Einfach nur eine Funktion

Ines, hast du den Tee aufgesetzt?

Ines steht am Fenster und beobachtet einen Spatz, der auf dem Fenstersims herumhüpft. Klein, grau, mit einem schwarzen Fleck am Hals. Er pickt nach etwas Unsichtbarem, verharrt, pickt wieder. Ines schaut ihm schon seit drei Minuten zu und kann die Augen kaum abwenden.

Ines!

Ja, gleich ruft sie ins Zimmer.

Der Spatz fliegt davon.

Sie geht in die Küche, schaltet den Wasserkocher ein, holt eine Tasse seine Tasse, groß, mit der Aufschrift Chef, die ihre Tochter Julia ihr mal als Scherz aus Berlin mitgebracht hat. Der Scherz ist längst verblasst, aber die Tasse ist geblieben.

Dauert das noch lange? Thomas betritt die Küche. In Pantoffeln, der Trainingshose mit ausgebeulten Knien, die Zeitung in der Hand. Ich will nur einen Tee und du verschwindest.

Ich habe nur am Fenster gestanden.

Am Fenster. Er sieht sie an, als hätte sie einen fremden Dialekt gesprochen. Wozu?

Da war ein Spatz.

Thomas senkt die Zeitung.

Ines, alles in Ordnung bei dir?

Ganz normal sagt sie und gießt Wasser in seine Tasse.

Er nimmt die Tasse und geht wieder ins Wohnzimmer, setzt sich in den Sessel und schlägt die Zeitung auf. Ines bleibt am Wasserkocher stehen. Sie würde selbst gern einen Tee trinken. Doch statt sich einzuschenken, steht sie einfach nur da und schaut auf den kochenden Wasserdampf.

Sie sind beide achtundfünfzig. Kennengelernt haben sie sich mit dreiundzwanzig auf einer Betriebsfeier in Bremen, geheiratet mit fünfundzwanzig. Seit dreiunddreißig Jahren kocht Ines auf den ersten Wunsch hin Tee.

Sie weiß nicht, wann das angefangen hat. Wahrscheinlich hat es nie angefangen, sondern war einfach immer so.

Vor etwa drei Jahren, beim Wein auf der alten Holzküche von Freundin Birgit die Gläser waren beim Umzug zerbrochen hatte Birgit noch zu ihr gesagt:

Ines, hörst du dich eigentlich selbst? Du redest immer von er will, ihm gefällt, für ihn ist es praktisch. Und du? Was willst DU?

Ich will, dass es bei uns gut ist.

Das ist kein Wunsch. Das ist eine Funktion.

Damals war Ines gekränkt. Meinte, Birgit würde bloß reden, weil sie allein ist und heimlich neidisch. Birgit nahms gelassen und schenkte Wein nach.

Jetzt, am Wasserkocher, denkt Ines über das Wort nach: Funktion. Wie in Mathe. X hängt von Y ab. Ines hängt von Thomas ab.

Sie schenkt sich Tee ein, setzt sich an den Tisch. Das Handy in der Hand, liest alte Chats mit Birgit. Die letzte Nachricht ist drei Wochen her: Ines, bist du noch am Leben? Ines hatte ein lächelndes Emoji geschickt. Birgit antwortete mit hochgezogener Braue.

Ines schreibt: Alles gut, wir haben uns lange nicht gesehen.

Die Antwort kommt sofort. Komm am Samstag vorbei. Backe Apfelkuchen.

Samstags gibt es eigentlich für Thomas immer Eintopf.

Ines schreibt: Ich komme.

Sie legt das Handy weg, trinkt ihren Tee aus, steht auf. Holt das Hähnchen aus dem Gefrierfach zum Auftauen.

Birgit wohnt nur zehn Minuten entfernt, Altbau, Holzgeländer an der Treppe. Seit Ines fünfundzwanzig war, kennt sie jede Schramme am Geländer. Punkt halb drei klingelt sie mit einem Glas selbstgemachter Johannisbeermarmelade in der Hand.

Ach sagt Birgit beim Öffnen du hast dich geschnitten.

Schon vor drei Monaten.

Steht dir, gefällt mir.

Sie gehen in die Küche. Der Apfelkuchen kühlt auf dem Gitter. Es riecht nach Zimt und irgendeinem Wohlgefühl, das Birgit immer hat egal, was passiert. Zweimal geschieden, viermal umgezogen, Eltern in kurzem Abstand verloren Birgits Wohnung duftet immer nach etwas Gutem.

Nun, erzähl mal Birgit schneidet den Kuchen an.

Was soll ich erzählen.

Alles!

Ines nimmt ein Stück. Noch heiß, die Äpfel fast geschmolzen. Beim ersten Bissen spürt sie einen Kloß im Hals nicht wegen des Geschmacks.

Gestern hat er wieder gefragt, wo die Fernbedienung liegt sagt sie. Die lag direkt neben seinem Sessel. Ich bin hingegangen, hab sie ihm gegeben.

Und?

Nichts. Er schaltet um. Und ich gehe wieder in die Küche bügeln.

Birgit sieht sie an.

Ines.

Ich weiß schon, was du sagen willst.

Nein, weißt du nicht. Ich möchte wissen: Wie ging es DIR in diesem Moment?

Ines denkt nach. Komisch, sie hat da gar nicht dran gedacht. Sie ist einfach aufgestanden, hat die Fernbedienung geholt, zurückgebracht.

Gar nicht, sagt sie schließlich. Ich hab nichts gefühlt. Gar nichts gedacht. Einfach nur gemacht.

Das ist das Problem, sagt Birgit leise. Nicht, dass dus machst. Sondern, dass es dir dabei NICHTS bedeutet.

Sie schweigen. Vor Birgits Fenster steht eine alte Birne. Darauf eine Meise, schaukelt im Samstagswind.

Du hast ne Meise! sagt Ines lachend.

Die kommt jeden Samstag, sagt Birgit, hab sie Frida getauft.

Du gibst Vögeln Namen?

Allem, was mir wichtig ist.

Ines schaut zur Meise, dann zu Birgit, wieder zur Meise.

Ich bin achtundfünfzig, Birgit.

Ich weiß. Ich auch.

In dem Alter ändert man doch nichts mehr.

Birgit schenkt Tee nach. Reicht Ines eine schöne Tasse mit blauem Muster, ganz ohne Sprüche. Ines nimmt sie mit beiden Händen.

Weißt du, was ich glaube? sagt Birgit. Jetzt ist GENAU das richtige Alter. Früher denkst du immer, du hast noch Zeit. Jetzt weißt du, das stimmt nicht.

Heimweg. Bremer Oktober, Blätter liegen weich und gleichmäßig auf Straßen und Wegen, wie ein Teppich. Ines kann sich nicht erinnern, wann sie zuletzt einfach so gelaufen ist ohne Einkaufstasche, ohne Gedanken an das Abendessen.

Thomas arbeitet im Autohaus, inzwischen als Verwaltungsleiter. Jeden Abend halb sieben: Sessel, Fernseher, Erwartung an das Abendbrot kein Befehl, eher ein System.

Als Ines kommt, blickt Thomas vom Fernseher auf.

Wo warst du?

Bei Birgit.

Und das Abendessen?

Ines bleibt im Flur stehen.

Hab ich nicht gekocht. War bei meiner Freundin.

Was soll ich jetzt essen?

Sie sieht ihn an. Sein Gesicht, seit dreiunddreißig Jahren vertraut. Die Falten um die Augen, tiefer geworden seit er vierzig ist. Die Hände auf den Lehnen, wie ein Direktor im Chefbüro.

Im Kühlschrank sind Frikadellen von gestern sagt sie. Und Brot.

Sie zieht die Schuhe aus, nimmt ihr Buch vom Nachttisch und legt sich zum Lesen aufs Bett.

Zehn Minuten später steht Thomas im Schlafzimmer mit kalter Frikadelle.

Kalt, sagt er.

Dann wärme sie in der Mikrowelle auf.

Er sieht sie lange an. Sie blickt nicht auf.

Er geht. Die Mikrowellentür klappt, das Brummen, dann Stille.

Ines liest. Ein Roman über eine Frau, die mit fünfzig eine Keramikwerkstatt eröffnet. Ines hat das Buch seit einem halben Jahr, kam nie dazu, es zu beginnen.

Jetzt liest sie und fragt sich, wie diese Romanfigur so klar weiß, was sie will einfach weiß: Ich will töpfern. Ines ist nicht sicher, ob sie überhaupt noch weiß, ob sie selbst irgendetwas will, das nichts mit alles soll normal laufen zu tun hat.

Ihr voller Name: Ines Miriam Feldmann, geborene Becker. Sie stammt aus Delmenhorst, ist nach Bremen gezogen fürs BWL-Studium, blieb nach der Hochzeit dort. Arbeitete zwanzig Jahre in einer Bau-Buchhaltung, bis die Firma geschlossen hat. Die nächsten Jahre dann Handarbeits-AG an einer Schule. Als Thomas sagte, das sei zu viel Stress für wenig Geld, wechselte Ines in ein kleines Büro um die Ecke, Halbtags. Jetzt ist sie seit einem Jahr in Rente.

Sie hatte gedacht, das würde schön, sich erholen, sich selbst widmen.

Aber Rente heißt: Noch mehr Zeit für das alte Gleiche. Kochen, putzen, einkaufen, bügeln, Tee kochen.

Sonntagmorgen wacht sie wie immer um sechs auf. Thomas schläft noch. Sie liegt da und starrt an die Decke. Noch immer wie vor dreißig Jahren. Renoviert wurde zuletzt 97, der Riss über dem Fenster ist länger geworden das wars auch schon.

Sie steht auf, zieht sich an, nimmt den Mantel und geht raus.

Am Sonntagfrüh ist Bremen fast leer. Ein Straßenkehrer fegt Blätter, eine Katze spaziert den Zaun entlang, beschäftigt. Ines geht Richtung Park einfach, weil sie das immer so macht.

Der Park ist leer und feucht. Die Bänke glänzen vom Nachtregen. Sie setzt sich, streicht die Lehne trocken nicht die Sitzfläche, sondern die Lehne und sitzt einfach.

Sie denkt an Birgit: Du gibst allem Wichtigen einen Namen. Ines gibt nichts einen eigenen Namen. Ihr gehört nichts allein.

Da ist die gemeinsame Wohnung. Ein Kaffeeservice, das sie vor drei Jahren kaufen wollte, aber Thomas sagte: Brauchen wir nicht, das alte ist völlig in Ordnung. Ein Schwimmbad-Abo, das sie sich zum Geburtstag schenkte, nach drei Malen nicht mehr nutzte weil es blöd war, am Wochenende lange weg zu sein.

Sie sitzt im Park und spürt, dass sie sich selbst verloren hat. Nicht auf einmal, sondern Stück für Stück. Ein Teil für den Eintopf, einer fürs Bügeln, einer für wo warst du, einer für was soll ich essen.

Eine Frau mit Dackel bleibt neben der Bank stehen. Der kleine Dackel beäugt Ines.

Beißt sie? fragt Ines.

Ach was, sie mag alle sagt die Frau freundlich. Sind Sie zum Spazieren hier?

Ja, einfach so.

Das ist gut sagt die Frau. Ich geh jeden Morgen. Früher zu zweit mit Harald. Seit letztem Jahr mit Hund allein.

Sie sagt das sachlich. Ines schaut auf ihr entspanntes Gesicht, fast heiter.

Vermissen Sie ihn?

Den Harald? Die Frau denkt nach. Ja, schon. Aber mich selbst habe ich auch vermisst. Die letzten drei Jahre, als ich ihn gepflegt habe, habe ich mich ganz vergessen. Nach seinem Tod habe ich mich gefragt: Wer bin ich eigentlich? Klamotten egal, gegessen egal. Mit Lotti sie nickt auf den Dackel lerne ich wieder leben.

Lotti schnuppert an Ines Stiefel und schlendert weiter.

Wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf? fragt Ines.

Dreiundsechzig. Warum?

Nur so, einfach gefragt.

Die Frau lächelt, folgt dem Hund. Ines sieht ihr nach.

Daheim sitzt Thomas schon grimmig in der Küche.

Wo warst du?

Im Park.

Im Park. Um acht Uhr?

Ja.

Was macht man um acht Uhr im Park?

Sitzen sagt Ines ruhig. Nachdenken.

Er schaut auf den Tisch. Sie weiß, dass er auf Frühstück wartet.

Sie setzt den Wasserkocher an, nimmt Eier, macht Rührei, schneidet Brot, stellt alles vor ihn.

Er isst schweigend. Sie sitzt gegenüber mit ihrem Tee.

Thomas sagt sie.

Hm?

Weißt du noch, warum wir geheiratet haben?

Er schaut auf.

Was ist das für eine Frage?

Nur eine Frage. Warum?

Na ja … wir haben uns geliebt.

Geliebt, wiederholt sie. Und jetzt?

Er legt die Gabel weg.

Ines, was ist los?

Ich frage.

Ja, was jetzt. Wir leben eben. Familie.

Familie, sagt sie. Und schweigt.

Er isst fertig, stellt den Teller in die Spüle und geht ins Wohnzimmer zurück. Sie schaut den Brotresten nach.

Am Montag ruft sie im Schwimmbad an und reaktiviert ihre Mitgliedschaft. Mittwochs und freitags, nimmt sie sich vor.

Mittwoch packt sie die Tasche und sagt beim Gehen:

Ich gehe ins Schwimmbad. Abendessen ist im Kühlschrank, kannst du aufwärmen.

Er mustert sie über den Brillenrand.

Welches Schwimmbad?

Das Neptun.

Das ist doch ein Stück weg.

Zwanzig Minuten mit der Straßenbahn.

Wozu das jetzt?

Sie zieht den Mantel an.

Weil ich schwimmen möchte.

Er sagt nichts mehr. Sie geht hinaus.

Im Straßenbahnabteil: ein älteres Ehepaar am Fenster, vorne eine Frau mit Kind. Ines schaut aus dem Fenster: goldene Linden, Cafés, Menschen auf dem Weg zu ihren Dingen.

Sie merkt, sie mag es, einfach zu fahren.

Das Schwimmbad heißt Neptun. Keine Neptuns, nur blaue Bahnen, Chlorgeruch. Sie taucht ein langsam, Brustschwimmen. Das Wasser ist kühl, dicht. Sie schwimmt, denkt an nichts Bestimmtes. Einfach schwimmen.

Nachher fühlt sie ihr eine lange nicht gekannte Erschöpfung die von etwas Gutem, nicht von fremden Bedürfnissen.

Auf dem Heimweg geht sie noch ins Café, trinkt allein einen Kaffee am Fenster. Die Kellnerin bringt ein kleines Gebäck zum Kaffee. Ines isst es und denkt: Vielleicht ist genau das das Leben. Einfach Kaffee. Einfach Gebäck. Einfach ein Fenster.

Zu Hause: Thomas sitzt im Sessel, Fernseher, leere Teller.

Aufgewärmt? fragt sie.

Ja. War zu salzig.

Ines schweigt. Geht baden, zieht sich um, liest.

Eine Woche später wieder bei Birgit. Sie erzählt von Park, Schwimmbad, Kaffee.

Gut so, sagt Birgit. Weiter.

Weiter?

Was willst du noch?

Ines überlegt.

Ich würde gern was lernen. Vielleicht Malen. Früher als Kind hab ich gern gemalt.

Dann such dir einen Kurs.

Wo?

Es gibt überall Kurse, sogar im Internet.

In meinem Alter fängt Ines an.

Halt, sagt Birgit. Sag jetzt nicht in meinem Alter und dann gehst du wieder nicht.

Ines schweigt.

Na gut! sagt sie.

Sie findet die Malschule zufällig. Aquarell für Erwachsene steht am Fenster. Sie fragt. Dienstags und donnerstags, kleine Gruppen, alle verschieden. Die Kursleiterin, Frau Anna Steiner, ist etwa sechzig, kurzes graues Haar, silberne Tropfenohrringe.

Haben Sie Erfahrung? fragt sie.

Als Kind, vierzig Jahre her.

Perfekt. Dann ist alles frisch. Kommen Sie einfach Dienstag.

Ines kommt. Die Gruppe: sieben Leute, vier Frauen in ihrem Alter, eine Jüngere, ein Mann fünfzig, eine Studentin.

Frau Steiner stellt einen Apfel auf den Tisch. Hinschauen!

Fünf Minuten nur hinschauen. Dann malen. Ines Apfel sieht aus wie eine Kartoffel. Egal. Es macht ihr Spaß.

Sie haben ein Gefühl für Tiefe, lobt Frau Steiner. Das ist das Wichtigste. Alles andere kommt.

In der Bahn nach Hause hält Ines das Blatt mit dem Apfel-Kartoffel.

Daheim: Thomas sieht Nachrichten.

Wo warst du? fragt er.

Malen.

Hä?

Malen. Mit Aquarell. Einen Apfel.

Er schaut sie an, dann aufs Bild.

Das soll ein Apfel sein?

Ein Anfang sagt Ines und macht den Tee.

Abends ruft sie Julia an. Die Tochter lebt in Berlin, arbeitet bei einem Pharmaunternehmen, verheiratet, zwei Kinder. Sonntags telefonieren sie meist.

Mama fragt Julia , was war am Mittwoch? Ich hab dich verpasst.

Nicht schlimm. Ich wollte dir sagen: Ich habe mit dem Malen angefangen. Im Kurs.

Pause.

Du malst?

Mit Aquarell. Zweimal die Woche.

Klasse sagt Julia, mit so einem Unterton, den Ines nicht ganz deuten kann. Nicht Erstaunen, nicht Freude, irgendwas dazwischen. Weiß Papa das?

Ja.

Und was meint er?

Fragt, ob das wirklich ein Apfel ist.

Julia lacht.

Typisch. Mama, sonst alles okay?

Besser als früher, sagt Ines.

Na, dann. Die Kinder rufen, bis Sonntag?

Bis Sonntag.

Sie legt auf, hängt das Apfelbild mit einem Bremen-Magneten an den Kühlschrank.

Thomas kommt in die Küche, sieht das Bild, schüttelt den Kopf, schweigt.

Der November ist feucht und ungemütlich. Ines geht ins Schwimmbad, in die Malschule, manchmal zu Birgit. Sonst liest sie viel, mehr als in den letzten zwanzig Jahren zusammen.

In der Malschule setzt sich einmal Nina neben sie, eine einundsechzigjährige Ex-Geolehrerin, jetzt in Rente. Mit gefärbtem, ein wenig schiefem rotem Haar, das ihr gut steht.

Malen Sie schon lange? fragt Nina.

Seit drei Monaten.

Sie machen Fortschritte. Ich nach einem halben Jahr krieg die Linien immer noch schief.

Frau Steiner meint, die Linien sind gar nicht so wichtig.

Die ist eh Philosophin, lacht Nina. Sie hat mir gesagt, beim Malen gehe es nicht um richtiges Zeichnen, sondern ums Sehen.

Ines denkt darüber nach.

Wahrscheinlich gilt das auch für das Leben.

Alles gilt fürs Leben nickt Nina. Sind Sie verheiratet?

Dreiunddreißig Jahre.

Respekt. Ich war zweimal verheiratet. Jetzt allein und das tut mir gut.

Keine Einsamkeit?

Manchmal schon. Aber besser als vorher. Der erste hat getrunken. Der zweite hat nur gesprochen, wenn es nötig war wie mit einer Haushaltsmaschine. Knopf gedrückt, Ergebnis bekommen.

Ines lacht leise.

Wie mit einer Haushaltsmaschine, wiederholt sie.

Gerade dein Baum ist lebendig geworden. Sieh mal, der Stamm atmet.

Ines betrachtet ihren Baum. Er lebt tatsächlich ein wenig. Sie weiß nicht, wie sie das geschafft hat.

Im November ändert sich etwas zwischen ihr und Thomas. Ganz allmählich.

Er gewöhnt sich an ihre Abwesenheit drei Mal die Woche, hört auf zu fragen wo warst du, wärmt sich selbständig das Essen auf. Einmal hat er sogar Kartoffeln gekocht, einfach so. Ohne Aufforderung.

Du hast Kartoffeln gekocht, sagt sie.

Ja. Hatte Hunger.

Gut sagt sie.

Es ist seltsam. Nicht schlecht. Nur seltsam.

Eines Abends sitzen sie beide mit Tee in der Küche, der Fernseher ist kaputt, es ist still.

Ines, sagt er auf einmal.

Ja?

Du hast dich verändert.

Sie schaut ihn an.

Zum Guten oder Schlechten?

Er überlegt.

Weiß nicht. Einfach anders.

Ja, sagt sie.

Ich bin das nicht gewohnt.

Ich auch nicht. Aber ich werde mich daran gewöhnen.

Schweigen. Dann:

Zeig mal deine Bilder.

Verwundert holt sie die Mappe. Er blättert langsam, bleibt an manchen stehen.

Und das?

Eine Kanne. Wir haben Licht und Schatten geübt.

Und das hier?

Meine Hand.

Er sieht sich die Hand lange an.

Sieht echt aus.

Danke.

Du kannst das sagt er schlicht.

Ines spürt etwas Warmes. Keine Erleichterung, keine Freude über Zustimmung. Etwas Ruhiges.

Ich weiß sagt sie.

Der Dezember bringt Frost. Ines kauft sich neue Stiefel, warm und dunkelblau. Thomas sieht auf den Kassenbon: Teuer! Aber warm, sagt sie keine Diskussion.

In der Malschule malen sie Winterlandschaften. Frau Steiner bringt alte Schwarzweiß-Fotos: Wald, zugefrorener Fluss, verschneites Dorf.

Winter ist nicht farblos erklärt sie. Winter sind alle Farben, nur leise. Sucht sie.

Ines starrt auf das Foto. Sie erkennt das Blau im Schatten, das Graurosa am Horizont, das blasse Gelb in der Birkenrinde.

Neben ihr ächzt Nina über dem Blatt.

Meins ist alles grau flüstert sie.

Schau die Schatten an flüstert Ines zurück. Die sind nie grau.

Nina schaut, greift zum Blau, tupft es hinein.

Ach! sagt sie.

Siehst du sagt Ines.

Nach dem Kurs trinken sie gemeinsam Kaffee im kleinen Straßencafé. Nina erzählt von ihrer Tochter Anna in Hamburg, die sie zum Umzug überreden will.

Ziehen Sie um? fragt Ines.

Weiß nicht. Habe Angst. Da ist alles fremd. Hier bin ich, hier sind Sie, die Malschule, mein Kater Friedrich.

Friedrich lächelt Ines.

Ja. Dick, rot und würdevoll. Wir verstehen uns.

Meine Freundin Birgit gibt sogar Vögeln Namen sagt Ines. Ihre Meise heißt Frida.

Richtige Einstellung nickt Nina. Namen geben, worauf es ankommt.

Ines sieht hinaus. Eine Frau im roten Mantel kreuzt schnell die Straße, geschäftig, Haare wehen.

Nina, bereuen Sie die Scheidungen?

Nina rührt im Kaffee.

Die vergeudeten Jahre manchmal schon. Aber das Entscheidende nicht. Wissen Sie, wie es war? Ich bin eines Morgens aufgewacht und wusste nicht mehr, wann ich zuletzt an irgendwas eigenes gedacht hatte. Einfach nur an mich. Nicht an sein Abendessen, seine Laune. Mich. Ich habe gemerkt: Mich gibt es gar nicht mehr.

Ines hört zu.

Was haben Sie gemacht?

Erst mal gar nichts. Dann versucht zu reden. Der meinte: Du bildest dir das ein. Nicht ich höre dich, nicht wir schauen gemeinsam. Nur: Du bildest dir das ein.

Und?

Da hab ich gewusst, wenn er mich nicht mal sieht, existier ich für ihn nicht. Da musste ich gehen.

Sie schweigen. Dann schüttelt Nina sich:

Lange her. Heute hab ich Friedrich und Wasserfarben. Nicht übel.

Sie zahlen und gehen. Draußen der erste, zaghafte Schnee. Ines hebt das Gesicht eine Flocke schmilzt auf ihrer Wange.

Daheim telefoniert Thomas und lacht. Als Ines kommt, winkt er ihr, redet weiter. Sie stellt den Wasserkocher an, schaut aus dem Fenster.

Draußen Nacht und Schnee, eine Laterne wirft einen Lichtkreis auf den Asphalt. Schön.

Sie fotografiert das. Macht es zum Handyhintergrund. Früher war da ein Familienfoto von Julias Hochzeit schöne Aufnahme. Aber der Schneekreis ist ihrer.

Im Januar gelingt ihr ein Bild: Straße im Schnee, genau wie von ihrem Fenster aus, Laterne, Licht im Kreis. Frau Steiner betrachtet es lange.

Ja sagt sie. Das ist Ihre Stimme.

Was meinen Sie?

Im Bild ist die Stimme des Malers. Technik kann man lernen, Stimme hat man oder nicht. Sie haben sie.

Ines schaut aufs Bild.

Ich habe einfach das gemalt, was ich aus dem Fenster sehe.

Genau das. Das, was Ihnen wichtig ist. Nicht, was anderen gefallen muss.

Dieses Bild hängt sie auch an den Kühlschrank.

Eines Morgens steht Thomas davor, sieht beide Bilder. Sie tritt ein.

Was? fragt sie.

Ich schaue. Sind gut.

Danke.

Konntest du das immer schon?

Ich glaube schon. Ich hab nur nie gemalt.

Er nickt, holt Käse.

Thomas, sagt sie.

Ja?

Ich möchte im Sommer ans Meer fahren. Allein. Oder mit Nina, die habe ich beim Malen kennengelernt. Einfach nur eine Woche.

Er dreht sich um, Käse in der Hand.

Allein?

Allein. Oder eben mit Nina. Ich brauch das.

Er schweigt. Sie wartet.

Geld hast du?

Ja, Rente, bisschen was gespart.

Na gut, wenn du willst.

Kein Natürlich, fahr ruhig, Liebling. Ein Na gut, wenn du willst, etwas unbeholfen. Aber immerhin.

Sie schreibt an Nina: Hast du nicht Lust auf Nordsee im Juli?

Nina: Friedrich bringt Anna nach Hamburg, ich bin dabei! Wann?

Der Februar zieht sich. Ines geht zum Schwimmen, in die Malschule, zu Birgit. Einmal Theater mit Nina: Tschechow. Thomas will nicht mit langweilig. Sie kauft sich ein Einzel-Ticket, ruft Nina an.

Das Stück ist gut, ruhig, nachdenklich. Ines merkt: Sie war fünfzehn Jahre nicht im Theater. Fünfzehn!

Danach sitzen sie im Café.

Und? fragt Nina.

Schön wars. Die Irina hat mich beschäftigt.

Die Nach Moskau, nach Moskau?

Ja. Immer gedacht, irgendwann beginnt das Leben und das Leben läuft weiter.

Das ist das Harte bei Tschechow, sagt Nina. Das Vergehen der Zeit, leise, unerbittlich.

Ja.

Und? Hast du was entschieden?

Ines sieht sie an.

Was meinst du?

Na du. Ich sehs dir an, seit Monaten.

Ines rührt im Kaffee.

Ich weiß nicht, was ich entschieden hab. Ich hab einfach angefangen zu leben. Ein bisschen. Auf meine Weise.

Das ist schon was.

Thomas versteht das nicht.

Hast dus erklärt?

Habs versucht. Er sagt: Du bist anders. Ich: Ja. Er: Ungewohnt. Ich: Du gewöhnst dich dran. Er: Aber Kartoffeln kochen kann er jetzt.

Nina lacht.

Ein Fortschritt.

Nina, sind Sie heute glücklich?

Nina überlegt lange.

Ich weiß nicht, ob ich das Wort richtig verstehe. Wenn Glück heißt, alles ist glatt, alles ist gesund dann nein. Das Knie tut weh, mit Anna ists schwer, das Geld reicht kaum. Aber wenn Glück heißt, ich selbst zu sein, nicht verstecken, nicht aushalten müssen dann ja. Wahrscheinlich ja.

Ines nickt.

Gute Antwort.

Hast du vor, zu gehen?

Ines sieht aus dem Fenster, Februar, graue Straße, Laternen.

Weiß ich nicht sagt sie. Dreiunddreißig Jahre. Das ist nicht nichts. Er ist kein schlechter Mensch. Er sieht mich einfach nicht. Ich weiß nicht, ob man das ändern kann. Ob jemand lernen kann, einen Menschen zu sehen, wenn er immer nur Funktion gesehen hat.

Manchmal klappt es, sagt Nina. Manchmal nicht.

Ja, manchmal ja, manchmal nein, sagt Ines.

Im März kommt Julia samt Kindern zu Besuch. Zwei Tage Trubel, Kinderlachen. Thomas blüht auf, spielt mit den Enkeln. Ines sieht, es steckt noch etwas Lebendiges in ihm nur selten sichtbar.

Abends, als die Kinder schlafen, sitzen sie zu viert am Tisch, Ines, Thomas, Julia und ihr Mann Daniel. Tee.

Mama, wie gehts dir? fragt Julia. Du siehst so fröhlich aus.

Das Malen tut mir gut, sagt Ines.

Zeig doch mal!

Sie bringt die Mappe. Julia blättert, schaut genau.

Wow, Mama, das ist echt schön. Richtig gut.

Frau Steiner sagt, ich habe eine Stimme.

Stimme? fragt Daniel.

Im Bild. So wie eine Handschrift.

Ich hätte nicht gedacht, dass da was Persönliches drin steckt.

Wenn es von Herzen kommt, ist alles persönlich, sagt Ines.

Thomas schweigt, starrt in die Tasse. Dann hebt er den Kopf:

Sie konnte das immer. Sie hat bloß nie gemalt.

Alle schauen ihn an. Er sagt es nüchtern, wie eine Feststellung.

Wusstest du das? fragt Julia.

Habs gesehen. Sie malte schon vor dir.

Ines starrt ihn an. Er wusste es all die Jahre hat nie gesagt: Warum malst du nicht?

Sie sagt es nicht laut. Legt nur die Mappe beiseite.

Nach Julias Abreise ist es still. Alles wie gewohnt: Sessel, Fernsehen, Zeitung.

An einem Tag Mitte März kommt Ines von der Malschule nach Hause, zieht sich aus, geht in die Küche. Ein Zettel liegt da, Thomas schreibt selten Zettel, meist ruft er.

Bin bei Klaus am Garten, komme übermorgen. Suppe im Kühlschrank, selbst gemacht.

Sie liest zweimal: Selbst gemacht.

Im Kühlschrank steht ein Topf Suppe. Ein bisschen blass, sieht versalzen aus aber Suppe.

Sie nimmt sich eine Schüssel, wärmt sie auf, setzt sich.

Der Eintopf ist versalzen. Aber irgendwie zählt das nicht. Was anderes zählt.

Zwei Tage ist sie allein. Schwimmen morgens, malen abends, essen, was sie will, schlafen mit Licht an, Kaffee am Fenster, so lange sie mag.

Als Thomas zurückkommt, merkt sie: Sie hat sich daran gewöhnt. Es war angenehm. Allein.

Eine unbequeme Erkenntnis.

Im April dann das Unerwartete. Frau Steiner schlägt eine kleine Ausstellung ihrer Gruppe im Kulturzentrum vor. Vier Wände, zwanzig Arbeiten.

Ich? fragt Ines.

Ja, Sie. Ihre Bilder haben Gefühl.

Ich male erst seit sechs Monaten!

Die Tiefe ist da. Das zählt.

Ines denkt drei Tage, sagt dann zu.

Sie wählt fünf Bilder: Straße mit Laterne, die Hand, der atmende Baum, die Kanne, die neue Tasse Kaffee mit Buch und Schneeblick.

Vernissage an einem Freitag. Kommilitonen, Birgit, Nina mit Friedrich im Korb (der darf nicht rein), Julia schickt eine Sprachnachricht: Mama, ich bin ganz stolz auf dich! Thomas kommt auch.

Er wirkt unsicher am Eingang, sieht ihre Bilder, kommt heran, bleibt bei der Straße mit der Laterne stehen.

Das ist unser Fenster.

Ja.

Ich hätte nie gedacht, dass man daraus was malen kann.

Ich schon.

Er dreht sich um.

Ines.

Ja?

Ich weiß, ich hab was versäumt. Weiß nicht, was genau. Aber was Wichtiges.

Ines sieht ihn an.

Ja, sagt sie leise.

Ich kann sowas nicht ausdrücken.

Ich weiß.

Sie stehen gemeinsam vor dem Bild. Ohne große Worte.

Dann kommt Birgit und zieht Ines zum Kulturzentrumsleiter, der schon neue Pläne hat.

Im Mai kaufen Ines und Nina Tickets für die Nordsee. Anfang Juli, acht Tage. Kleines Hotel, zwei Zimmer.

Abends sagt sie es Thomas:

Tickets gekauft. Fahr im Juli mit Nina, acht Tage.

Er über seine Brille:

Acht?

Acht.

Ganz schön lang.

Nicht wirklich.

Lange Pause.

Na gut. Ich fahr dann zu Klaus in der Zeit.

Gut.

Pass auf dich auf. Das Meer, und so!

Ich kann schwimmen erinnert sie. Schwimmbad seit Monaten.

Na gut.

Ines geht in die Küche, kommt zurück.

Thomas.

Ja?

Ich will dich was fragen. Ganz ehrlich.

Er legt die Zeitung weg.

Was?

Siehst du mich?

Wie meinst du das?

Siehst du mich. Mich. Nicht Essen, nicht Tee, nicht Eintopf. Mich als Mensch.

Er schweigt. Sie wartet.

Ich weiß nicht, was du meinst, sagt er schließlich.

Ich weiß sagt sie. Genau das ist das Problem.

Sie geht zurück in die Küche, gießt sich Tee ein, in ihre Tasse mit dem blauen Muster, die sie im Februar selbst gekauft hat, im Laden neben der Malschule. Ihre Tasse.

Juli wird heiß. Am Tag der Abreise packt sie einen kleinen Koffer, nimmt den Aquarellblock, neue Pinsel mit.

Thomas bringt sie zum Taxi.

Ruf an, meint er.

Mache ich.

Ist heiß dort, nimm einen Hut!

Hab ich dabei.

Ja …

Das Taxi kommt an. Ines schiebt den Koffer, blickt zurück.

Da steht er, in seiner beulen Knie-Trainerhose, etwas ratlos, groß, nicht mehr jung, nicht gewohnt, dass sie verreist.

Thomas, sagt sie.

Ja?

Wenn du willst, dass sich etwas ändert, musst du reden. Richtig reden. Ich bin bereit. Aber ich kann es nicht allein für uns beide machen.

Er schaut sie an.

Kommst du zurück?

Ich fahre ans Meer, Thomas. Für acht Tage, sagt sie.

Das Taxi hupt leise. Sie steigt ein.

Er bleibt stehen.

Bremen fliegt vorbei, Straßen und Kreuzungen, Platanen, Cafés, vertraute Orte. Die Sonne knallt aufs Fenster.

Sie zückt das Handy. Schreibt Nina: Fahre los. Wo bist du?

Nina: Bin schon am Bahnhof! Friedrich ist bei Anna, musste heulen. Ich freu mich!

Ines lächelt.

Sie öffnet eine neue Seite im Handy: Online-Aquarellkurse für Erwachsene. Nur mal sehen. Nur Interesse.

Schließt wieder. Öffnet dann doch.

In vier Stunden fährt der Zug ans Meer. Sie wird aus dem Fenster schauen, wie sich die Landschaft verändert, wie sich das Flachland in Dünen wandelt.

Sie nimmt den Malblock und beginnt zu skizzieren, was sie sieht.

Nicht das, was man erwartet. Nicht das, was irgendwie richtig ist. Sondern was sie sieht.

Nina wartet am Bahnsteig, klein, rotbraune Haare, Rucksack auf dem Rücken.

Na, sagt Nina, auf ins Abenteuer?

Los! sagt Ines.

Sie steigen ein.

Seltsam, denkt Ines, sie weiß nicht, ob sie zurückkehrt im Sinne von zurück in alles Gewohnte. Sie weiß nur eins: Zu sich selbst kommt sie zurück. Und das lässt sie sich nicht mehr nehmen.

Der Bahnsteig ist hell und laut, irgendwo schreit ein Kind, es duftet nach Eisen, Sommer, Fernweh.

Sie spürt, der Boden unter ihren Füßen ist fest.

Einfach fest. Ihr ganz eigener.

Der Zug rollt weich los, wie nur Züge losfahren, wenn man wirklich unterwegs ist.

Draußen verschwimmt der Bahnsteig, die Dächer, die Stadt, Felder ziehen vorbei.

Nina lehnt am Fenster, döst schon.

Ines schlägt ihren Malblock auf. Nimmt einen Stift.

Draußen gleitet das Land, endlos, Sommerflirren.

Sie beginnt zu zeichnen.

Den Horizont, so gerade wie ein Gedanke.

Den Himmel, am Rand etwas dunkler.

Eine Straße, die ins Nichts verschwindet.

Keine Menschen auf dem Bild.

Nur Weite.

Was zeichnest du? fragt Nina schläfrig, ohne die Augen zu öffnen.

Den Horizont.

Ist er schön?

Ines betrachtet das Blatt.

Ich weiß noch nicht sagt sie. Aber es sieht so aus.

Nina murmelt etwas und schläft weiter.

Der Zug fährt vorwärts.

Ines zeichnet.

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Homy
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