Als Onkel Nikolaus überrascht vom Tod seiner Tante Nadja erfuhr, ahnte er nicht, dass sich sein Leben schlagartig verändern würde. Tante Nadja lebte allein in einem kleinen Häuschen am Rande von Berlin und hatte nur eine Enkelin.

Als Tante Edeltraud von Johann Hoffmann starb, hätte er nie gedacht, dass sich sein Leben so plötzlich verändern würde. Seine Tante lebte allein in einem kleinen Häuschen am Rande von Berlin und hatte nur eine Enkelin: die zehnjährige Ronja.

Ronjas Mutter hatte die Familie schon vor langer Zeit verlassen und war nach Österreich gegangen, um dort zu arbeiten; Briefe kamen selten, nur sporadisch. Johann wusste: Würde er Ronja alleine lassen, müsste sie ins Heim.

Johanns Ehefrau, Waltraud, blieb zu Hause. Sie konnte nicht mit auf das Dorf fahren nach ihrer Nierenoperation hatte der Arzt weite Strecken strikt untersagt. Zuhause wartete sie auf Johann, das Abendessen war schon bereitet: Kartoffelpüree, Fischfrikadellen und ein frischer Gurkensalat. In der Luft hing der Duft von ofenwarmem Brot Waltraud wollte, dass Johann nach diesem schweren Tag Trost spürte.

Johann kam erst spät am Abend zurück. Hinter ihm stand Ronja, mit einem kleinen Rucksack, den sie fest umklammerte. Ihr Blick fand vorsichtige Gastgeber, irgendwo zwischen Angst und Neugier.

Waltraud, das ist Ronja, sagte Johann leise. Edeltrauds Enkelin.
Und wo ist ihre Mutter? fragte Waltraud überrascht.
Ist nicht gekommen, antwortete er. Sie sagte, sie kann nicht. Das Mädchen blieb allein zurück.

Ronja trat scheu ins Zimmer, ihren Rucksack vor sich herschiebend. Waltraud atmete tief durch und sprach schließlich:
Setz dich, Kindchen. Das Abendessen steht schon auf dem Tisch.

Diese Nacht saßen sie lange in der Küche, berieten beraten, wie sie weitermachen sollten. Johann erklärte: Ein Heim wäre zu schmerzhaft, Ronja würde jede Verbindung zur Familie verlieren. Waltraud machte sich Sorgen: Sie waren schon älter, gesundheitlich angeschlagen, die Rente spärlich und sicher kein Reichtum in Euro.

Wir hatten uns ein ruhiges Leben vorgestellt, sagte sie leise. Zeit für uns, Ruhe…
Aber sie ist doch noch ein Kind, gab Johann zurück. Wäre es besser, sie allein zu lassen?

Am nächsten Morgen war Ronja als Erste wach und spülte bereits das Frühstücksgeschirr.
Ich habe immer Oma geholfen, sagte sie leise.

Allmählich gewöhnte sich das Leben ein. Ronja kam auf die nahegelegene Grundschule, fand schnell Anschluss und zeigte sich als fleißige Schülerin. Die Wohnung wurde lebendiger Schulbücher, ein lila Ranzen im Flur, Musik aus Ronjas Zimmer.

Zuerst war Waltraud still und vorsichtig, fürchtete sich davor, sich an ein fremdes Kind zu binden. Doch eines Abends, als es ihr sehr schlecht ging, rief Ronja den Notarzt, brachte die Tabletten und hielt schüchtern die Hand.

Keine Sorge, Oma, flüsterte Ronja.

Ein Jahr verging. Plötzlich starb Johann. Waltraud blieb allein mit Ronja. Die erwachsenen Kinder kamen zur Beerdigung, blieben aber nur wenige Tage.
Mama, mit Teenager wird es doch zu schwer für dich, meinte die Tochter. Wäre es nicht doch besser, sie ins Heim zu bringen?

Waltraud schwieg lange, sah auf das Mädchen, das schon den Tisch deckte.
Als Johann sie brachte, hatte ich auch Angst, sagte sie schließlich. Aber heute ist sie wie meine eigene.

Ronja wurde immer aufmerksamer: Sie kochte Abendessen, räumte auf, half im Haushalt. Sie verlangte nie etwas, blieb stets an Waltrauds Seite.

Nach zwei Jahren wurde Waltrauds Zustand schlechter. Sie machte sich Gedanken über die Zukunft. Eines Tages rief sie den Notar und überschieb die Wohnung auf Ronja.

Aber ich bin doch nicht wirklich Familie sagte das Mädchen ängstlich.
Verwandtschaft ist kein Name, lächelte Waltraud. Es ist das Herz.

Ronja umarmte sie ganz vorsichtig, als hätte sie Angst, ihr weh zu tun.

In diesem Moment wusste Waltraud: Im Alter zählt nicht das letzte Stück Eigentum, nicht das Erbe, sondern der Mensch an deiner Seite, der noch da ist, wenn die Tage schwer werden.

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Homy
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Als Onkel Nikolaus überrascht vom Tod seiner Tante Nadja erfuhr, ahnte er nicht, dass sich sein Leben schlagartig verändern würde. Tante Nadja lebte allein in einem kleinen Häuschen am Rande von Berlin und hatte nur eine Enkelin.
Kürzlich traf ich eine Frau, die mit ihrer anderthalbjährigen Tochter durch die Berliner Innenstadt spazierte, dabei völlig in ihre Gedanken versunken und ohne auf ihre Umgebung zu achten.