Echte deutsche Kunst – Was wahre Kreativität in Deutschland ausmacht

Wahre Kunst

Davon, dass ein echter Maler nach Hinterdorf kommt mit Staffelei, Farben und Leinwänden, vom Münchner Künstlerverband, und hier malen würde, erfuhr man zuerst vom Nachtwächter, Onkel Konrad.

Der ließ sich langsam auf die Bank am Dorfanger nieder, stellte, wie immer, sein altes Jagdgewehr neben sich, zog den Tabakbeutel hervor, musterte die Dorfbewohner, die auf der Wiese hinter dem Haus des Bürgermeisters saßen und in der Sonne lagen, brummte, verscheuchte eine Mücke, dann noch eine.

Niemand drängelte ihn. Wenn Konrad Tabak auf die Hose streut, sagt er garantiert kein Wort mehr den ganzen Abend.

“So still heute? Was ist los?” fragte er schließlich, ließ Rauchkringel aufsteigen, ließ eine Pause wie an der Berliner Bühne, dann schien er sich doch zu erbarmen. “Er ist da. Aus München. Wohnt jetzt bei Frau Pauline.”

Daraufhin schwieg Konrad und blickte über den glitzernden Fluss, der so schimmerte wie Fischschuppen und zwischen den Feldern zum Horizont mäanderte und dort in den Nebel abzutauchen schien.

Aber wer ist denn dieser Gast, Onkel Konrad? Was macht der genau? Ist der vielleicht ein Arzt? fragte Frau Antonina vorsichtig. Mein Rücken er quält mich so

“Kein Arzt. Rücken kuriert man hier mit Bienenstichen! Ein Maler ists.” Konrad spuckte aus, zuckte mit der Nase, nieste.

Gesundheit! wünschten alle im Chor.

“Ein Maler? Was soll das sein?”, wunderte sich Annalena, Frau Antoninas Enkelin. Sie war ein quicklebendiges, braunäugiges Mädchen von sechzehn Jahren.

“Nun, in der Kunsthalle hängen sie. Da zahlt man Eintritt, um die Bilder zu sehen.”

“Nein, wirklich?” Annalena schnappte nach Luft. “Ein richtiger Künstler? Und er wohnt jetzt hier? Vielleicht malt er mich, und dann häng ich in eurer Galerie, oder wenigstens im Rathaus!”

“Kaum, dass er dich malt!” fuhr Konrad sie an. “Er ist ein großer Mann, wahrscheinlich ist er gekommen, um den Bürgermeister zu malen. Oder mich, als Wächter…”

“Oder Annalena! Kopf hoch, mein Mädchen!”, nahm Oma sie in Schutz.

“Für seine Leinwand sucht er Menschen mit Gewicht im Leben! Und ein Bürgermeister ist das gewisse Etwas, so!” Konrad machte eine ausladende Geste, als umarme er einen Riesenball. “Mich vielleicht für seine Komposition daneben.”

Die Dorfleute, ermüdet vom Tagwerk und der Hitze, summten auf Annalena musste noch mehr weinen, Oma Antonina wiegte sie, sagte ihr immer wieder, sie sei das Schönste überhaupt und brauche gar kein Bild.

Da erschien er: DER KÜNSTLER. In Leinenhosen, weitem Hemd, Sandalen mit Socken und Strohhut lang und dürr wie ein Stock. Langsam schritt er in die Mitte der Wiese, verbeugte sich leicht. Alle starrten ihn an. Wie er sich bewegte, was er trug, was wohl in seinem Kopf war selten kam jemand wie er nach Hinterdorf.

“Guten Abend, darf ich mich setzen?” krächzte er, nahm den Hut ab und setzte sich neben Konrad. Von diesem schien ein herber Tabakduft auszugehen, der Maler zuckte leicht mit dem Mund, wandte sich ab.

“Schon gut untergekommen?” fragte Konrad. “Bei Frau Pauline ist Platz genug, nicht wahr?”

“Wie? Ach so, jadas geht.” Der Maler runzelte die Stirn, fuhr mit den Blicken über die Menge. “Dachgeschoss. Gutes Licht niemand stört mich.”

“Haben Sie denn schon gegessen? Vielleicht zu uns? Wir haben frischen Apfelkuchen! Annalena kann Milch holen, nicht wahr, Annalena?”

Das Mädchen nickte und lächelte treuherzig, doch der Künstler schenkte ihr keine Beachtung.

“Satt, danke. Magen funktioniert.” Er tätschelte seinen dürren Bauch.

“Wie heißen Sie denn eigentlich?” wagte es Peter, der Dorftraktorist, ein starker Typ mit blondem Schopf und breiten Schultern. Ach, wenn er auf einem Bild wäre im Unterhemd auf dem Traktor unter der Sonne!

“Friedrich Theodor Schauderlich.” Der Künstler glitt mit dem Blick erneut über die Leute, schüttelte enttäuscht den Kopf, seufzte.

“Was ist, Herr Schauderlich?” Konrad drehte eine weitere Zigarette. Der Rauch hielt die Mücken fern.

“Was…? Ach. Nichts! Überhaupt nichts!” Friedrich Theodor sprang auf, Annalena wich zurück, er brummte: “Entschuldigen Sie, ich geh!”

Und er stapfte weg, wedelte mit dem Hut.

“Was hat er denn?” murmelte Peter ratlos.

“Die denken viel, diese Künstler. Leben in ihrer eigenen Welt”, winkte Konrad ab, tippte an die Stirn.

“Woher wissen Sie das?” frotzelte Peter.

“Konrad weiß alles!”, rief Annalena.

Sie streckte Peter die Zunge raus der fluchte und stapfte empört davon. Ach, Annalena! Sie tut immer so, als mochte sie ihn. In Wahrheit gefällt sie ihm doch

In dieser Nacht schliefen alle schlecht, dachten an den Städter, bloß sich nicht blamieren!

Schauderlich indes schlief hervorragend. Endlich mal wieder fest. Gut, dass ich München verlassen habe. Hier ist alles kräftig und bunt die Felder, die Äpfel, der Duft nach Gras, die bellenden Hunde und die Leute! Ja, die Leute sind hier wirklich echt!

Mit diesem Trost wälzte sich Friedrich um, murrte leise und schlief weiter.

Pauline jedoch lag wach, hörte jeden Schritt vom Künstler oben. Sie musste doch für ihn sorgen was, wenn er mitten in der Nacht Tee wollte? Sie schlief erst gegen Morgen ein, stand mit dem Hahnenschrei wieder auf, kochte Haferbrei.

“Friedrich Theodor! Wohin so eilig?” rief sie, als sie seine Schritte von der Dachkammer hörte, aber er war schon die Treppe runter, halb fluchend, Staffelei über die Schulter. Nicht einmal die Tür zog er richtig zu.

Der Brei wird kalt, murmelte Pauline ihm hinterher. Unerfahren hätte ihm doch wenigstens Brot mitgeben sollen!

Lange irrte Friedrich draußen herum, suchte ein passendes Motiv, fand aber nichts.

“Schön! Aber das ist es nicht. Nein, nein!” schüttelte er seinen spitzen Kinnbart.

Ein Zicklein, gebunden an einen Pfahl, käute wieder gleich daneben sammelte Annalena, die ihn schon am Vorabend angestarrt hatte, im Gras.

“Was machst du da?” fragte Friedrich scharf.

B-B-Perlen meine sind mir zerstreut, ich sammel sie auf, stotterte sie verlegen, zieh den Rock zurecht.

Der Künstler legte Palette und Kasten ab, Pinseldosen klapperten, der Riemen fiel ins Gänseblümchenfeld.

“Weißt du was, ich helfe.” Friedrich wühlte mit, und für jede gefundene Perle rief er: “Ha, erwischt, du Schlingel!”

Das erschreckte Annalena zunächst, dann lächelte sie und nahm ihm die roten Perlen ab.

“Würden Sie würden Sie mich malen wollen?” stieß sie plötzlich hervor.

“Sie?” Friedrich verzog den Mund.

“Ja! Das Erinnerungsstück auf ewig! Bitte! Ich nur Ihnen Milch bring ich Ihnen, jeden Tag! Ich arbeite ja im Stall!”

Friedrich zuckte. Ein Portrait? Von ihr? Aber warum nicht irgendwas muss er doch malen. Sie ist jung, junge Gesichter verkaufen sich, das Leben strahlt doch aus den Augen…

“Na gut. Morgen, acht Uhr. Sei pünktlich.” Er packte seine Sachen und verschwand, Annalena blieb mit den Perlen wie angewurzelt stehen. Eigentlich war ihr Plan, das Zicklein sollte ihn überrannt und sie den Städter heldenhaft gerettet haben. Aber das ging auch so

Bald wussten es alle Anna würde Modell sitzen, und an Omas Küchentisch wurde getuschelt wie selten.

“Schande!”, empörte sich Pauline im Laden, kauft noch bunte Gummibärchen für den Gast er hatte es abends zum Tee gewünscht. “Kaum sechzehn und will schon einen Künstler heiraten!”

Antonina verschluckte sich beinahe vor Staunen.

Pff, Pauline, erzähl nicht so einen Quatsch! Du willst ihn doch selber, unser Malerlein hast du wohl auf ihn abgesehen?

Pauline lief puterrot an und machte sich davon.

Ach! Was machen sie sich nur alle Gedanken? dachte sie. “Ich bin Witwe, und er ist allein, vielleicht gefällt es ihm ja in Hinterdorf Wer weiß!”

Nach der Arbeit zu Hause, Annalena war ganz aufgeregt, aß hastig, goss die Gurken im Gewächshaus, schaute nach Eiern, dann stöberte sie in den Schränken. Er würde sicher wollen, dass sie ein schönes Kleid trug und wo war die Halskette?

Tomi! Tomicke! Ich brauch morgen deinen Strohhut! Den von Papa aus Prag!

Die Freundin hielt an.

Der ist leider kaputt von gestern Misha hat ihn auf einen Stock gesteckt, wie ein Narr herumgelaufen. Riesenloch drin.

“Ach, Mist”, Annalena blinzelte traurig.

“Trost! Wir finden noch was Schickes! Nachher suchen wir gemeinsam, versprochen!”

Gegen Abend tischte Pauline groß auf, fünf Gänge, Kompott. Friedrich kam verstochen und brummig herein.

“Sie wollen essen?”.

“Ja. Setzen wir uns was haben Sie?”

Er aß schweigend. Pauline dachte: “Nicht schön, aber Künstler, immerhin. Vielleicht taut er noch auf …”

Dann erinnerte sie sich an Anna.

“Die ist viel zu zappelig und jung machen wir das Bild von uns beiden, was meinen Sie? Ich bleib auch ganz still!”

Der Künstler schaute Pauline prüfend von Kopf bis Fuß an groß, kräftig, kantige Hände. Warum nicht? Die Falten, die hängenden Wangen, der Hals das war Charakter.

“Jawohl! Dann morgen! Frühstück nein. Wir malen draußen!”

Pauline ratterte Rezepte im Kopf durch. Ein Picknick, das wärs, dachte sie. Muss nur die Decke, Körbe, was Feines organisieren

Bei Annalena zu Hause wurde inzwischen stundenlang geplant, Kleider auf links gedreht, festgesteckt, gebügelt. Mitten in der Nacht fiel endlich auch mein Kopf ins Kissen

Früh am Morgen Tau, Nebel. Friedrich Theodor wartete mit Staffelei, Pauline hinterher, elegante Ohrringe, Sommerkleid und Blumenmusterumhang.

“Wohin gehen wir denn, Friedrich?” Die Natur fängt da vorne an!, meinte sie.

Wir gehen dahin! Und lassen Sie den Korb ruhig! Haben Sie Ihre Schuhe ausgezogen? Kommen Sie, bitte!, knurrte Schauderlich ruppig.

Pauline nimmt es nicht übel. Er ist eben Künstler.

Hinterher tappte Annalena, gebürstete Zöpfe, Oma Antonina mit Regenschirm und Proviant. Und Peter, natürlich, der aus Neugier oder doch aus Eifersucht? alles beobachtete.

Endlich blieb Friedrich stehen.

“So”, sagte er scharf. “Bereit machen.”

Als er sah, wie Pauline sich fein gemacht hatte, runzelte er die Stirn.

“Was soll das? Tragen Sie sowas jeden Tag? Ich will Realismus! Schmutz, Pferdeäpfel da und du in den feinen Schuhen? Sieh an, ich will die Wahrheit! Ihr seid keine Prinzessinnen, sondern einfache Leute das will ich malen!”

Pauline zitterte. Die Kiste mit Proviant fiel, Milch lief aus, Marmelade rollte ins Gras.

“Schmutz?? Bei uns duftet es nach Honig, Gras und Flieder im Frühjahr, im Herbst nach Heu und Äpfeln. Was reden Sie?” flüsterte sie, doch der Künstler drängte sie in den Staub, zerrte am Kleid, verwuschelte die Haare.

Da plötzlich richtete sich Pauline auf, stieß den Künstler zurück.

Annalena kroch beschämt zu Peter, der schützte sie mit seinem breiten Rücken.

“Lassen Sie das! Sie sind blind. Unsere Leute sind schön und unser Dorf wunderbar! Sie suchen nur Dreck, weil Sie selbst nichts Schönes sehen. Raus aus meinem Haus! Ziehen Sie bitte aus!” rief Pauline. “Peter, hilf dem Maler die Sachen zur Tür!”

Peter pumpte die Brust vor das war sein Moment.

“Was, Sie werfen mich raus? Das ist ein Skandal! Wo ist der Bürgermeister?”, jault der Städter.

Aber es half nichts unter Petes Aufsicht packte er sein Zeug, hängte Socken und Taschentücher ab, und verzog sich.

Niemand nimmt mich ernst, dachte Friedrich. Sogar meine Frau hat mich verlassen, nachdem ich sagte, sie sehe stets alt aus auch mit Schminke. Ehrlichkeit war alles

Er reiste am selben Abend ab, Konrad fuhr ihn zur Bahn, verabschiedete sich, der Künstler schwieg.

Ein Jahr später, beim Schlendern durch die Münchner Kunsthalle, diesmal als Besucher (Eintritt siebzehn Euro!), sah er mit Erstaunen ein riesiges Bild: Pauline, Annalena, Tante Antonina, Peter, Konrad und viele andere im Sonnenschein, freundlich, im Festgewand. Annalena im hellblauen Kleid, Peter in Tracht, Konrad im Sonntagsanzug.

“Schöne Leute!” hörte Friedrich einen Mann sagen. “Wer hat dieses Meisterwerk gemalt? Michael, erkundige dich, ich mag es für mein Restaurant kaufen.”

Friedrich drehte sich um. Hinter ihm stand ein Herr im Anzug, Goldringe an den Fingern, bewacht von einem glattrasierten Typen in Lackschuhen.

“Kommt sofort, Herr Zacher!”, und schon rannte der Assistent los.

Friedrich fasste Mut. “Herr Zacher, ich bin junger Künstler dürfte ich Sie malen?”

Der Geschäftsmann blickte spöttisch auf ihn herab. “Junger Mann, ich hab schon drei Bronzebüsten. Portraits sind out. Leben Sie wohl.”

Und weg war er Michael winkte schon von weitem: Das Bild war verkauft.

Friedrich schlurfte heim. In seine kleine, abgewohnte Münchner Altbauwohnung, goss sich Tee ein, schüttete den kalten Rest in die Spüle und griff zum Telefon.

“Frau Ingrid? Sie wollten doch die Mauer im Kindergarten bemalt haben Elefanten, Papageien, Affen? Ich bin bereit. Wann morgen?”

Sie sagte etwas, er nickte. Vielleicht werden die Tiere wenigstens sich selbst malen lassen, “wie sie sind”?

Die Tiere widersprachen nicht. Nur Ingrid bestand auf lachenden Gesichtern, bunte Farben keine wilden Grimassen! Friedrich malte gehorsam um. Tja, dachte ich später, das ist das Schicksal, wenn niemand die wahre Kunst zu schätzen weiß

Als ich dann am Abend im kleinen Spiegel mein erschöpftes Gesicht sah, wurde mir klar: Kunst zu machen, bedeutet vor allem, die Herzen der Menschen zu sehen nicht nur den Staub an ihren Schuhen.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Echte deutsche Kunst – Was wahre Kreativität in Deutschland ausmacht
Sie machte nie eine Szene, hat mir nie Vorwürfe gemacht; immer war sie freundlich und liebevoll. Doch das Problem blieb bestehen: Es gab keine Liebe. Jeden Morgen wachte ich mit dem Gedanken auf, gehen zu wollen. Ich träumte davon, eine Frau zu finden, die ich wirklich lieben könnte. Doch wie unerwartet sich das Schicksal wenden würde – das hätte ich nie gedacht. Mit Clara fühlte ich mich wohl. Sie führte den Haushalt perfekt und war zudem umwerfend schön. Meine Freunde beneideten mich und fragten sich, wie ich so ein Glück mit meiner Ehefrau haben konnte. Nicht einmal ich wusste, womit ich ihre Liebe verdient hatte. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mann, nichts Besonderes, nichts, das mich von anderen abhebt. Und doch liebte sie mich … Wie war das möglich? Ihre Liebe und Hingabe ließen mich nicht zur Ruhe kommen. Am meisten quälte mich die Vorstellung, dass – sollte ich gehen – ein anderer meinen Platz einnehmen würde. Jemand, der reicher, attraktiver, erfolgreicher war. Wenn ich sie mir mit einem anderen Mann vorstellte, spürte ich, wie ich den Verstand verlor. Sie gehörte mir, auch wenn ich sie niemals geliebt hatte. Dieses Gefühl von Besitz war stärker als jede Vernunft. Aber kann man ein Leben lang mit jemandem zusammen sein, den man nicht liebt? Ich dachte, ich könnte es – doch ich lag falsch. – Morgen werde ich ihr alles sagen – entschied ich, als ich ins Bett ging. Am nächsten Morgen, beim Frühstück, fasste ich Mut. – Clara, setz dich, ich muss mit dir reden. – Natürlich, ich höre dir zu, Liebling. – Stell dir vor, wir lassen uns scheiden. Ich gehe und wir leben getrennt … Clara lachte: – Was für komische Ideen! Ist das ein Scherz? – Hör bitte bis zum Ende zu. Es ist ernst. – In Ordnung, ich stelle es mir vor. Und dann? – Antworte ehrlich: Würdest du einen anderen finden, wenn ich gehe? – Alexander, was ist mit dir los? Warum denkst du daran, mich zu verlassen? – Weil ich dich nicht liebe und dich nie geliebt habe. – Was? Das ist doch ein Scherz, oder? Ich verstehe gar nichts. – Ich will gehen, aber ich kann nicht. Der Gedanke, dich mit einem anderen zu sehen, lässt mich nicht los. Clara überlegte einen Moment und antwortete dann ruhig: – Ich werde niemanden finden, der besser ist als du, also mach dir keine Sorgen. Geh, ich werde zu niemand anderem gehen. – Versprichst du das? – Natürlich – versicherte mir Clara. – Aber warte, wohin sollte ich eigentlich gehen? – Hast du keinen Ort, wohin du gehen könntest? – Nein, wir waren unser Leben lang zusammen. Wahrscheinlich muss ich in deiner Nähe bleiben – sagte ich wehmütig. – Keine Sorge – antwortete Clara. – Nach der Scheidung werden wir die Wohnung gegen zwei kleinere tauschen. – Wirklich? Ich hätte nicht erwartet, dass du mir hilfst. Warum tust du das? – Weil ich dich liebe. Wenn man liebt, kann man den anderen nicht gegen seinen Willen festhalten. Einige Monate vergingen und wir ließen uns scheiden. Kurz darauf erfuhr ich, dass Clara ihr Versprechen nicht gehalten hatte. Sie fand einen neuen Mann – und die Wohnungen, die sie von ihrer Großmutter geerbt hatte, wollte sie nie teilen. Ich blieb mit leeren Händen zurück. Wie soll ich Frauen jetzt noch vertrauen? Ich habe keine Ahnung. Was haltet ihr von Alexanders Verhalten?