Taschen um. Gabs nicht, also stellte sie sie ins Gras, wo die Eier heilblieben, und begutachtete die an Ständer gehängten Kostüme, Jacken, Hosen und sehr sonderbare Stücke, wie sie sie noch nie gesehen hatte.

Sie beobachtete alles mit offenem Blick, sortierte, was schön war, nach rechts, den Rest nach links.

Sicherheit! Warum sind hier Außenstehende auf dem Set? Ein großer, dürre Mann streckte den Kopf aus dem Socke-Wohnwagen. Erna war sich gleich sicher: Der spielt bestimmt einen Bösewicht! Zu widerlich sah der aus. Bringen Sie die Frau vom Set! Was glotzt sie in die Fenster und wühlt im Kostümfundus?! gellte er theatralisch.

Aber ich schau gar nicht rein! Ihr Trampelt doch meinen Klee platt, da saß ich mal mit meinem Mann und hab von der Zukunft geträumt! Und obendrein: Ist das hier alles zum Verkauf, oder warum hängen die Kostüme draußen? Second Hand, meinte meine Enkelin. Sachen, die andere getragen haben, gibt es jetzt auch für uns! verteidigte sich Erna.

Unfassbar! Unerhört! Sicherheit, schafft die weg! schrie Socke, fuhr sich nervös durchs dünne Haar und knallte die Tür zu.

Zwei stämmige Typen in schwarzen Anzügen traten heran, fassten sie unter die Arme und hoben sie leicht. Erna zappelte mit den Beinen und die Männer johlten.

Lasst mich runter! Meine Taschen! Ich muss doch aufpassen! fauchte Erna, rückte die Trainingshose zurecht, die noch von ihrem Mann stammte, aus kratziger, blauer Wolle, bestens gegen ihr Rheuma, und schrie dann, wie die Frauen auf dem Land immer im Fernsehen schreien, wenn jemand aus der Familie in Not ist:

Leute, was macht ihr mit mir?! Was soll das hier?! Hilfe! Die bringen mich um! Rettet mich!

Sie wollte noch lauter werden, doch da war Niklas herangeeilt.

Ach, Oma, lass. Das sind harte Burschen, aber wir sind ihnen nicht gewachsen. Komm, lass uns gehen. Deine Butter schmilzt und die Hühner sind auch irgendwo ausgebüchst. Schnell nach Hause! flüsterte er eindringlich.

Die Aussicht auf verschwundene Hennen machte die alte Dame sofort wieder klar. Sie schüttelte die Wachhunde ab, schnappte das Gepäck und eilte Richtung Garten.

Oma Erna, jetzt mach kein Theater, raunte Niklas noch, das sind einflussreiche Leute, die Cobra ist wohl selbst beim Bürgermeister bekannt. Nachher kommst du noch in den Knast!

Knast? Du meinst so wie mein alter Heinz, der nach dem Krieg für einen Sack Mehl ins Lager musste? Ach, der arme Kerl hat ja nicht mal geklaut, nur ein bisschen was eingesteckt beim Dreschen, aber damals zählte jedes Gramm Mehl. seufzte Erna und rief nach ihren Hühnern: Kiki-kiki-Kiiii!

Das Tor ist doch zu, wieso rennst du ihnen nach? lachte Niklas.

Mach du jetzt die Taschen ins Haus. Ich mach dir gleich Quarkkeulchen. Willst du welche mit Johannisbeergelee oder lieber mit Erdbeer? bestimmte Erna energisch, krempelte ihre blaue Jacke hoch, stellte die Schüssel auf den Küchentisch und suchte nach dem Mehl.

Niklas wusch sich die Hände und half.

Oma Erna war ihnen seit einem Jahr ans Herz gewachsen, auch wenn sie keine direkte Verwandte war. Niklas wohnte mit seiner Mutter in einer der roten Mehrfamilienhäuser, sie waren erst ins Dorf gezogen, als seine Mutter eine Stelle im nahen Krankenhaus bekommen hatte. Damals kannte niemand die alte Erna aber das Zufall brachte sie zusammen.

Es war früh, als Erna eines Morgens schwerfällig vor dem Krankenhaus auf der Bank saß, die eine Hand hielt die andere, stöhnte, sprach aber niemanden an.

Warum haben Sie nicht um Hilfe gerufen? Den Notarzt rufen! hatte Nina, Niklas’ Mutter, sie später gescholten, als sie sie entdeckte. Niklas, der seiner Mutter Essen brachte, war auf die leise leidende Oma aufmerksam geworden.

Wozu die Leute behelligen? Ich weiß doch, dass alle voll beschäftigt sind. Ich hab die Nacht eben ausgehalten und bin dann hierher. Bin im Garten gefallen, wollte nur kurz sitzen, bis die schwarzen Mücken in den Augen verflogen sind… erklärte Erna schlicht.

Röntgen, Gips, sie wollte nicht bleiben, dafür lud sie Nina und Niklas zum Essen ein.

Piepenkuchen backen, wie denn mit einer Hand? hatte Nina gelacht.

Aber Nina mochte diese freundliche, eigenwillige Dame, mit ihren kleinen Händen und dem sackigen blauen Anzug vom verstorbenen Mann, immer in Gummischlappen. Schuhe wollte sie sich partout nicht neu kaufen lassen…

Seitdem war Sommer wie Winter Niklas häufiger Gast bei Erna. Und Nina war froh, ihr fast erwachsener Sohn war unter Aufsicht; mit 15 fliegt einem ja viel Mist durch den Kopf.

Nun, nach gebratenen Quarkkeulchen sprangen sie in die Küche, Niklas deckte den Tisch, goss Tee ein, überreichte Erna und seiner Mutter die kleinen Rosenschälchen für die Marmelade, die Nina geschenkt hatte.

Guter Junge! lächelte die müde Oma. Sie spürte das Zwicken in den Beinen, die Schultern schmerzten. Das gibt sicher Regen. Die Erdbeeren werden verwässern, schade…

Kaum war das Essen angerichtet, vernahm man vom Fenster unterdrücktes Schluchzen.

Iss ruhig, Niklas, ich bin gleich zurück. Das ist sicherlich Frau Steffi, die Nachbarin; ihr Mann Klaus hat wohl wieder Sorgen mit dem Chef… vermutete Erna.

Steffi, eine stattliche Bäuerin, folgte Niklas staunte, dass so kräftige Frauen wirklich existierten. Erna bot ihr Platz und Tee an.

Dann kam die quirlige Postbotin Katja dazu, immer flott unterwegs, schaute Niklas spitz an was denn die Städter hier so treiben würden!

Habt ihr schon gehört? Das Fernsehen ist da, rief Erna, als sie ihre Gäste musterte. Niklas sagt, sogar die Cobra ist dabei. Also nicht erschrecken, wenns nachts hektisch wird. Wir sind ja keine Inder und pusten keine Flötentöne für Schlangen, nachher beißt uns die noch!

Es ist keine Schlange, Oma! empörte sich Niklas, der mit weiblicher Gesellschaft und Tratsch gar nichts anfangen konnte.

Sag ich doch, ein Schauspielerin! Bei uns im Zirkus hießen die vierbeinigen Schauspieler auch immer Stars, lachte Erna und legte ihre warme Hand auf Niklas’.

Ihr spinnt! Die dreht Actionfilme, das ist eine richtige Stärke! quietschte Katja vor Begeisterung. Ich hab sie letztens im Kino gesehen, eine taffe Frau, die kann kämpfen!

Ach was, das machen doch alles die Stuntmen! rief Steffi über den Tisch. Da ist nur noch Knochen bei den Jungen von heute, das ist nicht mehr wie bei unserer Marlene Dietrich!

Jaja, die verdienen sich dumm und dämlich. Die Mutter wird auch bedacht, alles kommt zurück. Unsere lässt die Zähne machen, aber in den Filmen spielen die doch jede Rolle, wenns nur Cash gibt, Katja juckte ihr Bein, da hatte sie gestern ein Mückenstich bekommen.

Ach Katja, lass doch das Gerede. Oi, jetzt schüttets aber! rief Erna, und tatsächlich begann draußen ein Gewitterschauer. Und die da draußen, wie die Zigeuner in ihrer Wagenburg. Und mich wollten sie noch verhaften, wenn Niklas mich nicht gerettet hätte…

Jetzt erzählte Erna in allen Details, wie sie bei den Schauspielern stöberte, von Socke ausgeschimpft wurde und wie Niklas sie heldenhaft aus den Fängen der Security rettete. Steffi und Katja lachten, Erna machte ihre Geschichte bunter und größer, als sie war für sie hatte Niklas mindestens alle Bösewichte niedergerungen und sie auf Händen aus dem Inferno getragen.

Noch ein bisschen Gemecker über die Schauspielstars, ein paar Lobeshymnen auf die alten Größen, dann wurde es ruhig. Der Regen trommelte sanft aufs Dach. Alle wurden schläfrig.

Niklas wollte sich bedanken und leise die Runde verlassen, aber es kam anders: Es wimmelte plötzlich in der Stube, Poltern, laute Stimmen Socke an der Spitze einer Gruppe Filmleute, voller Entschuldigungen und staunend über die Einrichtung. Drei Kerle mit Equipment und eine Maskenbildnerin samt Köfferchen rückten an.

Erna war baff, wollte fragen, doch man wischte sie beiseite. Socke fuchtelte herum, Katja quiekte, Steffi baute sich schützend vor Erna auf, die sich jetzt hinter ihrer Handtasche hervormogelte.

Niklas, ich versteh gar nichts mehr! Ich hab doch nichts genommen. Alles hab ich zurückgehängt! Und Quarkkeulchen, die sind auch alle, sag denen das! flüsterte sie panisch.

Sie wollen keine Quarkkeulchen, Oma. Du musst jetzt mitspielen, so ist das. Er legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.

Sie geht nicht mit, schob Steffi sich Dampf ablassend vor. Die nimmt keiner mit, so!

Doch schon bauten die Kameraleute Lampen auf, blendender Schein, Fotos, Möbelrücken, lautes Gerufe.

Apokaleppse… rief Erna. Sie mochte das Wort, es klang so beeindruckend.

Fauna, ein bisschen abpudern, aber nicht zu stark, der Typus ist ausdrucksstark! Ihr Frauen, Kopftücher auf, gibts sowas? Für die Szene müssens Tücher sein! gab Socke, der mit Nachnamen eigentlich Kirschner hieß, Anweisung.

Warum Tücher, ist jemand gestorben? fuhr Steffi auf.

Gehört zur Rolle. Ihr seid Bäuerinnen beim Gemeinderat, aber der ist nicht da, und ihr sprecht mit der Buchhalterin also mit Ihnen, liebe Erna. Papiere herbringen und Schreibmaschine holen! Und, Mirochin, wo bist du schon wieder? Der Regisseur lässt alle hängen! tobte Kirschner.

Er hatte Erna schon früh bemerkt, als sie sich bei den Kostümen umtat perfekter Typ für eine kleine Nebenrolle! Klar, solche Leute nimmt man am liebsten aus dem echten Leben.

Kriegen wir schon hin, Kirsch, beruhigte Fauna, während sie Puder auf Ernas Pfannkuchengesicht tupfte. Die Oma genoss die Aufregung, fühlte sich fast wie in einem Traum.

Alles wird gut, Kirsche, nur keine Nervosität! Fauna tätschelte beruhigend das dürren Schulterchen. Während der Kameramann am Fenster hockte, kam ein kleiner Wildfang mit rotblonden Zöpfen, Gummistiefeln und nasser Nase herein, fast wie Erna als junges Mädchen sie hechtete mit großen Schritten zum Schreibtisch, piekte mit einem Finger auf die Schreibmaschine und rief plötzlich, die Kuhställe brennen!

Für einen Moment war komplette Stille, dann schoss Erna hoch, stieß Steffi fast um, und wollte hinaus rennen.

Wohin wollen Sie denn, Frau?! blockierte Fauna ihr den Weg. Es gießt draußen!

Und? Da sind doch die Tiere! Müssen wir sie retten? Niklas, ruf die Feuerwehr!

Sie verhedderte sich im Regenmantel, warf ihn weg und rannte los…

Socke hechtete ihr hinterher.

Frau Erna! Beruhigen Sie sich, das steht nur im Drehbuch! Uns fehlte die echte Reaktion, die Komparsen sind einfach zu lakonisch, aber Sie mit Ihren Nachbarinnen, Sie sind perfekt! Wir nehmen nur noch ein paar Einstellungen auf und das passt! Wirklich, keine Panik!

Kirschner japste nach Luft, klatschte sich auf die Brust.

Erna atmete durch. Kuhställe hatten sie ohnehin keine.

Also, dieser kleine Wildfang, warum so ein Theater? Na, kommen Sie rein, ich hab Essiggurken. Mögen Sie Piekser? Ich bring Sie heim. Keine Angst vor mir, ich schnaufe auch nur! murmelte sie und zog Kirschner zurück ins Haus.

Drinnen zeigte der Kameramann auf dem kleinen Laptop die ersten Aufnahmen. Steffis vor Schreck verzerrtes Gesicht, Katjas Verwirrung, Ernas Entschlossenheit. Niklas, der im Bild sich am Kinn kratzte… Da hieß es dann, nochmal alles zu drehen.

Das nasse, kleine Mädchen die Überbringerin der schlechten Nachricht stand abseits und starrte aus dem Fenster.

Na komm, ich geb dir einen Bademantel, geh dich in der Stube umziehen! Sonst holst du dir noch eine Erkältung! Erna klopfte ihr zärtlich auf die Schulter. Du bist ja dürr, wirst bestimmt nicht gut gefüttert… Niklas, rasch Tee für alle!

Das Mädchen lächelte.

Ach, eigentlich gehts mir gut. Das erinnert mich nur an meine Uroma sie hatte auch so ein Häuschen, hat immer nach Mehl, Marmelade und Holz gerochen… Die Gerüche vergisst man nie. Kann ich noch ein bisschen hier sitzen?

Zack, ab, umziehen! Mama hat dir bestimmt beigebracht, dass man nicht nass bleiben soll! Und Haare abtrocknen! Niklas, Tee! kommandierte Erna.

Gehorsam verschwand das Mädchen.

Niklas zog Erna beiseite, lehnte sich zu ihrem Ohr und flüsterte:

Weißt du wer das ist? Die Cobra!

Das kleine Ding? starrte Erna ungläubig. So winzig? Und die soll Stunts machen? Du sagst doch, die ist ein Star… Sind die jetzt so klein geworden?

Doch dann erinnerte sich die Oma an alte Filmgrößen, dachte, warum nicht. Und Cobra, der Name so schlangenhaft, bei so einer lieben Kleinen…

Einmal zur Ruhe gekommen, versammelten sich alle am Tisch, Kirschner brachte noch Würstchen, Erna reichte eingelegte Gurken heraus alle lachten, schwatzten, lachten wieder. Niklas beobachtete die Cobra so ein normales Mädchen, und dann so ein Name.

Als der Film im Herbst im Fernsehen lief, waren alle stolz, Oma Erna wurde als Buchhalterin bestaunt, Steffi, Katja und Niklas erkannten sich wieder das ganze Dorf feierte.

Der Film war lebensnah, das gefiel allen.

Und die Cobra, für Oma Erna einfach Dasha, kam noch oft zu Besuch, brachte Kleinigkeiten und fand immer einen Platz an Ernas Küchentisch. Warum? Vielleicht einfach, weil es bei Erna jeder gut aushielt ob Star, Steffi, Niklas oder Dasha. Diese Wärme, die spürt man ein Leben lang, sucht sie immer wieder und wenn man sie findet, dann bleibt man auch.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Kamera läuft! Und… Action!
Keine Interesse an der Familie meines Sohnes, das ist schade!