Träume werden wahr – Die Kraft, an sich selbst zu glauben

Träume müssen in Erfüllung gehen

Margarete Platen, den Schal zurechtgezogen und die Handschuhe ein wenig höher gestreift, schlenderte langsam durch die Straßen Münchens. Sie betrachtete, wie das Herbstlaub die Bäume in ein Farbenmeer tauchte malte der Wind nicht wie ein wirrer Maler rote, orange und goldene Sprenkel auf die müden Blätter? Die neuen, glänzenden Autos summten die Ludwigstraße entlang, die Menschen hasteten geschäftig, ernsthaft ihren Wegen nach. Gott sei Dank, dachte sie, dass die Leute wieder Aufgaben hatten.

Margarete bewunderte die Schaufenster, grell erleuchtet, bunt wie kleine Bühnen, bis obenhin geschmückt, jedes Fenster eine Szene. Sie konnte kaum fassen, wie sehr sich ihre Stadt verändert hatte, wie aus der grauen, rußigen Nachkriegszeit ein farbiger, lebendiger Ort geworden war.

Wie lange lebte sie nun eigentlich schon, Margarete? Es erschien ihr fast unglaublich. Warum hatte der Herr sie zurückgelassen, nachdem Vater, Mutter und die anderen Geliebten schon längst fort waren?

Damit du unsere Liesl gebierst, und sie euch einen kleinen Hans schenkt, und”, hörte sie die vertraute Stimme ihres Mannes in ihren Gedanken brummeln.

Vielleicht hast du Recht, lächelte Margarete. Jemand muss ja weitergehen

Margarete hatte keinen Grund zur Eile. Ihr Leben war gelaufen zunächst die Schule, später hatte sie die Aufnahmeprüfung für die Technische Hochschule in München geschafft, doch dann kam der Krieg und sie begann in einer Maschinenfabrik zu arbeiten, geriet mitten in die Blockade, überlebte kaum, wurde mager und kaum wiedererkannt von den Nachbarn. Als die Luftangriffe vorbei waren, half sie mit, München aufzubauen und atmete gemeinsam mit den anderen neue Hoffnung in das halburbanisierte Deutschland.

Was half ihr zu überleben? Träume. Kindisch, naiv, verborgen.

Wovon sie träumte? Ihr mögt es nicht glauben von Kaffee.

Ja! Ihr Vater, Architekt von Beruf, trank stets früh morgens Kaffee, stark und klar, immer mit einem Löffel Zucker, aber niemals mit Milch. Margarete saß am Küchentisch, Mutter kochte Haferbrei in der Gemeinschaftsküche, und staunte, wie Vater genüsslich aus einer feinen hellblauen Porzellantasse trank, während im Flur die große Standuhr tickte. Die Welt war wie in Watte gehüllt nur er und der Kaffee.

Für alle war es ein Ritual für die Mutter, die mit der Morgendämmerung aufstand, um den Kaffee in der kleinen Kanne zu kochen, für den Vater, der sich frisch machte, sein Sakko überzog, da Kaffee schnell kalt wurde und er pünktlich im Büro sein wollte und für Margarete, die ihren Vater verehrte wie keinen zweiten.

Vater war kein großer Redner; dafür hatte er ein ausdrucksvolles Gesicht beim Zeitunglesen. Margarete hielt sich lachend die Hände vor den Mund und beobachtete, wie Platen die Zeitung studierte, sich ärgerte, die Brauen hochzog oder die Lippen spitzte, um eine besonders absurde Meldung abzumähen alles mit einem schelmischen Lächeln. Es war Theater, und Margarete war der glücklichste Zuschauer.

Warum bist du so still, kleiner Wirbelwind? fragte Platen schließlich und legte die Zeitung weg. Hol schon meinen Aktenkoffer große Aufgaben warten!

Pflichtbewusst schleppte sie den schweren Koffer zu ihm, Vater küsste ihr schelmisch den Schopf, verabschiedete sich, und Margarete fühlte sich als Teil von etwas Großem, weil sie seine Tochter war. Die Kaffeetasse mit dem Rest blieb auf dem Tisch stehen. Tante Lena, die Nachbarin, behauptete zu wissen, wie man aus Kaffeesatz lesen könne, aber Margarete glaubte nicht recht daran. Sie sagte einen Arbeitsplatz für Vater voraus und einen zweiten Sohn, aber nichts davon geschah

Am Tag, als die Bomben fielen, blieb die Tasse wie immer auf dem Tisch stehen, und Vater eilte zur Arbeit, um herauszufinden, wie es nun weitergehen sollte.

Dank des Rates jener Lena vier Monate vor Kriegsbeginn Vorräte anlegen! hatten die Platens noch ein paar Essensrationen übrig. Trotz des Kriegs versuchten sie, wie zuvor zu leben. Mutter Olga bestand darauf, jeden Morgen Kaffee für den Mann zu kochen, und Margarete beobachtete das Ritual mit wachen Kinderaugen.

Gerüchte gingen um, das Büro und deren Angehörige würden evakuiert. Fast aber es kam nicht mehr dazu.

Margarete setzte sich auf eine Bank im Englischen Garten, um auszuruhen. Unweit tollte zwischen den Blättern eine junge Katze, gepflegt und lebendig. Sie nickte dem Tier zu. Ja, Leben es ist gut, wenn es Katzen gibt. Während des Krieges waren sie aus München verschwunden

Und so wenig später auch ihr Vater. Die Kaffeetasse blieb auf dem Tisch, Mutter hatte sie nicht mehr abgeräumt, weil sie sofort mit Margarete in den Luftschutzkeller flüchtete. Vom Vater blieb keine Spur. Nicht einmal der Aktenkoffer.

Sie erfuhren schnell vom Schicksal des Vaters. Olga wurde bleich, fiel in sich zusammen, bekam blasse, schmale Lippen und harte Fäuste.

Nun schwieg Mutter meist und hielt Margarete nur noch fester. Der Griff tat weh, aber Margarete ertrug es es musste so sein.

Sie aber, damals fast Studentin, konnte nicht verstehen: Warum musste ihr Vater sterben? Er tat niemandem etwas zuleide, wie die anderen, die sie zur Beerdigung fuhren. Niemand war schuldig und doch litten und starben sie.

Diese Unbegreiflichkeit, dazu die Hilflosigkeit angesichts Mutters Krankheit, das Frieren im kalten Zimmer, der leere Vorratsschrank das alles stürzte Margarete in Verzweiflung. Sie hielt eisern durch, Vaters Wildfang, aber manchmal wurde alles schwer.

Dann holte sie aus dem Buffetschrank die Porzellantasse der Kaffeesatz war steinhart geworden und roch daran. Den Rest hatte Margarete damals erhalten und nicht entsorgt.

Margarete, was tust du da? fragte Tante Lena besorgt. Geh lieber Wasser holen. Mutter braucht dich!

Margarete wusste noch genau, wie sie Mutter abwehrte, als diese halb nackt vor sich hin döste, und zur Vernunft zu reden versuchte.

Komm, Mamilein, wir machen nur ein wenig den Rücken sauber. Dann kannst du dich gleich wieder hinlegen. Ich frage morgen, ob ein Arzt kommt. Nur ein bisschen waschen”, murmelte sie.

Olga schüttelte den Kopf. Sie wollte keinen Arzt, sie wollte, dass alles vorbei ist.

Lass mich, Margarete. Hol doch Lena. Geh einfach”, murrte sie, vom Laken bedeckt.

Im Zimmer war es warm Margarete hatte das Holz der letzten Küchenschränke verheizt. Der Esstisch war das Letzte, das sie nicht anzufassen wagten; für den Notfall. Doch irgendwann mussten auch Bücher, Hefte und die Tapeten im Ofen landen. Immer noch stand der Tisch im Eck; früher deckte Mutter dort die gewaschene Tischdecke, und Vater genoss seinen Kaffee aus der kleinen Tasse. Am Silvesterabend zerbrach die Tasse dann…

Margarete holte Nachbarin Lena, die alles übernahm, das Fenster schloss (sonst verkühlt sich Olga doch völlig!) und Mutter vorsichtig wusch.

Hin und wieder sprang auch Mischka, Lenas Sohn, herein. Wenn Margarete daheim war, hockten sich die beiden ans Ofenrohr, träumten sich aus der Not: Bald schaffen wir es, kauften dann so viele Süßigkeiten, wie wir tragen können!

Und ich kaufe Kaffee. Ich mache ihn in der alten Kanne, die wir noch haben! Wart, ich zeig sie dir! Margarete hüpfte zum Buffetschrank, Mutter mahnte, aber Margarete ließ nicht ab. Da! Riech mal, Mischka! So roch unser Morgen früher…

Der zehnjährige Mischka schnupperte, verschwand förmlich hinter den übergroßen Augen, sog den Geruch auf.

Nach altem, verbrannten Kaffee und Metall roch es.

Gib sie her, tausch sie gegen Brot. Margarete, hab ich gesagt! Was nutzts? Für Vater braucht ihr sie nicht mehr. Was für Kaffee jetzt noch befahl Mutter leise.

Mischka legte erschrocken die Kanne beiseite. Er vergaß manchmal ganz, dass im dunklen Zimmer noch jemand lebte.

Ich tus nicht! Niemals! Ich werde wieder Kaffee damit kochen, verstehst du, Mischka! Margarete stieß verzweifelt hervor.

Das alte Leben gibt es nicht mehr! Nimm wenigstens Essen dafür… seufzte Mutter und weinte. Sprach danach kein Wort mehr.

Als Olga gestorben war, ermahnte Nachbarin Lena Margarete, Mutter nichts nachzutragen.

Sie war immer zartbesaitet, kümmerte sich nur um Platen… Sieh, ganz für daheim, Häkeldeckchen, ein paar Bücher und Musik auf dem Klavier Mehr wars nicht. Wie kommst du jetzt allein zurecht? fragte Lena.

Margarete stand am Fenster, wartete, als würde Vater aus dem Tor treten, sein Käppi richten, und rufen: Na du Schlingel, hol den Koffer! Auf uns warten große Aufgaben!

Bald lebten Lena, Mischka und Margarete gemeinsam in einem kleinen Zimmer. Es war bescheidener als früher, aber wärmer und heimeliger.

Mischka blieb allein daheim, während Lena und Margarete in der Fabrik arbeiteten und Karten für Brot und Essen bekamen. Nachts schlichen die Kinder in die eiskalte, leere Platen-Wohnung, hockten sich zusammen auf den Boden, tuschelten, schmiedeten Pläne ihre kleinen Verschwörungen.

Wenn alles vorbei ist, bauen wir München noch schöner auf, Mischka neue Brücken, Häuser wieder, Eis gibts dann für alle, träumte Margarete.

Eis mag meine Mutter nicht, aber Kaffee berichtete Mischka sehnsüchtig. Deine Mama hat Kaffee so gut gemacht Ich habs nie gemocht, wie das roch, aber jetzt Und er schwieg, und sie auch es gab niemanden mehr, um zu bitten.

So saßen sie, bis sie ganz durchgefroren waren. Dann krochen sie zu Lena ins Bett.

Viele Angriffe später: Ihr Haus blieb stehen und irgendwo in einer Ecke der Turmkaffeekanne, versteckt wie ein Schatz.

Wenn alles vorbei ist, trinken wir Kaffee, Mischka, du wirst staunen! flüsterte Margarete und lächelte.

Träume Gott, wie sie damals träumten, sich ausmalten, wie alles besser würde. Auch wenn sie fast keine Kraft zum Reden hatten, glaubten sie doch daran.

Doch eines Tages war die Kanne plötzlich verschwunden.

Wo?! Margarete schrie, Mischka erschrak, doch Lena murmelte nur: Ich habe sie gegen Essen getauscht Kartoffeln, Dosenfleisch. Die beiden alten Silberlöffel auch… Ich wollte nur, dass ihr satt werdet

Margarete zitterte vor Schmerz. Der Verlust war schmerzlicher als der Hunger, denn daran hing das ganze vergangene Leben.

Ihr hättet nicht das Recht gehabt!, schluchzte sie in Ohnmacht.

Mischka versuchte zu trösten, doch Margarete lief zurück ins leere Elternzimmer, weinte stumm.

Die Ärzte kamen, um Mischka zu untersuchen. Auszehrung. Wir bringen ihn weg, wenn es geht. Bereitet euch vor, sagte der Arzt. Lena verzog das Gesicht, bat: Und du?

Nein, ich fahre selbst ins Lazarett, an die Front. Muss halt sein, tröstete der Arzt. Und er sagte zu Margarete: Ich erinnere mich an dich du saßt auf dem Schoß deines Vaters, ließest ihn nicht aus den Augen. Bei euch roch es immer so gut…

Nach Kaffee, half Margarete. Mutter hat ihn gemacht.

Der Arzt nickte. Ja, das war… Nun, hoffen wir auf bessere Zeiten. Er packte einen Laib Brot und ein paar Würfel Zucker aus.

Lena schob es zurück. Nimm es wieder, du brauchst es!

Der Arzt lachte: Ach was. Was wünscht ihr euch, aus fremden Landen?

Ein Fotoapparat, seufzte Mischka.

Kriegen wir!, versprach der Arzt.

Und mir… mir eine Kanne für Kaffee. Ich musste meine hergeben… Margarete wurde rot. Passen Sie auf sich auf, fügte sie ernst hinzu.

Sie winkte dem Arzt nach, als er im verschneiten Hof verschwand.

Kurze Zeit darauf wurden Margarete und Mischka nachts evakuiert, in einer Flugmaschine. Sie hatten Angst, aber da war auch Freude der Motor brummte, und die Piloten machten Mut.

Die nächste Erinnerung: strahlende Sonne in Passau, volle Bäche, süßer Melonenmost, knusprige Semmeln und frische Milch Margarete hatte ganz vergessen, wie das schmeckte.

Und dann Kaffee. Die Frau, die ihnen Unterschlupf gewährt hatte, holte eine Mühle von der Anrichte, schüttete gemahlenen Kaffee behutsam in eine Kanne und setzte sie auf die Herdplatte. Margarete rief nach Mischka doch… Es roch anders. Stark, fremdartig. Nicht wie zu Hause. Da begriff sie, dass endgültig Abschied war nicht vergessen, nur Abschied.

Tante Lena und Mischka blieben in Passau, Margarete kehrte schnell wie möglich zurück nach München.

Allmählich folgten auch andere zurück. Niemand war derselbe geblieben.

Doch in der neuen WG-Küche im Altbau war es wieder lebhaft. Es dampften Töpfe, Radio sang, helle Fenster ließen Licht und Wärme herein.

Jetzt wird alles gut, Margarete! tönte Nachbar Opa Egon. Er war noch viel grauer geworden.

Margarete schrieb sich an der Technischen Universität ein, um wie ihr Vater Ingenieurin zu werden, den Wiederaufbau selbst mitzugestalten und Mischka nachzuholen.

Eines Tages, nach der Hochschule, entdeckte sie in der Küche ihre alte Mokkakanne. Unverkennbar sie hatte einen Kratzer und die angeschlagene Emaille.

Wem gehört sie? Woher? hauchte Margarete.

Mir. Ich bin Marlies von Riedel wie die von Heine, nur älter, lachte eine Unbekannte im abgetragenen Anzug.

Das ist meine Kanne. Meine Mutter hat sie benutzt! Wie kommen Sie?

Man gab mir das Zimmer nebenan. Der Arzt, Dr. Ingold überließ mir die Kanne und einen Fotoapparat, den ich Ihnen gleich hole! Sie brachte die Kamera, Margarete schloss sie in die Arme.

Dr. Ingold? … Er versprach uns beides für Mischka und mich Danke. Und dann, nach kurzem Schweigen: Lassen Sie uns Kaffee machen, zum Versöhnen. Ist zwar Zichorie, nicht Kaffee Aber ich habe Semmeln mit Butter das ist doch Glück, oder Margarete?

Marlies’ Augen funkelten fast kindlich vor Freude so wie Mischka früher beim Eis. Margarete lächelte. Jeder hat seine eigenen Träume. Und sie können wahr werden, wenigstens ein wenig.

Und so, auch wenn der Kaffee nie wie damals schmeckte, und die hellblaue Porzellantasse verloren war Margarete war dankbar. Sie saßen zusammen, lachten, teilten Brot und Butter und hofften auf einen besseren Sommer.

Margarete war erwachsen, aber glaubte an Wunder. War es nicht ein Wunder, dass ihre Kanne zurückkam? Das sind Wunder, damit Träume wahr werden!

Ein halbes Jahr später schrieb Dr. Ingold aus Berlin an Tante Lena, und kurz darauf kam ein fröhlicher bayerischer Landbriefträger und brachte Melonen, Weintrauben, Feigen und Kaki. Alles für die Familie, ein Dank von Ingold. Nun war Lena wieder mit ihm vereint, Mischka gesund.

Margarete lächelte dem Boten nach und schickte den Fotoapparat für Mischka zurück.

Das Leben holperte weiter im Zug historischer Ereignisse stiegen immer mehr Leute zu: Marlies, dann sogar ihr verschollener Mann, später Mischka nun erwachsen, schmunzelnd und gebräunt, ohne Tante Lena und dann Margaretes Mann, Wolfgang, zurückhaltend, mit Brille, sehr schmal.

Mit Wolfgang begann Margaretes Familienleben. Seine tiefgründigen, liebevollen Augen erinnerten an die ihres Vaters. Und dann brachte Wolfgang eines Tages richtigen Kaffee.

Margarete, inzwischen schwanger, verzog das Gesicht, ertrug den Geruch nicht mehr und weinte, dass sie nie wieder Kaffee trinken könne.

Alles geht vorbei und so wurde Liesl geboren, stolzierte auf kleinen Füßen neben ihrer Mutter umher und hielt sich fest an Margaretes Hand. Sie lachte mit solch einer Freude, dass Wolfgang sie immer wieder durch die Wohnung wirbeln wollte über Sonnenschein, Wolken, Häuser hinweg.

Morgens kochte Margarete ihrem Mann Kaffee er trank ihn rasch, immer in Eile. Ganz anders als Vater, aber das war nicht mehr so wichtig. Es zählte, dass jemand da war, für den das Ritual gemacht wurde.

Danke, Margarete, ich muss los!, rief Wolfgang und küsste sie zum Abschied.

Pass auf dich auf, hauchte sie und blieb an der Tür stehen.

Vor einem Jahr starb Wolfgang das Herz, er hatte den Krieg durchlebt. Liesl fuhr mit den Kindern ans Meer, um noch einmal den goldenen Spätsommer zu genießen. Margarete ging jeden Tag spazieren, voller Dankbarkeit, dass sie München mitaufgebaut hatte. Brücken hatte sie zwar nicht neu gebaut, wie sie einst mit Mischka träumte, aber ihre Straße war wieder lebendig und voller bunter Häuser. In diesen Gassen lebte der Geist ihres Vaters, ihrer Mutter, Mischka der nun am Stock ging und doch jeden Sonntag anrief, um sie einzuladen.

Da kam er auch schon. Er winkte, nickte stockend.

Na, komm, Margarete, auf einen Kaffee in unser Café, was meinst du?

Sie setzten sich in ihr vertrautes, kleine Münchner Café, und siehe: Dort gab es immer noch diese Tassen, wie die ihrer Eltern. Heute röhrte die Kaffeemaschine, aber das störte Margarete nicht mehr.

Mischka trank gemächlich, machte ihr Komplimente. Heute, fand er, strahlten ihre Augen und ihr Lächeln.

Ach Mischka, komm, lass uns lieber Eis kaufen viel, ganz viel!, lachte Margarete.

Und erinnerst du dich, wie wir davon träumten, allen Einwohnern Eis zu schenken?, zwinkerte Mischka.

Margarete erinnerte sich.

Und manchmal sah sie im Café, hinter einer Zeitung am Fenster, ihren Vater sitzen, wie er lächelte. Neben ihm Mutter im Sonntagskleid.

Margarete verdrängte die Erinnerung, nickte der Kellnerin zu, die das Eis brachte. Ein freundliches Mädchen und Margarete hoffte für sie das Allerbeste, dass ihre Welt voller Liebe, Träume, Güte und dem Duft von Kaffee sein möge.

Denn so werden Träume wahr. Man muss weitermachen und weitergeben. Träume, die weiterleben das ist wahres Glück.

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Homy
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