Anscheinend war es nicht unser Schicksal

Anscheinend sollte es nicht sein

Junger Mann, was was tun Sie da? Schämen Sie sich denn gar nicht?! Ein Mädchen mit entsetzten Augen starrte mich an, während ich, völlig überrumpelt, nicht mal wusste, was ich antworten sollte.

Warten Sie, Sie haben das falsch verstanden stammelte ich wenig überzeugend.

Doch das Mädchen war gar nicht bereit, meine Erklärung anzuhören. Sie trat einfach zu mir, nahm ihre Geldbörse und verpasste mir eine schallende Ohrfeige.

*****

Seit gestern Abend und bis in die frühen Morgenstunden habe ich eigentlich nichts anderes gemacht, als Kaffee zu trinken und mit DeineTraumfrau93 zu chatten.

Ich schrieb ihr zuerst ein schlichtes Hallo!, sie antwortete nach einer Minute mit dem gleichen Gruß und dann, von Wort zu Wort naja, und so kamen wir ins Plaudern.

Die Unterhaltung lief ziemlich locker, so leicht, dass ich das Gefühl hatte, mit dieser freundlichen, blauäugigen Blondine (ich hoffte, das Foto war echt) könnte vielleicht tatsächlich etwas laufen. Ob nun freundschaftlich oder romantisch, das war fast schon egal.

Wichtiger war, dass sie offenbar bereit war, auf mich einzugehen. Jedenfalls auf meine Frage:

Wollen wir uns die Tage mal auf einen Kaffee treffen und im echten Leben ein bisschen besser kennenlernen? antwortete sie: Wer weiß, dazu kam noch ein zwinkernder Smiley.

Danach fragte sie, was ich beruflich mache, und

ab da lief es einfach nicht mehr rund. Nicht wie geplant.

Warum musste ich ihr bloß erzählen, was ich arbeite? Auch noch ein Foto vom Arbeitsplatz geschickt, schimpfte ich innerlich.

Nicht auf die Traumfrau war ich sauer auf mich selbst.

Andererseits

Früher oder später hätte sie es ja eh herausgefunden, und was dann, Jonas?!

Die Antwort war eigentlich klar sie hätte es sich eh früher oder später gesagt oder geschrieben. Wie jetzt.

Ich las noch einmal ihre Nachricht durch, in der sie mir erklärte, dass ein Sysadmin, der im Bürostuhl seine Jeans durchscheuert, eben keine Chancen bei ihr hätte.

Ich wollte ihr schon ein paar deutliche Worte zurückschreiben. Doch dann dachte ich mir, es ist zu schade um die Mühe. Soll sie ruhig denken, dass es mich kalt lässt.

Also schickte ich ihr nur einen Lachsmiley mit Tränen in den Augen und klappte energisch den Laptop zu.

So richtig mit Nachdruck! Für alle Sysadmins, denen aus dem gleichen Grund schon mal eine Abfuhr erteilt wurde.

Mir kam es sogar so vor, als hätte es irgendwo geknackt vielleicht das Display, vielleicht eine Taste. Aber ich schaute lieber nicht nach, genug Ärger für einen Tag. Mir reichts, wie man so schön sagt

Seit fast drei Monaten verbringe ich fast jede freie Minute auf Singlebörsen, in der Hoffnung, die Eine zu treffen

Und statt dessen werde ich immer sicherer: Da findet man eh niemanden. Alles vergebens.

Jetzt zum Beispiel, mit der Traumfrau die ganze Nacht verbracht (sozusagen), aber nix erreicht. Abserviert.

Wie so viele andere, die offenbar glauben, würdige Männer sind nur Unternehmer. Und kein Typ, der Windows auf Bürorechnern installiert.

Dabei mache ich nicht nur Windows ich habe auch andere Aufgaben und verdiene damit ganz ordentlich.

Aber nun ja was soll’s?

Ich schaltete das Radio auf einen Oldie-Sender, um auf andere Gedanken zu kommen, und als ob es ein Wink des Schicksals wäre, lief dort ein Song von Nena:

Es hat wohl nicht sollen sein, es hat wohl nicht sollen sein sang sie, fast schon spöttisch. Offensichtlich gibt es keine Liebe

Das Radio drehte ich sofort ab. Gedanklich stimmte ich zu: Es sollte nicht sein, es gibt wohl keine Liebe.

Warum habe ich bloß mit diesen Datingseiten angefangen? So viel Zeit verschwendet

Aber ausprobieren musste ich halt, immerhin hatte mein bester Freund Bastian doch genau dort seine Freundin kennengelernt.

Ich habe meine Lisa auch da kennengelernt! sagte Bastian stolz. So stolz, dass ich mich schon fast ein bisschen gekränkt und neidisch fühlte.

Und warum sollte ich das nicht schaffen? Kann ich etwa nicht auch so eine finden wie Lisa?
Es hat sich gezeigt, eine Frau wie Lisa auf solchen Seiten zu treffen, ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Und offenbar hatte nur Bastian das große Los gezogen.

Tja, mir bleibt wohl nur, mich abzufinden: Sysadmins sind nicht modern. Oder eben: Es sollte nicht sein.

So! Jetzt reichts mit der Selbstmitleidstour! nahm ich mir vor. Wahrscheinlich hätte das mit ihr sowieso nichts gegeben

Ich schaute auf die Uhr halb acht morgens gähnte weit und dachte mir, dass ich jetzt eigentlich gut schlafen könnte. War ja zum Glück freier Tag, keine Pflichten.

*****

Kaum lag ich im Bett und hatte das Handy in der Hand, um es stummzuschalten, klingelte das Telefon. Bastian.

Man spricht vom Teufel

Jonas, hi! Du, ich hab da ein Problem Ich brauche dringend deine Hilfe!

Hey Basti, gähnte ich wieder. Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen und wollte gerade ins Bett. Vielleicht später?

Geht nicht anders, ich brauche dich jetzt! Dir kann ich am meisten vertrauen, ehrlich. Sonst bricht bei mir zu Hause noch das Familienglück auseinander!

Wie macht er das bloß? Kaum sagt er ein Wort, schon fühle ich mich verpflichtet Wahrscheinlich hat das auch damit zu tun, dass Bastian IT-Leiter ist und ich nur sein Mitarbeiter.

Was ist los? Hängt der Server wieder oder muss die Datenbank neu installiert werden? Ich hab doch gesagt, da kommt was auf uns zu.

Nein, es geht nicht um die Arbeit. Ich erzähles dir lieber persönlich, in einer Minute bin ich bei dir. Bleib einfach da.

Na gut

Keine Minute später klingelte es auch schon. Ich war kaum aufgestanden, da stand Bastian schon grinsend vor der Tür. Neben ihm: Max.

Warum er seinen Hund mitgebracht hat, war mir ein Rätsel.

Schnell bist du gewesen, scherzte ich. Wahrscheinlich standest du schon vorm Haus und hast nur angerufen, um nicht umsonst in den vierten Stock zu latschen, was?

Genau, nickte Bastian und reichte mir die Hand. Ich streckte meine Hand ebenfalls aus Höflichkeit. Statt eines Händedrucks gab er mir jedoch einen Lederhundeleine in die Hand.

Ich blickte verwundert auf die Leine, die am Halsband von Max befestigt war, und dann zu Bastian.

Hä? Was wird das?

Du, Jonas. Meine Lisa hat eine einwöchige Reise nach Italien gewonnen. Für zwei, inklusive 5-Sterne-Hotel, Führung durch Rom und allem Drum und Dran. Sie will unbedingt hin!

Und du hast keine Lust? fragte ich, denn ich wusste, wie ungern Bastian fliegt.

Natürlich nicht! Ich sag: Nimm doch eine Freundin mit und flieg, aber sie will mich unbedingt dabei haben. Sonst, meint sie, bleibt sie gleich ganz dort.

Ui, grinste ich und blickte auf die Leine und Max, der mich aufmerksam ansah.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, als hätte ich nicht Bastian, sondern Max etwas versprochen Ich ahnte schon, worauf das hinauslief.

Ich weiß natürlich, dass Lisa nicht wirklich da bleibt, fuhr Bastian fort. Aber ich kann sie ja schlecht allein in ein fremdes Land lassen.

Ja, schon klar

Und mit einer Freundin auch nicht. Ich kenne die doch, die Freundinnen. Also hab ich versprochen, wir reisen zusammen. Chef gibt auch überraschend frei, ich bin total verblüfft!

Kaum zu glauben, schmunzelte ich. Wir sitzen doch seit Jahren im Büro und tun so, als hätten wir Urlaub

Ich denke, Lisa hat den Chef persönlich gedrückt. Aber egal, du bist während meiner Abwesenheit Chef vom Dienst in der IT.

Oha!

Dachte mir, du freust dich.

Na, Freude ist was anderes

Es gibt nur ein Problem: Max hat niemanden, der auf ihn aufpasst. Und mitnehmen geht nicht Jonas, könntest du auf ihn aufpassen?

Och nö, du weißt doch, wie ich zu Hunden stehe. Hatte doch nie einen, keine Erfahrung.

Das ist kein Ding, grinste Bastian. Ich bring dir gleich Futter, Schüsseln und sein Bett. Er ist eh kein Welpe mehr. Ganz unkompliziert.

Na, mal sehen

Du musst ihn nur morgens und abends ausführen. Geld biete ich dir nicht an nehme ich eh nicht , aber ich kann mit Dienstfreitagen bezahlen.

Und beißt er? Frisst er Schuhe? Bellt er nachts durch?

Nein! Max ist absolut brav. Glaub es mir! Naja, außer Bastian schaute zu Max.

Ja?

Beim Spazieren will er ständig losrennen. Der hasst die Leine, fordert seine Freiheit.

Und wenn er abhaut, soll ich ihn quer durch München suchen?

Ach was, lachte Bastian. Max kommt immer wieder. Er findet dich. Aber pass besser auf, dass er nicht stiften geht.

Na gut. Ich passe auf deinen Hund auf, seufzte ich und griff fester nach der Leine.

Bastian war noch nicht mal weg, da fühlte ich schon die Verantwortung.

Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann! Danke, Freund!

Aber, sag ich gleich, Basti: Wenn mir Max die Wohnung auseinandernimmt, zahlst du den Schaden! Klar?

Klar. Aber das wird schon!

*****

Als ich aufwachte, war es draußen schon dämmrig. Ich nahm die Futterschüssel, füllte Trockenfutter hinein und stellte sie vor den Hund, der während meines Schlafes mucksmäuschenstill auf dem Boden gelegen hatte.

Na, Hunger? Ist höchste Zeit ich hab auch Bärenhunger, sagte ich und streichelte Max den Kopf.

Doch Max musterte mich mit geradezu menschlichem Ernst und

blieb einfach liegen, drehte nicht mal den Kopf zum Napf.

Kein Hunger? Oder?

Ach ja, erinnerte ich mich. Bastian meinte ja, du hast da deine Prinzipien. Erst Spaziergang, dann Essen.

Also los, raus mit uns! Ein bisschen Luft schnappen wird mir auch guttun. Dann sehe ich wenigstens glückliche Leute, mir läufts in Sachen Liebe ja sowieso nicht rund

Kaum hatte ich das gesagt, sprang Max auf, wedelte und lief in den Flur, wo er die Leine ins Maul nahm und auf mich wartete.

*****

Draußen liefen wir fast eine Stunde herum, und was mich wunderte: Der Hund hatte nie versucht abzuhauen.

Ein einziges Mal zog er an der Leine, nämlich, als ich mal eine Minute zu lange stehenblieb.

Ein rundum braver Vierbeiner ich hatte mich umsonst gesorgt.

Doch am nächsten Tag fing der Ärger an.

Am Morgen war noch alles gut, aber am Abend, beim Spaziergang durch den Englischen Garten

Ich war nur kurz abgelenkt, schrieb Bastian eine SMS Alles bestens und als ich die Leine zog, merkte ich: Max war weg. Aus dem Halsband geschlüpft.

Das hat mir gerade noch gefehlt seufzte ich und machte mich auf die Suche.

Im Park war ich nicht zum ersten Mal, hatte eine Ahnung, wo man verschwinden könnte. Aber was einem Hund einfällt, konnte keiner wissen.

30 Minuten suchte ich schon, als ich auf ein Mädchen stieß.

Sehr hübsch, aber ein wenig traurig und abwesend.

Entschuldigung, haben Sie einen Hund gesehen? Mittelgroß, rötlich mit weißen Flecken.

Wie bitte? Die junge Frau merkte erst nach einem Moment, dass ich sie ansprach.

Was für ein bezauberndes Lächeln, dachte ich, und fragte noch einmal.

Haben Sie hier zufällig meinen Hund gesehen? Ist irgendwo ohne Leine unterwegs

Ein Hund? Nein, ich habe keinen gesehen, sagte sie knapp und ging weiter.

Auch ich wollte weiterziehen, drehte mich aber um, sah ihr nach und holte sie ein.

Entschuldigung, alles in Ordnung bei Ihnen? Sie wirken so nachdenklich Ist etwas passiert?

Ja

Kann ich irgendwie helfen?

Kaum. Ich habe mein Portemonnaie verloren und da war das Geld fürs Medikament meiner Mutter drin. Haben Sie es zufällig gefunden?

Nein, leider.

Schade. Wie auch immer, danke, dass Sie gefragt haben. Es tut gut, dass es noch hilfsbereite Menschen gibt.

Viel mehr gab es nicht zu sagen, wir gingen unserer Wege.

Ob die Unbekannte an unsere Begegnung oft zurückdachte, weiß ich nicht ich jedenfalls konnte sie nicht vergessen.

Keine online-Blondine, sondern ein echtes, außergewöhnliches Mädchen.

Max! Max! rief ich durchs ganze Gelände, setzte mich dann erschöpft auf eine Bank, wollte Bastian gerade schreiben, dass der Hund futsch ist, als plötzlich am anderen Ende des Weges ein Hund auftauchte.

Max, atmete ich erleichtert auf.

Er kam schwanzwedelnd auf mich zu und trug etwas im Maul.

Was genau, sah ich erst, als er näher kam. Es war ein Portemonnaie rosa, mit kleinen Rauten und einer goldenen Krone, genau wie das Mädchen es beschrieben hatte.

Solche Zufälle gibts eigentlich nur im Märchen! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Jetzt konnte ich das Portemonnaie zurückbringen, sie auf einen Kaffee einladen und vielleicht

Gerade, als ich es aufklappte, um nach einer Visitenkarte oder Telefonnummer zu suchen, tauchte sie auf.

Junger Mann, was tun Sie da? Schämen Sie sich denn gar nicht?! das Mädchen sah mich an, ich war so baff, dass mir die Worte fehlten.

Die Situation ließ sich schwer erklären.

Sie missverstehen das stammelte ich. Ich kanns erklären.

Doch sie hörte mir nicht einmal zu, griff nach ihrer Geldbörse und verpasste mir eine saftige Ohrfeige.

Warum? Ich hab doch nichts gemacht, Ihr Portemonnaie der Hund hat es mir gebracht. Ich wollte Sie anrufen.

Ich dachte, Sie wären ehrlich. Aber Sie lügen wie gedruckt! Und dann noch diese Hundegeschichte reinste Erfindung!

Wie meinen Sie das?

Wo ist denn dann Ihr Hund?!

Verdutzt drehte ich mich um und stellte fest, Max war natürlich prompt wieder verschwunden.

Sie ging wortlos weg, ich blieb zurück, rieb mir brennend die Wange.

So ein Mist! Warum muss ich mich so blöd anstellen? Max! rief ich.

Aus den Büschen kam der Hund sofort, setzte sich treuherzig zu mir.

Danke, Kumpel. Hast mir ja super geholfen!

Max wedelte ganz leicht, als wollte er sagen: Gern geschehen.

Dann gingen wir heim

*****

Die nächsten vier Tage marschierte ich mit Max, morgens und abends, in den Park in der Hoffnung, das Mädchen dort wiederzusehen.

Ich wollte mich entschuldigen, alles erklären. Aber sie tauchte nicht mehr auf.

Max aber wars recht: Er verbrachte nun drei Mal so lange draußen wie gewöhnlich und riss kein einziges Mal aus. War stets brav.

Doch am Freitag hatte ich Glück. Ich sah sie auf einer Bank sitzen.

Hallo

Sie schon wieder. Was wollen Sie denn von mir?

Ich möchte nur die Sache erklären. Damals kam das alles irgendwie blöd rüber

Ich spreche nicht mit Dieben und Lügnern, also sparen Sie sich das. Ist doch alles klar!

Was bin ich denn für ein Dieb? Ich versuchte es mit einem Lächeln. Ich hab Ihnen das Portemonnaie zurückgeben wollen.

Ich habe es Ihnen doch selbst aus der Hand genommen! Hätte ich nicht aufgepasst, wären meine ganzen Medikamente-Gelder weg! Oder?

Ich brauche Ihr Geld nicht, ich verdiene selbst genug. Ich wollte Sie nur anrufen, habe deshalb die Brieftasche geöffnet. Mein Hund hat sie mir gebracht.

Reichts jetzt? Sie regte sich richtig auf. Warum erzählen Sie das ständig mit dem Hund? Für wie dumm halten Sie mich eigentlich?

Doch, ehrlich, er war es! Ich zog an der Leine, doch

Max war weg.

Der schlaue Hund hatte sich wieder heimlich aus dem Halsband befreit.

Ich schimpfte leise, machte mich auf die Suche. Es dämmerte bereits, ich musste ihn vor Einbruch der Dunkelheit finden.

Es tut mir leid, ich muss gehen sagte ich bedrückt.

Das Mädchen war sogar erleichtert.

Gut so. Ich hoffe, wir sehen uns nie wieder!

*****

Ich fand Max an diesem Abend nicht mehr rechtzeitig. Irgendwo auf der menschenleeren Allee schlich ich, spitzte bei jedem Geräusch die Ohren.

Was für ein Hund! Immer verschwindet er im schlimmsten Moment, ärgerte ich mich.

Da hörte ich auf einmal Stimmen, gar nicht weit weg. Eine weibliche, dazu männliche Stimmen. Die weibliche erkannte ich sofort das war das Mädchen. Die Männer waren neu, und deren Ton gefiel mir gar nicht.

Na, Süße, hast du nicht Lust, mit uns ein bisschen Spaß zu haben? Ist dir wohl kalt

Lass mich in Ruhe, ich warte auf meine Freundin.

Dann kann die doch auch gleich mitfeiern, wenn sie kommt, lachte einer. Beweg dich mal her!

Jungs, lasst es lieber. Ich kann auch schreien, wenns sein muss

Dann schrei doch. Wer sollte dich hier hören? Komm schon! Willst dus uns etwa schwer machen, oder was?

Lasst mich! schrie sie erschrocken.

Jetzt konnte ich nicht mehr zögern. Ich rannte los.

Hey, Jungs, warum belästigt ihr die Dame? rief ich so bestimmt wie möglich, obwohl ich wusste, dass sie handfest waren und ich mich im Ernstfall warm anziehen konnte.

Wer bist du denn? Wie kommst du hierher?! knurrte einer.

Ich bin ihr Freund, sagte ich das Erstbeste, und gleich kommt mein Hund. Der mag keine Fremden, greift ohne Vorwarnung an. Die Leine hab ich schon bereit.

Sie schauten sich an.

Der spinnt.

Sehe ich auch so.

Sie kamen auf mich zu, aber plötzlich knurrte es fies aus dem Gebüsch. So heftig, dass selbst mir die Knie weich wurden.

Ich stellte mich schnell neben das Mädchen, bereit, sie zu verteidigen. Die Typen beschlossen jedoch, der Sache keine Chance zu geben, drehten sich um und verschwanden.

Kurz darauf stürmte Max aus den Büschen, sprang an meine Seite und setzte sich.

Danke, Junge. Wieder mal super gemacht! Ich streichelte seine Schulter und legte das Halsband an.

Also, das ist wirklich Ihr Hund? fragte das Mädchen.

Ja. Max. Aber eigentlich gehört er Bastian, mein Freund. Er ist im Urlaub und ich passe auf.

Heißt, Sie haben mich nicht angelogen.

Keinen Moment! Max hat wirklich Ihre Geldbörse gebracht, und ich habe nur nach Ihrer Visitenkarte gesucht. Nur leider war er nie dann dabei, als ich ihn brauchte

Und warum war er im Gebüsch?

Tja, grinste ich, der ist halt schlau. Der weiß, dass ihn die Jungs sonst nicht ernst genommen hätten

Echt clever, lachte sie. Beißen tut er aber nicht? Darf ich ihn streicheln?

Klar doch. Ich bin übrigens Jonas. Und Sie?

Leni.

Angenehm. Aber, Leni, warum sind Sie um die Zeit noch hier?

Eigentlich wollte ich nur auf meine Freundin warten aber sie ist nicht gekommen, geht nicht ans Handy Naja, ich geh dann mal lieber nach Hause.

Wenn es recht ist, begleite ich Sie Max und ich. Sicher ist sicher.

Das wäre nett

*****

Nach diesem Abend waren Max und ich jeden Abend mit Leni im Park spazieren. Und danach brachte ich sie nach Hause. Allerdings später ohne Max, weil Bastian und Lisa aus Italien zurück waren und ich den Hund abgeben musste.

Eigentlich schade mit Hund wars einfach etwas lustiger. Versteht mich nicht falsch, wir redeten viel und gern. Aber irgendwie fehlte doch etwas.

Einmal, an einem Samstag, als wir wieder gemeinsam durch den Park spazierten, kam plötzlich ein kleiner Welpe aus dem Gebüsch. Im Maul: ein dickes Portemonnaie aus Leder geklaut, vermutlich von irgendeinem Manager.

Der Kleine flitzte direkt zu uns, stellte sich unter unsere Beine, und bald schon tauchte ein Herr im Business-Look hinter uns auf:

Hey, du kleiner Gauner! Gib sofort meine Brieftasche zurück! schimpfte er.

Wir gaben die Geldbörse brav zurück aber den Welpen

den nahm ich einfach mit nach Hause. Leni fand das auch gut.

Aber machen wir gleich was klar, ich setzte den Winzling auf die Bank und tadelte. Nichts Fremdes klauen, kapiert?

Der Kleine stupste mit der feuchten Schnauze an meine Hand, leckte sie, hörte nicht auf eindeutig einverstanden.

Seitdem waren wir zu dritt unterwegs. Und nach einiger Zeit zogen Leni und ich zusammen. Wir alle drei. Glücklich, weil jeder das bekam, was er sich gewünscht hatte.

Nur manchmal

Hey, du kleiner Halunke! Her damit! tönte es hinter uns.

Leni und ich tauschten Blicke und sahen unseren Sherlock angerannt kommen.

Warum Sherlock? Weil er immer auf der Suche nach neuen Abenteuern ist.

Jetzt kam er, schwanzwedelnd wie immer, mit einer Bratwurst im Maul angelaufen. Er wusste schon, dass wir ihm beistehen würden.

Los, laufen wir! grinste ich zu Leni.

Laufen wir! lachte sie.

Ich legte fünf Euro auf die Bank, damit es dem Bratwurstbesitzer nicht zu leid tat, und dann rannten wir gemeinsam mit Sherlock und der Wurst.

Na und? So sieht unser Glück eben aus Ein bisschen verrückt, sehr zottelig aber echt!

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Homy
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